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19.04.2012

Investitionsboom im mexikanischen Bergbau hält an

Einheimische Großunternehmen weiten Förderung aus / Zahlreiche Projekte in der Erschließungsphase / Von Peter Buerstedde

Mexiko-Stadt (gtai) - Der Bergbau in Mexiko zieht weiterhin umfangreiche Investitionen an. Obwohl zahlreiche Explorationsprojekte der letzten Jahre jetzt in die Erschließung großer Minenkomplexe münden, bietet das Land noch viel Potenzial, da erst ein Bruchteil der aussichtsreichen Regionen erforscht worden ist. Der Rechtsrahmen und das Abgabenregime gelten als günstig. In Lateinamerika ist Mexiko inzwischen das wichtigste Zielland für Bergbauinvestitionen. (Internetadressen)

Mexiko ist ein wichtiges Förderland, vor allem für Silber, Gold und Kupfer. Bei Silber ist das Land seit 2011 der wichtigste Produzent. Bei Kupfer konnten einige Plätze gutgemacht werden, da eine der weltweit größten Minen in Cananea nach einem jahrelangen Streik wieder die vollständige Förderung aufgenommen hat. Hier erreichte das Land 2011 weltweit die 10. Position - ebenso wie bei der Goldförderung.

Bei Fluorit verfügt Mexiko südlich von San Luís Potosí über die weltweit größten Reserven und ist nach der VR China das zweitwichtigste Förderland. Bei Bismut liegt Mexiko an dritter Stelle. Stark ist der mexikanische Bergbau außerdem bei Coelestin (Position 3), Wollastonit (4.), Cadmium (5.), Blei (5.), Molybdän (5.), Zink (7.), Baryt (8.) sowie Salz (9.).

Das Potenzial des Landes gilt als gewaltig und die steigenden Investitionszuflüsse zeigen, dass internationale Investoren sowie die einheimischen Branchenriesen dies erkannt haben. Die derzeit gültigen etwa 27.000 Bergbaukonzessionen decken lediglich 15,7% des Landes ab. Mehr als 60% der Landesfläche gilt aber als aussichtsreich. Nach Aussagen des Wirtschaftsministers Bruno Ferrari tummelten sich Anfang 2012 in Mexiko 209 Explorationsunternehmen mit rund 600 Projekten.

Damit hält der Explorationsboom der vergangenen Jahre an. Kanada ist hier mit einem Anteil von 75% der Investitionen das mit Abstand wichtigste Herkunftsland. Mexiko konnte 2011 die höchsten ausländischen Bergbauinvestitionen in Lateinamerika anziehen und nimmt auch weltweit eine der vorderen Positionen ein. Nach einem neuen Rekordniveau 2011 dürften die Investitionen 2012 erneut zweistellig ansteigen. Ende 2011 hatten Firmen für 2012 bereits Investitionen von etwa 4,5 Mrd. US$ zugesagt. Diese Summe dürfte im Jahresverlauf übertroffen werden.

Investitionen im mexikanischen Bergbau (in Mio. US$)
2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 *)
Inländische Unternehmen 1.266 1.530 2.727 2.418 2.802 4.172 3.954
Ausländische Firmen 657 626 929 440 514 559 530
Gesamt 1.923 2.156 3.656 2.858 3.316 4.731 4.484

*) angekündigte Investitionen zum Jahresende 2011

Quelle: Secretaría de Economía

Das Gros der Investitionen geht auf inländische Bergbauunternehmen zurück. Nach der Nationalisierung beziehungsweise des Herausdrängens ausländischer Investoren zugunsten mexikanischer privater Teilhaber in den 1960er und 1970er Jahren waren die Bergbauunternehmen in Mexiko zu größeren Konsortien zusammengeschlossen worden. Nach 1992 wurden diese mit der Liberalisierung der mexikanischen Wirtschaft wieder privatisiert. Heute dominieren einheimische Bergbauunternehmen den Sektor mit Ausnahme der kanadischen Firma Goldcorp, die in der Goldförderung Branchenprimus ist.

Unter den einheimischen Firmen stechen vor allem Peñoles und Grupo México hervor. Industrias Peñoles ist über das Tochterunternehmen Fresnillo der größte Silberproduzent der Welt und in Mexiko Nummer 2 in der Goldförderung nach Goldcorp. Grupo México ist einer der größten Kupferförderer und verfügt in Cananea an der Grenze zu den USA über die reichsten Kupferreserven in der Welt.

Ein Indiz für die Attraktivität des mexikanischen Bergbaus ist auch das immer stärkere Engagement des reichsten Geschäftsmanns der Welt, Carlos Slim. Im Jahr 2010 hatte er nach dem Kauf einer Goldmine seine Bergbauaktiva im Unternehmen Frisco zusammengeführt. Dass finanzstarke Unternehmen wie Frisco stärker im mexikanischen Bergbau aktiv werden, ist wichtig, da fehlendes Risikokapital in Mexiko als Hemmnis für den Sektor gilt.

Die Fördermengen sind in den vergangenen Jahren stetig nach oben geklettert und einige der größten Bergbauprojekte der letzten zwanzig Jahre konnten umgesetzt werden. Und diese Tendenz dürfte anhalten. So hatte Goldcorp 2010 im Bundesstaat Zacatecas für 1,7 Mrd. US$ die Mine Peñasquito eröffnet - mit einer Förderkapazität von 12,4 t Gold und 964 t Silber pro Jahr. Im Jahr 2011 folgten Investitionen von 400 Mio. US$ für den Ausbau der Minen Los Filos, El Sauzal und Peñasquito. Goldcorp will 2012 nach Aussagen des Generaldirektors Chuck Jannes etwa 23 bis 30% mehr Gold in Mexiko fördern als 2011. Die Silberförderung soll mit 42% noch stärker zunehmen. Dazu dürften vor allem die neuen Minen Camino Rojo und Noche Buena ebenfalls im Bundesstaat Zacatecas beitragen.

Fördermengen der wichtigsten Mineralien in Mexiko (in t, Veränderung 2011 in % gegenüber Vorjahr)
2008 2009 2010 2011 Veränderung 2010/11
Gold 51 62 79 87 +10,1
Silber 3.236 3.553 4.411 4.753 +7,8
Blei 141.173 142.838 192.062 209.427 +9,0
Kupfer 246.593 240.648 270.136 440.329 +63,0
Zink 453.588 489.766 570.004 603.231 +5,8

Quelle: Statistikamt INEGI

Nach Peñasquito 2010 begann 2011 der Testbetrieb in einem weiteren Großvorhaben, der Mine El Boleo in Santa Rosalia im Bundesstaat Baja California Sur mit Gesamtinvestitionen von etwa 1,2 Mrd. US$. Das Vorhaben gehört zu 70% dem kanadischen Unternehmen Baja Mining und zu 30% einem koreanischen Konsortium. Die Kupferproduktion soll Anfang 2013 beginnen. Bei Vollbetrieb ab 2014 ist eine Jahresproduktion von 57.000 t Kupfer, 1.700 t Kobalt und 25.400 t Zink geplant.

Gleichzeitig hat Grupo México ein umfangreiches Investitionsprogramm in der Kupfermine Buenavista del Cobre aufgelegt. Die Mine war nach Beendigung eines langjährigen Streiks 2011 von Cananea zu Buenavista del Cobre umbenannt worden. Hier soll durch Investitionen von etwa 2,5 Mrd. US$ die Förderung von 2011 mit rund 170.000 t auf 488.000 t bis 2015 gesteigert werden. Buenavista ist das Herzstück einer ambitionierten Expansionsstrategie von Grupo México, um die Kupferproduktion von etwa 800.000 t pro Jahr auf 1,4 Mio. t innerhalb von fünf Jahren anzuheben.

Ein weiteres Großprojekt von Grupo México, die Mine El Arco im Bundesstaat Baja California Norte mit einem geschätzten Investitionsbedarf von 1,55 Mrd. US$, steht allerdings weiter still. Dem Vernehmen nach konnten die Konflikte mit lokalen Grundeigentümern noch nicht gelöst werden. Das Projekt sieht einen Ausstoß von 190.000 t Kupfer und 105.000 Unzen Silber pro Jahr vor. In der Umsetzung ist 2012 aber die Reaktivierung der Kupfermine Angangueo in Michoacan für 136 Mio. US$.

Auch der zweite einheimische Branchenriese Peñoles investiert kräftig. Im Jahr 2011 hatte die 100%ige Tochterfirma Fresnillo die Silbermine El Saucito in Zacatecas für 309 Mio. US$ eröffnet. Fresnillo hatte 2011 etwa 448.000 Unzen Gold und 41,8 Mio. Unzen Silber gefördert. Im Jahr 2018 sollen es 500.000 Unzen Gold und 65 Mio. Unzen Silber werden.

Der Rechtsrahmen in Mexiko gilt als überaus günstig. Bergbauunternehmen zahlen keine Bergbauabgaben nach Fördermenge sondern eine nach Fläche berechnete Konzessionsabgabe neben der Gewinnsteuer. Unternehmen beklagen jedoch unklare Landbesitzverhältnisse sowie hohe Stromtarife. Land ist in Mexiko vielfach noch in gemeinschaftlichem Besitz und den Bergbauunternehmen fällt es oftmals schwer mit allen Einzeleigentümern eine rechtssichere Einigung zu erzielen. Hinzu kommen Arbeitskonflikte wie im Falle Cananea (Buenavista del Cobre), wo staatliche Institutionen den Firmen nicht immer zur Durchsetzung ihrer Rechte verhelfen. Von Bedeutung sind zudem Umweltbedenken und hier vor allem die knappen Wasserressourcen des Landes.

Hohe Stromtarife haben in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass Bergbauunternehmen eigene Stromkapazitäten aufgebaut haben. So hat Siemens etwa für Grupo México Gas-und-Dampf-Kombi-Kraftwerke gebaut. Peñoles hat 2011 die erste Phase eines Windparks in Oaxaca ans Netz angeschlossen. Für Energie- und Energieeffizienz-Projekte bieten sich somit gute Rahmenbedingungen im Sektor.

Internetadressen:

Cámara Minera de Mexico (Camimex, Bergbaukammer): http://www.camimex.org.mx

Secretaría de Economia (Wirtschaftsministerium): http://www.economia.gob.mx

Dirección General de Minería (Behörde des Wirtschaftsministeriums): http://www.economia-dgm.gob.mx

Grupo México: http://www.gmexico.com

Industrias Peñoles: http://www.penoles.com.mx

Fresnillo: http://www.fresnilloplc.com

Goldcorp México: http://www.goldcorp.com

Minera Frisco: http://www.minerafrisco.com

Deutsch-Mexikanische Industrie- und Handelskammer (Camexa): http://www.mexiko.ahk.de

Dieser Artikel ist relevant für:

Mexiko Bergbau / Rohstoffe, allgemein

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