Internationale Märkte

Globus

Unser Länderwissen auf einen Blick

Logo Deutsche Auslandshandelskammern (AHK)  | © DIHK

Deutsche Auslandshandels-kammern

AHK

25.04.2012

Kasachische Automobilproduzenten nehmen Fahrt auf

Zollunion sorgt für Absatzboom der inländischen Hersteller / Montagewerke bauen Kapazitäten aus / Von Fabian Nemitz

Almaty (gtai) - Prägten bislang Importwagen den kasachischen Automobilmarkt, so gewinnen nun die inländischen Hersteller zunehmend an Bedeutung. Zwar ist deren Ausstoß noch überschaubar, doch die Autoschmieden verfolgen ehrgeizige Ausbauprogramme. Der starke Anstieg der Zollsätze für importierte Pkw in den vergangenen Jahren und die Erweiterung des Binnenmarktes mit Gründung der Zollunion fördern diese Entwicklung. Wachsende Stückzahlen könnten zum Aufbau einer Kfz-Teile-Produktion führen. (Kontaktanschrift)

Die kasachische Automobilbranche kann auf keine lange Tradition zurückblicken. Wegen der Anhebung der Importzölle für Neu- und Gebrauchtwagen in den vergangenen Jahren, der Gründung der Zollunion mit Russland und Belarus sowie staatlicher Förderprogramme bekommt sie jedoch zunehmend Aufwind. Dabei spezialisieren sich die kasachischen Automobilhersteller auf die Montage von Modellen der Klein- und Mittelklasse sowie von Geländewagen, insbesondere südkoreanischer und russischer Anbieter. Diese sprechen eine breite Käuferschicht an, denn importierte Gebrauchtwagen sind wegen der hohen Zollsätze weniger attraktiv geworden. Insgesamt konnten die kasachischen Produzenten ihre Fertigung 2011 um rund 160% auf 8.195 Pkw steigern, wie das Marktforschungsinstitut Qncepto berichtet.

Größter einheimischer Automobilhersteller ist das Unternehmen AO Asija Awto (http://www.aziaavto.kz), das 2003 mit der Montage eines Geländewagens der russischen Marke Lada begann. Inzwischen laufen bei AO Asija Awto insgesamt 20 Modelle der Marken KIA, Skoda, Chevrolet, Lada und Cadillac vom Band. Im Jahr 2011 wurden 7.326 Pkw in dem Werk in Öskemen (russisch: Ust-Kamenogorsk) montiert. Das sind knapp 140% mehr als 2010. Im Jahr 2012 will die Autoschmiede ihre Produktion auf über 16.000 Pkw mehr als verdoppeln.

Gegenwärtig liegen die Produktionskapazitäten von Asija Awto bei 25.000 bis 30.000 Einheiten pro Jahr. Doch das Unternehmen verfolgt hohe Ziele und investiert kräftig. Langfristig werden ein voller Produktionszyklus (inklusive Zulieferindustrie) und eine Jahreskapazität von 120.000 Autos angestrebt. Das auf 514 Mio. US$ geschätzte Vorhaben ist Teil einer staatlich geförderten Industrialisierungsinitiative.

Inzwischen haben auch die beiden kasachischen Firmen AgromaschHolding und der Kfz-Händler Allur Auto, die seit Herbst 2010 im Werk von AgromaschHolding (http://www.cas-agro.kz) in Kostanai mehrere Modelle des südkoreanischen Herstellers Ssang Yong Motor montieren, ihre Ausbaupläne konkretisiert: Ende 2011 wurde ein Lizenzvertrag über die Montage eines Geländewagens, der ausschließlich in Kasachstan gebaut werden soll, mit den Koreanern unterzeichnet. Im April 2013 soll die Fertigung des "Nomad" - so der geplante Name des Modells - aufgenommen werden. Laut Angaben von Andrej Lawrentjew, Generaldirektor von Allur Auto, liegen die Investitionskosten bei rund 175 Mio. $. Davon entfallen 75 Mio. $ auf den Kauf der Maschinen und Anlagen sowie 20 Mio. $ auf die Anpassung der bestehenden Gebäude. Weitere 80 Mio. $ sind für den Aufbau eines Händlernetzes sowie von Servicezentren vorgesehen. Der kasachische Anteil an der Fertigung soll zunächst 30% betragen.

Für das erste Jahr ist die Montage von 5.000 bis 7.000 "Nomad" angestrebt. Der Verkaufspreis des Fahrzeuges in der Grundausstattung wird bei 22.000 $ liegen. Später soll die jährliche Produktion auf bis zu 25.000 Pkw erhöht werden. Rund 70% davon sind für den Export vorgesehen, insbesondere nach Russland.

Daneben hat das Unternehmen im Frühjahr 2012 mit der Montage des Modells "Lanos" des ukrainischen Automobilherstellers ZAZ begonnen. In Kasachstan soll dieses Auto unter der Bezeichnung "Chance" angeboten werden und kostet je nach Ausstattung zwischen 9.000 und 13.500 $. Laut Presseberichten wird davon ausgegangen, dass 2012 mehr als 3.000 "Chance" vom Band rollen. Innerhalb von drei Jahren sei ein Ausbau der Kapazität auf 10.000 Pkw pro Jahr geplant. Außerdem führt die Autoschmiede in Kostanai Verhandlungen mit der russischen Firma OAO Sollers über die Aufnahme der Montage der Modelle "Patriot" und "PickUp" des russischen Herstellers UAZ.

Die Dreier-Zollunion mit Belarus und Russland öffnet den kasachischen Kfz-Herstellern seit dem 1.7.11 ein Absatzmarkt mit rund 170 Mio. Verbrauchern. Nur für den kasachischen Binnenmarkt mit seinen gut 16 Mio. Einwohnern würden sich die Investitionen kaum rechnen. Bei den Exportplänen kommt den Unternehmen auch die geografische Lage entgegen. Die beiden Standorte Öskemen (Asija Awto) und Kostanai (AgromaschHolding) liegen im Norden Kasachstans, nahe der Grenze zu Russland. Dadurch bietet sich eine gute Ausgangslage für den Export der Fahrzeuge nach Sibirien und in die russischen Regionen am Pazifik, die von den genannten Standorten einfacher zu bedienen sein dürften als von den Zentren der russischen Kfz-Industrie im Westen Russlands.

Erfüllen sich die ehrgeizigen Pläne der kasachischen Pkw-Produzenten, könnte auch die Fertigung von Kfz-Teilen vor Ort in Gang kommen, die sich erst ab höheren Stückzahlen rechnet. Dies käme den Bemühungen der kasachischen Regierung entgegen, den lokal gefertigten Anteil zu erhöhen und würde auch deutschen Kfz-Teile-Herstellern Einstiegschancen eröffnen.

Kontaktanschrift

AKAB (Assoziazija Kasachstanskogo AwtoBisnessa)

Verband der Kfz-Branche Kasachstans

Prospekt Sujunbaja 38A, 050050 Almaty

Tel.: 007 727/300-70 45; Fax: -55 55

E-Mail: akab.rk@gmail.com; Internet: http://www.akab.kz

(N.M.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Kasachstan Kfz-Teile, -Zubehör (ohne Brennstoffzellen), Personenkraftwagen (Pkw)