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25.04.2012

Gute Perspektiven für erneuerbare Energien in Mexiko

Ambitionierte staatliche Ziele / Windenergie im Fokus / Von Peter Buerstedde

Mexiko-Stadt (gtai) - Die Investitionen in erneuerbare Energien in Mexiko schalten 2012 einen Gang hoch. Nach der Vergabe von zwei Windparks 2011 dürfte der Staat sein Engagement zunächst bis nach den Wahlen im Juni 2012 ruhen lassen. Zahlreiche Projekte werden aber weiterhin seitens der Privatwirtschaft umgesetzt. Dabei steht die Windenergie im Fokus. Auch die Solarenergie sowie die Biogasnutzung gewinnen an Bedeutung. (Internetadressen)

Mexiko ist es gelungen, ohne Einspeisevergütung oder direkte Subventionen umfangreiche Investitionen in erneuerbare Energiequellen anzustoßen. Ein Anreiz ist, dass für Ausrüstungen zur Stromerzeugung keine Einfuhrzölle gezahlt werden und sie im ersten Jahr der Nutzung voll abgeschrieben werden können. Die Attraktivität der erneuerbaren Energien für Investoren geht aber in erster Linie auf die relativ hohen Stromtarife für gewerbliche Abnehmer zurück.

Eine wichtige Triebkraft zum Ausbau erneuerbarer Energiequellen sind Großprojekte zur Stromerzeugung als Selbstversorger. Rechtlich obliegt die Stromerzeugung und -verteilung in Mexiko dem Staatsmonopolisten CFE (Comisión Federal de Electricidad). Durch eine Energiereform ist es Privatfirmen aber 1991 ermöglicht worden, für den Eigenbedarf (oder den eines Konsortiums) Strom zu erzeugen. Der Staat erlaubt es den Selbstversorgern, Strom ins CFE-Netz einzuspeisen und zu einem anderen Zeitpunkt innerhalb eines Kalenderjahres wieder zu beziehen.

Diese Möglichkeit - gekoppelt mit sehr günstigen Bedingungen für die Windkraft in einigen Landesteilen - haben zu einer Fülle von Projekten geführt. Unter anderem haben Großunternehmen wie Walmart, Bimbo, Grupo Modelo, Mittal, Cemex und Herdez Windparks für den Eigenbedarf planen oder bereits bauen lassen. Jüngstes Beispiel ist der bisher größte Windpark des Landes mit einer Leistung von 396 MW, den die spanische Firma Acciona für den größten Coca-Cola-Abfüller des Landes Femsa sowie für Heineken in Mexiko baut.

Das Hauptaugenmerk der Investoren gilt der Landenge von Tehuantepec, wo starke und verlässliche Winde wehen. Mit Stand Ende Februar 2012 befanden sich laut der Aufsichtsbehörde für den Stromsektor CRE (Comisión Reguladora de Energía) elf von den insgesamt 14 aktiven Windkraftprojekten in Mexiko in dieser Region. Die 14 Projekte umfassen eine installierte Kapazität von insgesamt 1.157 MW für Investitionen von etwa 2,3 Mrd. US$. Genehmigungen hatten zu dem Zeitpunkt weitere 15 Projekte mit einer Kapazität von 2.069 MW und Investitionen von 4,1 Mrd. US$ erhalten. Neun Vorhaben, die nach Angaben von CRE bereits im Bau sind, sollen 2012 und 2013 ans Netz gehen. Weitere sechs Projekte, wo der Baustart noch bevorsteht, sollen 2013, 2014 und 2015 folgen.

Nach der Aufstellung der Regulierungsbehörde befanden sich Ende Februar 2012 drei Projekte, die eigentlich schon 2011 ans Netz gehen sollten, noch im Bau. Die Verzögerungen gehen vor allem auf Finanzierungsengpässe und Konflikte mit Grundeigentümern zurück. Da vor allem in der Region Tehuantepec das Land zumeist in gemeinschaftlichem Besitz ist, müssen sich die Entwicklerfirmen mit vielen einzelnen Eigentümern einigen. Im Jahr 2012 dürfte der Ausbau wieder zügiger voranschreiten.

Ein Indikator für das künftige Ausbauvolumen in der Windkraft sind die von der CFE eingeholten Interessensbekundungen der Unternehmen für Übertragungskapazitäten. Vor allem für die entlegene Landenge von Tehuantepec müssen Starkstromtrassen gebaut werden, um den erzeugten Strom in die Ballungsräume des Landesinneren zu leiten.

Dafür holt die CFE Interessenbekundungen der Entwicklerfirmen ein und diese bieten über die Höhe der Kostenbeteiligung um Aufnahme in das Kontingent. Zunächst waren in einer ersten Runde für 2 GW an Windparks die Zuschläge erteilt worden. Die derzeitige zweite Runde sieht Kapazitäten von 4 GW vor. Dafür erhielten 13 Projekte mit einer Kapazität von etwa 2.800 MW im Oktober 2011 den Zuschlag. Weitere Firmen sollten sich für verbleibende Kapazitäten von etwa 450 MW zu einem höheren Beitrag verpflichten, als sie ursprünglich geboten hatten. Die Ausbauarbeiten für die Netze sollen im 2. Quartal 2013 ausgeschrieben werden.

Parallel zu den privaten Vorhaben hat auch der Staat einige Projekte in der Windkraft und in der Solarenergie vorangetrieben. Dies geschieht in Form von exklusiven Langzeitverträgen mit der CFE durch sogenannte unabhängige Stromerzeuger (Productores Independientes), die ausschließlich für das nationale Stromnetz der CFE Elektrizität erzeugen. Unter dieser Modalität bestanden Ende Februar 2012 bereits fünf Windparks mit einer Kapazität von insgesamt 510,9 MW - alle in der Landenge von Tehuantepec. Bei der zweiten Vergaberunde von Übertragungskapazitäten für neue Windparks wurden weitere 800 MW für die CFE reserviert. Allerdings stehen hier die Projekte noch nicht fest und dürften frühestens mit Amtsantritt einer neuen Regierung Ende 2012 in Angriff genommen werden.

Noch sehr viel zaghafter kommt bisher der Ausbau der Solarenergie voran. Die CFE hat im Frühjahr 2012 zwei erste Projekte für Solarparks vergeben. Ein Vorhaben mit 5 MW installierter Leistung ging an die spanische Firma Iberdrola. Für 1 MW erhielt das Unternehmen Condumex den Zuschlag. Hinzu kommen zahlreiche kleinere Projekte für entlegene Siedlungen oder aber als Prestige-Vorhaben für Unternehmen.

Zudem zahlen in Mexiko etwa 2 Mio. Haushalte nicht subventionierte Großverbraucher-Tarife für ihren Strom. Mit der Stromerzeugung eines Solar-Dachmoduls kann der jeweilige Haushalt unter die Verbrauchsgrenze für den Großverbrauchertarif fallen und den Reststrom dann zu einem weitaus niedrigeren Tarif bezahlen. Je nach Verbrauch, Größe der Anlage und möglicher Finanzierungsform können sehr kurze Rückzahlungszeiträume von bis zu 2 Jahren und Renditen im höheren zweistelligen Bereich erreicht werden.

Interessante Möglichkeiten bieten sich auch in der Biogasnutzung - vor allem bei der Schweinehaltung sowie auf kommunalen Mülldeponien. Ende Februar 2012 wurde ein Projekt auf der Deponie von Mexiko-Stadt ausgeschrieben. Für die Gasgewinnung sind nach einer ersten Studie 1.507 Gasbrunnen notwendig. Mit dem Gas soll eine 43,8-MW-Anlage betrieben werden.

Die Regierung hat derweil ehrgeizige Ziele vorgegeben. Nach einer Änderung des Gesetzes für die Nutzung erneuerbarer Energiequellen und die Finanzierung der Energiewende (Ley para el Aprovechamiento de Energias Renovables y el Financiamiento de la Transición Energetica, LAERFTE) im Juni 2011 soll ab 2024 mindestens 35% der Stromerzeugung auf nicht-fossilen Energieträgern beruhen. Ab 2035 sollen es bereits 40% sein und 2050 sogar 50%. Im Jahr 2011 entfielen 24,5% oder 15.163 MW der installierten Kapazität von 61.770 MW auf nicht-fossile Energieträger.

Auf der Basis dieser Zielvorgaben hat das Energieministerium in einer neuen Energiestrategie für den Zeitraum 2012 bis 2026 verschiedene Szenarien entwickelt. Im Fokus stehen die Kernenergie sowie die Windkraft.

Szenario 1 beruht auf dem Ausbau der Windenergie um 28.411 MW - gekoppelt mit Reserve-Kapazitäten von 7.857 MW an Gas-Kraftwerken als Ausgleich und verzichtet auf einen Ausbau der Kernenergie. Eine Studie des Ministeriums gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen PWC und verschiedenen Akteuren der Industrie hat zwar in Mexiko ein Windenergiepotenzial von mehr als 50.000 MW ermittelt. Allerdings sei aufgrund der niedrigen Erdgas-Preise davon nur etwa 40% oder 20.000 MW bis 2020 wirtschaftlich sinnvoll zu erschließen. Das Ministerium erwartet daher, dass ein Teil der 2026 benötigten Zusatzkapazitäten aus anderen erneuerbaren Quellen kommen wird.

Szenario 2 setzt voll auf den Ausbau der Kernenergie und sieht den Bau von sieben oder acht Kernkraftwerken mit einer Leistung von jeweils 1.400 MW zusätzlich zu den zwei bestehenden Blöcken in Laguna Verde im Bundesstaat Veracruz vor. Szenario 3 sieht eine Mischung von Kern- und Windenergie vor mit dem Bau von lediglich zwei Kernkraftwerken mit jeweils 1.400 MW sowie 20.800 MW an Windkraftleistung. Hinzu kommen 5.792 MW an Gaskraftwerken als Ausgleich.

Die Energiestrategie enthält allerdings weder eine Politikempfehlung noch einen Maßnahmenkatalog zur Erreichung eines bestimmten Energiemixes. So bleibt es der neuen Regierung ab 2013 überlassen, die Rolle des mexikanischen Staates im Ausbau erneuerbarer Energien neu zu definieren. Bis dahin werden die wichtigsten Impulse weiter vom Privatsektor ausgehen.

Internetadressen:

Windkraftverband AMDEE: http://www.amdee.org

Solarenergie-Verband ANES: http://www.anes.org

Comisión Reguladora de Energía (CRE): http://www.cre.gob.mx

Portal für Erneuerbare Energien des Energieministerium: http://www.renovables.gob.mx

Energieministerium: http://www.sener.gob.mx

(P.B.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Mexiko Strom-/ Energieerzeugung, Solar, Strom-/ Energieerzeugung, Wind

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