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30.04.2012

Automobilzulieferer investieren wieder verstärkt in Rumänien

Das deutsche Unternehmen Kirchhoff liefert für das neue Ford-Modell "B-Max" Karosserie-Teile / Von Annika Pattberg

Bukarest (gtai) - Rumänien ist von internationalen Automobilzulieferern wieder verstärkt als Produktionsstandort gefragt. Der deutsche Zulieferer Kirchhoff hat am 25.4.12 eine Produktionsstätte auf dem Ford-Gelände in Craiova (Südwest-Rumänien) eröffnet. Dort wird Ford voraussichtlich im Juni 2012 die Produktion des neuen Modells "B-Max" starten. Kirchhoff liefert dafür Karosserie-Teile. Die Stahlteile werden in Deutschland und Ungarn vorgefertigt und mit Hilfe von Robotern in Craiova zusammengeschweißt. (Kontaktanschriften)

Große Zulieferbetriebe wie beispielsweise Bosch, Continental, Dräxlmaier und Leoni gehören schon seit vielen Jahren zu den wichtigsten Arbeitgebern in Rumänien. Sie dürften den Standort vor allem aufgrund der niedrigen Lohnkosten gewählt haben. In den meisten Zulieferbetrieben ist der Anteil der Tätigkeiten, die manuell erledigt werden, immer noch sehr hoch.

Bei der Eröffnung von Kirchhoff zeigten sich einige Besucher dementsprechend überrascht über die neueste Technik, die in Craiova zum Einsatz kommt. Das Unternehmen aus dem Sauerland setzt bei der Produktion vor allem moderne Roboter von ABB ein. Nicht nur für rumänische Maßstäbe sind die Produktionsanlagen in Craiova besonders modern, sondern auch für den Investor selbst. "Das neue Werk in Rumänien ist das modernste Werk von Kirchhoff", erklärte Andreas Heine, Leiter Kommunikation & Marketing von Kirchhoff Automotive bei der Eröffnung der neuen Produktionsanlagen. Gemessen an der Mitarbeiterzahl gehört Kirchhoff mit nur knapp 200 Mitarbeitern eher zu den kleineren Zulieferbetrieben in dem Karpatenland.

Rumänien ist traditionell ein sehr wichtiger Standort für die Automobilindustrie. Die Automarke Dacia (Renault), die in der Nähe von Pitesti produziert wird, zählt als rumänischer Exportschlager.

Im Jahr 2008 übernahm das US-amerikanische Automobilunternehmen Ford im Rahmen einer Brownfield-Investition alte Produktionsanlagen in Craiova. In Craiova war früher die rumänische Marke Oltcit in Kooperation mit Citroen (Frankreich) produziert worden. Vor Ford hatte auch Daewoo (Südkorea) einen Markteinstieg auf dem alten Oltcit-Gelände gewagt, musste sich dann allerdings aus finanziellen Gründen wieder zurückziehen.

Ford startete zunächst mit der Montage und dann mit der Produktion des Modells "Transit Connect". Die Fertigung wurde inzwischen allerdings nach Spanien verlegt. Momentan stehen die Förderbänder in Craiova still. Die Vorbereitungen für die anstehende Massenproduktion des Kleinwagen-Modells "B-Max" sollen aber auf Hochtouren laufen. US-amerikanische, kanadische, deutsche und englische Ford-Mitarbeiter sind vor Ort. Der Produktionsstart ist für Juni 2012 angedacht. Die Modelle sollen unter anderem nach Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien exportiert werden.

Ärger hatte es in der jüngsten Vergangenheit wegen der versprochenen Staatshilfen für die Großinvestition von Ford gegeben. Da sowohl die Investitionen als auch die bisherigen Produktionszahlen geringer als geplant ausfielen, hatte der rumänische Staat einen Teil der versprochenen Subventionen wieder gekürzt. Ford beklagt sich laut rumänischen Medienberichten hingegen, dass der Staat sein Versprechen nur bedingt eingehalten hat, in die örtliche Infrastruktur zu investieren.

Einen noch größeren Umsatz als die beiden Automobilbauer Dacia und Ford zusammen erwirtschaften die zahlreichen Automobil-Zulieferer in Rumänien. Besonders viele deutsche Zulieferer haben sich im westrumänischen Banat sowie im Raum Sibiu (Hermannstadt) und in der Gegend Brasov (Kronstadt) angesiedelt. In all diesen Regionen spricht ein großer Anteil der Bevölkerung Deutsch. Im westrumänischen Banat kommt als weiterer Standortvorteil die geografische Nähe zu Deutschland hinzu. Nach Angaben von Branchenkennern wird in Deutschland kein Auto ohne Teile aus Rumänien produziert.

In der jüngeren Vergangenheit hat das Interesse der internationalen Automobilbranche am Standort Rumänien aus mehreren Gründen weiter zugenommen. Zum einen kamen mit dem Markteinstieg von Ford weitere Zulieferbetriebe wie Kirchhoff hinzu. Johnson Controls eröffnete Anfang 2012 in Craiova ein Werk für Autositze, die ebenfalls für Ford bestimmt sind. Neue Aufträge durch Ford gibt es auch für die Zulieferer Röchling und IAC.

Zusätzlich sorgt die Situation auf den Konkurrenzmärkten für ein steigendes Interesse an Rumänien. "Wir bemerken aufgrund der steigenden Lohnkosten in China und der anhaltend schwierigen Situation in Nord-Afrika ein verstärktes Interesse von deutschen Automobilzulieferern bei der Suche nach einem Produktionsort in Rumänien", erklärte Iuliana Rusu von der AHK Rumänien gegenüber Germany Trade & Invest. Die AHK Rumänien gilt als erste Anlaufstelle für deutsche Unternehmen, die in Rumänien investieren möchten.

Nicht nur in Rumänien, sondern in der gesamten Region ist ein wachsendes Interesse seitens der Zulieferindustrie bemerkbar. So hat Dräxlmaier sein Werk in der Republik Moldau stark ausgebaut. Der ebenfalls deutsche Zulieferer Kostal eröffnete 2011 eine Fabrik für Lenkstockschalter in Smoljan (Bulgarien). Weitere deutsche Zulieferer sind bereits seit mehreren Jahren auf dem bulgarischen Markt vertreten. Mindestens einer von ihnen erwägt derzeit eine Expansion.

Kontaktanschriften:

AHK Rumänien

Ansprechpartnerin: Iuliana Rusu, Manager Investment & Human Resources

Strada Clucerului 35, 011363 Bukarest

Tel.: 0040 21/207 91 49, Fax: -223 15 38

E-Mail: rusu.iuliana@ahkrumaenien.ro, Internet: http://rumaenien.ahk.de

AHK Bulgarien

Ansprechpartner: Andreas Schäfer, stellvertretender Geschäftsführer

F. Joliot-Curie Str. 25 A, 1113 Sofia

Tel.: 00359 2/8 16 30-20, Fax: -19

E-Mail: andreas.schaefer@ahk.bg, Internet: http://bulgarien.ahk.de

(A.P.)

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Rumänien Kfz-Teile, -Zubehör (ohne Brennstoffzellen), Personenkraftwagen (Pkw)

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