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01.05.2012

Polens Flughäfen bereit für den Fan-Ansturm zur EM

Weiterer Ausbau der Kapazitäten / Viele regionale Airport-Projekte / Von Beatrice Repetzki

Warschau (gtai) - Die polnischen Flughäfen sind gut auf den Fan-Ansturm zur Fußball-Europameisterschaft vorbereitet, die am 8.6.12 beginnt. An den beiden Austragungsorten Wroclaw (Breslau) und Gdansk (Danzig) sind neue Terminals übergeben worden. Warschau erhält einen Charter-Airport. Den Zentralflughafen der Hauptstadt wird rechtzeitig eine neue Bahnlinie mit dem Hauptbahnhof verbinden. Auch nach dem Sportgroßereignis geht der Ausbau der Flughäfen weiter, da die Zahl der Passagiere rapide zunimmt.

Zur Fußball-EM werden etwa eine Million Fans aus dem Ausland erwartet. Diese wollen zusammen mit den zahlreichen inländischen Fans durch Polen zu den vier Austragungsorten Warszawa (Warschau), Poznan (Posen), Wroclaw (Breslau) und Gdansk (Danzig) reisen. Für die Verkehrsinfrastruktur des Landes, das derzeit als die größte Baustelle Europas gilt, ist das Sportereignis eine große Herausforderung.

Zahlreiche Verkehrsinfrastrukturprojekte, darunter sehr umfangreiche Vorhaben, mussten im Zusammengang mit der Fußball-EM in Angriff genommen werden. Kofinanziert werden sie von der EU; allein aus dem Haushalt 2007 bis 2013 sind es 19 Mrd. Euro. Laut der für die EM-Projekte zuständigen Gesellschaft PL.2012 waren drei Monate vor Auftakt der Spiele knapp zwei Drittel (64%) der damit in Zusammenhang stehenden Vorhaben beendet oder lagen im Zeitplan. Dazu zählen die vier Stadien.

Auch die notwendige Infrastruktur für den Flugverkehr ist vorhanden. Die Flughäfen bei den Austragungsorten sind rechtzeitig zur EM fertig. Bereits im Sommer 2011 wurden neue Teile des Terminal 2 von Polens größtem Flughafen, Okecie namens Fryderyk Chopin, in Warschau eröffnet. Die Bahnverbindung vom Airport zum Zentralbahnhof soll am 1.6.12 in Betrieb genommen werden, genau eine Woche vor dem ersten EM-Spiel, das in der polnischen Hauptstadt stattfindet. Einige Dutzend nach dem Naturgeist "Elf" benannte Züge haben die Betreiber dafür bereits beschafft.

Die Elf-Züge sollen erst nach der EM weiter zu dem fast fertigen Charter-Airport Modlin fahren können, der 35 km von Warschau entfernt liegt. Als erste Passagiere soll dieser im Juni Fußball-Fans abfertigen und am 18.7.12 dann seinen regulären Betrieb aufnehmen. Seine Kapazität wird maximal 1,8 Mio. Reisende jährlich erreichen. Er entsteht auf einer Fläche von 300 ha auf der Basis eines ehemaligen Militärflughafens. Die Baukosten des Flughafens (ohne weitere Infrastrukturmaßnahmen) werden auf 305 Mio. Zloty (Zl; rund 73 Mio. Euro, 1 Euro = 4,19 Zl; Stand: 19.4.12) veranschlagt; die EU steuert 76 Mio. Zl bei.

Auf dem Airport Okecie wird nach der EM damit begonnen, den 1992 errichteten Terminal 1 bis auf sein Skelett abzureißen, so dass er in den neuen Terminal 2 integriert werden kann. Das Projekt, dessen Kosten auf 500 Mio. Zl veranschlagt werden, soll Mitte 2014 abgeschlossen sein. Im Jahr 2011 fertigte der Airport Okecie über 9,3 Millionen Passagiere ab; an die Grenzen seiner künftigen Höchstkapazität von 15 Mio. Passagieren dürfte er 2016 stoßen.

Längerfristig wird daher erwogen, im Großraum Lodz (Lodsch), dem Zentrum des Landes, einen neuen Großflughafen zu bauen, der das weiter wachsende Passagier-Aufkommen bewältigen kann. Dieses soll laut dem Ministerium für Transport, Bau und Meereswirtschaft (http://www.transport.gov.pl) von rund 20 Mio. im Jahr 2011 bis 2015 auf etwa 30 Mio. und bis 2025 auf 50 Mio. Reisende rapide ansteigen. Daher werden auch regionale Flughäfen ausgebaut, die gegenüber dem Warschauer Airport an Bedeutung gewinnen.

Die EU stellt den polnischen Flughäfen in ihrem Haushalt 2007 bis 2013 Mittel in Höhe von 400 Mio. Euro zur Verfügung, die diese bis 2015 ausgeben müssen. Diese Mittel stammen sowohl aus den Regionalen Operationellen Programmen (ROP), als auch aus dem Operationellen Programm Infrastruktur und Umwelt (OPIuU; rund 1,3 Mrd. Zl), welches Projekte des Transeuropäischen Transportnetzes TEN-T unterstützt. Die Flughäfen investieren vor allem in neue Terminals, Standflächen für Flugzeuge sowie Start- und Landebahnen.

Auf dem Flughafen Wroclaw wurde Mitte März 2012 ein neuer Terminal übergeben, in dem jährlich vier Millionen Passagiere abgefertigt werden können. Er wurde von dem deutsch-polnischen Konsortium Hochtief Polska für 300 Mio. Zl errichtet. Anfang April passierten dann die ersten Fluggäste den neuen Terminal 2 des Danziger Lech-Walesa-Flughafens. Dadurch verdoppelt sich dessen Kapazität auf fünf Millionen Passagiere jährlich. Auch Terminal 1 ist umgebaut und die Infrastruktur angepasst worden.

In Poznan wurde die Fluginfrastruktur für die EM modernisiert. Im Bau ist ein neuer Abflug-Terminal durch Hochtief Polska (96 Mio. Zl), der aber erst ein Jahr nach dem Sportereignis, im 2. Quartal 2013, die ersten Passagiere begrüßen wird. EM-Gäste können auch einen kleinen Flughafen bei Gdynia (Gdingen) ansteuern, auf dem Privat-Jets, Charter- und Frachtflugzeuge landen können.

Fußball-Fans, die es zu dem ukrainischen Austragungsort L'viv (Lemberg) zieht, steht seit Mitte April 2012 ein vergrößerter Flughafen in Rzeszow in Südostpolen zur Verfügung. Eröffnet wurde dort ein für 103 Mio. Zl gebauter Terminal, den die EU mit 37,7 Mio. Zl förderte. Schon vor dessen Eröffnung wies Rzeszow im 1. Quartal 2012 das landesweit größte Wachstum der Passagierzahlen auf: Sie stiegen um 28,5% auf 109.000 Personen.

Das Passagieraufkommen nahm landesweit gegenüber dem 1. Quartal 2011 um 10% zu auf rund 4,4 Mio. Reisende. Dieser Zuwachs ist unter anderem auf das Angebot günstiger Inlandsflüge durch die Gesellschaft OLT Express zurückzuführen. Der Warschauer Airport verzeichnete ein Wachstum von 8,5%. Doch entfielen auf ihn mit 1,9 Mio. deutlich weniger als die Hälfte aller Passagiere.

Von der Bedeutung her folgen die Flughäfen Krakow (Krakau) und Gdansk. Der Danziger Airport verzeichnete im 1. Quartal 2012 bei der Zahl der Passagiere ein Plus von 12%. Sein Vorsitzender Tomasz Kloskowski erwartet durch die EM und die Sommerferien für das Jahr 2012 ein Rekordergebnis. Das Amt für Zivile Luftfahrt, Urzad Lotnictwa Cywilnego (http://www.ulc.gov.pl) rechnet damit, dass die polnischen Flughäfen 2012 rund 23,5 Mio. Passagiere abfertigen werden (+8,5% gegenüber 2011).

Da das Passagieraufkommen aber auch nach der EM steigen wird, herrscht weiter Handlungsbedarf. Das zweitgrößte Projekt des Landes führt der Flughafen von Krakow, Balice, durch. Die Investitionssumme beträgt 763 Mio. Zl. Zu fast einem Drittel wird das Projekt von der EU gefördert. Die Bauarbeiten beginnen im 1. Halbjahr 2012. Der Flughafen von Katowice (Kattowitz), Pyrzowice, erweitert und modernisiert seine Infrastruktur sowohl für den Passagierverkehr, als auch für den Gütertransport für über 405 Mio. Zl (EU-Förderung: 164 Mio. Zl). Noch 2012 soll auch die ostpolnische Stadt Lublin einen Airport erhalten.

Die EU fördert weitere regionale Flughafenprojekte. Von elf Flughäfen, die eine Unterstützung aus den ROP erhalten sollen, sind aber erst fünf vertraglich unter Dach und Fach. Die Flugverkehrsprojekte, die aus den ROP unterstützt werden sollen, haben einen Gesamtwert von 1,84 Mrd. Zl.

Hinzu kommen Vorhaben im Gesamtwert von 4,2 Mrd. Zl, die acht Flughäfen unter Nutzung von Mitteln aus dem OPIuU der EU durchführen können: Warschau, Krakow, Gdansk, Wroclaw, Poznan, Katowice, Rzeszow und Szczecin (Stettin). Einige Flughäfen werden aus beiden Quellen, einem ROP und dem OPIuU gefördert.

Zusätzliches Kapital generieren die meisten Flughäfen durch die Emission von Obligationen. In Kürze will das Amt für Zivile Luftfahrt ULC Entwürfe von Durchführungsverordnungen zum neuen Luftfahrtgesetz veröffentlichen. Sie sollen bürokratische Hürden abbauen und Anreize zur Entwicklung regionaler Flughäfen schaffen.

Verwirklichte und geplante Investitionen gemäß EU-Regionalprogrammen (in Mio. Zl)
Flughafen Gesamtwert des Projektes Co-Finanzierung durch die EU Vertrag unterzeichnet*
Lublin Swidnik 502,13 125,00 ja
Charter-Airport Warszawa-Modlin 382,77 166,20 nein
Rzeszow-Jasionka 207,52 119,66 ja
Olsztyn-Mazury Szymany (Allenstein) 199,99 105,05 nein
Bydgoszcz (Bromberg) 186,69 57,24 ja
Lodz (Lodsch) Wl. Reymonta 171,86 77,91 ja
Zegrze Pomorskie (bei Koszalin/Kößlin) 71,85 30,54 nein
Krakow-Balice (Krakau) 48,29 18,05 nein
Zielona Gora Babimost (Grünberg) 37,76 14,99 nein
Bialystok 25,86 23,27 nein
Poznan-Lawica (Posen) 8,30 5,16 ja

*Geschätzte Beträge bei fehlendem Vertrag

Quelle: Ministerium für Regionalentwicklung MRR

(B.R.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Polen Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Flughafenbau, Luftverkehr / Flughäfen

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