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03.05.2012

Kroatien plant Neubau des Regierungsviertels in Zagreb

Großinvestitionen in Wasserwirtschaft und Kraftwerke / Investorensuche für Rijeka-Bahnanbindung

Zagreb (gtai) - Durch eine Kanalisierung und erneute Änderung des Flusslaufs der Save im Stadtgebiet von Zagreb will Kroatien einen völligen Umbau der Hauptstadt einleiten. Neben dem Bau eines "Save-Save-Kanals" geht es um die Errichtung eines neuen Staudamms sowie von vier Wasserkraftwerken und eines komplett neuen Regierungsviertels. Die Investitionen werden auf 1 Mrd. bis 2 Mrd. Euro geschätzt. Mit der Investorensuche für die Bahntrasse zwischen Rijeka und Zagreb nimmt in Kroatien ein weiteres Großprojekt Gestalt an. (Kontaktanschriften)

Bei der Vorstellung des sogenannten "Zagreb na Savi"-Projekts, das die Stadtstruktur von Zagreb bis 2020 völlig verändern würde, sind auch schon erste Angaben zur Zeitplanung gemacht worden. Bisher liegen aber noch keine Raumordnungspläne vor und ein Planfeststellungsverfahren mit Bürgerbeteiligung ist ebenfalls noch nicht eingeleitet worden. Auch Ausschreibungen stehen noch aus. Nach den bisherigen Verlautbarungen des Wirtschaftsministeriums dürften am Anfang die Arbeiten an einem neuen "Save-Save-Kanal" stehen, der auf ein Jahrhunderthochwasser ausgelegt sein soll. Baubeginn ist schon für 2012/13 vorgesehen. Mit der Fertigstellung der ersten Bauabschnitte wird 2015 gerechnet.

Dazu käme kurzfristig der Bau eines neuen Staudamms (ebenfalls bis 2015 bei Precko westlich des Zentrums von Zagreb). Die Installation von vier Wasserkraftwerken auf einer Kanallänge von gut 15 km soll an Standorten mit den Ortsbezeichnungen Precko (schon bis 2015) sowie Drenje, Podsused und Zagreb folgen. Hierfür werden - ebenso wie für den Bau eines neuen Regierungsviertels (230.000 qm Bürofläche) - Investoren gesucht. Der in den Kraftwerken erzeugte Strom soll nach Angaben von Wirtschaftsminister Radomir Cacic ausreichen, um mit über 600 GWh fast ein Viertel des Hauptstadtverbrauchs zu decken. Allein die Investitionen in das Precko-Wasserkraftwerk sollen sich auf 125 Mio. Euro belaufen. Die künftig einer neuen Nutzung zuzuführenden Flächen sind derzeit Grünflächen. Diese Flächen wurden nach dem Save-Hochwasser von 1964 so angelegt, dass sie über das gesamte Stadtgebiet hinweg als Hochwasser-Rückhaltebecken entlang des schon stark begradigten Save-Flussbetts dienen.

Das neue PPP-Projekt (Public Private Partnership), das sich über 3,5 Mio. qm entlang des neu auszubauenden "Save-Save-Kanals" erstreckt, soll vor allem auf der Basis von Konzessionsvergaben und mit Hilfe von EU-Fördermitteln - nach dem EU-Betritt Kroatiens Mitte 2013 - finanziert werden. Auch die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) soll für ein Engagement gewonnen werden. Am Sitz des Geldinstitutes in London will die Regierung das Projekt schon im Mai 2012 vorstellen. Die zu vergebenen Konzessionen sollen auch die vollen Nutzungsrechte an den 190 Objekten umfassen, in denen die Ministerien nach der Unabhängigkeit Kroatiens von Ex-Jugoslawien untergebracht worden sind. Einschließlich der in Zagreb angesiedelten Justizverwaltungen und Gerichte werden so derzeit Büroflächen von fast 450.000 qm genutzt, die sich im Eigentum des Staates befinden. Dazu kommen noch zusätzlich angemietete Flächen.

Mit dem Neubau würde sich die durchschnittliche pro Ministeriumsmitarbeiter bereitgestellte Bürofläche in etwa halbieren. Der Grund und Boden des neuen Regierungsviertels befindet sich in Staatseigentum, so dass keine der sonst üblichen Verzögerungen zu erwarten sind, zu denen es noch immer wegen nicht aktualisierter Kataster- und Grundbuchunterlagen kommt. An dieser "Aktenlage" scheitern in Kroatien noch immer Investitionsprojekte. Der Umzug der Regierung soll nach den Plänen des Wirtschaftsministers schon 2017 erfolgen.

An der bisher genutzten, zum Teil historischen Bausubstanz, die voraussichtlich auch den kroatischen Sabor (Staatsparlament) umfasst, will die Regierung Nutzungsrechte vergeben. Die Objekte kämen nach Umsetzung der Neubaupläne für das Regierungsviertel aller Voraussicht nach kurzfristig auf den Markt. Der Immobilienmarkt der Hauptstadt dürfte dann im Zeichen größerer Verwerfungen stehen, wie einige Branchenexperten erwarten. Für den Großteil der oberhalb des Zentrums gelegenen Altstadt müssten neue Nutzer gefunden werden. Hierzu hat Wirtschaftsminister Cacic bislang noch keine Lösung angedeutet.

Der aus der Bauwirtschaft kommende Minister spricht aber schon jetzt davon, Zagreb werde nach Abschluss seiner Projekte nicht mehr wiederzuerkennen sein und eine der modernsten Hauptstädte Europas werden. Minister Cacic machte sich im vergangenen Jahrzehnt dadurch einen Namen, dass er in Kroatien den großzügig geplanten Autobahnbau in kürzester Zeit vorangetrieben hat. Eine Folge war ein starker Anstieg der Verbindlichkeiten des Landes. In Kroatiens Nachbarland, Ungarn, hatte es im letzten Jahrzehnt gleichfalls Pläne für ein komplett neues Regierungsviertels in Budapest gegeben. Diese Entwürfe für einen neuen "Green-Energy-Stadtteil" sind mit Blick auf die Finanzlage schnell wieder eingemottet worden. Vorschläge für eine städtebauliche Nutzung des "Save-Bogens" in Zagreb sind in Kroatien schon seit einigen Jahrzehnten auf dem Reißbrett.

Die Arbeiten am Flusslauf der Save reichen nach den Plänen der Regierung bis hin zum Ausbau eines neue Flusshafens in Velika Gorica und damit in der Nähe des Anfang 2012 teilprivatisierten Hauptstadtflughafens, bei dem ein französisches Konsortium zum Zuge gekommen ist. Kroatien sieht dieses Vorhaben als Teil einer Anbindung des Landes an den weit von Zagreb entfernt verlaufenden "Rhein-Main-Donau-Kanal" (über einen Kanal in Ostslawonien). Eine einfache Anbindung über die Save bis zur Donau in Belgrad (Serbien) ist bislang offensichtlich nicht ins Auge gefasst worden. Neben dem neuen Regierungsviertel sind für den "Save-Bogen" in Zagreb weitere Bürobauten, eine neue Brücken- und Bahninfrastruktur sowie eine Mischnutzung einschließlich Wohnungen, Sportanlagen sowie Grünflächen und auch ein Kongresszentrum geplant. Bauexperten weisen darauf hin, dass Zagreb erst kürzlich mit dem Bau einer großen Sportarena ein Prestigeprojekt erstellt hat, für das sich nach dem Ende eines einmaligen Großereignisses kaum Nutzungsmöglichkeiten finden lassen und dessen Schließung diskutiert wird. An dem neuen Save-Bogen-Projekt zeigt auch der Oberbürgermeister von Zagreb großes Interesse, der in einem Mittelgebirgszug nördlich von Zagreb schon ein Ski-Weltcupzentrum hatte errichten lassen.

Bei Zagreb soll zudem ein überregionales Cargo-Zentrum entstehen, das im Verbund mit dem Adria-Hafen Rijeka arbeiten würde. Hierzu ist für mindestens 4 Mrd. Euro der Bau einer neuen Bahntrasse zwischen Rijeka und Zagreb mit Weiterführung bis zur ungarischen Grenze (Korridor Vb) geplant. Über das Hafen- sowie auch über das Bahnprojekt hat es im April 2012 in Kroatien Verhandlungen mit Investoren aus der VR China gegeben ("Cosco"-Shipping Company). An dem Bahnprojekt ist schon länger auch die deutsche "DB International" interessiert. Ferner gibt es Interessenten aus Russland und den USA. Es wird darüber nachgedacht, Konzessionen mit Laufzeiten von annähernd 75 Jahren zu vergeben. Zu dem Bahnprojekt wird voraussichtlich auch der Bau einer zweiten Brücke zur Insel Krk (bei Rijeka) und eines neuen Hafens mit Containerterminal auf Krk gehören. Die Bauarbeiten am ersten Teilstück der Bahntrasse von Drugo Selo nach Krizevci sollen schon 2014 beginnen. Noch bis zur Jahresmitte 2012 will Ministerpräsident Zoran Milanovic eine Kommission zum Ausbau der Bahninfrastruktur ins Leben rufen, die unter seinem Vorsitz stehen wird.

In Rijeka ist im Frühjahr 2012 mit Koteks (Osijek) und einem italienischen Konsortium unter Beteiligung von "Grandi Lavori Fincosit" der Vertrag zum Ausbau eines weiteren Containerterminals unterzeichnet worden ("Zagrebacka Obala"). Das Konsortium hatte eine schon ältere Ausschreibung gewonnen, an der auch Unternehmen aus Deutschland beteiligt waren. Die erste Ausbauphase soll bis 2017 für 70 Mio. Euro fertiggestellt sein und im Anschluss daran eine zweite als PPP-Projekt in Angriff genommen werden. Neuerdings stellen Beobachter fest, dass Kroatiens Mitte-Links-Regierung viel unbefangener als die vorangegangenen Kabinette auf Investoren aus Russland und der VR China zugeht und ihre Projekte dort vorstellt.

Kontaktanschriften:

Ministarstvo gospodarstva

(Ministerium für Wirtschaft)

Ulica grada Vukovara 78; 10000 Zagreb

Tel.: 00385 1/6 10-61 11, Fax: -91 10

E-Mail: info@mingorp.hr; Internet: http://www.mingorp.hr

Centar za pracenje poslovanja energetskog sektora i investicija (CEI)

(Monitoring-Stelle für Aktivitäten im Energiesektor und Investitionen)

Miramarska 24; 10000 Zagreb

(Bisher noch keine Telefonnummern angegeben)

Ministarstvo pomorstva, prometa i infrastrukture

(Ministerium für Seewesen, Verkehr und Infrastruktur)

Prisavlje 14;10000 Zagreb

Tel.: 00385 1/6 16 91 11,-3 78 45 20, Fax: -3 78 45 50

E-Mail: ministar@mppi.hr; Internet: http://www.mppi.hr

HZ Infrastruktura d.o.o.

Antuna Mihanovica 12; 10000 Zagreb

Tel.: 00385 1/3 78 25 55, Fax: -4 53 38 60

E-Mail: infrastruktura.upiti@hznet.hr; Internet: http://www.hznet.hr

(E.A.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Kroatien Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Eisenbahnbau, Wasser-, Hafenbau, Architektur, Bau-Consulting, Bauüberwachung

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‎0228/24993-365

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