Internationale Märkte

01.07.2009

Kanada hält Zahlungsverkehr offen

Kanada hält Zahlungsverkehr offen

Keine Devisenrestriktionen / Zahlungsmoral verschlechtert sich jedoch / Vorsicht und Kooperation sind gefragt / Von Rainer Jaensch

Toronto (gtai) - Kanada hält auch in der Wirtschaftskrise seinen Devisenverkehr offen. Die kanadischen Banken sind von der Krise weniger stark betroffen als die US- und auch einige europäische Kreditinstitute. Ferner hat die Zentralbank im Einklang mit der US-Fed den Leitzins auf nahezu Null abgesenkt, um die Wirtschaft mit Liquidität zu versorgen. Angesichts der Rezession, die fast alle Branchen erfasst hat, fehlt es dennoch vielen Firmen an finanziellen Mitteln. Eine nachlassende Zahlungsmoral ist die Folge. (Kontaktanschriften)

Der Devisenverkehr Kanadas hat im Zuge der Kredit- und Wirtschaftskrise keine Restriktionen erfahren. Ausländische Währungen können ungehindert in das Land und auch wieder hinaus fließen, erklärte Don Drummond, Chefvolkswirt der TD Bank im Gespräch mit Germany Trade and Invest. Kanadische Banken haben zwar auch Kredite abschreiben müssen, gestand er ein. Sie sind aber nicht so stark ins Wanken geraten wie ihre US-Konkurrenten und manche europäische Institute. Trotzdem unternimmt die Zentralbank alles, um den Wirtschaftskreislauf liquide zu halten. Gemeinsam mit der US-Fed hat sie den Tagesgeldzinssatz im April 2009 auf 0,25% abgesenkt und will ihn vorerst nahe Null halten.

Aus makroökonomischer Sicht steht Kanada relativ stabil da (prognostizierte BIP-Abnahme 2009 um lediglich 2 bis 3%), aus mikroökonomischer Perspektive sieht es teilweise anders aus. Wegen weggebrochener Absatzmärkte im Ausland, vor allem in den USA, und einer nachlassenden Binnennachfrage haben zahlreiche Firmen nicht nur Absatz-, sondern auch Liquiditätsprobleme. Nach einer Umfrage der Gandalf Group vom Juni 2009 ist der Zugang zu Kapital mit 26% der Nennungen die größte Herausforderung für Unternehmen.

Seit Beginn der Wirtschaftskrise im Herbst 2008 ist das Geld für viele Unternehmen knapp geworden. Entsprechend hat sich die Zahlungsmoral verschlechtert, erklären internationale Anwaltskanzleien in Toronto gegenüber Germany Trade and Invest. Die bislang üblichen Zahlungsziele von 30 bis 60 Tagen werden zunehmend gestreckt, konstatierte auch ein führender Händler von Werkzeugmaschinen im Großraum Toronto. Mit einem persönlichen Ansatz und der Suche nach Kompromissen habe er bislang immer mehr Erfolg gehabt, als wenn er externe Kreditagenturen oder Rechtsanwälte eingeschaltet hätte, erklärte der Händler. Die Gewährung neuer Zahlungsziele ist immer besser als ein langwieriger Rechtsstreit.

Wenn es zu Zahlungsverzögerungen kommt, sollte der Gläubiger nicht abwarten, sondern höflich aber bestimmt, die Einhaltung der Verpflichtung anmahnen, empfehlen Anwaltskanzleien. Der direkte Kontakt möglichst per Telefon ist dabei anzuraten. Erstes Ziel sollte es sein, einen Kompromiss zu finden, der für beide Seiten tragbar ist. Hierbei können Rechtsanwälte helfen, die sich als Mittler zwischen den beiden Parteien sehen.

Um gegen böse Überraschungen gewappnet zu sein, sollte der Lieferant sich schon im Vorfeld über die Kreditwürdigkeit seines Geschäftspartners informieren. Hierüber geben international tätige Risikomanagementfirmen, die auch in Kanada vertreten sind, Auskunft. Dazu gehören Coface (http://www.coface.ca) und D&B (http://www.dnb.ca). Letztere wird von Anwaltskanzleien und Händlerkreisen als führend und mit der deutschen Schufa vergleichbar dargestellt. Aber auch diese Agenturen bieten keine 100%ige Sicherheit.

Der Lieferant ist gut beraten, wenn er sein bewegliches Eigentum bis zur endgültigen Bezahlung im Rahmen des "Personal Property Security Act" (PPSA) registrierten lässt, empfiehlt Eric Bremermann, Partner der Rechtsanwaltskanzlei Dale & Lessmann. Dieses Absicherungssystem ist in Kanada auf Provinzebene organisiert und vergleichbar mit dem "Uniform Commercial Code" in den USA. Vor allem bei Lieferwerten im sechsstelligen Bereich und bei Kunden, deren Bonität nicht sicher ist, sollte es eingebaut werden.

Die Zahlungsmoral hat sich infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise in Kanada verschlechtert, dies bestätigen einhellig Banken, Anwaltskanzleien und Händler. Sie fällt jedoch von Branche zu Branche ganz unterschiedlich aus. Während die Kfz-Industrie hinsichtlich ihrer Zahlungsfähigkeit als kritisch zu betrachten ist, steht die relativ rezessionsresistente Lebensmittelbranche einigermaßen gesund da.

Kontaktanschriften:

Dale & Lessmann LLP

Mr. Eric Bremermann

181 University Avenue, Suite 2100

Toronto, Ontario, M5H 3M7, Canada

Tel.: 001416/369 78 83

E-Mail: ebremermann@dalelessmann.com, Internet: http://www.dalelessmann.com

Lang Michener LLP

Mr. Les Wittlin

BCE Place

181 Bay St., Suite 2500

P.O. Box 747

Toronto, Ontario, M5J 2T7, Canada

Tel.: 001416/307 40 87, Fax: -365 17 19

E-Mail: dyoung@langmichener.ca, Internet: http://www.langmichener.ca

Über eine umfangreichere Anwaltsliste nach Wirtschaftsregionen differenziert verfügt die Deutsch-Kanadische Industrie- und Handelskammer in Toronto:

Deutsch-Kanadische Industrie- und Handelskammer

480 University Avenue, Suite 1500

Toronto, Ontario, M5G 1V2, Canada

Tel.: 001416/598 33 55, Fax: -18 40

E-Mail: info.toronto@germanchamber.ca, Internet: http://www.germanchamber.ca

(R.J.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Kanada Zahlungsverkehr, Kreditauskunfteien, Inkassodienste

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