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02.10.2009
Kolumbianischer Finanzsektor hält der Krise stand
Kolumbianischer Finanzsektor hält der Krise stand
Zahlungsmoral und Kreditvergabe haben sich nur leicht verschlechtert / Von Peter Buerstedde
Bogotá (gtai) - Die kolumbianische Wirtschaft ist von der globalen Finanzkrise bisher größtenteils verschont geblieben. Der Nachfrageeinbruch in wichtigen Exportmärkten - allen voran den USA - hat die Exportsektoren hart getroffen. Allerdings hat sich der Finanzsektor als sehr robust erwiesen. Auf der Ebene einzelner Unternehmen haben sich die Kreditkonditionen und die Zahlungsmoral leicht verschlechtert. Liquiditätsengpässe sowie Bankeninsolvenzen sind aber ausgeblieben.
Nach Aussage der Finanzmarktanalystin der kolumbianischen Helm Bank, Camila Estrada Echeverri, hat die kolumbianische Wirtschaft die globale Finanz- und Wirtschaftskrise aus zwei Gründen bisher glimpflich überstanden. So weist der kolumbianische Finanzmarkt eine relativ hohe Unabhängigkeit von internationalen Finanzströmen auf. Die Banken hätten von der Finanzkrise Ende der 90er Jahre gelernt, sich stark aus inländischen Einlagen zu finanzieren im Gegensatz etwa zu den stark gebeutelten Banken in Osteuropa. Außerdem hätten kolumbianische Banken kaum in maroden US-amerikanischen Banken Einlagen gehalten - entsprechend waren sie von dem Zusammenbruch der US-amerikanischen Investmentbank Lehmann Brothers weniger stark betroffen als Finanzinstitute anderer Länder wie etwa Japan.
Die Finanzkrise setzte außerdem in der 2. Jahreshälfte 2008 zu einem Zeitpunkt ein, als eine drohende Überhitzung der kolumbianischen Wirtschaft bereits durch die Hochzinspolitik der Zentralbank abgewendet worden war. Von 2004 bis 2007 war die Kreditvergabe an Konsumenten und Unternehmen stark angestiegen. Gleichzeitig hatten die hohen Weltmarktpreise für Nahrungsmittel aufgrund des hohen Anteils an den Konsumentenausgaben in Kolumbien 2007 und 2008 die Inflation angeheizt. Die Zentralbank reagierte mit immer höheren Zinsen, bis der Repo-Satz (Zinssatz, zu dem die Banken sich bei der Zentralbank kurzfristig Liquidität verschaffen können) im November 2008 knapp 10% erreichte. Mit der schwächeren Konjunkturentwicklung seit Ende 2008 und einer langsameren Preisentwicklung hat die Zentralbank bis Juli 2009 den Repo-Satz auf 4,5% gedrückt. Die hohe Ausgangsposition erlaubte es der Zentralbank stimulierend einzuwirken. Ein Teil der Liquidität wurde außerdem durch den Zusammenbruch von Spekulationspyramiden, wo viele Kolumbianer aller Bevölkerungsschichten in der Hoffnung auf schnelle Gewinne ihre Ersparnisse angelegt hatten, aufgesogen.
In dem Zeitraum ist in Kolumbien allerdings weder der reguläre Bankensektor in Bedrängnis geraten noch kam es zu Liquiditätsengpässen. Die Kreditzinsen für Unternehmenskredite sind von durchschnittlich etwa 17% im Jahr 2008 auf 13,1% Mitte September 2009 zurückgefallen. Und trotz negativer Quartalszahlen bei der Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts seit dem 4. Quartal 2008 ist die Kreditvergabe an Unternehmen weiter gewachsen. Von Januar bis September 2009 lag das Kreditvolumen an Unternehmen 17,3% höher als im selben Vorjahreszeitraum und die Ausfallrate sank im Juli 2009 sogar leicht auf 4,6% gegenüber 4,7% im selben Vorjahresmonat.
Gleichzeitig sind die Auslandsinvestitionen in Kolumbien weniger stark eingebrochen, als globale Finanzierungsengpässe infolge der Krise erwarten ließen. In den ersten drei Quartalen 2009 erreichten sie 5,7 Mrd. US$ und lagen damit 9% unter dem Ergebnis des selben Vorjahreszeitraums. Sollte dieser Trend anhalten, wird Kolumbien 2009 nach 2008 die zweithöchsten Zuflüsse an Auslandsinvestitionen in der Geschichte des Landes verzeichnen.
Auch der Staat ist durch die globale Krise nicht in die Finanzklemme geraten. Dabei hilft der Regierung das relativ starke Vertrauen internationaler Anleger und Banken in Kolumbien. So hat die kolumbianische Regierung im bisherigen Jahresverlauf 2009 zwei internationale Anleihen aufgegeben, die beide überzeichnet waren und nach Aussagen von Finanzexperten in Anbetracht des anhaltenden Guerilla-Konflikts relativ günstig platziert worden sind. Die kolumbianische Regierung hatte zur Konjunkturstützung 2009 vor allem Projekte im Infrastrukturausbau angetrieben. Dass diese staatlichen Investitionsprojekte nicht aufgrund der Finanzkrise eingeschränkt werden mussten, zeigen unter anderem die Daten zum Bruttoinlandsprodukt 2009. So ist die Bruttowertschöpfung durch Baumaßnahmen zum Infrastrukturausbau im 2. Quartal 2009 um 40% angewachsen. Damit hat das antizyklische Investitionsprogramm den Einbruch des Bruttoinlandsprodukts im 1. Halbjahr 2009 von -0,5% zumindest abgemildert.
Auf der Mikroebene ist es allerdings auch in Kolumbien nach Aussagen deutscher Unternehmer zu stärkeren Verzögerungen im Zahlungsverhalten sowie härteren Kreditkonditionen gekommen. Nach Aussagen des Geschäftsführers des Medizintechnikherstellers Dräger in Kolumbien, Gerald Hettwer, zahlen die öffentlichen Krankenhäuser mit größerer Verspätung. Zahlungsausfälle habe es allerdings bisher nicht gegeben. Privatkliniken zahlen weiterhin prompt. Im Gesundheitssektor bestehen allerdings zusätzlich Finanzierungs- und Organisationsprobleme in der öffentlichen Krankenversicherung, die zu Engpässen bei den Kassen führen, die wiederum ihre Zahlungen an Krankenhäuser verzögern. In anderen Sektoren hat sich die Zahlungsmoral nach Aussagen von Unternehmensvertretern ebenfalls konjunkturbedingt verschlechtert.
Auch die Kreditkonditionen haben sich trotz niedrigerer Zinsen leicht verschlechtert. So werden von den Banken mehr Sicherheiten verlangt. Dies liegt auch an der größeren Unsicherheit im makroökonomischen Umfeld. So hat der US-Dollar gegenüber dem kolumbianischen Peso seit Ende 2008 erneut abgewertet. Damit kommen die durch den Konjunktureinbruch in den USA bereits stark gebeutelten Exporteure immer stärker in Bedrängnis. Hinzu kommt die allgemeine Unsicherheit über den weiteren Konjunkturverlauf in der Region und im wichtigsten Partnerland USA. Insgesamt hat der im internationalen Vergleich stark auf den Binnenmarkt orientierte kolumbianische Finanzsektor sowie auch die Wirtschaft als Ganzes die Krise bisher relativ gut überstanden. Für deutsche Unternehmen haben sich trotz schwächerer Nachfrage in vielen Sektoren das Zahlungsverhalten sowie die Kreditvergabe in Kolumbien nicht stark verschlechtert.
(P.B.)
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Kolumbien Geld / Preise / Inflation / Währung, allgemein, Zahlungsverkehr, Kreditauskunfteien, InkassodiensteWeitere Informationen
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