Internationale Märkte

22.10.2009

In Kroatien sind wieder mehr Firmen in Zahlungsverzug

In Kroatien sind wieder mehr Firmen in Zahlungsverzug

Konzentration im Großraum Zagreb und Split / Von Torsten Pauly

Zagreb (gtai) - Die Zahl der kroatischen Unternehmen mit einem Zahlungsverzug ist Mitte 2009 wieder gestiegen, nachdem es zu Jahresbeginn bereits eine starke Erhöhung, im Frühsommer jedoch eine leichte Entspannung gegeben hatte. Bei den Darlehen an Unternehmen wird in den ersten sieben Monaten 2009 ein Rückgang bei den Kuna-Krediten und ein Anstieg der Verträge in Fremdwährung beobachtet. Das Inkassounternehmen Coface bewertet Kroatien wie Estland und Litauen mit A4. Der Leasingmarkt ist im 2. Quartal 2009 um 0,5% gewachsen. (Kontaktanschriften)

Die kroatische Finanzagentur FINA (Financijska agencija) hat Ende Juli 2009 landesweit 1.787 juristische Personen mit einem Zahlungsverzug von bis zu 60 Tagen registriert. Das waren 14,5% mehr als im Vormonat und 41,7% mehr als vor zwölf Monaten. Die Zahl der säumigen Firmen fiel aber im Juli immer noch geringer aus als beim bisherigen Höchststand im April 2009. Damals betrug die Zahl der gesperrten Konten von Unternehmen wegen ihrer Außenstände 2.339.

Das Volumen der Zahlungsrückstände von bis zu 60 Tagen hat im Juli 798,9 Mio. Kuna (K; 1 Euro = 7,23 K; Stand: 19.10.09) erreicht. Auch dies entsprach einem Anstieg gegenüber Juni von 33,5% und gegenüber Jahresfrist von 67,1%. Die Gesamtsumme stieg mit 945,1 Mio. K im April 2009 auf ihren bisherigen Höhepunkt. Im Juli 2009 waren in dem säumigen Betriebe zusammen 12.396 Mitarbeiter angestellt, auch hier lag die Zahl über der im Juni (10.215 Beschäftigte).

Unter den Branchen war knapp ein Drittel aller Unternehmen mit Zahlungsverzug im Juli 2009 im verarbeitenden Gewerbe zu finden (30,8%). Es folgten der Bereich Immobilien, Vermietung und sonstige Geschäftsdienstleistungen (21,1%), der Handel (19,8%) und das Baugewerbe (10,1%). Regional lagen vor allem die Hauptstadt und Gespanschaft Zagreb an vorderer Stelle, wo 35,3 sowie 5,5% aller säumigen Unternehmen zu finden waren, sowie auch Split-Dalmatien (26,3%). Erst mit Abstand folgte Primorje-Gorski Kotar (7,2%).

Die Kredite von Banken an Unternehmen sind in den ersten sieben Monaten 2009 insgesamt stabil geblieben, wobei es einen Rückgang bei Darlehen in Kuna und einen Anstieg bei solchen mit Fremdwährung gab. Ende Juli hatten kroatische Banken Kuna-Kredite von insgesamt 81,6 Mrd. K an Unternehmen vergeben, das waren 1,0% weniger als Ende 2008, aber 10,3% mehr als Ende 2007. Die Devisendarlehen haben sich Ende Juli 2009 auf 16,3 Mrd. K summiert, was 13,0% mehr als Ende 2008 und 32,9% mehr als Ende 2007 war. Im Juni 2009 wurde der Anteil schlechter Kredite auf etwa 5% geschätzt und pessimistische Prognosen hielten es für möglich, dass diese Quote bis Jahresende auf 9% ansteigt.

Internationale Agenturen bewerten Kroatien im Oktober 2009 weiter zurückhaltend. So stuft das Inkassounternehmen Coface das Adrialand auf einer Skala von A1 bis D mit A4 ein, wobei sich Kroatien aber zusätzlich auf der sogenannten negativen Beobachtungsliste (watchlist) befindet. Dies entspricht der Eingruppierung von Litauen und Estland. Führende Ratingagenturen stufen Kroatien mit BBB- negativ (Fitch), BBB negativ (Standard & Poor's) und Baa3 stabil (Moody's) ein.

Weiter gewachsen ist im 1. Halbjahr 2009 der kroatische Leasingmarkt, wobei es im 2. Quartal fast eine Stagnation gab. Der Wert der Verträge hat sich Ende Juni 2009 auf insgesamt 40,8 Mrd. Kuna summiert, das waren 0,5% mehr als Ende März und 3,3% mehr als Ende 2008. Die größte Bedeutung hatte Mitte 2009 das Pkw-Leasing mit einem Volumen von 15,4 Mrd. Kuna, gefolgt von Nutzfahrzeugen (8,5 Mrd. K), Maschinen und Ausrüstungen (7,8 Mrd. Kuna) und Immobilien (5,9 Mrd. K). Eine große Rolle spielt im Adrialand auch das Leasing von Booten (2,9 Mrd. K).

Im Jahr 2008 war ein kroatischer Arbeitnehmer im Schnitt mit 77.400 K verschuldet. Dies entsprach dem 1,3-fachen eines durchschnittlichen Jahresverdienstes. Ende Juli 2009 hat die Fina 1.789 natürliche Personen mit einem Zahlungsrückstand von bis zu 60 Tagen erfasst, was etwas weniger als im Juni (1.803) war. Die Summe der Außenstände lag im Juli 2009 mit 98,6 Mio. K aber höher als im Juni (94,6 Mio. K). Die Kuna-Kredite an Haushalte sind im 1. Halbjahr 2009 um 2,2% auf 123,4 Mrd. K zurückgegangen und die Devisendarlehen um 5,7% auf 326 Mio. K.

Kontaktanschriften:

Financijska agencija FINA

(Finanzagentur)

Koturaska 43, 10000 Zagreb

Tel.: 003851/6 12-71 11, -80 16, Fax: -89 86

E-Mail: info@fina.hr, Internet: http://www.fina.hr

Njemacko-hrvatska industrijska i trgovinska komora

(Deutsch-Kroatische Industrie- und Handelskammer)

Zamenhoffova 2; 10000 Zagreb

Tel.: 003851/6 31-16 00, Fax: -16 30

E-Mail: info@ahk.hr, Internet: http://kroatien.ahk.de

(P.T.)

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Kroatien Zahlungsverkehr, Kreditauskunfteien, Inkassodienste

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