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23.10.2009
WM und Olympia beleben Brasiliens Infrastruktur
WM und Olympia beleben Brasiliens Infrastruktur
Für Großveranstaltungen 2014 und 2016 deutsches Knowhow gefragt
São Paulo (gtai) - In Brasilien werfen zwei Megaveranstaltungen ihre Schatten voraus: die Fußballweltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Spiele 2016. Hinzu kommen könnte noch die Expo 2020 in São Paulo. Die Organisation der Großereignisse setzt die Planer unter Druck und ist ohne ausländisches Knowhow kaum zu bewältigen. Chancen bestehen unter anderem bei Dienstleistungen, nachhaltigem Bauen und als Zulieferer für die überwiegend einheimischen Baukonzerne. Ein Newsletter von Germany Trade & Invest und der AHK Brasilien informiert aktuell. (Internetadressen)
Die Entscheidung für Rio de Janeiro als Austragungsort der Olympischen Spiele 2016 hat in ganz Brasilien Euphorie ausgelöst und gibt dem begonnenen Infrastrukturausbau zusätzlichen Schwung. Zusätzlich zu den Investitionen, die anlässlich der Fußballweltmeisterschaft 2014 in die Stadt am Zuckerhut fließen, könnte das in die Jahre gekommene Rio eine Renaissance erleben und nun konsequent seine diversen urbanen Probleme angehen. Neue U-Bahnstrecken, Buskorridore, eine bessere Sicherheitslage, mehr Hotels und eine wiederbelebte Hafenregion sind einige der Faktoren, die die Naturschönheit Rio attraktiver machen würden. Der Touristenstrom wird allein in Rio de Janeiro nach Schätzung von Fachleuten um 10 bis 15% ansteigen.
Epizentrum der Olympischen Spiele wird das südlich gelegene Barra da Tijuca sein. Dort werden das Olympische Dorf und das Medienzentrum entstehen und etwa die Hälfte der Wettkämpfe stattfinden. Um die olympischen Auflagen erfüllen zu können, laufen viele neue Hotelprojekte an. Insgesamt benötigt Rio 10.000 bis 12.000 Hotelzimmer über die neuen Hotels hinaus, die für die Fußball-WM bereits gebaut werden. Die Summe von rund 580 Mio. US$, mit der die nationale Entwicklungsbank BNDES den Hotelsektor im Rahmen der WM fördert, könnte nach Angaben von Experten leicht auf 2,9 Mrd. US$ ansteigen. Unter Auflagen können auch private Investoren auf die öffentliche Förderung zugreifen. Neben Barra wird es drei weitere Olympia- Zentren geben: die Südstadt mit den Vierteln Copacabana, Ipanema, der Lagune und der Gloria-Bucht, das nördliche Deodoro sowie die Region Maracanã, in der neben der gleichnamigen Fußballarena bereits das moderne Stadion João Havelange für die Leichtathletik-Wettkämpfe bereitsteht.
Insgesamt könnte die Olympiade sieben Mal mehr kosten als die Panamerikanischen Spiele, die Rio 2007 ausgetragen hat und deren nachträgliche Kostenexplosion stark in die Kritik geriet. Nach ersten Schätzungen kostet Olympia allein den Staat mehr als 4 Mrd. brasilianische Real (R$; circa 2,3 Mrd. US$; 1R$ = 0,58 US$; Stand 21.10.2009). Die Gesamtkosten könnten bei bis zu 13 Mrd. US$ liegen.
Zu den reinen Veranstaltungskosten kommt der hohe Bedarf im öffentlichen Nahverkehr. Gouverneur Sergio Cabral will den Personenumschlag von S- und U-Bahnen von 1 Mio. Passagieren am Tag bis 2016 verdreifachen. Die Verbindung von Barra da Tijuca an die Südstadt soll über die neue U-Bahn-Linie 4 erleichtert werden und zwischen Barra und Deodoro über eine neue sechsspurige Schnellstraße erfolgen. Die Nahverkehrsverbindung Supervia bekommt mindestens 30 neue Züge. Der neue Buskorridor T5 soll die Ost- und die Nordzone verbinden (Penha-Barra). Ein weiterer Fokus wird angesichts der hohen Kriminalitätsrate die Sicherheitsinfrastruktur sein. Das impliziert einen hohen Bedarf an Polizeiausrüstung und integrierten Sicherheitssystemen.
Geplante Olympia-Investitionen (in Mio. US$)
| Posten | Investitionen |
| Flughäfen, Häfen | 1.161 |
| Straßen, Schienen | 5.162 |
| Unterkünfte | 64 |
| Wettkampfstätten | 556 |
| Trainingsanlagen | 13 |
| Olympisches Dorf | 495 |
| Medienzentrum | 942 |
| Stromversorgung | 893 |
| Umweltmanagementsysteme | 1.397 |
| Medizinische Versorgung | 12 |
| Sicherheitsinfrastruktur | 942 |
| IBC/MPC (Internationales Pressezentrum) | 235 |
| Stadtentwicklung | 951 |
Quelle: Bewerbung der Veranstalter
Die Austragungsorte der Fußballweltmeisterschaft 2014 arbeiten währenddessen mit Hochdruck an den Ausschreibungen für die Stadien. Bis zum Jahresende 2009 sollen alle öffentlichen Aufträge vergeben sein und auch die drei privaten Arenas in São Paulo, Porto Alegre und Curitiba müssen tragfähige Baukonzepte vorlegen. Als Baubeginn ist März 2010 vorgesehen. Einige Städte sind schon weiter als andere: Während die erste Etappe der Renovierungsarbeiten für das Mineirão-Stadion in Belo Horizonte bereits seit dem 8.10.2009 ausgeschrieben ist, wird in Natal noch über alternative Standorte für die Arena das Dunas diskutiert. Brasilia wird in Kürze die Ausschreibung zum Bau des neuen Nationalstadions veröffentlichen. Salvador will das Fonte-Nova-Stadion bis Ende Oktober ausschreiben, Recife zieht am 26.10. mit seiner "WM-Stadt" (Cidade da Copa) nach, in der neben dem Stadion noch 9.000 Wohneinheiten, Hotels, Schulen, Parks und Shoppingcenter entstehen sollen.
Das größte Fragezeichen steht zurzeit noch hinter São Paulo als Austragungsstätte des Eröffnungsspiels. Nach scharfer Kritik durch den Fußballweltverband Fifa muss die bevölkerungsreichste Stadt des Landes ein neues Konzept für einen Ausbau des Morumbi-Stadions ausarbeiten. "Die Auflagen der Fifa zu erfüllen ist ein dynamischer Prozess", sagt Ralf Amann, der für das deutsche Architektenbüro von Gerkan, Marg und Partner (gmp) gemeinsam mit dem deutschen Dachtragwerkhersteller Schlaich Bergermann und Partner (SBP) am neuen Morumbi-Projekt beteiligt ist. Seiner Meinung nach wird im ständigen Dialog mit der Fifa alles rechtzeitig und in der gewünschten Qualität fertig. Von der ursprünglichen Idee der brasilianischen Regierung, kein öffentliches Geld in den Stadionbau zu stecken ist keine Rede mehr. Die nationale Entwicklungsbank BNDES wird jedem Spielort Kredite von jeweils bis zu 230 Mio. US$ bereitstellen und bis zu 75% der Baukosten finanzieren. Teil der Kreditsummen soll auch in die unmittelbare Umgebung der Stadien fließen, zum Beispiel in die sanitären Anlagen von angrenzenden Grundstücken.
Alle Stadien sollen umweltfreundlich gebaut und entsprechend zertifiziert werden. Den öffentlichen Nahverkehr will die BNDES mit mindestens 2,9 Mrd. US$ fördern. In São Paulo entstehen drei U-Bahnlinien, auch in Rio de Janeiro, Fortaleza, Porto Alegre, Salvador, Belo Horizonte und Brasilia wird die U-Bahn erweitert. Leichte elektrische Stadtbahnen (VLT, Veículos Leve sobre Trilhos) planen Cuiabá, Manaus, Natal, Fortaleza, Brasilia, Salvador und Recife.
Internetadressen:
Newsletter "Brasilien 2014/2016" von Germany Trade & Invest und AHK Brasilien über comex@ahkbrasil.com
WM-Internetportal: http://www.copa2014.org.br
Olympia-Internetportal: http://www.rio2016.com
(O.D.)
Dieser Artikel ist relevant für:
Brasilien Ausschreibungsregelungen, Recht der öffentlichen Aufträge, Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Eisenbahnbau, Gewerbebau, Infrastruktur, WohnungsbauWeitere Informationen
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