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15.07.2009
China stärkt die Rolle der eigenen Währung
China stärkt die Rolle der eigenen Währung
Renminbi-Geschäfte mit Sonderverwaltungsregionen und ASEAN-Staaten möglich / Weg zur Leitwährung noch weit / Von Roland Rohde
Hongkong (gtai) - Die VR China wittert angesichts der weltweiten Finanzkrise Morgenluft und setzt auf eine langfristig höhere Bedeutung des Renminbi Yuan im internationalen Währungssystem. Im Juli 2009 unternahm die Regierung den ersten Vorstoß. So dürfen ausgewählte Firmen in Guangdong und Shanghai ihre Geschäfte mit Partnern in Hongkong (SVR), Macau (SVR) und den ASEAN-Staaten nun direkt in Renminbi abwickeln. Doch für eine internationale Reservewährung müsste daneben das strenge Wechselkursregime gelockert werden.
Relativ unbemerkt von der Weltöffentlichkeit hat die VR China im Juli 2009 einen wesentlichen Schritt zur Liberalisierung und Internationalisierung seiner Währung unternommen. So dürfen seit dem Beginn des Monats ausgewählte Firmen in der Provinz Guangdong sowie in Shanghai Geschäfte mit ihren Partnern in den Sonderverwaltungsregionen Hongkong, Macau und den ASEAN-Staaten direkt in Renminbi abwickeln.
Das Schema wurde schon lange vor der Vertragsunterzeichnung ausgiebig in der Hongkonger Presse und Finanzwelt diskutiert. Experten sehen darin den ersten Schritt der Volksrepublik zur freien Konvertierbarkeit ihrer Währung. Wie Frank Song, Professor für Finanzwirtschaft an der University of Hongkong, betont, benutze Beijing insbesondere die Handelsdrehscheibe Hongkong als Experimentierfeld, um den Renminbi vorsichtig und schrittweise zu liberalisieren.
Das neue System könne laut Song insbesondere bei Geschäften zwischen der Volksrepublik und Hongkong seine volle Wirkung entfalten, weil die entsprechenden Warenströme besonders groß seien. Daneben würden diese bislang faktisch ausschließlich auf US-Dollar-Basis - der Hongkong-Dollar ist fest an den Kurs der amerikanischen Leitwährung gekoppelt - abgewickelt. Im Jahr 2008 belief sich der entsprechende Warenaustausch nach Angaben des Census and Statistics Department auf über 350 Mrd. US$.
Die Zentralregierung setzt große Hoffnung auf das neue Schema, das sie als Eckpunkt einer langfristig angelegten Strategie versteht. Um den Renminbi als internationale Leitwährung zu etablieren, was erklärtes Ziel Chinas ist, sind umfangreiche Liberalisierungsschritte notwendig. Diese bergen jedoch - das hat die internationale Finanzkrise gezeigt - die Gefahr von unvorhergesehen Turbulenzen, auch im realwirtschaftlichen Sektor.
Der Umweg über Hongkong, Macau und die ASEAN-Staaten, mit denen China zudem Verträge über Währungsswaps abgeschlossen hat, scheint daher die sicherste Lösung zu sein, können doch die entsprechenden Vereinbarungen im Krisenfall kurzfristig und einseitig gekündigt werden. Im Fall der beiden Sonderverwaltungsregionen hat Beijing zudem mehr oder weniger direkte Einflussmöglichkeiten auf die dortige Wirtschafts-, Finanz- und Währungspolitik.
Laut Angaben der China Banking Regulatory Commission dürften bis 2020 rund 3% aller weltweit gehaltenen Währungsreserven Renminbi sein. Auch Experten aus der Finanzwelt sind optimistisch. Nach Ansicht von Qu Hongbin von der HSBC Hong Kong wird die Internationalisierung des Renminbi deutlich rascher voranschreiten als allgemein erwartet. Der Ökonom geht davon aus, dass innerhalb von lediglich drei Jahren Handelsströme im Umfang von 2 Bill. US$ in Renminbi abgewickelt werden. Im Jahr 2008 wurden nach offizieller Einschätzung des Finanzhauses noch 70% aller Exporte und Importe Chinas (das entspricht einem Wert von 1,8 Bill. US$) auf US$-Basis abgewickelt.
Auch Arthur Kroeber, Managing Editor des "China Economic Quarterly", erwartet, dass sich der Renminbi innerhalb der nächsten zehn Jahre rasch internationalisieren wird. Doch der Weg zur weltweiten Leitwährung sei noch weit. Er rechnet damit, dass sich der Renminbi bis 2030 eher zu einer sekundären Reservewährung wie beispielsweise der japanische Yen entwickeln dürfte.
Solche Prognosen sind jedoch mit hoher Unsicherheit behaftet. Vieles hängt von den weiteren Schritten Beijings ab. Mit Sorge beobachten Finanzexperten eine immer inkonsistenter werdende Währungspolitik Chinas. Auf der einen Seite will die Führung den Renminbi internationalisieren, zugleich aber den Wechselkurs stärker kontrollieren. Dies stelle einen Widerspruch in sich dar, betont Brendan Kelly von Pacific Forum CSIS.
Der Wert einer Reservewährung müsse nämlich entsprechend den Kapitalzu- und abflüssen schwanken können. Doch die Zentralregierung hat die 2005 eingeleitete kontrollierte Aufwertung des Renminbi zur Jahresmitte 2008 gestoppt, um die unter den wegbrechenden Abnehmermärkten leidenden Exportunternehmen des Landes nicht noch weiter zu belasten. (R.R.)
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