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20.07.2009
Hongkong wird Offshore-Zentrum im Renminbi-Handel
Hongkong wird Offshore-Zentrum im Renminbi-Handel
B2B-Geschäfte ohne Umtausch möglich / Schema auf ausgewählte Firmen in der VR China beschränkt / Von Roland Rohde
Hongkong (gtai) - Bislang waren Finanztransaktionen zwischen der Sonderverwaltungsregion (SVR) Hongkong - die über eine eigene Währung, den HK$, verfügt - und der VR China kompliziert und stark reguliert. Ein neues Zahlungsverkehrsschema, das seit Juli 2009 gilt, führt zu deutlichen Erleichterungen, zumindest für die Gesellschaften in Guangdong und Shanghai, die eine entsprechende Lizenz erhalten haben. Doch nicht nur Handelsfirmen profitieren. Hongkonger Banken versprechen sich zusätzliche Geschäfte.
Die Regierung Hongkongs konnte ihren Banken und Handelsgesellschaften mitten in der Krise eine frohe Botschaft verkünden. Ende Juni 2009 unterzeichnete der Chef der Monetary Authority mit dem Gouverneur der chinesischen Zentralbank ein "Memorandum of Understanding", infolge dessen Unternehmen aus Hongkong, Guangdong und Shanghai ihre gemeinsamen Geschäfte schon ab Juli in der chinesischen Währung Renminbi Yuan (RMB) abwickeln können.
Obwohl es zahlreiche Beschränkungen gibt, stellt das neue Zahlungsverkehrsschema eine historische Neuerung dar. Erste kleinere Schritte hatte es bereits seit Ende 2003 gegeben. So konnten Banken in Hongkong Konten für Einwohner der Volksrepublik in Renminbi führen. Doch das Geld floss nur sehr spärlich. Zur Jahresmitte 2009 beliefen sich die entsprechenden Anlagen auf lediglich gut 50 Mrd. RMB (rund 7,3 Mrd. US$; 1 US$ = 6,84 RMB).
Eine weitere Neuerung kam 2005. Privatpersonen können seitdem von ihrem Renminbi-Konto in der SVR Überweisungen zu ihrem Konto in China tätigen. Zudem können sie in Hongkong ausgestellte Schecks (in Renminbi) in der Volksrepublik persönlich einlösen. Doch der umgekehrte Fall war nicht möglich. Im Rahmen des neuen Schemas sind erstmalig Finanzflüsse in beide Richtungen sowie B2B-Geschäfte möglich. Am 7.7.09 wurden nach Angaben von "China Daily" die ersten entsprechenden Transaktionen im Wert von über 1 Mio. US$ durchgeführt.
Jedoch gibt es derzeit noch umfangreiche Auflagen. So dürfen nur ausgewählte Handelsfirme in vier Städten im südchinesischen Perlflussdelta (in Guangzhou, Shenzhen, Dongguan und Zhuhai) sowie in Shanghai an dem neuen Zahlungsverkehrsschema teilnehmen. Die genaue Anzahl ist noch nicht offiziell bekannt gegeben worden. Der Zentralbankchef sprach anlässlich der Vertragsunterzeichnung von "voraussichtlich einigen Hundert".
Welche Firmen letztendlich eine Genehmigung erhalten, entscheiden die zuständigen lokalen Behörden. Die Stadtverwaltung Shenzhens hat bereits im Mai 2009 bekannt gegeben, dass rund 100 Unternehmen eine entsprechende Lizenz erhalten sollen. Nach Einschätzung von Experten der HSBC in Hongkong dürften in der gesamten Provinz Guangdong zunächst etwa 300 Gesellschaften ausgewählt werden. Die Presse schrieb einstimmig von insgesamt 440 Firmen (einschließlich Shanghai).
Hongkonger Handelsgesellschaften und ihre chinesischen Geschäftspartner, die eine Lizenz erhalten, versprechen sich nach Aussagen von Brian Tsang von der HSBC von dem neuen Schema Vorteile, insbesondere wenn sie gleichzeitig im Ex- und Importgeschäft tätig sind. So kann beispielsweise eine südchinesische Firma ihre mit Hilfe von Ausfuhren erzielten RMB-Gewinne ohne Umtauschverluste dazu benutzen, ihre Importe aus Hongkong zu bezahlen. Gleiches gilt - sozusagen mit umgekehrten Vorzeichen - für Hongkonger Handelsfirmen.
Wesentlich größere Erwartungen haben derweil die Banken der ehemaligen britischen Kronkolonie. Durch das neue Schema wird Hongkong zu einem Offshore-Zentrum im RMB-Handel, was den gesamten Finanzstandort insbesondere gegenüber Konkurrenten wie Shanghai oder Singapur stärken wird. Die Kreditinstitute erwarten zusätzliche Geschäfte im Bereich der Handelsfinanzierung. Zudem dürften sich die existierenden RMB-Konten innerhalb der nächsten Monaten kräftig auffüllen, da Geld benötigt wird, um den Handel zu finanzieren.
Eunuch Fung von Goldman Sachs erwartet sogar, dass Hongkong mit RMB überflutet wird und prophezeit, dass sich der RMB - ähnlich wie in Macau, wo der HK$ neben dem einheimischen Pataca als Zahlungsmittel akzeptiert wird - als Parallelwährung etablieren wird. Doch andere Finanzexperten wiegeln vorerst ab, denn HK$ und Pataca sind beide faktisch an den US$ gekoppelt und haben einen Wechselkurs von nahezu 1:1.
Der Renminbi hat jedoch seine Bindung an die amerikanische Leitwährung zur Jahresmitte 2005 gelockert und ist innerhalb von vier Jahren um rund 20% zum US$ und damit zum HK$ aufgewertet. Das neue Zahlungsverkehrsschema könnte allerdings auch zu einem Umdenken in der Hongkonger Regierung führen. Eine Entkopplung vom US$ wird zwar noch nicht öffentlich diskutiert, doch Finanzexperten erwarten, dass sich der HK$ innerhalb der nächsten zehn Jahren an den RMB binden wird.
Die hohe Volatilität des US$ und die angesichts der enormen Verschuldung der öffentlichen Haushalte der USA kaum vorhersehbare weitere Entwicklung der amerikanischen Leitwährung dürften den Druck, das System zu überdenken, stark erhöhen. Nach Ansicht von Frank Song, Professor für Finanzwirtschaft an der University of Hongkong, ist inzwischen das Risiko einer Kopplung an den US$ merklich höher als im Falle einer Anbindung an den RMB.
Übersicht neues RMB-Zahlungsverkehrsschema *)
| seit 2005 | ab Juli 2009 |
| Technisch | |
| Nur RMB-Überweisungen vom Konto von Privatpersonen in Hongkong zum Privatkonto derselben Person in China möglich. In Hongkong ausgestellte, auf ein Privatkonto laufende RMB-Schecks können in China persönlich eingelöst werden | RMB-Überweisungen zwischen Handelsunternehmen (B2B) möglich. Anzahl der lizenzierten Unternehmen auf chinesischer Seite auf "einige Hundert" beschränkt |
| Nur RMB-Überweisungen von Hongkong nach China möglich | Gegenseitige RMB-Überweisungen möglich, jedoch auf Shanghai sowie vier Städte in Guangdong beschränkt |
| Ökonomisch | |
| RMB-Anlagenvermögen auf Hongkonger Konten relativ gering | Erheblicher Zufluss von RMB-Vermögen nach Hongkong erwartet |
| HK$-RMB Handel führt zu Umtauschverlusten bei Hongkonger und chinesischen Handelsfirmen | Exporte können mit Importen "verrechnet" werden. Umtauschverluste werden vermieden. |
| Strategisch | |
| Finanzplatz Hongkong steht in Konkurrenz zum etablierten Singapur und zum aufsteigenden Shanghai | Hongkong dürfte sich als RMB-Offshore Handelszentrum etablieren |
| HK$ fest an den US$ gekoppelt | Kopplung des HK$ an den RMB innerhalb von zehn Jahren erwartet |
*) Das Schema gilt für Hongkong (SVR), Macau (SVR) und die ASEAN-Staaten. In der Tabelle werden lediglich die Auswirkungen für die Handelsströme zwischen Hongkong und der VR China beschrieben.
Quelle: Recherchen Germany Trade & Invest
(R.R.)
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