Internationale Märkte

29.07.2009

Frankreichs Kreditvergabe läuft zaghaft

Frankreichs Kreditvergabe läuft zaghaft

Bankensektor beweist relative Solidität / Kreditmediateur zieht positive Bilanz / Von Waldemar Duscha

Paris (gtai) - Frankreichs Kreditvergabe wird 2009 voraussichtlich nur um 1,3% zulegen - deutlich weniger als der Bankensektor als Gegenleistung für das staatliche Hilfsprogramm im Herbst 2008 zugesagt hatte. Trotz ausreichender Solvenz und hohen Gewinnen bremst die angeschlagene Realwirtschaft eine stärkere Expansion. Das Gesamtklima bleibt fragil, die Anzahl der Konkurse steigt mit sinkendem Absatz und Problemen in Finanzierung und Bonität. Der staatlich eingesetzte "Mediateur" für Kredite wird zunehmend genutzt, was aber für eine Trendwende nicht ausreicht.

Die französischen Banken bleiben solide, lautet die Einschätzung des französischen Zentralbankgouverneurs Christian Noyer. Bis auf die im September gerettete belgische- französische Bank Dexia gab es weder Konkurse noch Verstaatlichungen und auch keine große Bad-Bank-Diskussion. Die drei Großbanken BNP Paribas, Crédit Agricole und Société Générale erzielten im 1. Quartal 2009 bereits wieder einen Nettogewinn von 1,7 Mrd. Euro nach einem Verlust von 1,3 Mrd. Euro im letzten Quartal 2008. Insgesamt waren die Gewinne der französischen Banken 2008 gegenüber dem Vorjahr um 93% von 23,2 Mrd. Euro auf 1,6 Mrd. Euro rückläufig.

Trotz leichtem Optimismus birgt der Fortgang der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise noch genügend Risiken. Die Banque de France befürchtet, dass die Banken sich in ihrem Engagement zur Aktivierung des Wirtschaftskreislaufs einschränken könnten, insbesondere bei verbrieften Forderungen und Finanzierungen mit Leverage-Effekt. Die Folge wäre eine deutliche Schmälerung der Nettoergebnisse der Banken. Verstärkt wird dies durch den Anstieg der zweifelhaften Forderungen, die sich Ende 2008 auf 60,8 Mrd. Euro beliefen, dies waren 8,1 Mrd. Euro mehr als vor einem Jahr. Auch wenn die Abschreibungen die Rentabilität weiter schmälerten, stehe die Solidität des französischen Bankensystems aber nicht auf dem Prüfstand.

Gefördert wurde die Widerstandskraft der Banken durch komfortable Finanzhilfen des Staates. Als Kapitalspritze in Form von nachrangigen Anleihen erhielten sechs Banken bis Juni insgesamt 17 Mrd. Euro aus dem Staatsfonds SPPE (Société de prise de participation de l'État), dies sollte die Eigenkapitalbasis für die Kreditvergabe stärken.

Dazu kamen staatlich garantierte Darlehen für 13 Banken über die Refinanzierungsgesellschaft SFEF (Société de financement de l'économie française). Die im Herbst 2008 gegründete Gesellschaft gehört zu 66% sieben französischen Großbanken und zu 34% dem Staat. Bis Mitte Juli emittierte die SFEF Darlehen über 75 Mrd. Euro, was dem Staat Einnahmen über 1,16 Mrd. Euro brachte - dies nicht in Form von Zinsen, sondern Kommissionen.

Als Gegenleistung versprachen die Geschäftsbanken der Regierung im Herbst 2008, die Kreditvergabe 2009 um 3 bis 4% gegenüber dem Vorjahr zu erhöhen. Dies Konzept wird nicht aufgehen, insofern es auf der Annahme eines BIP-Wachstums um 1% basierte. Die Beratungsgesellschaft BIPE legte im Juni eine Studie vor, die für 2009 eine Steigerung der Kreditvergabe um nur 1,3% prognostiziert - auf der Basis eines BIP-Einbruchs um rund 3% bei Null Inflation. Für 2010 hält BIPE ein Kreditwachstum um 3% für möglich, vorausgesetzt das BIP wachse um 0,9% - was allerdings die optimistische Version ist.

Die nationale Bankenkommission konzedierte dem Sektor zur Jahresmitte eine ausreichende Solvenz mit einem mittleren Satz von 8,3% für die ersten acht Banken, bleibt aber besorgt hinsichtlich der Frage der Liquiditätsrisiken. Sie empfiehlt eine Verstärkung der Kriterien der Widerstandstests der Banken und plädiert für eine Konvergenz der internationalen Referenzwerte.

Frisches Geld ist knapp geworden - konstatiert die Association pour le retournement des entreprises (ARE), die sich um die finanzielle Restrukturierung von Unternehmen in Falle der Überschuldung kümmert. Die Probleme beschränken sich auch laut einer gemeinsamen Erhebung mit dem Ifop-Institut nicht mehr auf fragile KMU sondern inzwischen alle Unternehmensgrößen: Drei Viertel besitzen über 100, ein Fünftel über 1.000 Beschäftigte. Das Finanzierungsproblem korreliert dabei mit der Höhe des Umsatzeinbruchs (teilweise bis zu 40% im 1. Quartal 2009) und dem Anteil der Fixkosten. Je höher, umso weniger Neigung zeigen die Banken, in eine Spirale sukzessiver Finanzierungen einzusteigen. Hinzu kommen drastischere Bankregeln für die Kreditvergabe und die Verschärfung der Regelung für den Zahlungsverzug ab 2009.

Die Vergabe neuer Konsumentenkredite war in den letzten drei Quartalen nach Angaben der Association française des sociétés financières (ASF) rückläufig. Im ersten Halbjahr kumulierte der Rückgang um15,6% auf 19 Mrd. Euro. Zur Hälfte waren hierfür die persönlichen Darlehen verantwortlich, stark zurückgegangen sind aber auch Darlehen für Fahrzeuge, Wohnungsrenovierungen und -einrichtungen. Auch bei Immobilienkrediten wird 2009 mit einem starken Einbruch gerechnet: Laut einer aktuellen Studie von Crédit Logement/CSA soll der Markt 2009 gegenüber dem Vorjahr um rund 25% von 141 Mrd. Euro auf 105 Mrd. Euro schrumpfen.

Das Konzept des "médiateur du crédit" hat sich nach eigener Darstellung bewährt. Die Stelle wurde auf dem Höhepunkt der Finanzkrise eingerichtet, um die Schwierigkeiten der Unternehmen bei der Kreditbeschaffung zu antizipieren und eine Verhärtung des Finanzklimas zu verhindern. Kreditmediateur René Ricol verfügt über ein breites Netzwerk aus 140 Mitarbeitern und Experten aus Zentralbank, Finanzministerium, Arbeitgeberverband, Handelskammern und Regionen. Nach gut einem halben Jahr scheint die Mediation mit den Geschäftsbanken eingespielt, was den Übergang zu einem mehr langfristigen Konzept nahelegt: Ende Juli wurde hierzu ein Abkommen unterzeichnet zwischen der Mediationsbehörde, der Banque de France und dem Bankenverband FBF (Fédération bancaire française).

Bis Anfang Juli hatten 13.442 Unternehmen die Mediation in Anspruch genommen, angenommen wurden 11.517 Anträge mit einem Kreditvolumen über 2,46 Mrd. Euro. Finanziell gestützt mit Krediten über 1,1 Mrd. Euro wurden bis zu diesem Zeitpunkt 5.672 Unternehmen, was den Erhalt von 110.438 Arbeitsplätzen gesichert haben soll. Tendenziell stieg dabei die Anzahl der größeren Kreditbeträge: Der Antragsbestand bei Krediten über 500.000 Euro lag im Juni bei 8,4% gegenüber 6,0% zu Jahresbeginn.

Konkurs angemeldet haben 2008 laut Euler Hermes SFAC an die 52.000 Klein- und Mittelbetriebe, was einem Anteil von 22% entsprach. Die Agentur befürchtet, dass die Zahl der Konkurse 2009 auf 72.000 ansteigen könnte. Am stärksten betroffen seien der Automobilbau, das Baugewerbe und die Hersteller von Zwischenprodukten. Altares meldete für das 1. Quartal 2009 bereits 15.277 Konkurse - dies waren 21% mehr als im gleichen Quartal des Vorjahres.

(W.D.)

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Frankreich Finanzwesen, allgemein, Finanzierung, allgemein, Banken, Kreditinstitute

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