Internationale Märkte

06.07.2009

Griechische Unternehmen kommen in Liquiditätsprobleme

Griechische Unternehmen kommen in Liquiditätsprobleme

Massive Zunahme ungedeckter Schecks / Zuspitzung erwartet

Athen (gtai) - Umsatzrückgang und Zunahme der offenen Forderungen sind die Folgen der Wirtschaftskrise, die in Griechenland vor allem kleine und mittelständische Unternehmen treffen. Während Experten Banken zu mehr Flexibilität und verstärkter Finanzierung von Unternehmen auffordern, demonstrieren die Unternehmen selbst Unsicherheit über die weitere Entwicklung. Deutschen Unternehmen stehen eine Reihe von entsprechenden Institutionen zur Verfügung, um die Bonität ihrer griechischen Kunden zu prüfen.

Über 1,3 Mrd. Euro erreichte der Wert der ungedeckten Schecks, die von Januar bis Mai 2009 in Griechenland Banken zur Einlösung vorgelegt wurden. Dieser Betrag liegt bereits über dem Gesamtbetrag für das Jahr 2008. Im Mai 2009 stieg die Anzahl der ungedeckten Schecks um rund 24% gegenüber dem Vormonat, der Anstieg von Januar bis Mai 2009 im Vergleich zum Vorjahr lag bei 211%. Die absolute Zahl der ungedeckten Schecks erreichte bis Ende Mai 2009 fast 132.360. Erhöht hat sich 2009 auch die Zahl der ungedeckten Wechsel, die in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen war.

Auf ein späteres Datum ausgestellte Schecks haben in Griechenland den gleichen Stellenwert wie in Deutschland: Im Grunde genommen entscheidet der Empfänger, ob er bis zum notierten Datum wartet. Gibt er ihn früherer zur Einlösung, muss die Bank ihn begleichen. Sollte das Konto des Scheckausstellers kein ausreichendes Guthaben aufweisen, gilt der Scheck als ungedeckt. Allerdings sind in Griechenland nachdatierte Schecks gebräuchlicher als in Deutschland, und die Empfänger warten in der Regel bis zum Fälligkeitsdatum.

Die Industrie- und Handelskammer in Athen (EBEA) bewertet das Problem der ungedeckten Schecks als viel gravierender als bisher ersichtlich. Dabei beruft sie sich auf die Ergebnisse einer im April und Mai 2009 durchgeführten Studie des Marktforschungsunternehmens MARC über die Liquidität griechischer Firmen, insbesondere der kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU). Danach geben 70% der befragten KMU an, dass sie spürbar, zwei von zehn wenig und nur eins von zehn gar nicht von der gegenwärtigen Rezession getroffen wurden. Je kleiner ein Unternehmen ist, desto deutlicher spürt es die Auswirkungen der Wirtschaftskrise: Rund 79% der kleinen Betriebe verzeichneten seit Oktober 2008 einen Umsatzrückgang, 74% kämpfen mit der Liquidität und rund 68% haben mehr offene Forderungen, während sich bei rund 70% auch die Verbindlichkeiten erhöhten.

Zu den bewährten Wegen aus der Krise gehören nach Ansicht von Experten Investitionen, doch gerade dazu fehlt den KMU derzeit an Mut: Rund 37% der Befragten erwarten, dass sich 2009 ihre wirtschaftliche Situation verschlechtern wird, genau so viele rechnen mit Stabilität auf dem derzeitigen schwierigen Niveau. Nur 18% erwarten eine Verbesserung. Rund 30% der Befragten geben an, dass bezüglich der Liquidität Kooperationsprobleme mit den Banken bestehen, 13% droht ein Eintrag in die Kreditauskunft Tiresias SA und 12% sind insolvenzgefährdet. Daher fordert EBEA die Banken auf, mehr Finanzierungsprogramme zu entwickeln, um den Firmen aus ihrer misslichen Lage zu helfen. Rund ein Drittel hat sich in den vergangenen zwölf Monaten um einen Bankkredit bemüht, nur rund die Hälfte erhielt einen.

Trotz der Schwierigkeiten der Unternehmen gaben rund 75% der Befragten an, sie hätten in den vergangenen zwölf Monaten ihr Personal nicht reduziert, eine von zehn Firmen meldete sogar einen Anstieg der Anzahl der Beschäftigten.

Deutsche Unternehmen mit Forderungen gegen griechische Firmen können den Rechtsweg beschreiten. Am einfachsten ist es, einen Mahnbescheid ausstellen zu lassen. Zinsen werden bis zur Schuldbegleichung berechnet. Der Schuldner kann nach Erhalt des Mahnbescheids Rechtsmittel einlegen, wobei er die Rechtskosten trägt. Auch eine Klage vor Gericht ist möglich.

Die zuverlässigsten Stellen für Informationen über Unternehmen sind die 59 griechischen Berufskammern. Dabei ist die Industrie- und Handelskammer (EBEA, http://www.acci.gr) die wichtigste. Angaben zur finanziellen Situation eines Unternehmens erteilt das Marktforschungsunternehmen ICAP SA, das mit EBEA eng zusammenarbeitet. Eine weitere Organisation ist die Deutsch-Griechische Industrie- und Handelskammer (http://www.german-chamber.gr). Durch eine Initiative von fast allen in Griechenland vertretenen Banken wurde vor einigen Jahren Tiresias S.A. (http://www.tiresias.gr) gegründet. Tiresias verwaltet eine Datenbank über die wirtschaftliche Situation von Unternehmen. Die Dienstleistungen von Tiresias können allerdings nur von Banken, Kreditinstituten und Gesellschaften, die Zahlungsmittel (wie Kreditkarten) herausgeben oder verwalten sowie von Leasing- oder Factoring-Unternehmen und öffentlichen Trägern in Anspruch genommen werden.

(A.C.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Griechenland Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Zahlungsverkehr, Kreditauskunfteien, Inkassodienste, Finanzierung, allgemein, Konjunktur, allgemein

Weitere Informationen

Funktionen

Kontakt

Ingeborg Kozel

0228/24993-365

Suche

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschafts-daten, Zoll- und Rechts-informationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche