Internationale Märkte

03.07.2009

Höhere Zahlungsausstände in Polen

Höhere Zahlungsausstände in Polen

"Schlechte" Kredite und Firmenpleiten nehmen zu / Von Beatrice Repetzki

Warschau (gtai) - Verspätete Zahlungen machen Firmen in Polen immer mehr zu schaffen. Am schnellsten stiegen die offenen Forderungen im 1. Quartal in der Transportmittelbranche, darunter vor allem in der Pkw-Produktion. Auch die Holzverarbeitung und die Chemieindustrie klagen über dieses Phänomen. Die steigende Zahl der Insolvenzen verschärft dieses Problem noch. 2009 sollen mindestens 1.500 Firmen betroffen sein.

In Polen tätige Unternehmen beklagen immer häufiger verspätete Zahlungen durch ihre Vertragspartner. Am meisten betroffen sind Pkw-Produzenten, deren Forderungen aus Lieferungen und Leistungen im 1. Quartal 2009 um 35% stieg. Das errechnete die Tageszeitung "Rzeczpospolita" auf der Grundlage von Angaben des Statistischen Hauptamtes GUS. Klagen sind auch zu hören von Speditionen, in der Stahl- und Metallbrache sowie im Maschinenbau, deren offene Forderungen in Laufe eines halben Jahres zunahmen.

Zunahme der offenen Forderungen nach Branchen im 1. Quartal 2009 (in %)
Produktion von Pkw 35
Produktion von anderen Transportmitteln 23
Holzverarbeitung 21
Produktion von Chemikalien 21
Transport und Lagerung 21
Produktion von Metall 17
Textilindustrie 16

Quelle: Berechnungen der Tageszeitung "Rzeczpospolita"

Vergleichsweise positiv beurteilen dagegen IT-Firmen und Erdöl-Raffinerien ihre Lage. Auch sie haben zwar mit rückläufigen Aufträgen zu kämpfen, die Zahlungen ihrer Auftraggeber erhalten sie aber meistens pünktlich. Schlechter sieht es in der Bauwirtschaft aus, wo die Zahlungsausstände innerhalb von sechs Monaten um 4 Mrd. Zl (rund 0,9 Mrd. Euro, 1 Euro = 4,47 Zl; Stand: 30.6.09) zunahmen. Auch öffentliche Institutionen zahlen dem Vernehmen nach verspätet für Bauarbeiten.

Ende März 2009 betrugen die kurzfristigen Forderungen von Unternehmen mit mindestens zehn Mitarbeitern 271,2 Mrd. Zl. Sie hatten im Laufe des 1. Quartals um rund 8 Mrd. Zl zugenommen. Der Großteil (227,5 Mrd. Zl) betraf Lieferungen und Leistungen (+8,5 Mrd. Zl). Unter den Firmen setzte laut Rzeczpospolita ein Trend zur Verlängerung von Handelskrediten und verspäteten Zahlungen ein. Mitunter werden Reklamationen als Vorwand dafür genommen.

Es bestehen Befürchtungen, dass die Zahlungsausstände wachsen, sollten die Banken weiter die operationelle Tätigkeit der Unternehmen so zögerlich finanzieren. Die Firmen hoffen nun darauf, dass die Landeswirtschaftsbank BGK endlich damit beginnt, im Rahmen des Antikrisenprogramms der Regierung Bürgschaften und Garantien zu erteilen. Die BGK soll die Kreditvergabe an Unternehmen und lokale Behörden mit 20 Mrd. Zl unterstützen.

Die von dem Institut Pentor befragten Banken erwarten eine steigende Zahl von unsicheren Krediten. Daher dürfte künftig die Kreditvergabe sowohl an natürliche als auch an juristische Personen restriktiver erfolgen. Im Juni 2009 sei die Zahl ungetilgter Kredite in 37 Bankhäusern gestiegen. Gerade individuelle Kunden würden immer häufiger ihre Zahlungen verspätet leisten.

Von der größeren Vorsicht der Banken profitiert das Büro für Kreditinformation, Biuro Informacji Kredytowej (BIK), das im 1. Halbjahr 2009 rund 11,8 Mio. Kreditberichte an diese versandte. Das waren 18,9% mehr als im 1. Halbjahr 2008. Laut BIK werden etwa 11% der Bargeld-Kredite verspätet getilgt. Daher würden die Banken zur Jahresmitte nur noch 27% der Anträge zustimmen gegenüber noch 36% am Jahresanfang. Die BIK-Datenbank enthält 64 Mio. Kreditkonten, die 23 Mio. Personen gehören.

In den ersten fünf Monaten 2009 meldeten laut der Coface Poland 224 Firmen Insolvenz an. Das waren 40% mehr als von Januar bis Mai 2008. Darunter waren 57 Handelsfirmen, 23 Baubetriebe und 19 Nahrungsmittelunternehmen. Laut der Auskunftei Dun & Bradstreet reichten bis Ende Mai 262 Firmen Anträge auf Insolvenz und 369 auf Liquidierung ein. Das waren 89% mehr als in der gleichen Vorjahresperiode.

Dun & Bradstreet stützt sich bei ihrer Angabe auf die amtlichen Mitteilungen in den Gerichts- und Wirtschaftsmonitoren sowie auf bei Wirtschaftsgerichten eingegangene Anträge. Ihre Experten erwarten 2009 mindestens 1.500 Insolvenzen bzw. Liquidierungen von Unternehmen in Polen. Das würde dem Stand von 2007 entsprechen. In den Vorjahren hatte diese Zahl noch höher gelegen. Hinzu kommen einige Tausend Firmen, die während der Krise ihre Tätigkeit aussetzen.

Zahl der Insolvenzen und Liquidierungen polnischer Firmen
2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009*
2.350 2.237 1.972 1.713 1.580 1.274 631

*von Januar bis Mai eingereichte Anträge

Quelle: Dun & Bradstreet

Die größten Probleme haben derzeit exportorientierte Unternehmen wie Möbelhersteller und Zulieferer von Teilen. Die Situation soll sich in den Sommermonaten noch verschärfen. Die Zentralbank NBP rechnet mit einem leichten Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP) im 3. Quartal, womit aber der Tiefpunkt erreicht werden soll. Für das ganze Jahr 2009 prognostiziert die NBP einen geringen Zuwachs des BIP um 0,4%.

(B.R.)

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Polen Zahlungsverkehr, Kreditauskunfteien, Inkassodienste

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