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04.09.2009
Zahlungsmoral in Singapur bleibt 2009 intakt
Zahlungsmoral in Singapur bleibt 2009 intakt
Eingang von Forderungen verzögert sich jedoch leicht / Kreditkonditionen verschärft / Von Thomas Hundt
Singapur (gtai) - Die Zahlungsmoral der Firmen in Singapur gilt allgemein als gut. Seit Anfang 2009 müssen Gläubiger allerdings öfter säumigen Schuldnern "auf die Sprünge" helfen. Nach Angaben von Anwaltskanzleien nimmt die Häufigkeit von Mahnschreiben zu. Damit verstärkt sich während der Wirtschaftskrise die Tendenz zu Zahlungsverzögerungen, die 2006 bereits eingesetzt hatte. Die Zahl der Insolvenzen bewegt sich dabei noch in normalen Bahnen. Die Kreditversorgung gilt als gesichert, allerdings prüfen Banken Anträge genauer und verschärfen ihre Standards. (Kontaktanschrift)
Die Rezession seit Herbst 2008 hat zu Verzögerungen in Singapurs Zahlungsverkehr geführt. Seit den ersten Meldungen über die weltweite Finanzkrise managen Firmen ihren Cashflow vorsichtiger. Einige halten in unsicheren Zeiten möglichst hohe Barbestände und bezahlen vorrangig die dringendsten Rechnungen, berichten Marktbeobachter. Im regionalen Vergleich sei die Zahlungsmoral aber sehr gut. Eine Entwicklung zu etwas verspäteten Zahlungseingängen setzte bereits 2006 ein. Selbst in den Boom-Jahren 2006 und 2007 hatte die Wirtschaft ihre Forderungen nicht immer konsequent durchgesetzt und längere Fristen hingenommen.
Auf diese Gepflogenheiten weisen die Wirtschaftsauskunftsdienste DP Credit Bureau (DPCB) und Dun & Bradstreet (D&B) hin, die den Zahlungsverkehr von Unternehmen in Singapur beobachten. Sie analysieren Transaktionen der Firmen, die sich in ihren Datenbanken angemeldet haben, und erteilen Bonitätsauskünfte. Für genauere individuelle Recherchen über die Liquidität und Zahlungsfähigkeit sollten Rechtsanwälte oder Wirtschaftsprüfer konsultiert werden. Muss eine äußerst hohe Forderung verfolgt werden, können auch spezialisierte Detekteien vor Ort über Vermögensverhältnisse der Schuldner recherchieren.
Eine Datenbankauswertung von DPCB Ende März 2009 ergab, dass Unternehmen im letzten Quartal 2008 durchschnittlich 47 Tage auf Zahlungseingänge warten mussten, 2007 waren es 45 Tage und 2006 im Schnitt 43 Tage. Immerhin 43% der Unternehmen beglichen innerhalb der üblichen 30-Tage-Frist ihre Rechnungen. Firmen aus der Chemieindustrie gehörten gemäß der Untersuchung zu den besten Zahlern (91% innerhalb von 30 Tagen), während von Betrieben aus der Elektronikbranche lediglich 17% innerhalb eines Monats zahlten.
Durchschnittliche Zahlungseingänge nach Branchen
| Industriegruppen | 4. Quartal 2006 | 4. Quartal 2007 | 4. Quartal 2008 |
| Insgesamt | |||
| . Durchschnittlicher Zahlungseingang (in Tagen) | 43 | 45 | 47 |
| . 0 bis 30 Tage | 54% | 47% | 43% |
| . 31 bis 90 Tage | 37% | 45% | 48% |
| . über 90 Tage | 9% | 8% | 9% |
| Chemie | |||
| . Durchschnittlicher Zahlungseingang (in Tagen) | 23 | 23 | 24 |
| . 0 bis 30 Tage | 92% | 93% | 91% |
| . 31 bis 90 Tage | 8% | 7% | 8% |
| . über 90 Tage | 0% | 0% | 1% |
| Logistik | |||
| . Durchschnittlicher Zahlungseingang (in Tagen) | 51 | 55 | 56 |
| . 0 bis 30 Tage | 22% | 18% | 25% |
| . 31 bis 90 Tage | 70% | 73% | 60% |
| . über 90 Tage | 8% | 9% | 15% |
| Handel | |||
| . Durchschnittlicher Zahlungseingang (in Tagen) | 68 | 66 | 61 |
| . 0 bis 30 Tage | 19% | 23% | 23% |
| . 31 bis 90 Tage | 54% | 49% | 60% |
| . über 90 Tage | 27% | 28% | 17% |
| Bauwirtschaft | |||
| . Durchschnittlicher Zahlungseingang (in Tagen) | 51 | 53 | 56 |
| . 0 bis 30 Tage | 37% | 31% | 25% |
| . 31 bis 90 Tage | 51% | 58% | 63% |
| . über 90 Tage | 12% | 11% | 12% |
| Elektronik | |||
| . Durchschnittlicher Zahlungseingang (in Tagen) | 56 | 52 | 66 |
| . 0 bis 30 Tage | 32% | 33% | 17% |
| . 31 bis 90 Tage | 53% | 57% | 59% |
| . über 90 Tage | 15% | 10% | 24% |
| Dienstleistungen | |||
| . Durchschnittlicher Zahlungseingang (in Tagen) | 49 | 52 | 54 |
| . 0 bis 30 Tage | 34% | 28% | 27% |
| . 31 bis 90 Tage | 57% | 64% | 63% |
| . über 90 Tage | 9% | 8% | 10% |
Quelle: DP Credit Bureau
Der Auskunftsdienst D&B verweist als mögliche neue "Kandidaten" für verzögerte Zahlungen auf Baufirmen und Industriebetriebe. Wenn die Unternehmen über hohe Lagerbestände verfügten und bei ihren Einnahmen Schwierigkeiten erwarteten, würden sie neue Lieferanten eher nachrangig behandeln. Die Fachleute erkennen Mitte 2009 allerdings einen Aufwärtstrend bei den Wartezeiten. Der Auskunftsdienst klassifiziert als pünktliche Zahlung, wenn mehr als 90% des Rechnungsbetrages innerhalb der vereinbarten Frist eingehen. Dies waren im 2. Quartal 2009 rund 45% der Fälle, etwas mehr als die 41% im letzten Vierteljahr 2008. Vor der Finanzkrise im 1. Quartal 2008 wurden nach Berechnung von D&B 53% der Rechnungen pünktlich beglichen.
Ein Grund für schnellere Zahlungen sind steigende Auftragseingänge. Der vorlaufende Konjunkturindikator "Purchasing Managers Index", den das "Singapore Institute of Purchasing and Materials Management" monatlich erhebt, bewegt sich seit Mai 2009 im positiven Bereich und verbesserte sich im Juli 2009 erneut. Sowohl die Order aus dem Inland als auch die aus dem Ausland erholen sich.
Die Wirtschaftskrise hat inzwischen Marktbeobachtungen zufolge erste Opfer gefordert. Einige kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) mussten ihre Geschäftstätigkeit einstellen. Da die Anmeldung einer Zahlungsunfähigkeit nicht verpflichtend sei, würde bei vielen insolventen Unternehmen die Geschäftstätigkeit ruhen; später könne eine freiwillige Geschäftsauflösung erfolgen. Erst wenn ein Gericht eine Liquidation anordnet, sei ein Konkurs verpflichtend. Die Zahl der Unternehmen, die in "Compulsory Liquidation" aufgelöst wurden, sank von 370 im Jahr 1999 auf 132 Fälle im Jahr 2008. Das Insolvency and Public Trustee Office (Insolvenz- und Treuhand-Büro) erfasste in der 1. Jahreshälfte 2009 mit 60 Fällen noch keinen steigenden Trend bei den Pflichtkonkursen gegenüber dem Vorjahr.
Der höhere Liquiditätsbedarf strauchelnder Betriebe trifft auf eine wachsamere Kreditvergabe der Banken. Einige KMU berichten, dass Hausbanken ihre Kreditlinien kürzen. Die Institute prüfen zudem Neuanträge genauer und verschärfen ihre Kreditstandards. Eine Kreditklemme liegt jedoch nicht vor. Zwar wird ein fallendes Volumen am Firmenkreditmarkt seit dem 4. Quartal 2008 festgestellt, dies liege aber größtenteils an einer geringeren Nachfrage nach Finanzierungen als am mangelnden Kreditangebot, heißt es. So nahm das Kreditvolumen an Gewerbebetriebe gemäß Angaben der Zentralbank von einem Höchstwert von 163 Mrd. Singapur-Dollar (S$; rund 80 Mrd. Euro; 1 S$ = 0,49 Euro) im Oktober 2008 auf 154 Mrd. S$ im Mai 2009 ab. Darlehen an Verbraucher, darunter insbesondere Hypotheken, legten in dem Zeitraum sogar von 113 Mrd. auf 117 Mrd. S$ zu.
Lokale Banken berichten, dass ihre Ergebnisse im 2. Quartal 2009 besser als erwartet ausgefallen seien. Ihre Kunden hätten keine Probleme, Finanzierungen zu finden, meint beispielsweise die DBS Bank. Analysten bezeichnen den Finanzsektor als "gesund". Der Anteil der "notleidenden" Kredite - auf Dreimonatsbasis berechnet - nahm von Ende 2008 bis Mitte 2009 nur leicht auf handhabbare 2% zu.
Mit 5,8 Mrd. S$ unterstützt der Staat zudem die Kreditvergabe der Banken. So trat am 1.2.09 eine Risikobeteiligungsinitiative ("Special Risk-Sharing Initiative") in Kraft. Sie enthält finanzielle Garantien für Unternehmen bei der Beschaffung von Betriebs- und Handelskrediten. So übernimmt der Staat bis zu 80% des Ausfallrisikos bei Firmenkrediten im Volumen von bis zu 5 Mio. S$. Das Restrisiko tragen die kreditgebenden Geschäftsbanken, die eine Mindestverzinsung von 5% verlangen müssen.
Kontaktanschrift:
DP Credit Bureau Pte Ltd
72 Bendemeer Road #04-28, Luzerne, Singapore 339941
Tel.: 0065/67 38 19 00, Fax: -62 98 23 10
E-Mail: cs@dpcreditbureau.com.sg, Internet: http://www.dpcreditbureau.sg
(T.H.)
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