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31.03.2009
Brasilien behält offenen Zahlungsverkehr
Brasilien behält offenen Zahlungsverkehr
Keine Devisenbeschränkung / Zahlungsmoral nicht signifikant verschlechtert / Von Oliver Döhne
São Paulo (gtai) - Brasilien sieht den Protektionismus nicht als Lösung der Krise an und setzt sich international dagegen ein, sei es gegenüber dem Nachbarland Argentinien oder im Rahmen der G20. Der Zahlungsverkehr mit dem Ausland ist liberal. Inländische Banken geben ohne Probleme Devisen zur Bezahlung von Importen ab, Auflagen für Vorauszahlungen gibt es nicht. Bei der Zentralbank registriertes Auslandskapital kann ebenfalls ohne Schwierigkeiten ins Ausland zurücküberwiesen werden. (Kontaktanschrift)
Vertreter deutscher Banken in Brasilien bestätigen, dass die Regeln für den Kapitalverkehr mit dem Ausland aufgrund der Krise nicht eingeschränkt wurden. Daniel Mundt vom German Desk der WestLB sieht sogar eine Lockerung der Praxis. Auch Auflagen für Vorauszahlungen (Advanced Payments) existieren nicht, so Mundt. Nach Auskunft der brasilianischen Zentralbank ist das Gesetz, das den Kapital- und Devisenverkehr mit dem Ausland regelt seit der Krise nicht geändert worden, und falls es in den letzten Jahren Änderungen gab, gingen diese immer in Richtung Liberalisierung des Kapitalverkehrs. "Brasilien verhält sich diesbezüglich wie ein Musterschüler", sagt Bernd Kalbfell von der LBBW.
Bei der Zentralbank registriertes Auslandskapital kann ohne Probleme ins Ausland zurückgeführt werden. Mundt rät dabei aber unbedingt dazu, auf eine korrekte Registrierung zu achten und beispielsweise als "Intercompany loan" deklariertes Kapital auch als solches wieder abzuziehen, da es sonst zu einer unterschiedlichen steuerlichen Einordnung kommen kann.
Die Zahlungsmoral ist nach Aussage zahlreicher Marktteilnehmer nicht grundlegend schlechter geworden. Zwar ist in den ersten zwei Monaten 2009 beispielsweise die Anzahl der geplatzten Schecks um etwa 20% angestiegen, einen signifikanten Anstieg der Streitfälle über internationale Liefergeschäfte verzeichneten jedoch weder die Kanzleien noch die deutsch-brasilianischen Auslandshandelskammern (http://www.ahkbrasil.com). Beim Inkasso-Indikator International von Creditreform liegt Brasilien auf einer Skala von 1 bis 10 (wobei 10 der höchste Wert ist) bei 5,2 und liegt damit noch vor Schweden und Japan. Der Indikator bildet ab, wo es sich empfiehlt, bereits angemahnte Forderungen weiter zu verfolgen.
Wirksames Gegenmittel gegen Zahlungsverzug ist das landesübliche ständige Nachhaken beim Geschäftspartner, um diesen an die Außenstände zu erinnern. "Einfach stillschweigend auf sein Geld zu warten, bringt nichts", so Kalbfell. Als nächsten Schritt kann man den Schuldner in die Kartei der Serasa (http://www.serasa.com.br) eintragen lassen, die das Pendant zur deutschen Schufa ist. Hier ist es ebenfalls möglich, sich schon im Vorfeld über die Kreditwürdigkeit seines Geschäftspartners zu erkundigen. Auch die international tätigen Risikomanagementfirmen sind in Brasilien vertreten und bieten Auskunftsdateien zur Kreditwürdigkeit, zum Beispiel D&B (http://www.dnb.com.br) und Coface (http://www.coface.com.br). Anschließend sollte man einen Anwalt einschalten und einen außergerichtlichen Vergleich anstreben. Einen gerichtlichen Titel zur Zwangsvollstreckung zu erwirken kann in Brasilien sehr lange dauern. "Lieber ein schlechter Vergleich, als ein guter Prozess", heißt daher ein ungeschriebenes Gesetz in Brasilien.
Deutsche Exporteure sollten nach Meinung von Kalbfell zurzeit unbedingt die Hermes-Deckung der Bundesregierung in Anspruch nehmen, die momentan wesentlich leichter als üblich zu bekommen ist. Darüber hinaus bietet unter anderen die LBBW in Brasilien eine Forfaitierung von Forderungen aus Exportgeschäften an, so dass der Lieferant schnell an seine Geld kommt und das Risiko des Zahlungsausfalls an die Bank abgibt.
Der Nachfragerückgang infolge der Krise hat die Verhandlungsposition der Käufer verbessert, so dass deutsche Exporteure eventuell Zugeständnisse bei der Vereinbarung der Zahlungsmodalitäten machen müssen. Besonders bei regelmäßigen Geschäftsbeziehungen bieten sich Lieferantenkredite von 30 bis 60 Tagen an. Gern gesehen sind nicht zuletzt wegen der noch immer sehr hohen Zinsen in Brasilien Finanzierungspakete in Kooperation mit deutschen Finanzdienstleistern.
Kontaktanschrift:
WestLB do Brasil
German Desk
Ansprechpartner: Daniel Uwe Mundt
Av. Eng. Luiz Carlos Berrini, 716, 10. andar
04571 000 São Paulo, S.P
Tel.: 00 55 11/55 04 98 01, Fax: -55 04 99 83
E-Mail: daniel_mundt@westlb.com.br
Landesbank Baden-Württemberg (LBBW)
Representative Office São Paulo
Ansprechpartner: Bernd Kalbfell
Av. Nove de Julho, 5519, 11. andar
01407 São Paulo, S.P.
Tel.: 00 55 11/37 04 70 12, Fax: -30 78 64 59
E-Mail: bernd.kalbfell@LBBW.com.br
Commerzbank
Representative Office
Ansprechpartner: Reinhard Riegel
Rua Dr. Eduardo de Souza Aranha 387, 10. Andar, cj. 101
04543-121 São Paulo, S.P.
Tel.: 00 55 11/38 97 13 12, Fax: -38 97 13 09
E-Mail: commerzbank@terra.com.br
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