
SERVICE
10.12.2009
Zahlungsausstände in Polen wieder kürzer
Zahlungsausstände in Polen wieder kürzer
Finanzlage der Firmen bessert sich allmählich / Von Beatrice Repetzki
Warschau (gtai) - Unternehmen in Polen erhalten ihre Forderungsbeträge nun wieder schneller. Die vor der Krise üblichen Fristen werden jedoch noch nicht erreicht. Während im 3. Quartal 2009 die Überschreitung von Zahlungszielen durchschnittlich noch vier Monate und drei Tage betrug, waren es laut dem Landesschuldenregister KRD im November fast zehn Tage weniger. Inkasso-Firmen erhalten mehr Aufträge, wobei Kruk deutlich führt vor Euler Hermes und Lexus.
Immer noch gut ein Viertel der Firmen in Polen befürchtet künftig größere Schwierigkeiten bei der Eintreibung von Forderungen. Über die Hälfte dagegen erwartet eine unveränderte Situation. Am pessimistischsten sind dabei mittelständische Unternehmen mit 50 bis 249 Mitarbeitern. Das geht aus einer Befragung von 2.500 Firmen durch die Konferencja Przedsiebiorstw Finansowych (KPF, Konferenz der Finanzunternehmen) und des Krajowy Rejestr Dlugow (KRD, Landesschuldenregister) hervor.
Erwartung von Problemen bei der Schuldenbeitreibung (in % der befragten Firmen)
| Unternehmen nach Zahl der Mitarbeiter | Keine | Weniger | Gleichbleibend | Mehr |
| Bis 49 | 6,7 | 13,0 | 54,1 | 26,2 |
| 50 bis 249 | 3,1 | 6,6 | 61,8 | 28,5 |
| 250 und mehr | 6,4 | 12,3 | 54,7 | 26,6 |
Quelle: Konferenz der Finanzunternehmen KPF, Landesschuldenregister KRD
Polnische Firmenchefs betrachten aber die Lage ihrer Unternehmen inzwischen mit mehr Gelassenheit. Dennoch ist die Stimmung im Herbst 2009 etwas schlechter als ein Jahr zuvor, wie die Direktorin des Instituts für Wirtschaftsentwicklung IRG der Warschauer Elite-Hochschule SGH, Prof. Elzbieta Adamowicz, feststellt. Eine Belebung erwartet sie ab dem 2. Quartal 2010.
Gemäß der Konjunkturanalyse des IRG ist die Lage der verarbeitenden Industrie am besten unter den Wirtschaftssektoren. Weitgehend unbeschadet gehen auch die Banken aus der Krise hervor, die kaum in risikoreiche Papiere investiert haben. Schlecht sieht es dagegen weiter im Baugewerbe aus. Ein Gesetzesprojekt sieht mehr Garantiemöglichkeiten für fällige Zahlungen an Baubetriebe vor, um diese besser zu schützen. Der neuste Forderungsindex für den Unternehmenssektor der KPF, des IRG und KRD deutet ebenfalls auf eine Verbesserung von dessen Finanzlage hin.
Bei der Einhaltung der Zahlungsziele nähert man sich allmählich wieder dem Niveau von vor der Krise an. Die durchschnittliche Überschreitung davon sank letztens um knapp zehn Tage auf unter vier Monate. Im 3. Quartal 2009 hatte sie laut KRD noch vier Monate und drei Tage betragen. Große Unternehmen warten auf die Zahlungen ihrer Kunden am kürzesten. Immer noch 70% der vom KRD untersuchten Firmen betrachten die Ausstände als ernsthaftes Hindernis für ihre Entwicklung. Während das Firmen des Finanzsektors am wenigsten betrifft, klagen solche der Telekommunikationsbranche zunehmend darüber.
Die Nachfrage nach den Leistungen von Inkasso-Firmen steigt. In den ersten drei Quartalen 2009 erhielten die Inkasso-Firmen Aufträge zur Beitreibung von offenen Forderungen in Höhe von 7,4 Mrd. Zl (rund 1,8 Mrd. Euro, 1 Euro = 4,09 Zl; Stand: 4.12.09). Das waren 10% mehr als von Januar bis September 2008. Im Vorjahr fiel jedoch ein einmaliger Auftrag bezüglich mehrerer Verbindlichkeiten im Gesamtwert von 1,2 Mrd. Zl eines speziellen Fonds an die Firma EGB Investments besonders stark ins Gewicht. Im Verlauf von 2009 spielt diese Firma eine viel geringere Rolle.
Nur die drei Inkasso-Firmen Kruk, Koksztys und Pragma Inkaso haben im Jahresverlauf von 2009 Portfolios von Verbindlichkeiten aufgekauft. Die Übrigen nahmen lediglich Aufträge von Kunden entgegen. Immer mehr Gläubiger wollen offene Forderungen verkaufen. Aufgrund fehlender Fonds steigt die Nachfrage nach solchen Schulden jedoch nicht im gleichen Tempo. Die mit Abstand größte Inkasso-Firma blieb 2009 Kruk; APS Poland konnte aber kräftig zulegen. Die wichtigsten Kunden der Inkasso-Firmen sind Banken.
Wert der zur Beitreibung überlassenen Forderungen (in Mio. Zl)
| Name der Inkasso-Firma | 1.-3.Quartal 2008 | 1.-3. Quartal 2009 |
| Kruk | 2.372,0 | 2.883,0 |
| Euler Hermes | 1.418,2 | 1.517,3 |
| Lexus* | 933,1 | 1.291,0 |
| APS Poland | 234,9 | 1.020,9 |
| Koksztys | 248,0 | 331,0 |
| EGB Investment | 1.360,0 | 229,0 |
| Pragma Inkaso | 97,9 | 106,0 |
*zusammen mit der Europejska Grupa Finansowa
Quelle: Firmenangaben gemäß Tageszeitung "Rzeczpospolita"
Von den unsicherer gewordenen Zahlungseingängen profitieren Factoring-Anbieter nicht. Sie kauften in den ersten neun Monaten 2009 Rechnungen im Wert von 34,6 Mrd. Zl auf (-1,6% gegenüber Januar bis September 2008). Während die im Verband Polski Zwiazek Faktorow (PZF) vereinten Firmen ein Minus von sogar 13% auf 21,6 Mrd. Zl verzeichneten, meldeten die Factoring-Abteilungen von Banken ein Plus von 26% auf 13,0 Mrd. Zl. Das Gewicht der Banken wird weiter zunehmen. Kürzlich trat die Sparkassenorganisation mit ihrer Gesellschaft PKO BP Factoring auf den Markt. Noch vor Jahresfrist folgen ihr die Alior Bank und 2010 die Bank für Umweltschutz BOS durch die Gründung eigener Factoring-Bereiche auf diesem Weg.
Polnische Unternehmen gewähren EU-Vergleich eher kurze Zahlungsfristen von 22 Tagen. Ihre ausländischen Verbindlichkeiten laufen über durchschnittlich 40 Tage. Das geht aus dem Barometer der Zahlungspraxis des internationalen Kreditversicherers Atradius hervor. Im Sommer 2009 hatte die Firma Euler Hermes festgestellt, dass Zahlungen tatsächlich nach durchschnittlich zwei Monaten eingehen. Immer mehr Firmen verlieren ihre Liquidität. Von Januar bis Mitte September 2009 meldeten 1.257 Unternehmen Bankrott an bzw. befanden sich im Liquidierungsprozess. Das waren fast so viele wie im ganzen Jahr 2008 (1.274).
Das polnische Parlament (Sejm) arbeitet an einer Gesetzesänderung, wodurch Informationen über die Finanzlage und Kreditwürdigkeit von Unternehmen einem breiteren Interessentenkreis zugänglich gemacht werden. So könnten auch Inkasso-Firmen die Angaben der Wirtschaftsinformationsbüros nutzen.
Unternehmen in Polen stellen eine wieder größere Bereitschaft unter den Banken fest, Kredite zu vergeben und dabei bessere Konditionen anzubieten. Der Stand von vor der Krise sei dabei zwar noch nicht wieder erreicht, die Lage sei aber deutlich besser als noch vor einigen Monaten. Die Banken schätzen das Risiko inzwischen niedriger ein. Außerdem hat sich ihre Liquidität verbessert, und sie finden wieder schneller Finanzierungen. Kritisiert wird allerdings, dass die Finanzinstitute ausgewählte Unternehmen mit Krediten versorgen, die diese sicher tilgen können.
(B.R.)
Dieser Artikel ist relevant für:
Polen Zahlungsverkehr, Kreditauskunfteien, InkassodiensteWeitere Informationen
Funktionen