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14.12.2009
Keine großen Änderungen im Zahlungsverhalten in Korea (Rep.)
Keine großen Änderungen im Zahlungsverhalten in Korea (Rep.)
Kreditausfallraten moderat / Aktives Forderungsmanagement dennoch unerlässlich / Von Frank Robaschik
Seoul (gtai) - Das Zahlungsverhalten koreanischer Kunden hat sich in der Krise nicht wesentlich verschlechtert. Allerdings war es auch zuvor nicht makellos. Deshalb empfehlen Marktkenner übereinstimmend ein aktives Forderungsmanagement und ausreichend Sicherheiten. Die offiziellen Statistiken zeigen keine übermäßig hohen Kreditausfallraten. Allerdings bestehen Risiken gerade bei kleineren Firmen, die sich noch verstärken könnten, sollten die staatlichen Kreditgarantien auslaufen. Der zum Jahreswechsel 2008/09 eingebrochene Leasingmarkt erholt sich bereits wieder.
Das Zahlungsverhalten koreanischer Unternehmen hat sich trotz der Wirtschafts- und Finanzkrise im Durchschnitt nicht wesentlich verschlechtert. Zwar gab es von Ende 2008 bis Mai 2009 mehr Insolvenzen und Zahlungsausfälle, jedoch hat sich die Situation seit Mai 2009 gebessert und befindet sich mittlerweile nach Angaben der Bank of Korea wieder auf dem Niveau von vor der Krise. Diese Einschätzung wird von Marktkennern geteilt.
Ab September 2008 waren nach Angaben des Financial Supervisory Service (FSS) die Raten fauler Kredite gestiegen und erreichten im Februar 2009 mit offiziell 1,69% ihren Höhepunkt. Bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) waren es 2,67%. Seit Juni 2009 fielen die Quoten wieder deutlich geringer aus und beliefen sich im Oktober 2009 im Durchschnitt auf 1,19%. Bei KMU betrugen sie 1,85%, bei großen Firmen 0,83% (hier sind die Raten seit Juli 2009 wieder gestiegen) und bei Haushalten 0,59%. Der FSS will die Quoten auf unter 1% wie vor der Krise senken.
Eine wichtige Rolle bei der Verringerung spielte die Entscheidung der Regierung vom Februar 2009, die Kreditgarantien für KMU deutlich auszuweiten. Denn viele kleine Firmen sind finanziell sehr schwach ausgestattet und haben zum Teil Schwierigkeiten, genügend Einnahmen zu erzielen, um die Zinskosten zu decken. Die Ausweitung der Garantien ist offiziell bis zum Jahresende 2009 beschränkt. Allerdings dürfte es - selbst wenn die Garantien zurückgefahren würden - andere Maßnahmen geben, um den KMU-Sektor zu stützen.
Schwierigkeiten bestehen immer noch bei kleinen Schiffbauern und Schifffahrtslinien. Zu kämpfen haben auch einzelne krisengebeutelte Automobilhersteller und ihre Zulieferer. Firmen der Bauwirtschaft waren stark von der Krise getroffen, profitieren aber zumindest zum Teil von den neuen Bauprojekten der Regierung.
Für deutsche Lieferanten relevant war, dass die selbst exportabhängigen koreanischen Firmen in der Krise weniger bestellten. Hinzu kam, dass die Kunden, vor allem im 4. Quartal 2009 und im 1. Quartal 2010, oft um Verschiebungen von Projekten baten. Neben der Hoffnung auf einen wieder stärkeren koreanischen Won war unter anderem die Finanzierung der Vorhaben ein Problem. Insbesondere der Leasingmarkt war im 1. Quartal 2009 - wie schon in der Asienkrise zehn Jahre zuvor - eingebrochen, konnte sich jedoch bereits im 2. Quartal 2009 wieder erholen.
Die Banken sind zwar von der Krise betroffen, wurden vom Staat aber angehalten, ihre Kredite möglichst zu prolongieren, allerdings gleichzeitig ein aktives Management ihrer schlechteren Kredite zu betreiben und die schwächeren Kunden zu einer Restrukturierung zu bringen. Falls die Verbindlichkeiten zu hoch sind, so der Plan, sollen Unternehmensteile verkauft werden, notfalls an einen vom Staat eingerichteten Fonds. Ein prominentes Beispiel eines Unternehmens, dass aus Liquiditätsgründen Firmenteile verkaufen muss, ist die Kumho-Asiana-Gruppe. Hier und bei Privatisierungsbemühungen bei Staatsfirmen können sich auch für ausländische Unternehmen Chancen für Zukäufe ergeben.
Die Bandbreite der Einschätzungen ist sehr groß, insgesamt scheint es jedoch keine wesentliche Verschlechterung der Zahlungsmoral koreanischer Kunden zu geben. Allerdings war diese auch vor der Krise nicht makellos, wobei die Unternehmen hier sehr unterschiedliche Erfahrungen gesammelt haben. Firmen, Händler und die deutsch-koreanische Auslandshandelskammer betonen jedoch übereinstimmend, dass die Begrenzung des eigenen Risikos sehr wichtig ist. Denn gerade in schwierigen Zeiten ist Liquidität von großer Bedeutung und koreanische Firmen versuchen, Geld so lange wie möglich zu halten.
Vor allem bei teureren Lieferungen sollte deshalb zur Untermauerung von Kaufversprechen in jedem Fall eine Anzahlung vereinbart werden. In der Regel empfehlen Marktkenner 10 bis 20% des Kaufpreises. Kann keine Anzahlung vereinbart werden, so sollte der Kunde innerhalb kurzer Fristen (beispielsweise zehn Tage) ein Akkreditiv eröffnen. Sonst kann es passieren, dass der deutsche Lieferant schon in Vorleistung geht und der Kunde es sich noch einmal anders überlegt, beispielsweise wegen einer veränderten Marktsituation.
Bei Maschinenlieferungen ist nach Händlerinformationen eine typische Relation 20% Anzahlung (bei Auftragserteilung), 70% Hauptzahlung (bei Verschiffung) und 10% Rückbehalt (nach Abnahme). Bestehe die Gefahr, dass der Kunde die Abnahme verzögert, könne eine sogenannte "latest"-Klausel aufgenommen werden. Anhand dieser wird definiert, bis wann der Kunde spätestens (zum Beispiel nach sechs Monaten) zahlen muss. Generell kauften koreanische Kunden jedoch erstklassige Produkte und seien daran interessiert, dass alles - einschließlich Abnahme - funktioniere.
In Korea (Rep.) tätige Unternehmen berichten, dass es schwierig ist, einen vereinbarten Eigentumsvorbehalt durchzusetzen. Dies gelte insbesondere, wenn der Abnehmer eine kleine schwächere einheimische Firma sei, deren Produktion und Arbeitsplätze durch die Durchsetzung des Eigentumsvorbehalt in Gefahr gerät. Umso bedeutender werden Sicherheiten wie Anzahlungen oder Akkreditive, insbesondere bei finanziell schwächeren Kunden. Als ergänzende Sicherheiten können Schuldscheine genutzt werden. So seien unter anderem zweitrangige Eintragungen auf Grundstücke der Ehefrau durchaus akzeptiert. Auch über eine revolvierbare Bankgarantie können Lieferanten ihr Risiko begrenzen.
Mit der Pünktlichkeit der Zahlungen wird es nicht immer ganz genau genommen. Deshalb ist ein aktives Forderungsmanagement sehr wichtig. Dazu zählen Anrufe und persönliche Besuche beim Schuldner. Deutsche Firmen berichten, dass beispielsweise bei einem vereinbarten Zahlungsziel von 30 Tagen in der Praxis trotz aktiven Forderungsmanagements im Durchschnitt oft mit einem tatsächlichen Eingang von 45 Tagen nach Lieferung gerechnet werden muss.
Bestehen unbeglichene Forderungen, so bietet die Deutsch-Koreanische Industrie- und Handelskammer einen Interventions- und Mediationsservice an. Die Kammer kann auch die Korea Importers Association (KOIMA) und Industrieverbände einschalten, da es dem säumigen Schuldner in der Regel unangenehm ist, in den Verbänden, in denen er selbst ein geschätztes Mitglied sein möchte, mit solchen Problemen konfrontiert zu werden. Eine andere Option ist die Anrufung eines Schiedsgerichts. Entsprechende Vereinbarungen sollten bereits im Vertrag mit dem koreanischen Kunden festgelegt werden. Daneben gibt es Inkassofirmen wie unter anderem die National Information & Credit Evaluation Inc. (NICE).
(R.F.)
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