Internationale Märkte

09.02.2010

Kroatien will Krisenunternehmen mit bis zu 2 Mrd. Euro unterstützen

Kroatien will Krisenunternehmen mit bis zu 2 Mrd. Euro unterstützen

Zahlungsverzug hat 2009 stark zugenommen / Von Torsten Pauly

Zagreb (gtai) - Die staatliche Kroatische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung HBOR (Hrvatska banka za obnovu i razvitak) wird sich mit Krediten und Bürgschaften von insgesamt 4 Mrd. Kuna (K; 1 Euro = 7,32 K; Stand: 29.1.10) an Darlehen beteiligen, die private Geldhäuser an Unternehmen in der Krise vergeben. Damit sollen Kredite von insgesamt 14,5 Mrd. K zur Verfügung stehen. Um Mittel freizusetzen, senkt die Kroatische Nationalbank auch die Mindestreserve der Banken um einen Prozentpunkt auf 13%. (Kontaktanschriften)

Die ersten Gelder wird die HBOR ab dem 16.2.10 zur Verfügung stellen. Die Maßnahmen sind nach derzeitigem Stand bis Ende 2010 befristet. Dies sagte Kroatiens Premierministerin Jadranka Kosor, als sie das Paket Ende Januar 2010 vorgestellt hat. Demnach wird es zwei Modelle geben, mit denen die HBOR Kredite unterstützt.

Zum einen beteiligt sich die HBOR mit 30% an den Darlehen, während die anderen 70% die Banken aufbringen müssen. Für dieses Modell stehen bei der HBOR 2 Mrd. K zur Verfügung, so dass sich mit den Anteilen der Banken eine maximal mögliche Gesamtsumme von 6,5 Mrd. K ergibt. Allerdings hat die Regierung eine Reihe von Kriterien dafür festgelegt, unter welchen Umständen in Kroatien registrierte juristische Personen derartig unterstützte Darlehen in Anspruch nehmen können.

So dürfen sich die Kreditnehmer nicht vor Ausbruch der allgemeinen Wirtschaftskrise - das heißt vor dem 1.7.08 - in finanziellen Schwierigkeiten befunden haben. Ferner dürfen keine unbeglichenen Schulden gegenüber dem Staat bestehen, wobei allerdings auch die nun erteilten Kredite zur Tilgung genutzt werden können. Schließlich können die mit staatlicher Unterstützung erteilten Gelder nicht zum Kauf von Aktien oder anderen Anteilen genutzt werden. Ausgeschlossen sind auch Wetteinrichtungen, Schankbetriebe und ähnliche Gewerbe.

Das zweite Modell sieht vor, dass die HBOR mit Bürgschaften das Risiko von Bankkrediten für Unternehmen in Notlage reduziert. Allerdings dürfen die HBOR-Garantien nur 25 bis 50% des gesamten Darlehens abdecken. Da hierfür bei der HBOR weitere 2 Mrd. K zur Verfügung stehen, summiert sich die Maximalhöhe der so ermöglichten Kredite auf 8 Mrd. K. Vorgesehen ist, dass das zweite Modell vor allem bei Investitionsprojekten Anwendung findet sowie zur Umschuldung von Krediten, die seit dem 1.7.08 aufgenommen wurden.

Das Volumen der Bankkredite an Unternehmen hat sich 2009 laut den neuesten verfügbaren Zahlen für die ersten drei Quartale insgesamt zwar nur geringfügig um 0,1% auf 96,7 Mrd. K verringert. Allerdings gab es dabei einen starken Anstieg der Darlehen auf Fremdwährungsbasis, die sich um 15,3% auf 16,6 Mrd. K ausgeweitet haben. Bei den Krediten auf an Unternehmen auf Basis der Landeswährung Kuna ist es dagegen zu einem Rückgang von 2,8% auf 80,1 Mrd. K gekommen.

Im November 2009 hat die kroatische Finanzagentur Fina landesweit 26.196 juristische Personen mit einem Zahlungsverzug von insgesamt 20,7 Mrd. K registriert. Damit ist die Zahl der Schuldner binnen Jahresfrist um 31,5% und die Höhe der Außenstände um 44,3% angestiegen. Darüber hinaus erfasste die Fina im November 2009 auch 36.491 säumige Privatpersonen, etwa 15,3% mehr als im November 2008. Deren Verbindlichkeiten sind im gleichen Zeitraum um 23,9% auf 5 Mrd. K gestiegen.

Wegen der Wirtschaftskrise hat Kroatiens Industrie 2009 insgesamt 9,8% weniger produziert als 2008. Dabei waren die Rückgänge im verarbeitenden Gewerbe (-10,6%) und im Bergbau (-10,8%) noch größer, während die Energie- und Wasserversorgung sogar ein Plus von 2,3% verzeichnen konnte. Auch die ausgeführten Leistungen der Bauindustrie waren in den ersten elf Monaten 2009 um 6,0% geringer als im gleichen Vorjahreszeitraum. Insgesamt ist Kroatiens Bruttoinlandsprodukt 2009 um 5,8% geringer ausgefallen als 2008, so die Schätzung der EU-Kommission.

Weiter gewachsen ist zuletzt der kroatische Leasingmarkt. Der Wert aller Verträge hat sich Ende des dritten Quartals 2009 auf 41,5 Mrd. K summiert, über 10,4% mehr als vor Jahresfrist. Die größte Bedeutung hatte Ende September 2009 das Pkw-Leasing mit einem Volumen von 15,3 Mrd. Kuna, gefolgt von Nutzfahrzeugen (8,2 Mrd. K), Maschinen und Ausrüstungen (8,0 Mrd. Kuna) sowie Immobilien (6,6 Mrd. K). Eine große Rolle spielt im Adrialand auch das Leasing von Booten (2,8 Mrd. K).

Kontaktanschriften

Hrvatska narodna banka

(Kroatische Nationalbank)

Trg hrvatskih velikana 3; 10002 Zagreb

Tel.: 0038 51/456 45 55, Fax: - 461 05 51

E-Mail: info@hnb.hr, Internet: http://www.hnb.hr

Hrvatska banka za obnovu i razvitak- HBOR

(Kroatische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung)

Strossmayerov trg 9; 10000 Zagreb

Tel.: 0038 51/459-16 66, Fax: -17 90

E-Mail: ured-uprave@hbor.hr; Internet: http://www.hbor.hr

Financijska agencija FINA

(Finanzagentur)

Vrtni put 3, 10000 Zagreb

Tel.: 0038 51/612-71 11, -80 16, Fax: -89 86

E-Mail: info@fina.hr, Internet: http://www.fina.hr

(P.T.)

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Kroatien Geld / Preise / Inflation / Währung, allgemein, Wirtschaftsförderung, Industriepolitik

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