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24.06.2010

Frankreich investiert stärker in den Elektroantrieb

Frankreich investiert stärker in den Elektroantrieb

Mehrere Produktionsstätten für Batteriewerke im Aufbau / Von Waldemar Duscha

Paris (gtai) - Frankreich strebt in der Elektromobilität eine Vorreiterrolle in Europa an, wozu auch der Aufbau größerer Werke für leistungsfähige elektrische Batterien zählt. Nach Johnson Controls-Saft, Renault, Bolloré engagiert sich auch Dow Kokam in dem Zukunftsmarkt, der maßgeblich von umfangreichen Finanzspritzen des Staates vorangetrieben wird. Laut der Regierung sollen im Jahr 2020 rund zwei Millionen Elektroautos auf Frankreichs Straßen fahren, die öffentlichen Versorgungsunternehmen sollen bis 2015 etwa 100.000 Elektrofahrzeuge erhalten.

Die Grande Nation beansprucht in Sachen Elektromobilität bereits seit längerem eine Pole Position in Europa. Als erstes großes Serienmodell kommt im Juni der Blue Car des Groupe Bolloré auf den Markt. PSA Peugeot Citroën wird in Kooperation mit Mitsubishi und Venturi (Monaco) im Laufe des Jahres seine vier Modelle Berlingo First Electric, Partner Origin, Citroën C-Zéro im Markt einführen. Renault will 2011 mit den Modellen Kangoo und Fluence und 2012 mit den Modellen Zoe und Twizy folgen, die Technologie für den Batterieantrieb stammt vom japanischen Partner Nissan. Insgesamt wollen PSA und Renault in den Jahren 2011 und 2012 rund 60.000 Elektroautos produzieren.

Die Allianz Renault-Nissan hat bisher nach eigenen Angaben etwa 4 Mrd. Euro in ihr Programm der Elektromobilität investiert. In diesem Zusammenhang wurden seit etwa anderthalb Jahren gut 30 Partnerschaften abgeschlossen mit öffentlichen Einrichtungen in Ländern wie Israel, Schweiz, Portugal und Irland wie auch mit Stadtverwaltungen (Barcelona) oder Stromunternehmen wie EDF, RWE oder Alpic. Die Gruppe betreibt zudem ein intensives Lobbying in Brüssel zwecks gemeinsamer EU-Normen für das Aufladen von Elektrobatterien.

In der Produktion von Elektrobatterien existieren bisher die vier Unternehmen Johnson Controls-Saft, Renault, Bolloré und Dow Kokam. Dow Kokam übernahm Anfang des Jahres die Société des véhicules électriques (SVE) von der Gruppe Marcel Dassault. Im Gegenzug wurde der französische Flugzeugbauer Minderheitsaktionär von Dow Kokam, die erst 2009 gemeinsam von Dow Chemical und der amerikanisch-koreanischen Townsend Kokam gegründet wurde. Ab November will Dow Kokam France in der Nähe von Paris (Vert-le-Petit/Essonne) jährlich 15.000 Elemente für Lithium-Ionen-Batterien für den Einsatz in etwa 5.000 Elektroautos produzieren, die Investition beträgt 5 Mio. Euro. SVE entwickelte seit 2002 Lithium-Ionen-Batterien mit Flüssigkühlung und Energieleitungssysteme für Elektroautos, die in den Fahrzeugflotten von EDF und La Poste getestet wurden. Dow Kokam erhält Finanzhilfen vom amerikanischen Energie-Department DoE.

Unternehmen Investition (Mio. Euro) Produktion (Einheiten) Beginn
Bolloré 60 2.000 bis 3.000 September 2009
Bolloré 250 12.500 April 2012
Dow Kokan 5 15.000 November 2010
Renault/Nissan 600 100.000 2012
Johnson Controls-Saft 15 bis 20 5.000 bis 10.000 Januar 2008

Quelle: Les Echos, Usine Nouvelle

Der Groupe Bolloré verkündete im Mai den Bau einer zweiten Fabrik für Lithium-Metallpolymer-Batterien für das eigene Modell Blue Car und Nutzfahrzeuge von Gruau. Standort ist das Département Finistère in der Bretagne, die Investition beträgt 250 Mio. Euro und soll 350 Arbeitsplätze schaffen. Baubeginn ist der Januar 2011, die Inbetriebnahme soll im April 2012 erfolgen. Die ersten Modelle des Blue Car werden beim italienischen Partner Pininfarina gebaut und kommen in der zweiten Jahreshälfte auf den Markt, bestimmt als Mietfahrzeuge für Unternehmen und Privatpersonen. Gruau wird die Batterien in kleineren Serien abnehmen für ein Produktionswerk von jährlich 200 bis 300 Elektrobussen in Laval en Mayenne.

Bolloré eröffnete bereits im letzten September eine erste Fabrik mit 150 Beschäftigten und einer Investition von 60 Mio. Euro in Ergué-Gabéric bei Quimper. Die Kapazität beträgt hier 2.000 bis 3.000 Batterien pro Jahr. Eine weiteres Werk errichtet die Gruppe im kanadischen Montreal für 76 Mio. Euro. Weltweit will Bolloré im letzten Jahrzehnt über 1 Mrd. Euro in die Elektromobilität investiert haben. Zur Sicherung des Rohstoffs Lithium wurde eine Assoziation mit dem Unternehmen Eramet vereinbart, Verträge bestehen unter anderem mit Argentinien und Bolivien als den Ländern mit den weltweit größten Reserven. Neu ist die Idee, Elektrobatterien für private Haushalte zu entwickeln, die als Stromspeicher für die Spitzenbedarfszeit der Winterperiode dienen sollen.

Das bislang teuerste Batteriewerk errichtet Renault in Flins für 600 Mio. Euro, woran sich der Staat über seinen Strategischen Investitionsfonds FSI mit 125 Mio. Euro beteiligt. Die in den Yvelines nahe Paris angesiedelte Fabrik soll nicht nur Renault, sondern potentiell alle Automobilkonstrukteure versorgen. Beteiligt an dem Projekt sind neben Renault auch das Partnerunternehmen Nissan, an dem Renault eine Beteiligung von 44% hält, der Batteriespezialist NEC und die französische Atomenergiebehörde CEA (Commissariat à l'Énergie Atomique).

Die erste große Investition kam 2008 von weltweit größten Batteriehersteller Johnson Controls im Joint Venture mit dem französischen Unternehmen Saft, einem Entwickler von Energiespeichern und industriellen Hightech-Batterien. Das gemeinsame Unternehmen trägt nun den Namen Johnson Controls-Saft Advanced Power Solutions und widmet sich der globalen Entwicklung, Fertigung und Vermarktung von Lithium-Ionen-Batterien für hybridelektrische Fahrzeuge und Elektrofahrzeuge. Produziert wird im Standort Nersac bei Bordeaux, die Kundschaft besteht aus Unternehmen wie Mercedes (S-Klasse 400 Hybrid), General Motors (Saturn Vue Green Line Plug-In Hybrid), Chery Automobile, SAIC Motor Corporation und Dodge Sprinter.

Massgeblich für ein stärkeres unternehmerisches Engagement in punkto Elektroantrieb dürfte die staatliche Zielvorgabe sein, die öffentlichen Unternehmen bis 2015 mit 100.000 Elektrofahrzeugen auszustatten, darunter allein 10.000 für La Poste. Im April erfolgte eine erste Ausschreibung über 50.000 elektrische Nutzfahrzeuge über fünf Jahre für 50.000 Autos für etwa 20 öffentliche und private Unternehmen. Überdies gewährt der Staat privaten Käufern als Anreiz bis 2012 einen Zuschuss von 5.000 Euro für Autos mit einem CO2-Ausstoss von maximal 60 g/km und 2.000 Euro für Hybridfahrzeuge bis 135 g/km.

Bis Mitte 2012 könnten aus Sicht der Regierung in zwölf Ballungszentren 1.250 öffentliche Ladestationen verfügbar sein, was Investitionen über rund 60 Mio. Euro erforderte. Das Ziel für 2020 liegt bei einer Million Ladestationen mit einem Investitionsaufwand von insgesamt 1,5 Mrd. Euro.

Forschung und Entwicklung erhalten ebenfalls staatliche Unterstützung. Laut Industrieminister Christian Estrosi beteiligt sich der Staat über den FSI an einem neuen F&E-Zentrum für Lithium-Batterien, die leichter und kostengünstiger sein sollen. Hierbei handelt es sich um ein Kooperationsprojekt zwischen Renault, das CEA und der AESC (Automotive Energy Supply Corporation), dem Gemeinschaftsunternehmen von Nissan und NEC. Insgesamt will die Regierung rund 400 Mio. Euro für den im September 2009 vorgestellten Plan "véhicules électriques" verausgaben (F&E, Ladestationen, Produktion, Öko-Bonus, Arbeitsgruppe für Normen etc.), der rund zwei Millionen Elektrofahrzeuge bis 2020 zum Ziel hat - dies entspräche etwa 5% des nationalen Fahrzeugparks. (W.D.)

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Frankreich Straßenfahrzeuge, allgemein, Personenkraftwagen (Pkw)