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30.07.2010
Neue Wirtschaftsstruktur für russisches Gebiet Orenburg bis 2030
Neue Wirtschaftsstruktur für russisches Gebiet Orenburg bis 2030
Pläne der Regionalverwaltung: Biotechnologien, Pharma, Mechatronik und Tourismus ergänzen Öl und Gas / Von Gerit Schulze
Orenburg (gtai) - Die russische Region Orenburg will bis 2030 ihre Wirtschaftsstruktur deutlich verändern. Dadurch sollen das Bruttoregionalprodukt und die Einkommen der Bevölkerung kräftig wachsen. Unter anderem ist ein neuer Technopark im Umland der Gebietshauptstadt geplant. Außerdem hofft die Verwaltung auf Investoren in den Bereichen Müllverarbeitung, Biotechnologie, Backwaren und Energieeffizienz. Große Investitionsprojekte sind darüber hinaus bei der Rohstoffverarbeitung geplant. (Kontaktanschrift)
Die Oblastverwaltung Orenburg hat große Pläne für die Zukunft. Bis 2030 sollen sich die Monatseinkommen in der Region auf 40.000 Rubel (rund 1.000 Euro) gegenüber dem heutigen Stand vervierfachen. Jedem Einwohner soll dann doppelt so viel Wohnraum zur Verfügung stehen (40 statt bislang 21 Quadratmeter). Die durchschnittliche Lebenserwartung soll um acht auf 75 Jahre steigen.
Um die Ziele zu erreichen sind nach Berechnungen der Gebietsverwaltung Investitionen von 2,6 Billionen Rubel (nach heutigen Preisen knapp 70 Milliarden Euro) notwendig. Diese Ziele sind in der Entwicklungsstrategie der Oblast Orenburg für die Zeit bis 2030 festgelegt.
In den nächsten 20 Jahren wird ein größeres Sortiment und bessere Qualität der metallurgischen Erzeugnisse aus der Region Orenburg angestrebt. Der Maschinenbau soll seine Produktionseinrichtungen modernisieren und mehr weltmarktfähige Erzeugnisse entwickeln. In der Öl- und Gasindustrie ist eine größere Verarbeitungstiefe geplant. Die Landwirtschaft ist angehalten, mehr Produkte in Nachbarregionen und im Ausland abzusetzen. Die Bauwirtschaft soll einerseits preisgünstigeren Wohnraum erstellen, andererseits aber auch die Qualität der Bauausführung verbessern. Die Administration hofft auf neue Wirtschaftszweige und die Ansiedlung von Unternehmen aus den Bereichen Biotechnologie, Medizintechnik, Pharma und Mechatronik, Informationstechnologien und Energiespartechnologien.
Wie Vize-Wirtschaftsminister Andrej Jefremow Mitte Juli 2010 beim Besuch einer deutschen Unternehmerdelegation in Orenburg betonte, suche die Region noch Investoren und Projektpartner für den Bau einer Müllverarbeitungsanlage. Außerdem würden Produzenten von Baustoffen und Baumaterialien gebraucht. Ebenso willkommen seien Verarbeitungsbetriebe für Raps und Speiseöl sowie Brotfabrikanten und Gewächshausbetreiber.
Im Baustoffsektor ist ein zentrales Investitionsprojekt vorerst Opfer der Krise am russischen Bau geworden: das Dyckerhoff-Zementwerk in Akbulak, 80 Kilometer südlich von Orenburg. Ursprünglich wollten die Wiesbadener dort auf der grünen Wiese 350 Millionen Euro investieren, um Jahreskapazitäten von zwei Millionen Tonnen aufzubauen. Doch die Absatzflaute und die niedrigen Zementpreise haben Dyckerhoff gezwungen, das Projekt vorerst auf Eis zu legen, erklärte eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage von Germany Trade and Invest. Bevor die Zementnachfrage in Russland nicht wieder nachhaltig anziehe, werde das Werk nicht gebaut. Dyckerhoff hat nahezu alle Baugenehmigungen für die Anlage bereits bekommen. Die Bauzeit würde zwei bis drei Jahre dauern.
Gute Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen bietet der Bereich Energieeffizienz. Wie alle russische Regionen muss auch die Orenburger Oblast in diesem Jahr ein Konzept zur Senkung des Energieverbrauchs vorlegen. Bereits im Frühjahr 2010 wurde dafür in Orenburg ein Zielprogramm verabschiedet. Bis 2020 soll die Energieintensität des Bruttoregionalprodukts um 40% sinken. Die Gebietsverwaltung will unter anderem den Einbau von Verbrauchszählern subventionieren. Dabei sind vor allem Warm- und Kaltwasserzähler gefragt. Anfang April 2010 war erst jedes siebte Mehrfamilienhaus in der Region mit entsprechenden Geräten ausgestattet.
Als weitere Maßnahme zur Senkung des Energieverbrauchs ist vorgesehen, dezentrale Mini-Heizkraftwerke auf Grundlage von Gaskolben-Brennkraftmaschinen zu errichten. Auch der Bau von Windkraftanlagen sowie von Hybrid-Kraftwerken wird in dem Regionalprogramm vorgeschlagen. Das Zielprogramm geht von einem Investitionsbedarf in Höhe von fast 50 Milliarden Rubel (1,3 Milliarden Euro) zur Umsetzung der Energiesparprojekte aus. Aus dem regionalen Haushalt sollen in den nächsten fünf Jahren insgesamt 350 Millionen Rubel (rund 9 Millionen Euro) zur Projektfinanzierung bereit gestellt werden.
Gute Liefermöglichkeiten sind mittelfristig auch an den internationalen Flughäfen von Orenburg und Orsk zu erwarten. Bislang gehört der Airport Orenburg noch der örtlichen Fluggesellschaft Orenburgskie awialinii (Orenair). Da das Unternehmen bislang vor allem in die Modernisierung seines Flugzeugparks investiert hat, fehlten die Mittel für die Modernisierung von Terminal und Abfertigungsinfrastruktur. So gibt es am Inlandsterminal bis heute kein zeitgemäßes Kofferband. Es ist vorgesehen, den Flughafen an die Oblastverwaltung zu übertragen, um so Investitionen von rund vier Millionen Euro auf dem Gelände in Gang zu bringen. Als aussichtsreiches Geschäftsfeld wird unter anderem die Organisation von Businessflügen auf Kurzstrecken in der Wolgaregion, zum Beispiel nach Nischni Nowgorod, angesehen. Am Flughafen Orsk sollen bis 2011 ebenfalls vier Millionen Euro investiert werden.
Ein weiteres interessantes Investitionsprojekt ist die Schaffung eines Technoparks in Orenburg. Dafür würden im Moment die Voraussetzungen geschaffen, erklärte der für Investitionspolitik zuständige Abteilungsleiter Sergej Podkopajew. Vorteil der Gewerbeflächen soll sein, dass sämtliche Versorgungsleitungen von Beginn an zur Verfügung stehen. Die Investitionen zum Aufbau des Technoparks werden auf umgerechnet 23 Millionen Euro taxiert.
Im Tourismus sieht die Region Orenburg Möglichkeiten bei der Erschließung des berühmten Salzsees bei Sol-Ilezk (Salzgehalt entspricht dem des Toten Meeres), rund um den Stausee Iriklinskoje, im Waldgebiet Busulukski Bor sowie im Skifahrtzentrum Kuwandykskie gory. Die Gebietsverwaltung würde außerdem ein verstärktes deutsches Engagement bei der Ausbildung von Fachkräften in technischen Berufen begrüßen.
Standortvorteile der Orenburger Oblast
| Vorteil | Anmerkungen |
| Geografische Lage an der Grenze zwischen Russland und Kasachstan | Entfernungen: Moskau 1.500 km, Astana 1.500 km, Taschkent 1.850 km |
| Straßennetz | 12.500 km Straßennetz, davon knapp 800 km föderale Trassen (u.a. Autobahn Kasan-Orenburg) |
| Luftfahrt | Zwei internationale Flughäfen (Orenburg und Orsk) |
| Bodenschätze, zum Teil unerschlossen | Über 2.500 verschiedene Bodenschätze. Darunter Öl, Gas, Bunt- und Schwarzmetalle, Gold, seltene Erdmetalle, Stein- und Kalisalz, Marmor, Kies |
| Steuerpräferenzen | Investoren kann ein verringerter Gewinnsteuersatz von 16% (statt 20%) gewährt werden, teilweise Wegfall der Vermögensteuer |
| Kreditsubventionen | Finanzierung der Kreditzinsen für Investitionsprojekte aus dem regionalen Haushalt, Bereitstellung zinsvergünstigter Kredite mit einem Zinssatz von 6 bis 7% p.a. |
| Ausbildungssystem | 35 Hochschulen, 16 große Forschungsinstitute, 370 Patentanmeldungen in den letzten zehn Jahren |
Quelle: Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung der Region Orenburg
Laufende und geplante Investitionsprojekte in der Oblast Orenburg
| Projekt | Investor/Initiator | Realisierungszeitraum | Kosten in Mrd. Rubel |
| Aufbau einer Produktion von Ethylen, PE und PP (über 1 Mio. t pro Jahr) | OOO Gasprom dobytscha Orenburg | 2010 bis 2017 | 97,8 |
| Elektrifizierung und Ausbau der Eisenbahnstrecke Orenburg-Krasnogwardejez-Sennaja | OAO RZhD (Filiale Südural) | ab 2015 | 33,0 |
| Komplex zur Braunkohleverarbeitung (Strom, Methanol, Propylen) | OAO Orenburgugol | 2010 bis 2016 | 10,5 |
| Bau von Mini-Kraftwerken in den Rajon-Zentren der Oblast | OOO Orenburgskaja uprawljajuschtschaja energetitschetskaja kompanija | 2010 bis 2015 | 9,9 |
| Produktion von Porenbeton für den Wohnungsbau (deutsche Technologie von Wehrhahn) | SAO Sawodenergostroi | 2011 bis 2012 | 3,4 |
| Bau eines Perinatal-Zentrums zur Schwangerenbetreuung in Orenburg (170 Betten) | Regierung der Orenburger Oblast | 2010 bis 2014 | 3,3 |
| Bau der Eigenheimsiedlung Iwanowka bei Orenburg (429 Häuser) | OOO Ekodolje Orenburg | 2009 bis2013 | 2,6 |
| Modernisierung des Fleischkonservenwerks Orsk | SAO Orski Mjasokombinat | 2009 bis 2012 | 2,4 |
| Erdölverarbeitung nach Euro-3 bis Euro-5-Standards | SAO Buguruslan-Neftebererabotka | 2010 bis 2014 | 2,3 |
| Modernisierung des Schweinzuchtbetriebes im Sakmarski rajon | OOO NPO Juschny Ural | 2010 bis 2011 | 1,3 |
| Verarbeitungsanlage für Steinkohlenteer | OAO Uralskaja stal | 2009 bis 2011 | 1,0 |
Quelle: Broschüre "Inwestizionny pasport Orenburgskaja Oblast"
Kontaktanschrift
Ministerstwo ekonomitscheskowo raswitija, promyschlennoi politiki
i torgowli Orenburgskoi oblasti
(Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung, Industriepolitik
und Handel der Orenburger Oblast)
Ansprechpartner: Sergej Olegowitsch Podkopajew
(Abteilungsleiter für Investitions- und Innovationspolitik)
Tel.: 007 3532/78 63 26, Mobil: 007 912/84 55 771
460015 Orenburg, Dom Sowjetow
E-Mail: sop@mail.orb.ru, Internet: http://www.orenburg-gov.ru
(S.Z.)
Dieser Artikel ist relevant für:
Russland Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Energiepolitik, Abfallentsorgung, Recycling, Baustoffe (Zement, Mörtel, Gips etc.), Deponie und Abfallaufbereitungsbau, Luftverkehr / Flughäfen, Mess- und Regeltechnik, Heiz, Klima-, Luft-, Kühl- u. KältetechnikWeitere Informationen
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