Internationale Märkte

25.01.2010

Rumänien plant PPP-Projekte im Wert von 7 Mrd. Euro

Rumänien plant PPP-Projekte im Wert von 7 Mrd. Euro

Erste Konzessionsvergabe für Autobahnbau ist unterzeichnet / Bulgarien setzt hingegen auf EU-Gelder / Von Annika Pattberg

Sofia (gtai) - Die beiden Balkanländer Rumänien und Bulgarien setzen bei ihren umfangreichen Autobahn-Vorhaben teilweise auf unterschiedliche Strategien. Während die Bulgaren ihre Highways ausschließlich mit bereit stehenden EU-Fördermitteln finanzieren wollen, streben die Rumänen für den anstehenden Bau von 1.900 Autobahnkilometern auch Private Public Partnership-Projekte (PPP) an. Mitte Januar 2010 vergab Rumänien die erste Konzession; insgesamt sind PPP-Vorhaben im Wert von knapp 7 Mrd. Euro vorgesehen. (Kontaktanschriften)

Bereits 2009 hatten das französische Unternehmen Vinci und das griechische Unternehmen Aktor den Tender für das erste PPP-Projekt im rumänischen Straßenbau gewonnen. Mitte Januar 2010 wurde nun auch der Vertrag unterschrieben. Was genau für die lange Verzögerung gesorgt hat, ist nicht bekannt. Es hatte allerdings einigen Wirbel im Rahmen der Ausschreibungsverfahren gegeben. Zwei von den insgesamt drei Geboten waren laut Pressemitteilung des Transportministeriums als nicht annehmbar eingestuft worden.

Das Gewinner-Konsortium Vinci-Aktor hatte im Rahmen seines Gebotes eine Streckenführung vorgeschlagen, die 3 km kürzer ist als in der Machbarkeitsstudie vorgesehen. Statt 58 km wird das Autobahnteilstück nun lediglich 55 km lang sein. Somit müssen auch weniger Flächen enteignet werden als ursprünglich gedacht. Das Konsortium verpflichtet sich, das Autobahnteilstück Comarnic-Brasov innerhalb von vier Jahren, bis 2014, fertigzustellen und anschließend 26 Jahre lang zu betreiben.

Konzessionsvergabe Autobahn Comarnic-Brasov
Beteiligte Unternehmen (Konsortium): Vinci (Frankreich), Aktor (Griechenland)
Wert: 1,2 Mrd. Euro
Streckenlänge: 55 km
Bauzeit: 2010 bis 2014
Gesamte Konzessionsdauer (Bau und Betrieb): insges. 30 Jahre
Maximale Geschwindigkeit: 120 km/h
Tunnel-Gesamtlänge: 30 km
Brücken und Viadukte (Anzahl/km): 16 Stück/8 km

Zusammenstellung Germany Trade & Invest

Bei dem Vorhaben handelt es sich um ein absolutes Novum für das Karpatenland. Die erste Konzessionsvergabe soll aber nicht die letzte sein. Auf der Internetseite des rumänischen Transportministeriums werden schon seit längerem weitere Vorhaben angekündigt. So soll auch der geplante 101 km lange Autobahn-Ring um die Hauptstadt Bukarest als öffentlich-privates Partnerschaftsprojekt gestemmt werden. Das Vorhaben hat einen Wert von 1,9 Mrd. Euro. Besonders kostspielig, da besonders gebirgig, ist ein Teilstück des Verkehrskorridors IV. Diese 117 km lange Strecke zwischen Sibiu (Hermannstadt) und Pitesti soll geschätzte 3,2 Mrd. Euro kosten. Desweiteren als PPP-Projekt gebaut werden sollen ein Teilstück von Korridor IX sowie die Strecke Ploiesti-Comarnic, die längst nicht so gebirgig ist wie das jetzt vergebene Teilstück Comarnic-Brasov und darum auch deutlich günstiger.

Autobahnbau Rumänien: Konzessions-Vorhaben
Vorhaben/Strecke Länge (km) Aktueller Stand Wert (Mio. Euro)
Autobahn Comarnic-Brasov 55 Vertrag im Januar 2010 unterschrieben. Bauzeit: 2010-2014 1.200
Autobahn Sibiu-Pitesti (Korridor IV) 117 Machbarkeitsstudie fertig, Ausschreibung steht noch aus 3.246
Ring-Autobahn Bukarest ("Centura Bucuresti") 101 Machbarkeitsstudie fertig. Ausschreibung steht noch aus 1.870
Autobahn Ploiesti-Focsani (Korridor IX) 133 Machbarkeitsstudie wird von Louis Berger erstellt k.A.
Autobahn Ploiesti-Comarnic 49 Search Corporation erstellte Machbarkeitsstudie 379
Summe 455 6.695 *)

*) ohne Ploiesti-Focsani

Quelle: Zusammenstellung: Germany Trade & Invest; CNADNR; Stand: 20.1.10

Die Vergabe von Konzessionen soll den Autobahnbau in Rumänien endlich ins Rollen bringen. Bisher wurden pro Jahr immer nur einige Kilometer fertig gestellt. Die wenigen bestehenden Autobahnkilometer in dem Karpatenland, beispielsweise zwischen Pitesti und Bukarest, gelten schon wieder als dringend erneuerungsbedürftig.

Im südlichen Nachbarland Bulgarien haben die zuständigen Behörden hingegen anscheinend das Interesse an PPP-Verträgen im Straßenbau verloren. Im Gespräch waren mehrere Vorhaben gewesen, darunter Konzessionsvergaben für die Trakia-Autobahn und für den rund 3,2 km langen Shipka-Tunnel durch das Balkan-Gebirge. Inzwischen meinen Experten, dass das Verkehrsaufkommen in Bulgarien zu gering sei und sich solch ein Vorhaben aufgrund der geringen Maut-Einnahmen für private Unternehmen nicht rechnet.

Die Trakia-Autobahn wird nach langem Hin und Her nun über einen EU-Fördertopf (Operationelles Programm "Transport") finanziert. Der erste Tender für das Teilstück zwischen Stara Zagora und Nova Zagora (Los 2) ist bereits beendet. Der Tender für die Strecke Nova Zagora - Jambol (Los 3) soll bis zum 25.1.10 veröffentlicht werden. Die Ausschreibungsunterlagen für das Teilstück Jambol - Karnobat (Los 4) werden nach jüngster Planung voraussichtlich ab Ende Februar 2010 erhältlich sein.

Autobahnbau Bulgarien: Trakia-Autobahn

Streckenabschnitt Stand Länge (km) Wert (Mio. Euro)
Stara Zagora-Nova Zagora Tender-Verfahren abgeschlossen. Gewinner steht noch nicht fest 31,8 96
Nova Zagora-Jambol (Yambol) Ausschreibung wird Ende Januar 2010 veröffentlicht 35,7 108
Jambol (Yambol)-Karnobat Ausschreibung wird Ende Februar 2010 veröffentlicht 47,7 146
Summe (-) 115,2 350

Quelle: Zusammenstellung Germany Trade & Invest, Stand: 20.1.10

Der Gewinner für Stara Zagora-Nova Zagora wurde noch nicht bekannt gegeben. Über 60 Unternehmen, viel mehr als erwartet, hatten sich die Ausschreibungsunterlagen besorgt, unter ihnen viele ausländische. Angebote eingereicht haben am Ende aber nur acht Unternehmen beziehungsweise Konsortien, darunter bekannte Namen wie Strabag, Alpine, Dogus, Aktor und Terna. Das türkische Bau-Unternehmen Dogus ist derzeit am Bau der zweiten U-Bahn-Linie in Sofia stark involviert. Auch Terna ist schon länger in Bulgarien aktiv. Das griechische Unternehmen engagiert sich im Rahmen der Modernisierung und Elektrifizierung einer Eisenbahn-Strecke Richtung Türkei.

Voraussichtlich soll der Shipka-Tunnel durch das Balkan-Gebirge nun ebenfalls über EU-Fördermittel finanziert werden. Die ausstehende Ausschreibung für die Machbarkeitsstudie wird sicherlich auch deutsche Ingenieurbüros interessieren. Noch vor wenigen Monaten hatte die zuständige Agentur "Straßeninfrastruktur" auf ihrer Internetseite eine Konzessionsvorgabe angekündigt.

Kontaktanschriften für Autobahn-Bauten in Rumänien:

Compania Nationala de Autostrazi si Drumuri Nationale din Romania S.A. (CNADNR)

Nationalunternehmen für Autobahnen und Straßen in Rumänien

Bulevardul Dinicu Golescu 38, 010873 Bucuresti (Bukarest)

Tel.: 004021/318 66 51

Internet: http://www.cnadnr.ro

AHK Rumänien (Auslandshandelskammer)

Strada Clucerului 35, 011363 Bucuresti

Tel.: 004021/223 15-31, Fax: -38

Internet: http://www.ahkrumaenien.ro

Transport- und Infrastrukturministerium ("Ministerul Transporturilor si Infrastrukturii")

Internet: http://www.mt.ro

Kontaktanschriften für Autobahn-Bauten in Bulgarien:

Agentur "Straßeninfrastruktur"

Macedonia Blvd. 3, 1606 Sofia

Tel.: 003592/91 73 32 72, -952 12 62

Internet: http://www.napi.government.bg

AHK Bulgarien (Auslandshandelskammer)

Ansprechpartner für Infrastrukturprojekte: Andreas Schäfer

Fr. Joliot Curie Str. 25 A, 1113 Sofia

Tel.: 003592/816 30-10, Fax: -19

E-Mail: ahk-office@ahk-bg.org, Internet: http://bulgarien.ahk.de

(A.P.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Bulgarien, Rumänien Finanzierung, allgemein, Straßen-, Brücken- und Tunnelbau, BOT/PPP

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