
19.08.2010
Ehrgeizige Ziele für VR Chinas Hybrid- und Elektrofahrzeuge
Ehrgeizige Ziele für VR Chinas Hybrid- und Elektrofahrzeuge
Marktführung im Visier / Kaufanreize sollen Absatz ankurbeln / Von Bernd Schaaf
Shanghai (gtai) - Bei der Entwicklung von Hybrid- und Elektro-Pkw will die VR China die weltweite Marktführerschaft erringen. Deshalb plant Beijing, dem Sektor in den nächsten zehn Jahren mit insgesamt 100 Mrd. RMB unter die Arme greifen. Vorgesehen sind Kaufanreize zur Absatzförderung und Steuererleichterungen für Hersteller. Der Staat will ferner Forschung und Entwicklung fördern und investiert in energiesparende Technik, um den Verbrauch von Benzin und Diesel zu drosseln.
Die VR China hat große Ziele bei der Entwicklung von energiesparenden Fahrzeugen mit alternativen Antrieben. Nach einer teilweise publizierten Planung, die vom Staatsrat demnächst genehmigt werden soll, will das Land bis 2020 der weltweit größte Markt für solche Automobile werden. Das vom Industrieministerium erarbeite Papier sieht nach Angaben der "Shanghai Zhengquan Bao" (China Securities News) vor, dass Beijing in den nächsten zehn Jahren 100 Mrd. Renminbi Yuan (RMB, etwa 11,6 Mrd. Euro, 1 Euro = 8,65 RMB) Fördergelder bereitstellt, um den Sektor voran zu bringen.
Im Einzelnen ist vorgesehen, dass insbesondere die Entwicklung von Elektro- sowie von Hybridfahrzeugen gefördert werden soll. Gleichzeitig soll die Erforschung von Brennstoffzellen vorangetrieben werden. Der Bestand an Automobilen mit "neuen Antrieben" (Plug-In-Hybride, Elektro- sowie Brennstoffzellenfahrzeuge) soll bis 2020 auf 5 Mio. Stück ansteigen.
In einem ersten Schritt wird angestrebt, bis 2015 die Effizienz traditioneller Antriebe zu verbessern. Im Vergleich zu 2008 sollen sie dann durchschnittlich um 35% weniger Brennstoff benötigen. Der Flottenverbrauch soll auf 5,9 l pro 100 km gesenkt werden. Fünf Jahre später sind dann 4,5 l im Visier. Ferner wird angestrebt, dass der Bestand an Hybridfahrzeugen bis 2015 auf 1 Mio. Fahrzeuge steigt.
Bis 2020 sollen dann die jährlichen Absätze von Hybrid-Automobilen auf 3 Mio. Stück erhöht werden. Beijing erwartet, dass am Ende des Zeitraums 5 Mio. Fahrzeuge mit Hybrid-, Elektro- oder Brennstoffzellenantrieb auf den chinesischen Straßen unterwegs sind.
Diese Zahl wird allerdings als konservativ bezeichnet. Gelänge es, Hindernisse, wie zum Beispiel das Problem der noch nicht ausreichend vorhandenen Elektrotankstellen, zu beseitigen, läge der erwartete Absatz weit über den Planzahlen. Insgesamt soll bis 2020 die Produktion von energiesparenden und/oder EE-Modellen 15 Mio. Stück erreichen.
Von den erwarteten Mitteln im Umfang von 100 Mrd. RMB ist vorgesehen, die Hälfte in die Entwicklung energiesparender Motoren sowie von EE-Fahrzeugen fließen zu lassen. Weitere 30 Mrd. RMB sollen zur Demonstration und Popularisierung von EE- Technik verwendet werden (Beispiel: Expo). Schließlich will Beijing mit 20 Mrd. RMB die Hybrid-Technik voranbringen.
Schon vorher war bekannt geworden, dass batteriegetriebene Automobile Subventionen von bis zu 60.000 RMB pro Fahrzeug erhalten sollen, bei Hybrid-Pkw sind immerhin noch 50.000 RMB vorgesehen. Diese Kaufanreize reichen jedoch offensichtlich noch nicht aus. In der Diskussion stehen daher Vorschläge, verschiedene Steuern für den Kauf reiner Elektrofahrzeuge komplett auszusetzen und für Hybrid-Pkw zu halbieren. Auch Fahrzeug- sowie Teilehersteller für energiesparende und EE-Pkw könnten unter Umständen eine steuerliche Begünstigung oder Vorzugsbehandlung erhalten, heißt es.
Um Erfahrungen mit dem Absatz von Hybrid- und Elektrofahrzeugen zu sammeln, wurden daher zur Jahresmitte die fünf Städte Shanghai, Changchun, Shenzhen, Shanghai sowie Hefei zu Experimentierzonen erklärt. Der Staat will insgesamt 5 Mrd. RMB bereitstellen, um herauszufinden, unter welchen Umständen Konsumenten bereit sind, solche Pkw zu erwerben. Die Rede ist von zusätzlichen Kaufanreizen im Umfang von 3.000 RMB.
Zur Jahresmitte gab die Reformkommission zusammen mit dem Industrie- und dem Finanzministerium bekannt, man wolle künftig 71 energieeffiziente Modelle mit Kaufanreizen im Umfang von 3.000 RMB finanziell unterstützen. Voraussetzung ist, dass die Pkw einen Hubraum von maximal 1,6 l aufweisen und eine Einsparung beim Verbrauch von mindestens 20% garantieren. Neben chinesischen Herstellern wie BYD, Brilliance und Chery sind auch ausländische Erzeuger wie VW, General Motors oder Honda aufgelistet.
Aber auch in China wachsen die Bäume nicht in den Himmel. BYD, der Anbieter, der bislang den Elektro-Hype maßgeblich als Werbung für das eigene Unternehmen genutzt hat, rudert nun wieder zurück. Entgegen den bisherigen Firmenangaben wurde die Massenproduktion des E6 (eines reinen Elektrofahrzeugs) zur Jahresmitte 2010 nicht aufgenommen. BYD will jetzt nur noch 100 Fahrzeuge des E6-Modells als Taxi in der Wirtschaftssonderzone Shenzhen einsetzen. Dabei profitiert ein BYD-Kunde nicht nur von den Subventionen von 60.000 RMB, sondern die Stadt erlässt zusätzlich die Lizenzgebühren im Umfang von 45.000 RMB. Auch der Hybrid F3 DM ist durch seinen Preis nur bedingt wettbewerbsfähig. Der Listenpreis beträgt 170.000 RMB. Für Pkw mit Hybridantrieb können Käufer 50.000 RMB staatliche Subvention bekommen. Shenzhen selbst steuert 30.000 bei (oder: keine Lizenzgebühren im Umfang von 45.000 RMB).
Nach Angaben der "Meiri Jingji Xinwen" (National Business Daily - NBD) will Shenzhen den Kauf von Elektro- oder Hybridfahrzeugen zusätzlich mit Kaufanreizen im Umfang von 20.000 RMB versüßen. NBD bleibt in einer Analyse allerdings skeptisch, da die drei "Flaschenhälse" bei Elektrofahrzeugen weiterhin bestehen würden. Dies betreffe Zuverlässigkeit und Lebensdauer der eingesetzten Batterietechnik, die hohen Preise der Akkumulatoren sowie bislang noch nirgends zufriedenstellende Versorgung mit Stromtankstellen.
Ohnehin sind chinesische Käufer bislang extrem zurückhaltend beim Erwerb von Hybrid- oder Elektrofahrzeugen. Laut "China Automotive Review" wurden von BYD in den ersten fünf Monaten 2010 nur 66 Fahrzeuge verkauft, darunter 30 des E6 und 36 des Hybridmodells F3 DM (dual mode). Auch der Toyota Prius läuft in China bislang sehr schlecht. 2009 konnten immerhin noch 899 Hybride abgesetzt werden. In den ersten fünf Monaten 2010 (letztverfügbare Werte) wurde allerdings nur ein Fahrzeug verkauft, im Vergleich zu 353 Pkw in der entsprechenden Vorperiode. Durch die nun bereitgestellten Kaufanreize mag sich die Situation geringfügig verbessern, von einem Durchbruch kann allerdings keine Rede sein.
Im Gegensatz zu Hybrid- und Elektrofahrzeugen spielen Pkw mit Brennstoffzellenantrieben (BZ) bislang nur eine untergeordnete Rolle. So fahren beispielsweise auf dem Expo-Gelände in Shanghai derzeit etwa 1.200 Fahrzeuge mit "neuen" Motoren. Davon entfallen aber nur 200 auf BZ-Pkw, während 500 Hybrid- und 500 Elektrofahrzeuge im Einsatz sind.
Zu den wenigen angebotenen BZ-Fahrzeuge gehören beispielsweise der in Shanghai gefertigte Passat von VW oder ein Roewe von SAIC. Chinesische Eigenentwicklungen sind der Besturn des VW-Partners FAW in Changchun, der Zhixiang der Firma Chang'an sowie der Dongfangzhizi von Chery.
Der Direktor des Automobilinstituts der Tongji-Universität (Shanghai) sieht zwar eine gewisse Entwicklung des BZ-Marktes. Seiner Einschätzung nach wird es aber erst ab 2025 zu einem substantiellen Einsatz von BZ-Pkw kommen können.
Kfz-Teile Hersteller für EE-Motoren
| Unternehmen | Internet |
| Zhuzhou CSR Times Electric Co., Ltd. | http://www.timeselectric.cn |
| Shanghai Edrive Co., Ltd. | http://www.chinaedrive.com |
| China Tex Mechanical & Electrical Engineering | http://www.srdrive.com |
| Jiangsu Weiteli Motors-Manufacturing Co., Ltd. | http://www.weiteli.cn |
| Jing-Jin Electric (JJE) Co., Ltd. | http://www.jjecn.com |
Quelle: Presseberichte
Lithium-Batterie-Hersteller
| Unternehmen | Internet |
| BYD Auto | http://www.bydauto.com.cn |
| CITIC Guoan Menguli (MGL) | http://www.mgl.com.cn |
| Thunder Sky Battery Limited | http://www.thunder-sky.com |
| Wanxiang Electrical Vehicle Co., Ltd. | http://www.wanxiang.com.cn |
Quelle: Presseberichte
(S.G.)
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