Internationale Märkte

18.08.2010

Ostafrikas Banken in verändertem Umfeld

Ostafrikas Banken in verändertem Umfeld

Mehr Wettbewerb günstig für Kreditkunden / Strukturbereinigung in Tansania / Von Inge Hackenbroch

Nairobi (gtai) - In Ostafrika bessern sich die Bedingungen für die Finanzierung von Investitionen durch lokale Banken tendenziell. Vor allem in Kenia ist das Zinsniveau gesunken, doch wird die zögerliche Weitergabe an Kreditnehmer durch die Banken kritisiert. Positive Auswirkungen gibt es bei der Wohnungsbaufinanzierung. Verschärfte Kapitalanforderungen in Tansania könnten dortige Institute in Schwierigkeiten bringen und vermehrt zu grenzüberschreitenden Übernahmen führen. (Kontaktanschriften)

Das Umfeld für die Finanzierung privater Investitionen durch lokale Banken soll in Ostafrika günstiger werden. Dies gilt besonders für Kenia. Hintergrund sind der verstärkte Wettbewerb zwischen den Instituten sowie das niedrige Zinsniveau auf Einlagen, das den Banken bei den Ausleihzinsen Spielraum nach unten gibt. Allerdings wird verstärkt Kritik laut, dass die Geschäftsbanken ihren Kostenvorteil aus niedrigen Anlagezinsen nur äußerst zögerlich an die Kreditkunden weitergeben.

Wie bei einem Forum der Kenya School of Monetary Studies im August 2010 festgestellt wurde, liegen trotz Senkung des Leitzinses der Zentralbank auf 6% und eines Rückgangs der Verzinsung kurzfristiger Schatzbriefe auf rund 2% die Zinsen für Verbraucherkredite immer noch zwischen 15 und 19%, für Geschäftskredite zwischen 15 und 16%. Von Zinsermäßigungen profitieren in Kenia bislang nach Angaben von Experten vor allem potenzielle Hausbesitzer durch generelle Abwärtstendenz bei den Hypothekenzinsen.

Im letzten Jahr ist die Verzinsung der Einlagen von einem Höchststand zwischen 10 und 11% auf 6 bis 7% gefallen. Parallel dazu haben sich die Hypothekenzinsen stetig ermäßigt. Nach einem Bericht der Wirtschaftszeitung "Business Daily" liegt derzeit das günstigste Angebot bei unter 11% (Stanchart), während die Konkurrenten teilweise 13,5% (Kenya Commercial Bank) oder 11,9% (Barclays Bank) verlangen.

Bei den Instituten gibt es inzwischen Pläne zur erweiterten Kapitalbeschaffung in Millionen-Dollar-Umfang, um sich ausreichend Liquidität zu sichern. Führendes Institut auf dem Hypothekenmarkt ist Housing Finance mit einem Anteil von 35% der Ausleihungen. Hier steht dem Vernehmen nach ebenfalls eine Zinssenkung an, sobald die geplante Einführung von Girokonten dem Institut größeren Spielraum für Ausleihungen gibt. Derzeit nimmt das Institut 12,5% auf Hypotheken und bereitet zur Finanzierung von langfristigen Wohnungsbauprojekten die Ausgabe von Schuldverschreibungen im Umfang von umgerechnet rund 125 Mio. US$ vor. Damit würde sich die Kapitalbasis etwa vervierfachen auf circa 170 Mio. US$.

Statistiken der Zentralbank zufolge entfallen annähernd 23% der Bankenausleihungen auf private Darlehensnehmer. Von diesen insgesamt circa 10 Mrd. US$ wurden etwa 15% zur Finanzierung von Immobilien aufgenommen. Rund 30% der Ausleihungen gehen an Unternehmen.

Die kenianische Regierung will ein Programm zur Kreditvergabe speziell an klein- und mittelständische Unternehmen - Small and Medium Enterprises (SMEs) - erweitern. Im Finanzministerium soll es Pläne geben, das Volumen von umgerechnet rund 47 Mio. auf über 600 Mio. US$ auszuweiten. Die zusätzlichen Mittel sollen von internationalen Finanzgebern sowie den lokalen Geschäftsbanken zur Verfügung gestellt werden.

Allerdings erwarten Experten, dass sich die Konkurrenz um Einlagen wieder verschärfen dürfte, wenn die Anleger stärker auf besser verzinste Anlagemöglichkeiten ausweichen. Dies könnte tendenziell Steigerungen bei den Einlagenzinsen bewirken, mit entsprechender Beeinträchtigung der Gewinnmarge der Banken. Die führenden Institute sehen daher schon Schwierigkeiten auf sich zu kommen, das Niveau der Halbjahresergebnisse 2010 bis zum Ende des Jahres aufrecht zu erhalten.

In Tansania könnte die Verschärfung von Kapitalanforderungen an Banken eine Tendenz zu grenzüberschreitenden Fusionen auslösen. Die dortige Zentralbank hat nach Berichten aus Dar es Salaam das vorgeschriebene Mindestkapital fast verdreifacht auf umgerechnet knapp 11 Mio. US$ für Geschäftsbanken und rund 5,5 Mio. US$ für andere Finanzinstitute. Experten sehen bereits den Zusammenbruch kleinerer Banken voraus, falls diesen die Erfüllung der neuen Anforderungen nicht gelingt.

Vor allem von Instituten im Kommunalbesitz wurden Befürchtungen laut, das notwendige Kapital nicht aufbringen zu können. Dies könnte zu einer Umstrukturierung der Anteilseigner führen und zum Hinzuziehen von Investoren aus anderen Regionen. Im Zuge der verstärkten Integration innerhalb der East African Community (EAC) könnte sich hieraus auch eine Entwicklung zur grenzüberschreitenden Übernahme von Banken ergeben, wobei vor allem die starken kenianischen Institute in Frage kommen dürften.

Kontaktanschriften:

Kenya Institute of Bankers

Lyric Hse, Kimathi Street

Nairobi, Kenya

Tel.: 00254/20/31 30 70, -31 30 81; Fax: -31 63 50

Internet: http://www.kib.co.ke

Tanzania Bankers Association

4th Floor, Sukari House

Ohio/Sokoine Drive

P.O. Box 70925

Dar es Salaam

Tel: 00255/22/212 77 64; Fax: -212 44 92

E-Mail: info@tanzaniabankers.org; Internet: http://www.tanzaniabankers.org

(I.H.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Kenia, Ostafrika, Tansania Finanzwesen, allgemein, Geld / Preise / Inflation / Währung, allgemein, Banken, Kreditinstitute, Wohnungsbau, Kleine und mittlere Unternehmen (KMU)

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