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11.08.2010

Türkische Industrie plant Bau von Elektroautos

Türkische Industrie plant Bau von Elektroautos

Zusammenarbeit von Auto-, Elektrogeräte- und Batterieherstellern / Von Marcus Knupp

Istanbul (gtai) - In der Türkei verdichten sich die Anstrengungen zum Bau von Autos mit Elektroantrieb. Nachdem die Initiative zunächst von den lokal produzierenden Kfz-Herstellern, unabhängigen Entwicklern und Zulieferern der Automobilbranche wie Batterieherstellern ausging, zeigen nun auch öffentliche Stellen mehr Interesse. Gedanken zum Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur, staatlicher Förderung oder der Beschaffung von Testflotten durch öffentliche Nutzer stehen aber noch am Anfang.

Im Juli 2010 erklärten die Stadtverwaltung Istanbul, der kommunale Stromversorger Istanbul Enerji und der Automobilhersteller Oyak Renault ihre Absicht, ab 2011 mit dem Aufbau der Infrastruktur für Elektroautos zu beginnen. Ladestationen sollen in Parkhäusern, Einkaufszentren und Standorten kommunaler Wagenparks eingerichtet werden. Ziel ist es, diese Auslässe mit Strom aus Windenergie versorgen zu können. Damit erhalten die Vorhaben der in der Türkei ansässigen Autokonzerne, Fahrzeuge mit elektrischem Antrieb zu bauen, auch eine Perspektive für den inländischen Absatz.

Als erstes Unternehmen hatte im vergangenen Jahr Renault verkündet, eines von vier geplanten Modellen mit Elektromotor am Bosporus bauen zu wollen. Vorgesehen ist die Produktionsaufnahme der E-Version der Mittelklasselimousine Fluence in der ersten Jahreshälfte 2011. Zunächst sollen 20.000 Einheiten im Jahr gebaut werden, später ist ein Hochfahren der Produktion auf 30.000 bis 35.000 Fahrzeuge geplant. Wichtigste Kunden der ersten Phase sind Unternehmen aus Israel und Dänemark, die dort Flotten mit der entsprechenden Infrastruktur bereitstellen wollen.

Seither haben auch Tofas Fiat und Ford Otosan elektrisch angetriebene Versionen einzelner Modelle präsentiert. Zu den erfolgreichsten Fahrzeugen des türkischen Fiat-Ablegers gehört der in weiten Teilen vor Ort entwickelte Kleinlieferwagen Doblo. Den Prototyp des Doblo EV stellte Tofas-Chef Ali Pandir im Juli 2010 der Presse vor. Er soll ebenfalls bereits Mitte 2011 auf den Markt gebracht werden. In den ersten ein bis zwei Jahren rechnet er mit einer Nachfrage von etwa 1.500 bis 2.000 Stück, rund 500 hofft er an Postgesellschaften und Städte mit engen historischen Stadtkernen zu verkaufen.

Die Reichweite soll zunächst 150 km betragen. Innerhalb der kommenden fünf Jahre hält Pandir jedoch die Steigerung auf 300 bis 400 km für möglich. Dabei sucht Tofas noch Kooperationspartner für die weitere Entwicklung der Batterietechnologie. Seine Bereitschaft, die Entwicklung von Stromspeichern für Elektroautos zu intensivieren und mit Herstellern zusammenzuarbeiten, erklärte unterdessen der Batteriehersteller Inci Akü aus Izmir, der sich nach eigenen Angaben bereits mit der Technologie beschäftigt. Ziele seien vor allem die Verkleinerung der Batterien und die Erhöhung der Reichweite.

Bei der Entwicklung des Antriebes für den Doblo EV hat Tofas Fiat schon die Zusammenarbeit über Branchengrenzen hinweg gesucht. Der Motor wurde gemeinsam mit dem Haushalsgeräte-Hersteller Arcelik konstruiert. An beiden Unternehmen ist die Koc-Gruppe mit Anteilen von 38% beziehungsweise 58% beteiligt, was die Kooperation naheliegend erscheinen lässt. Ein weiteres Unternehmen mit Koc-Beteiligung ist Ford Otosan. Mit der Ankündigung, eine Elektroversion des Transit Connect auf den Markt zu bringen, reihte sich Ford im Sommer 2010 in den Reigen künftiger E-Auto-Produzenten in der Türkei ein.

Schwieriger gestaltete sich das Vorhaben des Autodesigners Murat Günak und des Industriellen Alphan Manes, das von Günak unter dem Namen Mindset entwickelte Elektroauto zu verwirklichen. Bei der Suche nach einem Kooperationspartner für die Produktion eröffnete sich Anfang 2010 die Perspektive, den mit der Technologie erfahrenen, aber insolventen französischen Hersteller Heuliez zu erwerben. Trotz eines nachträglich auf einen geringeren Beteiligungsanteil reduzierten Angebots scheiterte das Vorhaben am Widerstand aus Frankreich. An dem Angebot hatte sich auch Inci Akü beteiligt.

Die Brightwell Holding von Alphan Manas ist unterdessen auf der Suche nach einer weiteren Beteiligungsmöglichkeit auf die ebenfalls französische Firma Tilter gestoßen, einen anderen Hersteller kleiner elektrischer Fahrzeuge. Manas will dort zusammen mit den türkischen Kfz-Zulieferern B Plas (Kunststoffteile) und Orhan Holding einsteigen. Heuliez, an dessen Elektroautoprojekt Mia, das im Frühjahr auf dem Genfer Salon vorgestellt wurde, auch Murat Günak mitgearbeitet hat, ist im Juli 2010 mehrheitlich durch den Saarländischen Pharmaunternehmer Edwin Kohl und den Energieconsultant Con-Energy aus Essen übernommen worden. Beide wollen zusammen Produktion, Vertrieb und Stromversorgung aus Windkraft für das dreisitzige Elektroauto aufbauen. Pressemeldungen zufolge könnte Günak als Geschäftsführer ab Juni 2011 die Serienproduktion aufbauen.

(S.K.)

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Türkei Straßenfahrzeuge, allgemein, Personenkraftwagen (Pkw)