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03.03.2011

Brasiliens Bergbau plant Rekordinvestitionen

Brasiliens Bergbau plant Rekordinvestitionen

Weltmarktnachfrage gibt starke Impulse / Bundesstaat Pará als neues El Dorado / Von Oliver Döhne

São Paulo (gtai) - Die Commodity-Nachfrage und die Preissteigerungen auf dem Weltmarkt bewegen die Bergbaukonzerne in Brasilien zu hohen Investitionen. Bis 2015 sollen rund 65 Mrd. US$ in eine erhöhte Ausbeutung der Reserven an Eisenerz, Niobium, Nickel, Kupfer, Gold, Uran und Bauxit fließen. Als wichtigstes Abbaugebiet wird der Amazonasbundesstaat Pará wohl bald das Zentrum Minas Gerais ablösen. Importabhängigkeit besteht bei Kohle, Kalium, Phosphat, Zink, Schwefel und seltenen Erden. (Internetadressen)

Der Bergbau wird für die brasilianische Wirtschaft immer wichtiger und stellte 2010 beinahe ein Viertel des Gesamtexports. Ohne seinen mineralischen Reichtum würde Brasilien ein großes Handelsbilanzdefizit einfahren. Rohstoffe im Wert von 31,5 Mrd. US$ exportierte der Sektor 2010, für 2011 belaufen sich die Schätzungen auf 42 Mrd. US$.

Der Bedarf in den Abnehmerländern scheint von Dauer zu sein, die Preise steigen und das Potenzial Brasiliens ist enorm. Das inspiriert die Konzerne zu Investitionen. Geschätzte 65 Mrd. US$ sollen nach Angaben des Branchenverbands der Bergbauunternehmen (Ibram) bis 2014 in die mineralische Rohstoffförderung fließen, davon ein Großteil in das Segment Eisenerz. Bis 2030 schätzt das Bergbau- und Energieministerium die Bergbauinvestitionen inklusive denen der rohstoffverarbeitenden Industrie und der Ausgaben für die Infrastruktur auf mehr als 350 Mrd. US$.

Das meiste frische Kapital wird in den Bundesstaat Pará fließen, in dem umfangreiche Fundstellen von Eisenerz, Bauxit, Kupfer, Mangan und Nickel vermutet werden. Bis 2012 könnte Pará seine Eisenerzproduktion verdoppeln und Minas Gerais als wichtigsten Bergbaustandort überholen. Diskutiert wird eine Erhöhung der Royalties, die in Brasilien mit durchschnittlich 2% noch hinter vergleichbaren Ländern, wie etwa Australien mit 7%, liegen. Angesichts der ansonsten hohen Steuerlast ist die Regierung noch vorsichtig.

Rohstoffproduktion: Stand und Aussichten
Rohstoff Produktion 2010 Produktion 2030 1) Reserven Bundesstaat (Reserven in %)
Eisenerz (in Mio. t) 370 1.098 29.000 Minas Gerais (67), Pará (29)
Bauxit (in Mio. t) 29 79 3.800 Pará (85)
Gold (in t) 61 180 1.590 Minas Gerais (64), Goiás (11), Bahia (11)
Kupfer (in 1.000 t) 230 1.000 17.300 Pará (83), Goiás (7), Bahia (5)
Niobium (in 1.000t) 80 161 842.500 Minas Gerais (75), Amazonas (21)
Nickel (in 1.000t) 74 132 8.700 Bahia (46), Goiás (42), Minas Gerais (12)
Uran (in 1.000t) 0,4 3,1 309 Bahia (100)
Mangan (in Mio.t) 1,8 8,2 235 Minas Gerais (87)
Seltene Erden (in 1.000t) 0,8 k.A. 42 Goiás, Rio de Janeiro, Espírito Santo, Bahia, Minas Gerais

1) Prognose; 2) Produktion

Quellen: Ibram, MME

Brasiliens Vorzeige-Commodity ist Eisenerz. Mit einer Produktion von 370 Mio. Tonnen (t) liegt Brasilien hinter Australien weltweit auf Platz zwei und erzeugt 16% des globalen Outputs. Bei den Reserven belegt Brasilien mit rund 18% der Weltreserven den vierten Platz, allerdings spielt das brasilianische Erz durch einen sehr hohen Eisengehalt, der in Pará 60% und in Minas Gerais 50% beträgt, eine besondere Rolle im internationalen Handel. Rund 45% des Exports gingen 2010 in die VR China, 12,5% nach Japan und 7,7% nach Deutschland.

Nach Prognose der Bank Crédit Suisse besteht auf dem Weltmarkt bis mindestens 2013 ein erhebliches Angebotsdefizit an Eisenerz, weshalb die Preise weiter steigen werden. Wichtigstes Bergbauunternehmen Brasiliens ist Vale. Es will durch die Inbetriebnahme der neuen Mine Serra Sul in Pará und mit dem Ausbau der Schienenstrecke zwischen den Häfen und der größten Mine Carajás (ebenfalls Pará) sowohl nationale Produktion als auch Transportumschlag in Pará verdoppeln.

Rund 97% der Weltproduktion von Niobium findet in Brasilien statt und liegt in den Händen der Unternehmen CBMM in Minas Gerais und AngloAmerican in Goiás. In Minas Gerais vermuten Experten umfangreiche Reserven. Niobium wird unter anderem für Ferrolegierungen verwendet, die das Gewicht von Metallteilen verringern und zunehmend in der Kfz-Industrie und im Infrastrukturbau gefragt sind.

Bei Bauxit, das zu 96% der Aluminiumproduktion dient, liegt Brasilien auf Platz drei des internationalen Produzentenrankings. Die Fundorte liegen in Pará und Minas Gerais. In der Förderung aktiv sind die Unternehmen MRN, Vale, Novellis, Alcoa, CBA und Curimbaba. Mit einem starken Ausbau der Aluminiumproduktion ist infolge der hohen Energiekosten in Brasilien nicht zu rechnen. Vale gab seine Produktion aus diesem Grund bereits an Norsk Hydro ab.

Bis 2013 will sich Brasilien mit Kupfer selbst versorgen und dafür vor allem die Reserven in Pará anzapfen. Die größten Nachfrager sind mit rund 40% die Bauindustrie und mit 25% die Elektroindustrie. Bis 2016 rechnen Branchenexperten bei Kupferkabeln mit einem Nachfrageplus von 40%, angeheizt durch die umfangreichen Wohnungsbau- und Infrastrukturprogramme der Regierung und die sportlichen Großveranstaltungen 2014/16. Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt mit 2 kg pro Jahr deutlich unter den anderen BRIC-Staaten.

Als sechstgrößter Uranproduzent besitzt Brasilien gute Voraussetzungen für einen Ausbau der Atomenergie, die bislang mit rund 2% der Stromerzeugung und zwei AKW keine große Rolle spielt. Bis 2030 sollen vier bis acht neue AKW entstehen. Die brasilianischen Uranreserven betragen nach Expertenschätzungen bis zu 800.000 t und sind damit die mindestens drittgrößten der Welt. Bisher kommt Uran zu 100% aus Caetité in Bahia, der Ausbau soll aber vorrangig in Santa Quitéria in Ceará erfolgen, wo bis 2012 rund 1.100 t und weitere 1.600 t in den Folgejahren bereitstehen.

In der Nickelproduktion liegt Brasilien auf Rang zehn, verfügt aber über 12% der globalen Reserven. Für die Nachfrage auf dem Weltmarkt erwarten Experten für 2011 ein Plus von mindestens 7% und ein Produktionsplus von 12,5% bei rostfreiem Stahl, einem der Haupteinsatzgebiete von Nickel. Brasilien exportierte 2010 rund 40.000 t. AngloAmerican will die Produktion am Standort Barro Alto in Goiás hochfahren und prüft ein Projekt in Jacaré in Pará, während Konkurrent Vale zwei Fundstellen in Vermelho (Pará) und São João do Piauí (Piauí) studiert.

Bei Kalium und Phosphat, die schwerpunktmäßig für die Düngemittelproduktion verwendet werden, deren viertgrößter Abnehmer wiederum Brasilien ist, besteht eine starke Importabhängigkeit. Bei Phosphat, das neben der Düngung auch der Produktion von Hygieneprodukten, Seife und Tiernahrung dient, liegt Brasilien mit einem Output von 6 Mio. t und einem weltweiten Anteil von 3,7% auf Platz sechs. Nach wie vor muss das Land 46% seiner Nachfrage durch Einfuhren aus der VR China, Kanada oder Marokko stillen. Bis 2014 soll die Inlandsproduktion von Phosphat auf 11 Mio. t steigen.

Bei Kalium liegt Brasilien in der Produktion auf Platz zehn und bei den Reserven auf Platz fünf. Rund 92% der Inlandsnachfrage decken Importe aus Kanada, Russland oder Deutschland (12%) ab. Kalium ist eine wichtige Komponente für Brasiliens Agrobusiness. Ziel der Regierung ist der Aufbau einer einheimischen Düngemittelindustrie und ein Ende der Importabhängigkeit. Vale will bis 2014 Markführer bei Kalium und Phosphat sein und plant dafür 12 Mrd. US$ zu investieren.

Hinter der VR China ist Brasilien der zweitgrößte Manganproduzent und für etwa 18% der Weltproduktion zuständig. Die Reserven betragen rund 235 Mio. t und liegen zu 87% in Minas Gerais. Der Export stieg 2010 laut Ibram um 56% auf rund 2,5 Mio. t. Mangan wird vorrangig in der Stahlherstellung für die Bauindustrie aber auch für Batterien und Vitamine verwendet.

Bei Gold ist Brasilien mit einer Produktion von 61 t zehngrößter Produzent. Führend in der Produktion sind die Unternehmen AngloGoldAschanti, Yamana Gold und Kinross und die Regionenl Minas Gerais (64%), Goias (11%) und Bahia (11%). Die zusätzlichen Reserven, rund 1.590 t beziehungsweise 3,3% der Weltreserven, liegen in Pará (41,5%) und Minas Gerais (37%).

Die erwiesenen Reserven an seltenen Erden betragen nach Angaben der Bergbaubehörde DNPM etwa 42.000 t, also weniger als 1% der Weltvorkommen. Es handelt sich dabei um Monazit-Mineralien mit Gehalt an seltenen Erden in den Küstenregionen von Rio de Janeiro, Espírito Santo und Bahia. Das staatliche Nuklearunternehmen INB baut bislang nur im Norden des Bundesstaates Rio de Janeiro kleine Mengen ab (rund 834 t Monazit mit geringem Gehalt). Weitere Regionen und Ursprungsstoffe werden zurzeit erforscht. Das Bergbauministerium deutet im Strategieplan 2030 auf größere Vorkommen seltener Erden in den Abbaugebieten Catalão I (Goiás) und Araxá (Minas Gerais) hin. Brasilien deckte seinen Bedarf bislang über den Import aus China (86%), will die eigenen Reserven aber strategisch erschließen.

Internetadressen:

http://www.ibram.org.br (Verband der Bergbauunternehmen)

http://www.mme.gov.br (Ministerium für Bergbau und Energie, MME)

Dieser Artikel ist relevant für:

Brasilien Bergbau / Rohstoffe, allgemein

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