
10.02.2011
EU-Förderungen werden Investitionen in Kroatien ankurbeln
EU-Förderungen werden Investitionen in Kroatien ankurbeln
Umwelt-, Verkehrs-, Tourismus und Energieprojekte bieten auch deutschen Unternehmen Geschäftschancen / Von Torsten Pauly
Zagreb (gtai) - Kroatiens Investitionstätigkeit ist 2009 (-11,8%) und 2010 (voraussichtlich -12,0%) stark eingebrochen und soll sich auch 2011 mit einem erwarteten Plus von 2,0% nur mäßig erholen. Gründe hierfür sind die Zurückhaltung privater Investoren und die schlechte öffentliche Haushaltslage. Ab dem für 2013 geplanten EU-Beitritt ist jedoch mit hohen Fördergeldern zu rechnen, was die Realisierungschancen vieler Projekte stark erhöht. Konkrete Investitionswünsche gibt es auch aus Deutschland. (Kontaktanschriften)
Der Vorsitzende des Ostausschusses der deutschen Wirtschaft, Klaus Mangold, der Präsident der Deutsch-Kroatischen Industrie- und Handelskammer (DKIHK), Ralf Blomberg und der deutsche Botschafter in Kroatien, Dr. Bernd Fischer, haben der kroatischen Premierministerin, Jadranka Kosor, im Herbst 2010 eine Liste mit deutschen Investitionswünschen übergeben. Diese enthält Projekte in den Bereichen Infrastruktur, Energie, Tourismus und in der Agrarwirtschaft. Da wichtige Vorhaben bereits "komplett durch finanziert" seien und "sehr schnell begonnen werden", können sie auch den Effekt eines privat finanzierten Konjunkturprogramms haben, so Blomberg. Ende 2010 ist es aber noch zu keinen konkreten Abschlüssen gekommen.
Auch die kroatische Bauingenieurskammer hat 2010 eine Liste mit möglichen Projekten vorgestellt, deren Investitionsvolumen sich sogar auf 33,1 Mrd. Euro summiert. Allerdings ist der Großteil der Vorhaben noch nicht finanziert, so dass viele dort angeregte Pläne eher als mittel- bis langfristige Geschäftschancen zu bewerten sind. Eine Investitionssumme von 33,1 Mrd. Euro entspricht 73% der 2009 landesweit erbrachten Wirtschaftsleistung und 134% des Ende Juni 2010 erreichten Bestandes an ausländischen Direktinvestitionen.
Insgesamt 30 vorrangige Projekte im Wert von 13,8 Mrd. Euro hat auch die kroatische Regierung im Herbst 2010 vorgestellt. Zwar sind an allen diesen Vorhaben entweder öffentliche Unternehmen oder der Gesamtstaat beziehungsweise regionale und kommunale Gebietskörperschaften beteiligt, in den meisten Fällen werden aber noch private Investoren oder Konzessionäre als Kapitalgeber gesucht. Bisher sind laut Regierungsangaben nur sieben Energievorhaben im Gesamtwert von 488 Mio. Euro voll finanziert. Zu erwartende EU-Fördermittel erhöhen die Realisierungschancen vieler Projekte erheblich.
Von der seitens der Ingenieurskammer vorgeschlagenen Gesamtsumme entfällt der mit 14,5 Mrd. Euro größte Teil auf den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur. Hier wiederum ist das Bahnnetz mit Investitionen von 7,1 Mrd. Euro vorrangig, wobei 2,5 Mrd. Euro in den europäischen Verkehrskorridor Vb vom nordadriatischen Hafen Rijeka über Zagreb nach Budapest und 1,1 Mrd. Euro in die internationale Trasse X in Richtung Serbien beziehungsweise Ägäis fließen sollen. Die kroatische Regierung rechnet in einer im Herbst 2010 der Öffentlichkeit vorgestellten Liste mit für sie prioritären Investitionen sogar mit einem Finanzierungsbedarf von 3,7 Mrd. Euro für den Bahnkorridor Vb.
Insgesamt 2 Mrd. Euro sieht die Ingenieurskammer auch für die verbesserte Bahnlinie zur dalmatinischen Metropole Split vor. Darüber hinaus sollen hohe Investitionen in die Bahninfrastruktur von Rijeka (1 Mrd. Euro) und Zagreb (0,4 Mrd. Euro) getätigt werden. Insgesamt 117 Mio. Euro entfallen zudem auf die Gleise von Zagreb nach Zabok und von Vinkovci nach Vukovar. Generell ist nach dem für spätestens 2013 anvisierten EU-Beitritt Kroatiens auch mit hohen Brüsseler Fördergeldern zu rechnen, was die Realisierungschancen der Bahnprojekte merklich erhöht.
Auf 4,7 Mrd. Euro summieren sich die von der Ingenieurskammer angeregten Straßeninvestitionen, wovon 2 Mrd. Euro auf Fernstraßen, 1 Mrd. Euro auf Autobahnen im Großraum Zagreb und 1,6 Mrd. Euro auf solche in anderen Landeteilen entfallen. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass Kroatien sein in den letzten Jahren ehrgeizig betriebenes Straßenbauprogramm zuletzt im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise stark einschränken musste und dass auch die Regierung im Herbst 2010 nur den Bau einer 320 Mio. Euro teuren Brücke zur dalmatinischen Halbinsel Peljesac zur Investitionspriorität erklärt hat. Außerdem will das Kabinett 302 Mio. Euro für ein neues Passagierterminal im Flughafen Zagreb aufwenden.
Für die Regierung gilt auch der Bau eines neuen Donau-Save-Kanals für 950 Mio. Euro als ein vorrangiges Infrastrukturprojekt. Dieses ist allerdings in der kroatischen Öffentlichkeit umstritten, denn 2009 wurden auf den Binnenwasserstraßen des Landes 257.000 t Güter bewegt, was nur 1% der von der Ingenieurskammer für diesen Kanal genannten Beförderungskapazität von 25 Mio. t entspricht. Dabei hält die Kammer für die Donau-Save-Verbindung Kosten von 790 Mio. Euro für ausreichend. Außerdem regen die Ingenieure an, zusätzliche 300 Mio. Euro in die Flüsse Save und Kupa sowie 1,1 Mrd. Euro in diverse Flusshäfen zu investieren. Auch in die Seehäfen Rijeka und Ploce sollen demnach 400 Mio. Euro beziehungsweise 111 Mio. Euro fließen.
Einen Investitionsbedarf von 3,8 Mrd. Euro sieht die kroatische Regierung auch im Energiesektor. In diesem Bereich plant sie jeweils 800 Mio. Euro für einen neuen 500-MW-Kohleblock in Plomin und für die Save-Regulierung samt Wasserkraftnutzung (120 MW) ein. Bei beiden Projekten ist Kroatien auch an strategischen Investoren interessiert. Darüber hinaus rechnet das Kabinett mit Gesamtkosten von 800 Mio. Euro für die vier Wasserkraftwerke Senj 1 und 2 (240 MW und 360 MW), Kosinj (52 MW) und Sklope (27 MW). Hinzu kommen 220 Mio. Euro für einen Gasblock mit 230 MW im Wärmekraftwerk Sisak. Diese Anlagen plant der staatliche Stromkonzern HEP.
Weitere Wasserkraftwerke fordert die Regierung an den Standorten Molve 1 und 2 (zusammen 400 Mio. Euro), Dubrovnik 2 (180 Mio. Euro) und Ombla (125 Mio. Euro). Eine Kraft-Wärme-Kopplung mittels Erdwärme soll es in Kutnjak geben (103 Mio. Euro) und ein Biomasse-Kraftwerk in Velika Gorica (60 Mio. Euro). Dazu stehen fünf Ölterminals, ein unterirdischer Gasspeicher sowie Gas-, Öl- und Stromleitungen auf der Prioritätenliste der Regierung. Viel zu tun bleibt in Kroatien auch bei der Verbesserung der Energieeffizienz. Hier nennt die Ingenieurskammer ein jährliches Investitionsvolumen von bis zu 1 Mrd. Euro im Wohnungsbereich und von jeweils 100 Mio. Euro bei öffentlichen und Tourismusobjekten.
Viele Geschäftschancen wird auch auf Jahre hinaus der kroatische Umweltsektor bieten, denn hier ist der Modernisierungsbedarf sehr hoch. In der Abfallwirtschaft fehlt es immer noch an regionalen Abfallzentren. Hiervon soll es in Kroatien einmal siebzehn geben, was 360 Mio. Euro kosten soll. Davon entfallen 187 Mio. Euro auf Recyclinganlagen. Hier will sich die EU auch mit Fördermitteln engagieren.
Eine finanzielle Unterstützung aus Brüssel ist auch in Kroatiens Wasserwirtschaft sehr wahrscheinlich. Über 57% der Bevölkerung verfügen noch immer über keinen Anschluss an das öffentliche Abwassersystem, in Gemeinden mit unter 2.000 Einwohnern waren es sogar 94%. Von den so erfassten Abwässern wurden 2009 nur 63% geklärt, davon weniger als 1% mechanisch-biologisch. Daher hat die Regierung im Herbst 2010 zur Abwasserkanalisation und -reinigung in 90 Agglomerationen im ganzen Land 1,9 Mrd. Euro eingeplant und nochmals 1,3 Mrd. Euro für Kläranlagen von 200 Kommunen mit bis zu 15.000 Einwohnergleichwerten.
Auch in der kroatischen Frischwasserversorgung waren 2006 noch insgesamt 20% der Einwohner nicht an das öffentliche Versorgungsnetz angeschlossen. Wegen vielfach schlechter Leitungen sind 2009 etwa 36% des eingespeisten Wassers im System verloren gegangen. Diese Quote soll sich innerhalb von 15 Jahren auf 15% verringern.
Einen hohen Nachholbedarf hat Kroatien auch bei der künstlichen Bewässerung, die 2009 nur auf 5.219 ha praktiziert worden ist. Die kroatische Bauingenieurskammer regt eine Ausweitung auf 153.600 ha an, was 984 Mio. Euro kosten soll. Die Regierung hat im Herbst 2010 verkündet, für Bewässerungsanlagen in den nächsten Jahren zunächst 178 Mio. Euro vorzusehen, wobei sie Aussichten auf eine EBRD-Beteiligung sieht.
Große strategische Bedeutung nimmt in Kroatien der Fremdenverkehr ein, dessen Einnahmen 2009 laut Leistungsbilanz 83% der Erlöse aus dem Warenexport und 14% des Bruttoinlandsproduktes entsprochen haben. Im Tourismus sieht die Regierung im Herbst 2010 fünf Großprojekte für zusammen 1,4 Mrd. Euro als vorrangig an. Hierbei handelt es sich um die Brijuni-Riviera vor dem gleichnamigen istrischen Archipel (895 Mio. Euro), ferner um die mitteldalmatinische Anlage Prukljan unweit des Krka-Nationalparks (300 Mio. Euro), das Kongress- und Wellnesshotel Preluk in Rijeka (130 Mio. Euro) sowie um Investitionen in den kroatischen Ski-Olympiastützpunkt Bjelolasica (50 Mio. Euro) und in das Sport- und Freizeitzentrum Bijela Kosa (25 Mio. Euro).
Die kroatische Ingenieurskammer hält sogar Tourismusinvestitionen im Umfang von 3,1 Mrd. Euro für möglich. Zu den größten von insgesamt 16 Projekten zählen dabei ein Golf Park-Resort bei Dubrovnik (890 Mio. Euro), die süddalmatinische Anlage Tri Sestrice (568 Mio. Euro), ein Fantasy Land bei Zagreb (223 Mio. Euro) und das Vorhaben Princeza Jadrana auf mehreren Adriainseln (182 Mio. Euro). Im Herbst 2010 hat das Unternehmen Profectus grupa d.d. das Investitionsvolumen für das Projekt Tri Sestrice sogar auf 1,5 Mrd. Euro geschätzt.
Die Realisierung vieler Projekte ist in Kroatien aber noch abhängig von einer erfolgreichen Finanzierung, entweder durch EU-Fördermittel und Gelder anderer internationaler Geber oder durch privates Kapital. Dies gilt umso mehr unter dem Blickwinkel, dass sich die Finanzlage der öffentlichen Hand in Kroatien seit dem Konjunktureinbruch Ende 2008 erheblich verschlechtert hat. So wird Kroatiens öffentliche Verschuldung laut Hypo Alpe Adria Bank unter Berücksichtigung von Staatsgarantien und den Budgets der nicht privatisierten Unternehmen 2011 einen Anteil von 67,4% des BIP erreichen (2007: 41,9%). Daher hat der Staat seine Investitionstätigkeit zuletzt auch stark reduziert.
Prioritäre Investitionsvorhaben in Kroatien (mit öffentlicher Beteiligung)
| Projekt | Träger | Investition (in Mio. Euro) |
| Wasserwirtschaft insgesamt, davon: | 4.328 | |
| .Abwasserentsorgung in 90 Kommunen/Agglomerationen | Hrvatske vode, Betreiber vor Ort, potenzielle Investoren | 1.900 |
| .Abwasserklärung in 200 Gemeinden mit bis zu 15.000 Einwohnergleichwerten | Hrvatske vode, Betreiber vor Ort, potenzielle Investoren | 1.300 |
| .Donau-Save-Kanal | potenzielle Investoren | 950 |
| .Bewässerungssysteme an 21 Orten | potenzielle Investoren | 178 |
| Verkehrsinfrastruktur insgesamt, davon | 4.272 | |
| .Modernisierung und Ausbau europäischer Bahnkorridor Vb Rijeka-Zagreb-Ungarn | HZ; Städte Rijeka, Karlovac, Zagreb, Koprivnica, Botovo; Gespanschaften Primorje-Gorski Kotar, Karlovac, Koprivnica-Krizevci | 3.650 |
| .Brücke Peljesac | Republik Kroatien, Gespanschaft Dubrovnik-Neretva | 320 |
| .Ausbau Flughafen Zagreb (vor allem neues Passagierterminal) | Republik Kroatien, Stadt Zagreb, Gespanschaft Zagreb, Stadt Velika Gorica | 302 |
| Energiesektor insgesamt, davon: | 3.850,5 | |
| .Kohlekraftwerk Plomin | HEP d.d., potenzielle Investoren | 800 |
| .Wasserkraftwerke Kosinj, Sklope, Senj 1, Senj 2 | HEP d.d. | 800 |
| .Saveregulierung und Wasserkraftwerke im Raum Zagreb | HEP d.d., Stadt Zagreb, potenzielle Investoren | 800 |
| .Wasserkraftwerke Molve 1, Molve 2 | HEP d.d. | 400 |
| .Wärmekraftwerk Sisak | HEP d.d. | 220 |
| .Wasserkraftwerk Dubrovnik 2 | HEP. d.d., Bosnien und Herzegowina | 180 |
| .Wasserkraftwerk Ombla | HEP d.d. | 125 |
| .Erneuerung und Ausbau Ölterminal Omisalj | Janaf | 115 |
| .Erdwärmenutzung in Kutnjak-Lunjkovec | Geopodravina d.o.o., potenzielle Investoren | 103 |
| .Stromübertragung in der Gespanschaft Dubrovnik-Neretva | HEP d.d. | 70 |
| .Erneuerung und Ausbau Ölterminal Zagreb-Zitnjak | Handa, potenzielle Investoren | 60 |
| .Biomasse-Kraftwerk Velika Gorica | HEP d.d., potenzielle Investoren | 59,5 |
| .Ölterminal Brizine (Raum Split) | Janaf | 30 |
| .Erneuerung und Ausbau Ölterminal Sisak | potenzielle Investoren | 24,5 |
| .Gasleitung Omisalj-Kukuljanovo | Plinacro | 23 |
| .Ölterminal Zadar-Gazenica | Republik Kroatien | 15 |
| .unterirdischer Gasspeicher Grubisno Polje | potenzielle Investoren | 14,5 |
| .Unterwasser-Ölpipeline Krk-Festland | potenzielle Investoren | 11 |
| Tourismussektor insgesamt, davon: | 1.400 | |
| .Brijuni-Riviera | potenzielle Investoren, Republik Kroatien, Gespanschaft Istrien, Kommunen Pula, Vodnjan, Fazana | 895 |
| .Projekt Prukljan | potenzielle Investoren, Gespanschaft Sibenik-Knin, Kommune Skradin | 200 bis 300 |
| .Projekt Preluk | potenzielle Investoren, Stadt Rijeka | 130 |
| .Ski-Olympiazentrum Bjelolasica | potenzielle Investoren, Kommune Ogulin, Gespanschaft Karlovac, Kroatisches Olympisches Komitee | 50 |
| .Sport- u. Freizeitzentrum Bijela Kosa | potenzielle Investoren, Kommune Vrbovsko, Gespanschaft Primorje-Gorski Kotar | 20 bis 25 |
Quelle: Regierung der Republik Kroatien
Kontaktanschriften:
Deutsch-Kroatische Industrie- und Handelskammer (DKIHK)
Zamenhoffova 2; 10000 Zagreb
Tel.: 0038 51/631 16-00, Fax: -30
E-Mail: info@ahk.hr, Internet: http://kroatien.ahk.de
Vlada Republike Hrvatske
(Regierung der Republik Kroatien)
Trg svetog Marka 2; 10000 Zagreb
Tel.: 0038 51/456 92 22; Fax: -630 30 23
E-Mail: predsjednica@vlada.hr; Internet: http://www.vlada.hr
Hrvatska komora inzenjera gradjevinarstva
(Kroatische Kammer der Bauingenieure)
Ulica grada Vukovara 271; 10000 Zagreb
Tel.: 0038 51/550 84-20; Fax: -24
E-Mail: info@hkig.hr; Internet: http://www.hkig.hr
Dieser Artikel ist relevant für:
Kroatien Abfallentsorgung, Recycling, Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Deponie und Abfallaufbereitungsbau, Energieeinsparung, Tourismus / Hotels / Gastgewerbe, allg., Kläranlagenbau, AbwasserentsorgungWeitere Informationen
Funktionen
