Internationale Märkte

Globus

Unser Länderwissen auf einen Blick

Logo Deutsche Auslandshandelskammern (AHK)  | © DIHK

Deutsche Auslandshandels-kammern

AHK

30.05.2011

Sudan vor schwieriger Scheidung

Sudan vor schwieriger Scheidung

Vielzahl von Problemen bleibt ungelöst / Hoher Nachholbedarf beim Ausbau der Infrastruktur / Von Michael Marks

Kairo (gtai) - Sudan steht vor bedeutenden und nachhaltigen Herausforderungen. Mit der Teilung des Landes entstehen zwei Staatsgebilde, die in hohem Maße und auf unbestimmte Zeit aufeinander angewiesen bleiben. Der politische Zündstoff sowohl in der Koexistenz wie im Innern selbst wird dabei nicht weniger werden. Der nach Unabhängigkeit strebende Süden ist von tiefer Armut geprägt. Lebensnotwendige Infrastrukturen und Einrichtungen fehlen, eine lebensfähige Wirtschaft ist erst im Aufbau. Auf den Norden kommen erhebliche Anpassungslasten zu.

Wenn am 9.7.11 der 54. Staat Afrikas seine Jubelfeiern abhält, dann ist der nahezu einhellige Volkswille, der im Sezessionsreferendum des Südens im Januar zum Ausdruck kam, Wirklichkeit geworden. Nach jahrzehntelangem Bürgerkrieg hatte diese Perspektive das 2005 geschlossene Nord-Süd-Friedensabkommen (Comprehensive Peace Agreement CPA) eröffnet. Der nördliche Landesteil ist formeller Nachfolger des alten Sudan, während die Republik Südsudan ein neues Mitglied der Staatengemeinschaft wird. Die sudanesische Scheidung fällt beiden Seiten nicht leicht. Immer wieder kommt es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, und am Verhandlungstisch wird hoch gepokert.

Gesamtwirtschaftliche Entwicklung
Indikator 2009) 2010 1) 2011 2)
BIP-Veränderung (real in %) 6,0 5,1 4,7
BIP nominal (Mrd. US$) 55,8 68,4 75,1
Wareneinfuhr (Mrd. US$, fob) 8,5 9,2 9,8
Warenausfuhr (Mrd. US$, fob)3) 7,8 10,3 13,0

1) Schätzung; 2) Prognose; 3) zu über 90% Rohöl

Quellen: IWF; EIU

Eine Vielzahl von Problemen ist noch ungelöst. Was geschieht mit der Öl produzierenden Grenzregion Abyei? Kommt der Süden dem Norden bei der Auslandsverschuldung von 38 Mrd. US$ entgegen und zu welchem Preis? Was passiert mit der Währung? Der Süden hat eine eigene Währung angekündigt. Das größte Fragezeichen steht hinter der noch geltenden Vereinbarung über die hälftige Aufteilung der Öleinnahmen. Von rund 500.000 Barrel pro Tag entfallen fast vier Fünftel auf den Süden. Der Norden verfügt jedoch über die Raffineriekapazitäten und Ölpipelines zum einzigen Hafen Port Sudan. Hier sind die möglichen Nutzungsgebühren noch ungeklärt.

Der Süden soll laut Weltbank die Öleinnahmen zur Diversifizierung der Wirtschaft einsetzen. Der wichtige Privatsektor steckt noch in den Anfängen, so müssen Kleinunternehmen gestärkt und Ackerbau und Viehzucht entwickelt werden. Befestigte Straßen, Brücken und Stromnetze sind kaum vorhanden, sauberes Trinkwasser und elementare sanitäre Anlagen sowie Einrichtungen für Gesundheit und Bildung bereits Luxus. Der Südsudan bedarf internationaler Unterstützung zum Aufbau von Infrastruktur und Institutionen.

Der derzeitige Sudan steckt in der Krise. Die Inflation von derzeit 15% steigt weiter und hat die Regierung zu unpopulären Sparmaßnahmen veranlasst. Einfuhren kompensieren seit Jahren den Mangel an inländischer Produktion. Sehr großes Potenzial haben die Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie. Der Ausbau der Zement- und Zuckerkapazitäten ist für den Anlagenbau interessant. Der Bergbau, insbesondere die Goldproduktion, soll intensiviert werden. Erheblicher Nachholbedarf besteht im infrastrukturellen Sektor, so in den Bereichen Energie, Kommunikation, Verkehr und Wasser. Ohne eine Verbesserung der Infrastruktur werden Auslandsinvestoren ausbleiben. Optimismus resultiert derzeit hauptsächlich aus steigenden Ölpreisen. Deutschlands Ausfuhren in den Sudan beliefen sich 2010 auf 237 Mio. Euro.

Ausgewählte Großprojekte (in Mio. US$)
Geplantes Projekt Bauträger/Entwickler Wert
National Emergency Transport Rehabilitation 2) National Highways Authority (NHA) 200
Roseires Dam Heightening 4) National Electricity Corporation NEC) 400
Pearl Continental 3) Hashoo Group 150
Khartoum Financial District 3) Mena Touristic & Real Estate Investment 600
Port Sudan Power Plant 3) Sudan Thermal Generation Company 235
El Bageir Thermal Power Station 3) Sudan Thermal Generation Company 240
Water Supply and Sanitation Project 3) Directorate of Rural Water Supply & Sanitation 500
Al Salam City 2) Al Salam City Corporate 1.500
Khartoum Mixed Use Development 1) Peace Island Development Company (PIDC) 500
Red Sea Free Zone 2) Sudanese Free Zones & Markets Company 500

1) Design; 2) Planung; 3) Ausschreibung; 4) Realisierung

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Meed Projects März 2011

Dieser Artikel ist relevant für:

Sudan Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Wirtschaftspolitik, allgemein, Öl, Gas, Infrastruktur

Weitere Informationen

Funktionen

Kontakt

Manfred Tilz

‎0228/24993-234

Suche

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschafts-daten, Zoll- und Rechts-informationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche