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13.05.2011

Indien muss seinen Wassersektor modernisieren

Indien muss seinen Wassersektor modernisieren

Anreize zur Wassereinsparung / Bau von Entsalzungsanlagen geplant / Von Boris Alex

New Delhi (gtai) - Indiens Wasserversorgung drohen in den nächsten Jahren immer größere Engpässe. Die Regierung möchte daher mit Hilfe des Privatsektors das marode Leitungssystem modernisieren und erweitern. Steuervergünstigungen sollen Investitionen in Wasser sparende Produktionstechniken für Unternehmen attraktiver machen und der Wasserverbrauch von Produkten für den Endkunden transparenter werden. Geplant ist außerdem der Bau weiterer Meerwasserentsalzungsanlagen. (Kontaktanschrift)

Indiens mangelhafte Wasserversorgung könnte sich in den nächsten Jahren zu einem ernsthaften Problem für die Wirtschaft entwickeln. Angesichts der rasant wachsenden Bevölkerung - bis 2050 soll die Einwohnerzahl des Landes um rund 450 Mio. auf 1,7 Mrd. Menschen steigen - dürfte die verfügbare Wassermenge für Haushalte und Industrie kontinuierlich abnehmen. Bereits heute stehen jedem Inder höchstens 1.600 cbm Wasser pro Jahr zur Verfügung, und dieser Wert soll sich bis 2025 um 26% verringern.

Bis 2050 könnte dann nur noch die Hälfte des Wasserbedarfs gedeckt werden, so eine Prognose der Asian Development Bank (ADB). Um diesen Trend zu bremsen, setzt die indische Regierung auf ein Bündel von Maßnahmen. Allen voran soll das marode Versorgungssystem modernisiert und ausgebaut werden. Vor allem in den Ballungszentren wächst der Druck auf die öffentlichen Wasserversorger. Denn in den kommenden 20 Jahren werden rund 250 Mio. Menschen in die indischen Großstädte strömen.

Ohne private Investoren ist diese Mammutaufgabe nicht zu bewältigen - und zu finanzieren. Doch bis auf wenige Leuchtturmprojekte gibt es kaum Kooperationen zwischen kommunalen Versorgern und dem Privatsektor. Bislang ist es noch schwierig, mit Projekten im Bereich Wasserversorgung Geld zu verdienen. Die Bereitschaft auf Verbraucherseite, einen angemessenen Preis für ihren Wasserkonsum zu zahlen, ist sehr gering. Hinzu kommt, dass es in den meisten Haushalten keine technischen Möglichkeiten gibt, den tatsächlichen Verbrauch zu messen.

Entsprechend hoch ist der Anteil des "Non Revenue Water" also von Wasser, das in das Versorgungssystem gespeist wird, ohne dass Einnahmen dafür erzielt würden. Der Wert liegt in den indischen Städten bei 40 bis 50% der gesamten Wassermenge. Die Gründe für die Verluste sind das veraltete Leitungssystem, Diebstahl sowie ungenaue Verbrauchsmessungen beim Endkunden. Daher stehen am Beginn eines Engagements im Wassersektor für den privaten Investor hohe Investitionen und vage Einnahmeprognosen. Schätzungen zufolge ist das Verhältnis von Kapitalkosten zu Einnahmen 70% niedriger als beispielsweise bei einem Engagement im Telekom-Sektor.

Dennoch gibt es inzwischen ein Dutzend Public Private Partnership (PPP) im Wassersektor. Auch ausländische Unternehmen wie der französische Dienstleister Veolia sind auf dem indischen Markt aktiv. Meist schließt der private Investor einen Management-Contract mit dem kommunalen Versorger. Die in den Verträgen abgedeckten Service-Leistungen sind von Projekt zu Projekt verschieden. In der Regel muss der Investor bestimmte Vorgaben hinsichtlich der Versorgungsleistung erfüllen - beispielsweise eine feste Stundenzahl pro Tag, die eine bestimmte Menge von Haushalten mit Wasser beliefert werden muss.

Aber auch andere Zielvorgaben sind möglich. Der kommunale Wasserversorger der Hauptstadt New Delhi hat Presseinformationen zufolge den privaten Investor verpflichtet, in den kommenden Jahren die Übertragungsverluste zu senken. Das Unternehmen muss dazu Wasserzähler in den Haushalten installieren und regelmäßig ablesen, undichte Stellen im Leitungssystem identifizieren und reparieren sowie illegale Anschlüsse aufspüren und kappen.

Um die Endkunden zu einem sparsameren Umgang mit der Ressource Wasser zu bewegen, möchte die indische Regierung zudem Anreize für niedrigen Verbrauch einführen. Unternehmen sollen durch Steuervergünstigungen dazu gebracht werden, in Wasser sparende Technologien zu investieren. Indien hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2017 die Effizienz der Wassernutzung um 20% zu steigern - allerdings bislang keine konkreten Angaben gemacht, wie diese Vorgaben realisiert werden sollen.

Entsprechende Maßnahmen dürften in der für 2012 geplanten "National Water Policy" enthalten sein. Zudem hat die Regierung angekündigt, ein "Bureau of Water Efficiency" zu gründen. Eine vergleichbare Einrichtung gibt es bereits für den Bereich Energieeffizienz. Hier sollen künftig Produkte nach ihrem Wasserverbrauch klassifiziert werden, um eine höhere Transparenz für den Kunden zu erzielen. Für den Stromverbrauch von Haushaltsgeräten wie Klimaanlagen und Kühlschränke existiert ein solches Rating beispielsweise schon.

Um seinen steigenden Wasserbedarf zu decken, setzt Indien auch auf die Meerwasserentsalzungstechnologie. Seit August 2010 ist die erste kommerzielle Anlage im Bundesstaat Tamil Nadu in Betrieb. Hier werden jeden Tag 100 Mio. l Trinkwasser zur Versorgung der südostindischen Metropole Chennai erzeugt. Das Projekt ist ein Joint Venture zwischen IVRCL Infrastructure aus Hyderabad und dem spanischen Anlagenbauer Befesa Agua. Die Projektkosten beliefen sich Unternehmensangaben zufolge auf 6 Mrd. indische Rupien (iR; rd. 93 Mio. Euro; 1 Euro = 64,26 iR).

Der seit Jahren unter Wassermangel leidende Bundesstaat möchte weitere Meerwasserentsalzungsanlagen bauen. Derzeit befindet sich ein weiteres Vorhaben mit einer Kapazität von 100 Mio. l pro Tag in Planung. Investoren sind die indische Tochter des österreichischen Anlagenbauers VA Tech Bawag und der israelische Hersteller von Entsalzungsanlagen IDE Technologies. Die Kosten werden auf rund 10 Mrd. iR geschätzt. Aufgrund des hohen Energieverbrauchs bei der Meerwasserentsalzung ist Indien besonders an Lösungen mit geringem Energiebedarf beziehungsweise an Anlagen, die mit erneuerbaren Energien betrieben werden, interessiert.

Kontaktanschrift:

Ministry of Urban Development

Nirman Bhavan, Maulana Azad Road, New Delhi - 110 011

Tel.: 0091 11/23 06 27 98, Fax: -23 06 13 79

E-Mail: dir-ut-mud@nic.in, Internet: http://www.urbanindia.nic.in

(B.A.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Indien Wasserversorgung, -gewinnung, Bewässerung

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