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21.06.2011

Kohle ist wichtigste einheimische Energiequelle der Türkei

Kohle ist wichtigste einheimische Energiequelle der Türkei

Vor allem Braunkohlevorkommen / Hauptanteil an Steinkohle importiert / Von Marcus Knupp

Istanbul (gtai) - Die Türkei ist zur Deckung ihres Energiebedarfs stark von Rohstoffimporten abhängig. Unter den Primärenergieträgern ist lediglich die Braunkohle als lokale Ressource bedeutend. Bei der Stromerzeugung ist sie zusammen mit der überwiegend importierten Steinkohle Grundlage für rund ein Viertel der Produktion. Braunkohle kommt in mehreren Landsteilen vor, Steinkohle wird im nordwestlichen Revier Zonguldak abgebaut und zu etwa einem Drittel in der dortigen Eisen- und Stahlindustrie verwendet. (Kontaktanschriften)

Im Jahr 2010 wurden in der Türkei etwa 76 Mio. t Braunkohle und knapp 2,6 Mio. t Steinkohle gefördert. Kohle ist damit neben der Wasserkraft die wichtigste einheimische Energieressource. Der größte Teil der Produktion entfällt auf die staatlichen Bergbauorganisationen TKI (Türkiye Kömür Isletmeleri Kurumu) und TTK (Türkiye Taskömürü Kurumu).

Nur etwa 27% der gesamten Energienachfrage kann die Türkei nach Berechnungen der TKI aus lokalen Quellen decken. Darunter hat die Kohle mit 57% den größten Anteil, gefolgt von Brennholz und organischen Abfällen. Wasserkraft, Wind, Sonne und geothermische Energie kommen demnach zusammen auf 17% der einheimischen Primärenergiequellen. Öl und Gas finden sich nach bisherigen Erkenntnissen nur in sehr geringen Mengen auf dem Territorium der Türkei.

Primärenergieverbrauch in der Türkei
Energieträger Menge 2009 (Mio. t Erdöläquivalent) Anteil 2009 (%) Menge 2010 (Mio. t Erdöläquivalent) Anteil 2010 (%)
Gehandelte Energie 98,69 95,4 103,39 95,6
Steinkohle 16,40 15,8 15,96 14,8
Braunkohle 15,38 14,9 13,58 12,6
Erdöl 28,88 27,9 31,21 28,8
Erdgas 32,78 31,7 35,50 32,8
Wasserkraft 3,09 3,0 4,56 4,2
Erneuerbare Energien 2,23 2,2 2,70 2,5
Stromimporte (-Exporte) -0,06 -0,1 -0,11 -0,1
Nicht-gehandelte Energie 4,81 4,7 4,81 4,4
Brennholz 3,68 3,6 3,68 3,4
Tierische und pflanzliche Abfälle 1,13 1,1 1,13 1,0
Insgesamt 103,50 100,0 108,20 100,0

Quelle: Jahresprogramm der türkischen Regierung 2011

In der Stromerzeugung ist der Anteil einheimischer Energieträger wegen der großen Bedeutung der Wasserkraft etwas höher. In einem niederschlagreichen Jahr wie 2010 werden über 25% der Elektrizität der Türkei in Wasserkraftwerken generiert - 2009 waren es allerdings nach der vorangegangenen trockenen Phase nur 17,4%. Andere erneuerbare Energien spielen bisher eine sehr geringe Rolle. Lediglich die Braunkohle hat unter den lokalen Ressourcen für die Stromerzeugung eine ähnlich große Bedeutung.

Stromerzeugung in der Türkei nach Energieträgern
Energieträger Installierte Kapazität 2009 (MW) Erzeugung 2009 (GWh) Installierte Kapazität 2010 (MW) Erzeugung 2010 (GWh)
Steinkohle 2.256 16.148 2.416 16.400
Braunkohle 8.245 39.537 8.275 36.700
Erdöl 1.541 4.440 1.551 4.900
Diesel, LPG, Nafta 48 364 43 600
Erdgas 14.555 96.095 15.400 95.000
Mehrbrennstoff-Anlagen 2.613 *) 2.680 *)
Biogas 81 340 90 350
Thermisch 29.339 156.924 30.455 153.950
Wasserkraft 14.553 35.958 30.455 53.000
Geothermie 77 436 95 600
Wind 792 1.495 1.200 2.450
Insgesamt 44.761 194.813 46.950 210.000

*) Auf Brennstoffe verteilt

Quelle: Jahresprogramm der türkischen Regierung 2011

Die in der Türkei vorkommende Braunkohle ist allerdings von vergleichsweise geringer Qualität und hat einen niedrigen Brennwert. Sie kommt in mehreren Landesteilen vor und wird überwiegend unter der Regie staatlicher Gesellschaften abgebaut. An der gesamten Stromerzeugung hatten die Braunkohlekraftwerke 2010 einen Anteil von etwa 17%. Rückläufig ist seit Jahren die Verwendung von Briketts für die Heizung, da immer mehr Haushalte an das Erdgasnetz angeschlossen werden.

Das wichtigste Braunkohleabbaugebiet der Türkei ist Afsin Elbistan in der südanatolischen Provinz Kahramanmaras. Dort befinden sich auch die beiden größten Braunkohlekraftwerke des Landes. Zu den beiden Anlagen Afsin Elbistan A und B sollen zwei weitere Kraftwerke C und D kommen. Der Bau hat sich jedoch in den letzten Jahren trotz wiederholter Ausschreibungen nicht verwirklichen lassen, da sich zu den bisherigen Rahmenbedingungen kein Investor gefunden hat. Weitere große Vorkommen sind in den Provinzen Konya, Manisa, Kütahya, Mugla, Ankara und Adana zu finden. Zusammen haben die zwölf Braunkohlekraftwerke in der Türkei eine installierte Leistung von über 8.000 MW.

Braunkohlereserven in der Türkei 2009 (Mio. t)
Betreiber *) Nachgewiesen Wahrscheinlich Möglich Gesamt
EÜAS 4.718 104 - 4.822
TKI 2.239 218 1 2.458
MTA 1.803 685 123 2.611
Privatsektor 1.077 337 138 1.554
Zusammen 9.837 1.344 262 11.445

*) EÜAS: Staatliche Stromerzeugungsgesellschaft, TKI: Staatliche Braunkohle-Bergbaugesellschaft, MTA: Staatliche Rohstoffinstitution

Quelle: TKI

Braunkohlekraftwerke in der Türkei 2010
Kraftwerk Kapazität Kohleverbrauch (1.000 t/Jahr) Installierte Leistung (MW)
Mugla-Yatagan 5.350 630
Mugla-Milas-Sekköy 3.750 420
Mugla-Hüsamlar-Kemerköy 5.000 630
Canakkale-Can 1.800 320
Kütahya Seyitömer 7.100 600
Kütahya Tuncbilek 2.450 365
Manisa Soma 8.000 1.034
Bursa Orhaneli 1.500 210
Afsin Elbistan A 18.000 1.360
Afsin Elbistan B 18.000 1.440
Sivas Kangal 5.400 450
Ankara Cayirhan 4.300 620
Insgesamt 80.650 8.079

Quelle: TKI

Die Reserven an Steinkohle sind mit etwa 1,3 Mrd. t deutlich geringer als die Braunkohlevorkommen von rund 11,5 Mrd. t. Steinkohle kommt vor allem im Nordwesten des Landes um die Schwarzmeer-Stadt Zonguldak vor. Nach Pressemeldungen von 2010 will die Bergbaugesellschaft TTK die Förderung von derzeit unter 3 Mio. t in den nächsten Jahren durch zusätzliche Investitionen auf rund 5 Mio. t bringen, ein Niveau, das zuletzt in den 1960er und 70er Jahren erreicht worden war.

Der Verkauf lag im Jahr 2010 nach Angaben von TTK bei 1.768.911 t. davon wurden 58% an Kraftwerke und 28% an die lokale Eisen- und Stahlindustrie geliefert. Knapp 14% wurden sonstigen Verwendungen zugeführt. Die wachsende Eisen- und Stahlindustrie in der Türkei hat einen jährlichen Bedarf von etwa 4,5 Mio. bis 5 Mio. t Kokskohle. Sie ist daher ebenso wie die Betreiber der meisten Steinkohlekraftwerke auf die Einfuhr von Kohle aus dem Ausland angewiesen. Ein anderer großer industrieller Verbraucher ist die Zementindustrie.

Steinkohlereserven in der Türkei 2010 (Mio. t)
Revier Abbaubereit Nachgewiesen Wahrscheinlich Möglich Gesamt
Amasra 0,41 170,83 115,05 121,54 407,83
Armutcuk 1,10 9,03 15,86 7,88 33,88
Kozlu 2,35 67,69 40,54 47,98 158,55
Üzülmez 1,38 136,14 94,34 74,02 305,89
Karadon 5,61 131.46 159,16 117,03 413,26
Zusammen 10,85 515,15 424,95 368,45 1.319,40

Quelle: TTK

Steinkohle in der Türkei (1.000 t)
Jahr Förderung Import Bestandsveränderung Verbrauch
1995 2.248 5.941 359 8.548
2000 2.259 12.990 144 15.393
2005 1.900 17.360 -161 19.421
2006 2.319 20.286 -193 22.798
2007 2.492 22.946 214 25.224
2008 2.601 19.489 629 22.720
2009 2.863 20.364 471 23.698

Quelle: TTK

Mit einheimischer Steinkohle wird in erster Linie lediglich das Kraftwerk der staatlichen Elektrizitätsgesellschaft EÜAS in Zonguldak betrieben. Diese Anlage hat eine installierte Leistung von 300 MW. Am selben Ort hat im Juli 2010 die zur gleichnamigen Holding gehörende Firma Eren Enerji ein mit drei Blöcken insgesamt 1.360 MW leistendes Kohlekraftwerk in Betrieb genommen. Bereits seit 2003 betreibt die Steag im südtürkischen Iskenderun ein Kraftwerk mit 1.320 MW, an dem seit 2004 die Oyak Holding beteiligt ist. Diese beiden Anlagen werden ebenso wie die jene des Eisen- und Stahlkonzerns Icdas in Canakkale (1.200 MW) mit importierter Steinkohle betrieben. Alle drei Standorte befinden sich daher an der Küste und verfügen über eigene Hafenanlagen.

Ein- und Ausfuhr von Kohle (Mio. US$)
Warenstrom 2008 2009 2010
Einfuhr Steinkohle 3.302,6 3.046,8 3.211,4
Ausfuhr Steinkohle 19,4 0,5 5,3
Einfuhr Braunkohle 0,03 0,02 0,06
Ausfuhr Braunkohle 1,3 0,7 0,4

Quelle: UN Comtrade

Einfuhr von Steinkohle in die Türkei nach Ländern (1.000. t)

Lieferland 2008 2009 2010
Russland 8.278,5 9.007,0 9.975,8
Kolumbien 2.882,1 2.785,3 2.840,7
USA 1.399,8 1.358,6 2.443,2
Südafrika 1.547,6 2.564,8 1.826,5
Australien 2.323,6 1.727,3 1.375,9
Ukraine 609,4 1.113,6 1.244,3
Kanada 888,2 946,5 954,4
Venezuela 37,8 - 323,7
Polen 0,08 478,0 291,7
Georgien 58,6 84,8 243,5
Insgesamt 19.489,3 20.367,3 22.074,4

Quelle: UN Comtrade

Im Bau befinden sich derzeit entsprechend der Auflistung der Regulierungsbehörde für den Strommarkt (EPDK) einige weitere Kohlekraftwerke, darunter die ebenfalls auf importierte Steinkohle ausgerichteten Anlagen der Firmen Anadolu Elektrik und Düzhan Enerji in Sinop an der Schwarzmeerküste mit 1.000 MW beziehungsweise 600 MW und ein zweites Kraftwerk in Iskenderun mit 600 MW, für das die Firma Atlas Enerji eine Lizenz erhalten hat. Enka Enerji errichtet ein Kohlekraftwerk mit 750 MW in Aliaga bei Izmir. Die zur Hattat Holding gehörende Hema Elektrik investiert am traditionellen Standort Amasra östlich von Zonguldak in eine 1.000 MW-Anlage.

Die Kohlegesellschaften prognostizieren daher einen steil ansteigenden Bedarf sowohl an Steinkohle als auch an Braunkohle in den kommenden Jahren. In Anbetracht der im wirtschaftlichen Aufschwung wieder schnell zunehmenden Elektrizitätsnachfrage führte der türkische Energieminister Taner Yildiz im Juni 2011 erneut auch die Kohle als lokale Energiequelle an. Speziell der Privatsektor soll bei der stärkeren Nutzung in der Stromerzeugung eine zentrale Rolle spielen, so der Minister gegenüber der Presse. Die Projektion der Stromübertragungsgesellschaft TEIAS weist in den Jahren bis 2018 konstante Werte für Braunkohle und lokale Steinkohle aus. Die Erzeugung von Strom aus importierter Steinkohle hingegen wird sich in diesem Zeitraum demnach auf über 32.000 GWh fast verdreifachen.

Projektion des Kohleverbrauchs in der Türkei (1.000 t)
Jahr Steinkohle Braunkohle
2010 29.688 102.705
2011 31.374 113.932
2012 35.013 119.233
2013 38.451 130.382
2014 41.814 140.657
2015 45.366 151.659
2016 49.117 162.701
2017 54.573 174.559
2018 61.733 191.189
2019 69.968 202.334

Quelle: TTK

Kotaktanschriften

Türkiye Kömür Isletmeleri Kurumu (TKI, Türkische Gesellschaft für Kohleförderung; Braunkohlegesellschaft)

Hipodrom Cad. 12, 06330 Yenimahalle - Ankara

Tel.: 0090 312/540 10 00; Fax: -384 16 35

E-Mail: tkiadmin@tki.gov.tr; Internet: http://www.tki.gov.tr

Türkiye Taskömürü Kurumu (TTK, Türkische Steinkohlegesellschaft)

Yayla mahallesi, Baglik Cad., Soyak Sok. 2, 67090 Zonguldak

Tel.: 0090 372/252 40 00; Fax: -251 19 00

E-Mail: ttk@taskumuru.gov.tr; Internet: http://www.taskomuru.gov.tr

(S.K.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Türkei Kraftwerksbau, Kohle, Strom-/ Energieerzeugung, Fossile Energien

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