
28.01.2011
Kanadische Pipeline-Projekte kommen voran
Kanadische Pipeline-Projekte kommen voran
Ölsandabbau erfordert mehr Transportkapazität / Neue Upgrader geplant / Von Rainer Jaensch
Calgary (gtai) - Die Provinz Alberta ist zwar überreich an Ölsand, verbraucht wird die Produktion jedoch vor allem in den Ballungszentren Kanadas und in den USA. Dort wird das aus dem Sand gewonnene Bitumen auch zu einem erheblichen Teil verarbeitet. Um die steigenden Abbaumengen zu bewältigen, müssen neue Pipelines gebaut werden. Die Provinzregierung sähe es lieber, wenn das Bitumen vor Ort in Upgradern aufbereitet würde. Doch die Industrie ist skeptisch und plant nur einzelne Anlagen. (Internetadresse)
Die Ausbringungsmenge des Ölsands in der kanadischen Provinz Alberta dürfte sich bis 2020 auf rund 3 Mio. Barrels pro Tag (barrels per day, bpd) verdoppeln, prognostizieren Branchenvertreter. Da die Provinz nur 3,7 Mio. Einwohner hat, wird der das dort gewonnene Bitumen und Schweröl in Pipelines in den Osten Kanadas und in die USA transportiert.
Das Rohölangebot der westkanadischen Provinzen Alberta, Saskatchewan und British Columbia belief sich 2009 auf 2,5 Mio. bpd. Aus der Ölsandförderung stammten 1,4 Mio. bpd. Lediglich 0,7 Mio. bpd wurden in Kanada verbraucht, der Rest in den USA, vor allem im Mittleren Westen. Entsprechend verlaufen die meisten Pipelines in Nord-Süd-Richtung. Mittlerweile ist Kanada der bedeutendste Öllieferant seines Nachbarn und baut diese Position dank seiner steigenden Ölsandförderung weiter aus.
Um die größeren Transportmengen zu meistern, sind neue Pipelines notwendig. Eine davon, die TransCanada Keystone XL, soll mit einem Durchflussvolumen von 500.000 bpd Rohöl von Hardisty in Alberta nach Port Arthur an der US-Golfküste transportieren. Auch wenn es wegen ökologischer Bedenken zu Protesten in den USA gekommen ist, wird die US-Außenministerin es voraussichtlich genehmigen.
Die Northern Gateway Pipeline von Edmonton zum Pazifikhafen Kitimat wird mehr Hindernisse zu überwinden haben. Das Vorhaben der Enbridge und der Kinder Morgan Canada im Wert von 5,5 Mrd. kanadischen Dollar (kan$; rund 4,8 Mrd. Euro; 1 kan$ = 0,76 Euro) führt durch Gebiete der Ureinwohner, die ihr Veto einlegen dürften. Die Leitung soll Ölsandlieferungen nach Ostasien ermöglichen. Eine mögliche Alternative dazu wäre eine Schienenverbindung.
Kontrovers diskutiert wird auch der Bau neuer Upgrader in der Provinz. In diesen Verarbeitungsstätten wird aus dem Bitumen mit Hilfe chemischer und mechanischer Prozesse ein synthetisches Rohöl gewonnen. Gegen neue Anlagen spricht, dass der Bau über 10 Mrd. kann$ kostet und auch das Verarbeitungsverfahren selbst aufwendig und energieintensiv ist. Die Gewinnmargen dagegen sind eher schmal. Bislang wird ungefähr 60% des geförderten Bitumen in Upgradern in Alberta verarbeitet.
Im "Industrial Heartland" um die Provinzhauptstadt Edmonton zeichnete sich vor der Rezession der Bau von acht Upgradern ab, erklärte Neil Shelly, Leiter der dortigen Wirtschaftsförderstelle, gegenüber Germany Trade & Invest. Jetzt könnten es bestenfalls drei Projekte werden. Ölsandproduzenten, Ausrüstungslieferanten und auch die Canadian Association of Petroleum Producers (CAPP) sehen neue Vorhaben skeptisch.
Schließlich liegen in den USA Kapazitäten in Raffinerien brach, die zu Upgradern umgebaut werden können. Geschulte Personal ist dort ebenso vorhanden wie die notwendige Pipeline-Infrastruktur und die Verbrauchszentren liegen vor der Tür. So war es für den Ölsand-Produzenten Cenovus Energy mit seinem US-Partner ConocoPhillips kosteneffizienter, in die Erweiterung bestehender Raffinerien zu investieren, statt Kapazitäten in Alberta aufzubauen.
Die Provinzregierung will aus wirtschaftspolitischen Gründen die Weiterverarbeitung vor Ort fördern. Mithilfe der Ölsandabgaben will sie gemeinsam mit der Industrie Upgrader bauen. Wirtschafts- und Verbandsvertreter äußerten sich jedoch gegenüber Germany Trade & Invest skeptisch darüber, ob ein politisch motiviertes Projekt Sinn macht. Dennoch glauben sie, dass die Ölsand-Produzenten durch eine begrenzte Zahl von Upgradern unabhängiger würden. Vor allem für Unternehmen, die bereits über eine Anlage verfügen, bietet sich eine Expansion an, die günstiger als ein Neuprojekt ist.
Der französische Ölkonzern Total hat im Herbst 2010 die Genehmigung für den Bau eines Upgraders in Fort Saskatchewan nordöstlich von Edmonton erhalten. Das Projekt mit einer Verarbeitungskapazität von 300.000 bpd muss jedoch eine Reihe von Auflagen erfüllen. Total muss eine hohe Schwefel-Wiedergewinnungsrate erreichen und Studien zur Lärmbelastung erstellen. Im selben Gebiet ist das 150.000-bpd-Projekt der North West Upgrading zusammen mit dem Ölsand-Konzern Canadian Natural Resources geplant. Die erste Bauphase soll im 4. Quartal 2011 beginnen.
Internetadresse
Northwest Upgrading: http://www.northwestupgrading.com
(R.J.)
