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20.04.2011

Die USA bauen Förderung von Schiefergas aus

Die USA bauen Förderung von Schiefergas aus

Bedarf an Technologie für diesen Bereich wächst / AHK USA-Süd berät interessierte deutsche Unternehmen / Von Ullrich Umann

New York (gtai) - Die Erdgasförderung aus tiefgelegenen Tonsteinzonen, sogenanntes Schiefergas (engl.: shale gas), wird für die künftige Energieversorgung der USA hoch gehandelt. Damit einher geht ein wachsender Technikbedarf, als Zulieferer kommen deutsche Anbieter in Frage. Kürzlich erklärten Experten die Abhängigkeit des Landes von importierten Energieträgern, darunter Flüssiggas (LNG), für eine kostenintensive, aber unabänderliche Tatsache. Diese Feststellung könnte sich bald relativieren. (Internetanschriften)

Bei Dienstleistungen zur Erkundung und Förderung von Erdgaslagerstätten sowie bei der Herstellung, dem Vertrieb und der Anwendung von entsprechenden Maschinen, Anlagen und Komponenten ist die US-Wirtschaft im weltweiten Vergleich gut aufgestellt. Mehr als 10.000 Unternehmen sind auf diesem Gebiet aktiv, wie das American Petroleum Institute (API) mitteilte. Darunter befinden sich Konzerne wie Schlumberger, aber auch kleine und mittelständische Unternehmen aus der Komponentenherstellung, dem Dienstleistungs- und dem Beratungssegment. Der Anteil von mittelständischen Unternehmen ist bei der Förderung und dem Transport von Schiefergas höher als in den Bereichen Erdöl und konventionelles Erdgas.

Die deutsche Wirtschaft hat speziell bei Schiefergas Chancen als Ausrüster für Maschinen und Anlagen zur Produktion von Förderanlagen sowie als Zulieferer von Teilen und Komponenten, wie beispielweise von Pumptechnik, Rohren, Elektromotoren, Generatoren, Automatisierungstechnik, wie etwa der Technologie der Radio-Frequency Identification (RFID). Interessierte deutsche Unternehmen können sich speziell an die Deutsch-Amerikanische Handelskammer (AHK) USA-Süd in Houston wenden. Im Einzugsbereich der Kammer, im Süden von Texas, ist die Unternehmensdichte und die Kundenzahl in diesem Industriezweig besonders hoch.

USA: Importe von Maschinen und Ausrüstungen zur Förderung von Erdöl und Erdgas (in 1.000 US$; Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %)
Herkunftsland 2008 2009 2010 Veränderung 2010
Gesamt 2.025.156 1.299.829 1.426.881 9,8
.Kanada 765.699 454.945 612.067 34,5
.VR China 352.675 228.605 202.724 -11,3
.Mexiko 230.718 120.801 175.836 45,5
.Großbritannien 180.449 135.683 141.579 4,3
.Deutschland 129.604 81.607 91.684 12,3

Quelle: Department of Commerce, Washington, D.C., 2011

In den zurückliegenden Jahren investierte die US-Energiewirtschaft Milliardenbeträge in den Bau von Anlandungsterminals für Flüssiggas (LNG), das per Schiff aus Übersee geliefert wird, sowie in Anlagen zur Rückversetzung des Kohlenwasserstoffes in den gasförmigen Zustand. Inzwischen hat sich das Bild gewandelt. Aus einer anfänglich als unwirtschaftlich eingeschätzten und vielerorts belächelten Technologie zur hydraulischen Rissbildung (hydraulic fracturing) entlang horizontaler und vertikaler Bohrlöcher hat sich ein prosperierender Industriezweig mit einer zunehmend breiten Zulieferindustrie entwickelt.

Die Lagerstätten für Schiefergas in den USA erweisen sich als zahlreich und von hohem Volumen. Vor allem in den US-Bundesstaaten Texas, Louisiana, Pennsylvania, New York, Wyoming und Colorado zeichnet sich ein Boom ab. Allein in Pennsylvania wurden 2010 rund 3.000 Bohrgenehmigungen erteilt, von denen etwa 1.200 umgesetzt wurden. Zunehmend interessieren sich auch große Energiekonzerne für die Schiefergasförderung. So übernahm Chevron im Februar 2011in diesem Sektor tätige Atlas Energy. Aspekte der Schiefergasförderung spielten ebenfalls bei der Megaübernahme von XTO Energy durch Exxon Mobil 2010 eine Rolle.

Anstatt für alle Zeiten eine Importabhängigkeit von LNG zu akzeptieren, konnte die Gasbranche den Spieß umdrehen und plant nunmehr, europäische und asiatische Märkte mit amerikanischem Schiefergas im flüssigen Aggregatzustand zu beliefern. Besonders Japan wird als ein perspektivreicher Abnehmer angesehen. Statt Import und Gasifizierung lauten die Stichworte nun Verflüssigung und Export.

Für den Ausbau der Schiefergasförderung sind aber weniger die Ausfuhrchancen als mehr die Verbrauchsprojektionen auf dem Inlandsmarkt von entscheidendem Ausschlag. Hierfür sind die von der Politik noch zu schaffenden Anreize zur Erdgasnutzung wichtig, entweder per Steuervorteil oder mittels energie- und umweltpolitischen Vorgaben etwa bei der Stromerzeugung. Zum anderen muss analysiert werden, inwieweit der wachsende Energiebedarf der USA überhaupt mit Erdgas gedeckt werden kann oder soll. Dafür stehen die Zeichen nicht schlecht: Nach Angaben der U.S. Energy Information Administration (EIA) wird die Erdgasförderung in den USA von jährlich 20,6 Billionen (Stand 2008) auf 23,3 Billionen Kubikfuß bis 2035 anziehen. Das Natural Resources Committee im Repräsentantenhaus ließ im April 2011 gleich mehrere Gesetzesvorlagen passieren, durch die sich die Förderung von Gas und Öl maßgeblich erleichtern könnte. Hierunter fallen auch Gebiete, in denen die Förderung bislang gesetzlich untersagt ist.

Der Ausschussvorsitzende Doc Hastings (R-WA) befürwortete das als einen Schritt in die richtige Richtung, um die Importabhängigkeit von Energieträgern zu verringern. Genehmigungen für Fördergesellschaften könnten leichter und zügiger erteilt werden. Im Ergebnis soll die Gewinnung von Schiefergas bis 2035 auf 6 Billionen Kubikfuß pro Jahr anwachsen. Das würde den Anteil dieses Energieträgers an der gesamten Erdgasförderung von derzeit 6 auf 26% anschwellen lassen. Die Gewinnung von Schiefergas fängt die Rückgänge bei den anderen Fördermethoden und -quellen auf, darunter das in Alaska geförderte Erdgas, Methangas aus Kohlebecken, das mit der Erdölförderung assoziierte Erdgas sowie nicht assoziiertes Erdgas (onshore und offshore).

Zu den Risiken beim Ausbau der Schiefergasförderung gehören zweifellos die vorerst nicht eindeutig feststellbaren Aussichten zur Nutzung des Energieträgers in der Stromerzeugung. So wächst der Strombedarf bis 2035 nach Schätzungen des U.S. Department of Energy (DoE) nur moderat, was theoretisch durch Methoden der alternativen Energieerzeugung aufgefangen werden könnte. Hinzu kommt eine Reihe von Kohlekraftwerken, die derzeit geplant sind oder sich bereits im Bau befinden. Eine weitere unbekannte Größe ist, ob die Politik in absehbarer Zeit die Nutzung von Erdgas in der Transportwirtschaft fördert.

Eindeutig positiv schlägt für die Schiefergasnutzung zu Buche, dass die sich erholende Industrieproduktion einen Mehrbedarf an Energie generiert. Auf besonderes Interesse in der Abnehmerindustrie dürfte die Tatsache stoßen, dass durch die steigende Schiefergasgewinnung in den USA die Preise für Erdgas sinken.

Gegen Erdgas im Allgemeinen und Schiefergas im Besonderen machen allerdings Umweltschützer mobil. So sei die große Menge Wasser, die zur Rissbildung in der Tiefe gebraucht wird, und die dafür mit 3 bis 12 Chemikalien vermischt wird, für die Sauberkeit des Grundwassers problematisch. Förderbetriebe halten mit dem Argument dagegen, diesen Aspekt technisch im Griff zu haben. Hinzu kommt, dass bei der Förderung von Erdgas mehr Methan freigesetzt wird als ursprünglich angenommen. Methan wird aber mit der globalen Erderwärmung in Zusammenhang gebracht. Auch hierfür will die Industrie Auffangmethoden entwickeln und anwenden. Zudem wird bei der Verbrennung von Erdgas weitaus weniger Schwefeldioxyd erzeugt als bei Kohle oder Heizöl. Die USA führen die Diskussion um die Zukunft von Schiefergas somit recht kontrovers.

Internetanschriften

Deutsch-Amerikanische Handelskammer USA-Süd (AHK) in Houston: http://www.gacctexas.com

(Kontakt: Thomas Schwegmann, tschwegmann@gaccsouth.com, Tel.: +1 832 384 1204)

U.S. Energy Information Administration: http://www.eia.doe.gov

Weekly Natural Gas Storage Report: ir.eia.gov/ngs/ngs.html

Natural Gas Weekly Update: tonto.eia.doe.gov/oog/info/ngw/ngupdate.asp

Natural Gas Monthly: http://www.eia.doe.gov/natural_gas/data_publications/natural_gas_monthly/ngm.html

Natural Gas Annual: http://www.eia.doe.gov/oil_gas/natural_gas/data_publications/natural_gas_annual/nga.html

U.S. Crude Oil, Natural Gas, and Natural Gas Liquids Reserves: http://www.eia.doe.gov/oil_gas/natural_gas/data_publications/crude_oil_natural_gas_reserves/cr.html

Oil and Gas Field Code Master List: http://www.eia.doe.gov/oil_gas/natural_gas/data_publications/field_code_master_list/fcml.html

Annual Company Level Natural Gas Supply and Disposition: http://www.eia.gov/cfapps/ngqs/ngqs.cfm?f_report=RP1&CFID=5796397&CFTOKEN=97562951be0e91f-5701D5C5-237D-DA68-24D5C0E3F7045F6F

American Gas Association (AGA): http://www.aga.org

American Petroleum Institute (API): http://www.api.org

Oil and Gas Investor: http://www.oilandgasinvestor.com

Energy Intelligence Group Inc.: http://www.energyintel.com

HIS Global Insight Inc.: http://www.globalinsight.com

Marcon International Inc.: http://www.marcon.com

Dieser Artikel ist relevant für:

USA Wärme- und Gasversorgung, Öl, Gas, Strom-/ Energieerzeugung, Fossile Energien

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