Internationale Märkte

Logo Deutsche Auslandshandelskammern (AHK)  | © DIHK

Deutsche Auslandshandels-kammern

AHK

31.03.2011

Stromverbindungen von und nach Norwegen werden erweitert

Stromverbindungen von und nach Norwegen werden erweitert

Milliardeninvestitionen geplant / Norwegen will seine Stellung als Energielieferant ausbauen / Von Christian Tippelt

Oslo (gtai) - Norwegen möchte seine Position als Energielieferant zusätzlich zu seinen Öl- und Gasexporten mit der Lieferung von Elektrizität ausbauen. Daneben sollen die europäischen Verteilungsnetze zugunsten verbesserter und flexiblerer Strommärkte erweitert werden. Außerdem bieten sich Norwegens Wasserkraftressourcen als Speichermedium für erneuerbare Energien an. Investitionen in die Netzinfrastruktur sind dafür aber notwendig. Allein fünf Unterseekabel sind für die nächsten Jahre von Norwegen in seine Nachbarländer geplant. (Kontaktanschriften)

Die Stromverbindungen von und nach Norwegen werden in den nächsten Jahren weiterhin massiv ausgebaut. Der nationale norwegische Netzbetreiber Statnett plant zusammen mit den Netzbetreibern in den Nachbarländern umfangreiche Investitionen für den Bau neuer Stromkabel. Bislang liegen die Mittelplanungen bei geschätzten 47,3 Mrd. Norwegischen Kronen (nkr, rund 6,0 Mrd. Euro, Durchschnittskurs Februar 2011: 1 Euro = 7,8206 Euro). Die Netzkapazität zwischen Norwegen und seinen Nachbarn soll damit in den nächsten 5 bis 8 Jahren um 6.800 bis 7.500 MW erweitert werden.

Damit Norwegen seine Stellung als Energielieferant stärken kann und um neben Öl- und Gaslieferungen vermehrt Strom zu exportieren, ist eine bessere Integration und Verbindung mit skandinavischen und kontinentalen Stromnetzen notwendig. Gleichzeitig könnte sich Norwegen so besser vor Versorgungsengpässen in trockenen Jahren schützen.

Stromexport spielt für Norwegen eine immer größere Rolle. Die Integration in den skandinavischen und europäischen Strommarkt wird bislang durch mehrere Landkabel nach Schweden (sowie ein kleineres in die Russische Föderation), eines nach Finnland, drei Seekabel nach Dänemark sowie ein Seekabel in die Niederlande sichergestellt. Für die Zukunft existieren Pläne für den Bau von sechs weiteren großen Verbindungstrassen, davon ein Landkabel nach Schweden ("Sydwestlänken") sowie fünf weitere Seekabel: nach Deutschland (NorGer und Nord.Link mit je 1.400 MW), in die Niederlande (NorNed2, 700 MW), nach Dänemark (Skagerrak4, 700 MW) sowie ins Vereinigte Königreich (1400 MW). Von diesen Projekten soll die Verbindung nach Dänemark bereits 2014 ans Netz gehen, die übrigen Verbindungen erscheinen dagegen erst zwischen 2015 und 2020 umsetzbar.

Geplante Stromleitungen
Projekt / Verlauf Zeitlicher Rahmen Leistung (MW), Länge Geschätzte Baukosten Akteure
NorGer / Unterwasserkabel Norwegen - Deutschland Bauzeit: rund 3 Jahre; Inbetriebnahme 2015 geplant 1.400, 600 km 1,4 Mrd. Euro Agder, Lyse, EGL
Nord.Link / Unterwasserkabel Norwegen - Deutschland In Planung; Inbetriebnahme ab 2017 1.400, 550 bis 625 km 1,4 Mrd. Euro Statnett, Transpower
NorNed2 / Unterwasserkabel Norwegen - Niederlande In Planung; Inbetriebnahme ab 2015 geplant Vermutlich 700 oder 1.400, 580 km 600 Mio. Euro Statnett, TenneT
Skagerrak 4 / Unterwasserkabel Norwegen - Dänemark Im Bau; Inbetriebnahme ab 2014 700, 260 km Ca. 376 Mio. Euro 1) Statnett, Energinet
HVDC Norway-UK / Unterwasserkabel Norwegen - Schottland In Planung; Inbetriebnahme zwischen 2017 2020 geplant 1.400, 745 km Ca. 1,5 Mrd. Euro 2) Statnett, National Grid
Sydvästlänken / Landkabel Norwegen- Schweden Im Bau, Fertigstellung 2015 1.200, 400 km (davon 150 km in Norwegen) Ca. 745 Mio. Euro 3) Statnett, Svenska Kraftnett

Quelle: Statnett, einzelne Projektseiten

1) Umgerechnet mit dem Jahresdurchschnittskurs von 2010: 1 dkr = 0,13429 Euro, 2) Umgerechnet mit dem Jahresdurchschnittskurs von 2010: 1 nkr = 0,12495 Euro, 3) Umgerechnet mit dem Jahresdurchschnittskurs von 2010: 1 skr = 0,10490 Euro

Die beiden geplanten Verbindungen nach Deutschland haben für die norwegische Regierung hohe Priorität. Allerdings gibt es gewisse Vorbehalte bezüglich der deutschen Ziele und Vorstellungen, da es auf deutscher Seite keine nationalen Verhandlungspartner mehr gibt. An dem Projekt NorLink sind der staatliche Betreiber Statnett und der niederländische Netzbetreibers TenneT beteiligt. Bei NorGer sind es neben Statnett die kommunalen Energieversorger Lyse und Agder AS sowie der Schweizer Energiehändler- und Investor EGL. Durch sich hinziehende Genehmigungsverfahren sowie zum Teil noch nicht geklärte rechtliche Voraussetzungen sieht man den Zeitplan und die Profitabilität des Projektes gefährdet. Auf norwegischer Seite denkt man nun ernsthaft darüber nach, einen Teil der zur Verfügung stehenden Kapazität in die Kabelverbindung NorNed 2 zu lenken und diese von 700 auf 1400 MW aufzustocken.

In den Niederlanden ist der Netzbetreiber TenneT maßgeblich mit von der Partie und setzt sich für den Ausbau der NorNed-Verbindung ein. In Deutschland wurde die Netzinfrastruktur gemäß EU-Bestimmungen von der Energiewirtschaft getrennt und verkauft - unter anderem an den niederländischen Betreiber TenneT. Zwar setzt sich das Land Niedersachsen, in dem Endpunkte von Nord.Link und NorGer liegen würden, für die Projekte ein, auf deutscher Seite fehlt aber ein entsprechender (deutscher) Partner, der für die Kabel nach Deutschland Lobbyarbeit leistet.

Insgesamt hofft Norwegen, sein großes Potenzial an regenerativen Energien zu einer ähnlichen strategischen Einkommensquelle zu gestalten wie derzeit die Öl- und Gaswirtschaft. Entsprechend beteiligt sich Norwegen auch am Projekt eines Nordseestromverbundes "North Sea Super Grid", welches insbesondere die Nutzung des Offshore-Windpotenzials in der Nordseeregion sicherstellen soll. Neben eigener Einspeisung von Windstrom erhofft sich Norwegen eine lukrative Nutzung der vorhandenen Wasserspeicher als Reservestromquelle und als Speichermedium sowie eine günstigere Stromanbindung der Offshore-Ölindustrie. Beim Ausbau des Nordseenetzes auf norwegischer Seite sind deutsche Firmen in einer guten Ausgangsposition. So hat die in Norwegen angesiedelte Offshore-Sparte von Siemens Anfang 2010 beschlossen, über 200 Mio. nkr in die Entwicklung von speziellen Unterwasserverteilerknoten zu investieren.

Gerade für Deutschlands Windkraft und für die geplante Offshore-Windkraft von Nord- und Ostsee könnte Norwegens Wasserkraft als Energiespeicher künftig an Bedeutung zunehmen. Mit überschüssigem deutschen beziehungsweise sonstigem Offshore-Windkraftstrom würde Wasser in die Wasserspeicher gepumpt und bei Bedarf Wasserkraftstrom erzeugt werden. Auf die Möglichkeiten dieser skandinavischen Pumpspeicherpotenziale haben zuletzt zahlreiche Experten hingewiesen. Allerdings sind für diese Szenarien neue Netzkapazitäten im großen Umfang erforderlich.

Stromproduktion und -verbrauch (12 Monate; GWh)
Nov. 2008 - Okt. 2009 Nov. 2009 - Okt. 2010 Veränderung, %
Gesamtproduktion 133.346 123.810 -7,2
Wasserkraft 128.279 117.839 -8,1
Kraft-Wärme-Kopplung 4.038 5.096 26,2
Windenergie 1.029 875 -15,0
Import 5.287 13.236 150,3
Export 14.697 8.825 -40,0
Bruttoverbrauch 123.936 128.221 3,5

Quelle: SSB, Statistics Norway

Im Jahr 2010 wurden in Norwegen 122,5 TWh Strom erzeugt. Der Verbrauch lag bei 130 TWh und übertraf den bisherigen Rekord von 2008 um 1,4 GWh. Der notwendige Import kam in erster Linie aus Schweden, wo die Kernkraftproduktion seit Dezember 2010 zu nahezu 100% Kapazität lief.

Mit einer Jahresproduktion von im Schnitt 120 bis 140 TWh ist Norwegen Europas größter und weltweit siebtgrößter Wasserkraftproduzent. Derzeit werden circa 60% des in Norwegen vorhandenen Wasserkraftpotenzials genutzt. Der Ausbau der Wasserkraft schreitet voran; vor allem sind eine Vielzahl kleinerer Wasserkraftwerke geplant. Im Jahr 2010 wurden Konzessionen für neue Wärmekraftwerke in Höhe von 4,5 GWh erteilt.

Die Übertragungsinfrastruktur befindet sich weitgehend auf dem Stand der heutigen Technik und besteht meist aus Überlandleitungen. Kabel werden im Wesentlichen nur für Unterwasserübertragungen angewandt. Übertragungsverluste können in Norwegen weitgehend gering gehalten werden, da die vorhandene Wasserkraft eine weitgehend verbrauchskonforme Produktion erlaubt und meist ein Verbrauch nahe am Produktionsort sichergestellt ist. Übertragungsengpässe bestanden 2009 vor allem im westlichen und mittleren Teil des Landes, so zum Beispiel um die zweitgrößte Stadt des Landes, Bergen, und in den nördlichen Regionen.

Kontaktanschriften

Statnett

Postboks 5192 Majorstuen, 0302 Oslo

Tel.: 0047 23 90 30 00

Internet: http://www.statnett.no

Enova SF (Nationale Energieagentur)

Professor Brochsgt. 2, 7030 Trondheim

Tel.: 0047/800 49 003

Internet: http://www.enova.no

(C.T.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Norwegen Energiepolitik, Strom-, Energieerzeugung, allgemein, Stromübertragung und -verteilung, Strom-/ Energieerzeugung, Wasserkraft

Weitere Informationen

Funktionen

Kontakt

Edda Gaude

‎0228/24993-279

Suche

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschafts-daten, Zoll- und Rechts-informationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche