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04.08.2011

Frankreich legt neue Regeln für die Solarbranche fest

Frankreich legt neue Regeln für die Solarbranche fest

Obergrenzen für neue Kapazität / Industrie soll sich auf innovative Zukunftstechnologien konzentrieren / Von Waldemar Duscha

Paris (gtai) - Frankreich wird zukünftig alle größeren Solaranlagen über 1.000 qm öffentlich ausschreiben. Mit der Alliance Qualité Photovoltaïque legten Regierung und Branchenvereinigungen den Grundstein für die Schaffung einer innovativen Photovoltaik-Industrie. Wegweisend für die zukünftige Entwicklung sind das neue Solar-Cluster Sysolia in der Region Aquitaine und die Übernahme von SunPower durch den Erdöl- und Gaskonzern Total. (Internetadressen)

Frankreichs Regierung verkündete im Juli 2011 die neuen Regelungen für die Solarbranche. Demzufolge müssen in Zukunft alle großen Installationen mit einer Kapazität von über 100 kW - dies entspricht einer Modulfläche von über 1.000 qm - öffentlich ausgeschrieben werden. Dabei wird zwischen zwei Kategorien unterschieden. Bei den mittleren Anlagen mit 1.000 bis 2.500 qm gibt es ein vereinfachtes Auflagenheft und das wichtigste Auswahlkriterium ist der Preis. Zum Zuge kommt damit der Anbieter, der der staatlichen Stromgesellschaft EDF den günstigsten Verkaufspreis anbietet. Laut der Regulierungsbehörde CRE wird hierzu im August 2011 ein erstes Paket über 120 Megawatt peak (MWp) ausgeschrieben. Danach sollen alle drei Monate sechs Ausschreibungen über jeweils 30 MWp folgen.

Die zweite Kategorie bezieht sich auf größere Installation mit über 2.500 qm und einer Gesamtkapazität von 450 MWp, die sich wie folgt aufteilt: Aufdachanlagen (50 MWp), thermodynamische Zentralen (37,5 MWp), solarthermische Kraftwerke (50 MWp), verstellbare Sonnenkollektoren (100 MWp), große Solarzentralen (125 MWp) und kleine Zentralen bis 4,5 MWp (37,5 MWp). Neben dem Preis, der mit 40% berücksichtigt wird, zählen hier weitere Kriterien wie das Industrieprojekt, die Umweltfreundlichkeit und der Beitrag zur Forschung. Umwelttechnisch sollen beispielsweise Solarprojekte auf Industriebrachen oder Steinbrüchen bevorzugt werden gegenüber Anlagen auf Agrarland. Ein weiteres Novum besteht darin, dass die Bewerber eine Garantie für das Recycling und die Demontage am Ende des Lebenszyklus abgeben müssen.

Die Unternehmensvereinigung für Erneuerbare Energien (SER) kritisiert den im März 2011 von der Regierung über die gesamte Branche verhängten Plafond von 500 MWp pro Jahr. Das Umweltministerium hält dagegen, dass bereits im ersten Quartal 2011 300 MW installiert wurden. Betrug die installierte Gesamtkapazität am Jahresanfang 973 MW, wäre das vom Umweltgipfel (Grenelle de l'environnement) für 2012 gesetzte Ziel von 1.100 MWp bereits überschritten.

Aus der Sicht von SER hat sich das Klima in der Branche seit dem Regierungsmoratorium im Dezember 2010 deutlich abgekühlt. Ausschlaggebend für die Entscheidung von Paris war die Befürchtung einer Subventionsspirale aufgrund des explosiven Wachstums der Branche verbunden mit dem massiven Import preiswerter chinesischer Solarmodule. Laut SER sank die Beschäftigung in diesem Jahr um rund 5.000 auf 20.000 Arbeitsplätze - allerdings hatte sie sich allein in den letzten zwei Jahren verdoppelt. Um zukünftig große Investoren anzulocken, müsste die Regierung ihre Ausschreibung auf rund 1.000 MWp verdoppeln, heißt es. Symptomatisch für die niedrige Anziehungskraft sei, dass der führende Glaskonzern Saint-Gobain zwar in die Produktion von PV-Modulen einstieg, allerdings nicht in Frankreich sondern in Deutschland. Der Dachverband SER zählt 500 Mitglieder, davon 250 in der Solar- und Geothermie-Gruppe Soler.

Parallel zu den neuen Regelungen stellte die Umweltministerin Nathalie Kosciusko-Morizet ein neues Industrieprofil für Innovation und "Made in France" vor: Der Grundgedanke ist, dass Frankreich keine Massenproduktion der Solarmodule der ersten Generation entwickelt hat und hierin auch nicht den führenden Produzentenländern Deutschland und VR China nacheifern will. Im Visier sind eher innovative Zukunftstechnologien mit hoher Rendite, bei denen Frankreichs Unternehmen gut positioniert sind. Das Ministerium geht davon aus, dass es in der Branche in den Zweigen Projektierung und Installation kapazitätsbedingt weitere Freisetzungen geben wird, während der Forschungszweig mit seinen 8.200 Mitarbeitern stabil bleibt.

Vor diesem Hintergrund etablierten die PV-Industrie und die zwei Ministerien für Umwelt und Industrie die Alliance Qualité Photovoltaïque, kurz AQPV. Insgesamt 13 Unternehmen, die zusammen rund 3.000 Personen beschäftigen, waren mit von der Partie: Bosch, Ellifrance, Fonroche, KDGenergy, MPO energy, Photowatt, Semco, Sillia, SNA Energy, Solarezo, Systovi, Tenesol und Voltec Solar. Die Umweltministerin ist überzeugt, dass das AQPV-Label, das für Hochwertigkeit und Zuverlässigkeit steht, den Unternehmen neuen Schwung verleihen wird.

Bisher ist der Zweig erst am Beginn seiner Entwicklung mit einigen zumeist kleineren Produzenten von Modulen oder Struktur- und Elektrokomponenten. Die angeschlagene Photowatt als der einzige voll integrierte Produzent von PV-Modulen steht zum Verkauf und will mit einem ambitiösen Restrukturierungsplan über die Runden kommen. Photowatt ist eine Tochter der kanadischen ATS und musste im Januar 2011 einen Sozialplan für fast ein Drittel der 534 Beschäftigten verkünden und die Produktion in Bourgoin-Jallieu (Isère) von 70 auf 50 MW herunterfahren. Wenig Lebenszeichen zeigt auch die von First Solar in der Gironde geplante Produktionsstätte für 96 Mio. Euro, die 420 Mitarbeiter beschäftigen soll.

Wegweisend ist vielleicht das im Mai 2011 gegründete Solar-Cluster Sysolia in Aquitaine, der Region mit den meisten "grünen" Arbeitsplätzen Frankreichs. Sysolia besitzt 23 Partner - darunter spezialisierte Unternehmen, Laboratorien und innovative Technologieplattformen - und ist organisatorisch angedockt an das Optik- und Laser-Cluster Alpha-Route. Zur Entwicklungsstrategie zählen Solarkraftwerke, integrierte Gebäudesysteme und neue PV-Technologien (Dünnschichtmodule, polymere und organische Zellen). Die Region ist stolz darauf, in Gabardan (Landes) über den mit 1 Mio. Modulen auf 317 ha größten Solarpark Europas zu verfügen. Im Juni 2011 startete die Aktion "Blaue Dächer", in deren Rahmen PV-Paneelen auf 153 Gymnasien mit Gesamtkosten zwischen 200 Mio. und 300 Mio. Euro installiert werden. Innovativen Unternehmen soll die Finanzierung über Vorzugskredite der Europäischen Investitionsbank oder der französischen Caisse des Dépôts erleichtert werden.

Ein weiterer Indikator für die höhere Dynamik ist die mehrheitliche Übernahme des amerikanischen und weltweit drittgrößten Herstellers von PV-Paneelen SunPower durch Frankreichs Erdöl- und Gaskonzern Total für 1,4 Mrd. US$. Zusammen mit der Tochtergesellschaft Tenesol entsteht damit ein neuer Solar-Pol mit zusammen rund 6.000 Beschäftigten. SunPower erzielt einen Jahresumsatz von 2,2 Mrd. Euro und soll Tenesol zu 100% übernehmen, die mit 800 Beschäftigten einen Umsatz von 240 Mio. Euro erreicht. In den letzten Jahren erwarb Total auch die zwei kleinen Solarunternehmen AEP und Konarka.

Die Regierung hatte nach dem Ablauf des Moratoriums im März 2011 eine größere Absenkung der EDF-Ankaufstarife verkündet. Demzufolge wurde der Preis für Solarstrom aus Installationen unter 100 kW um durchschnittlich 20% gesenkt. Die zukünftige Praxis sieht vor, dass die Tarife in jedem Quartal weiter abgesenkt werden. Die Anpassung durch die Regulierungsbehörde CRE erfolgt dabei nach einer recht komplexen Formel, die die Projektanschlüsse wie auch die Kostenverläufe berücksichtigt.

Internetadressen:

Ministère de l'Écologie, du Développement durable, des Transports et du Logement

(http://www.developpement-durable.gouv.fr)

Commission de régulation de l'énergie (http://www.cre.fr)

Syndicat des énergies renouvelables (http://www.enr.fr)

Agence de l'environnement et de la maîtrise de l'énergie (http://www.ademe.fr)

l'Institut national de l'énergie solaire (http://www.ines-solaire.com)

Association professionnelle de l'énergie solaire (http://www.enerplan.asso.fr)

(W.D.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Frankreich Strom-/ Energieerzeugung, Solar, alternative Energien

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Karl-Heinz Dahm

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