| Datenbank: | Länder und Märkte |
|---|---|
| Titel: | Wachsende Risiken bei Geschäften mit Privatunternehmen in der VR China |
| Datum: | 05.08.2009 |
| Land: | China |
| Produktkategorie: | Artikel |
| Ihr Ansprechpartner bei Germany Trade and Invest: | Frau Menshausen, Ruf: 0221/2057-266 |
Shanghai (gtai) - Während die Länderbonität der VR China unverändert stabil ist, sind die Auswirkungen der Finanzkrise dennoch zusehends zu spüren. Seit dem 4. Quartal 2008 haben die Zahlungsrisiken deutlich zugenommen. Immer mehr Kunden, vor allem in exportintensiven Branchen wie Elektrohausgeräten oder elektronischen Erzeugnissen leiden unter Liquiditätsengpässen, die zunehmend auf Lieferantenkredite abgewälzt werden. Insbesondere Privatfirmen gelten als riskant. (Kontaktanschriften)
Die Wirtschaft der VR China ist zwar wie alle anderen Länder von der Finanzkrise betroffen, das Ausmaß ist aber nicht so tiefgreifend ist wie in anderen Ökonomien. In der Folge ist das internationale Rating des Landes weiterhin zufriedenstellend. Der Institutional Investor beispielsweise sah die Länderbonität Chinas im März 2009 weltweit auf Rang 34 (September 2008: Platz 33) und damit noch vor Korea (Rep.) (36), Malaysia (39) und Russland (47).
Auch die "Country Risk Classification" der OECD stellt der Volksrepublik ein gutes Zeugnis aus und sieht das Land in der Klassifikation 2 (auf einer Skala von 0 bis 7, wobei 0 die beste Einstufung ist). Das "Country Risk Assessment Model" (CRAM) klassifiziert nahezu alle Länder nach Kriterien wie Zuverlässigkeit bei der Bedienung von Schulden, der allgemeinen finanziellen Situation sowie dem Gesamtzustand der Wirtschaft.
Zu dem insgesamt positiven Szenario trägt sicherlich bei, dass China mit einem Volumen von knapp 2 Bill. US$ über die weltweit größten Devisenreserven verfügt, über die sich so manche Risiken abfedern lassen. Jedenfalls gibt es bislang keinerlei Hinweise darauf, dass die internationale Finanzkrise schwere Schäden im chinesischen System hervorrufen könnten und Einschränkungen im internationalen Zahlungsverkehr sind nicht in Sicht.
Während Chinas Länderbonität weiterhin vergleichsweise gut bewertet wird, haben die Zahlungsrisiken seit dem 4. Quartal 2008 teilweise erheblich zugenommen. So sind nach einer Analyse der französischen Coface, die im 4. Quartal 2008 mehr als 550 in China tätige Unternehmen zum Inkassogeschäft interviewt hat, 90% der befragten Firmen mit überfälligen Zahlungen konfrontiert. Im 4. Quartal hätten sich die Marktbedingungen insgesamt verschlechtert, so die Untersuchung.
Rund ein Viertel der Unternehmen beklagen, dass Kunden unter Liquiditätsengpässen litten. Im Vergleich zum 4. Quartal 2007 entspricht dies einer Verdreifachung. Über 50% der Firmen wickeln mehr als drei Viertel ihrer Umsätze über laufende Rechnungen (open account) ab. Im Vorjahr waren dies nur 43,6%. Immer mehr Kunden versuchen, ihre Liquiditätsengpässe auf Lieferantenkredite abzuwälzen und Zahlungsziele zu überschreiten. In der Folge wird befürchtet, dass in einer Art Dominoeffekt die Liquidität der Lieferanten ihrerseits stark unter Druck geraten könnte.
Für die Nicht-Begleichung von Schulden führen die befragten Unternehmen im Wesentlichen zwei Gründe an. Zur Hälfte wird dieses Verhalten auf Liquiditätsprobleme des Schuldners zurückgeführt, weitere 25% geben an, dass das schlechte Finanzmanagement der chinesischen Kunden die Ursache sei.
Coface stellt jedenfalls fest, dass überfällige Zahlungen, die die Zahlungsziele um sechs bis zwölf Monate überschritten, zunähmen. Neben dem Bausektor, der in den vergangenen Monaten rückläufig war, waren vor allem die Hersteller von Haushaltsgeräten und elektronischen Erzeugnissen betroffen, die unter den schrumpfenden Ausfuhren zu leiden haben.
40% der Firmen in diesen Branchen klagten darüber, dass mehr als 2% ihrer Inlandsumsätze nicht bezahlt würden, eine Marke, die laut Coface signalisiert, dass erhebliche Kreditrisiken vorhanden sind und eine signifikante Zahl von Abnehmerfirmen mit dem Überleben kämpft.
Dabei kommen Staatsfirmen als Kreditnehmer noch am Besten weg. Sehr viel stärker gefährdet ist der Privatsektor und insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) mit einem Jahresumsatz von weniger als 250 Mio. RMB. Gerade die KMU leiden nicht nur unter den schlechteren Marktbedingungen, Preiskriegen und sinkenden Exporten. Erschwerend kommt hinzu, dass 60% von ihnen zusätzlich ein schlechtes Finanz- und Kreditmanagement haben, das ihr Überleben gefährdet, da sie auch weniger Zugang zu Bankkrediten haben. Mehr als 70% der von Coface befragten Firmen halten die chinesischen Privatunternehmen für die riskantesten Kunden.
Liquiditätsengpässe plagen nicht nur exportorientierte Firmen im Yangzi- und im Perlflussdelta. Auch zentral- und westchinesische Betriebe sind offensichtlich stark betroffen. Knapp 30% der befragten Unternehmen, die in diesen Regionen tätig sind, klagen über Zahlungsverzögerungen von mehr als drei Monaten. Die Zahlungsmoral, so schließt die Studie, verschlechterte sich insgesamt seit dem 4. Quartal 2008 und überfällige Rechnungen seien stark gestiegen. Nur 8,8% der befragten Firmen hatten 2008 nicht mit Zahlungsverzögerungen oder gar -ausfällen zu kämpfen.
Der Zahlungsverkehr innerhalb der VR China muss prinzipiell in Landeswährung (Renminbi Yuan, RMB) abgewickelt werden. In Ausnahmefällen dürfen Unternehmen in Fremdwährung Rechnungen stellen, wenn der Kunde in einer Free Trade Zone wie beispielsweise Waigaoqiao seinen Firmensitz hat. Ansonsten dienen ausländische Währungen allenfalls als Referenzwert. Dagegen sind Transaktionen, bei denen sich eine Partei im Ausland befindet, in einer ausländischen Währung abzuwickeln. Der Bankensektor ist an das SWIFT-System angeschlossen. Hier lautet die offizielle Währungsabkürzung CNY (Chinese New Yuan).
Die meisten Unternehmen arbeiten im internationalen Zahlungsverkehr auf US-Dollar- oder Euro-Basis, aber auch das britische Pfund oder der japanische Yen sind gebräuchlich. Die Wahl des US-Dollars bedeutet zugleich eine große Sicherheit vor Währungsschwankungen, da der RMB an einen vom Dollar dominierten Währungskorb gebunden ist. Allerdings ist seit einigen Jahren ein verstärkter Trend zum Euro festzustellen. Devisentermingeschäfte zur Absicherung von Handelstransaktionen gegen Währungsschwankungen sind seit 2005 möglich. Die Regel sind Laufzeiten von sieben Tagen bis zwölf Monaten, bei Projektaufträgen sind längere Laufzeiten allerdings nicht unüblich; angeboten werden Terminverkäufe von RMB gegen US$, Euro, HK$, Yen, Schweizer Franken und andere gängige Währungen.
Zur Absicherung von Lieferungen aus dem Ausland sind Dokumentenakkreditive gebräuchlich, häufig in Kombination mit einer Anzahlung. Allerdings nimmt deren Bedeutung mit der wachsenden Zahl lokaler Niederlassungen ab, die Waren importieren und gegen Landeswährung weiterverkaufen. Auch wickeln etliche Unternehmen ihre Exporte immer noch über Hongkong (SVR) ab.
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