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| Titel: | Mexikos Wirtschaft leidet unter Kreditknappheit |
| Datum: | 01.07.2009 |
| Land: | Mexiko |
| Produktkategorie: | Artikel |
| Ihr Ansprechpartner bei Germany Trade and Invest: | Herr Janetzke, Ruf: 0221/2057-255 |
México D.F. (gtai) - Gewerbliche Kredite sind in Mexiko nur schwer zu haben. In früheren Jahren waren davon vorrangig kleine und mittlere Unternehmen betroffen, inzwischen aber auch große Firmen. Nicht ohne Grund bat Finanzminister Augustin Carstens auf einer Veranstaltung des World Economic Forum (WEF) Ende Juni 2009 die Banken, wieder aktiver an der Wirtschaftsentwicklung teilzunehmen. Der Staat gilt unter den Gläubigern dagegen unverändert als solider Schuldner.
Die gesunkenen Aktivitäten der mexikanischen Bankenwirtschaft begründen sich im Wesentlichen auf zwei Punkten: Zum einen wird das Kreditrisiko in der gegenwärtigen Rezessionsphase als überaus hoch eingeschätzt. Dass staatliche Mittel, sprich öffentliche Investitionen den Wirtschaftsrückgang nicht aufhalten, bestenfalls etwas abfedern können, beweisen die jüngsten Wachstumsprognosen des mexikanischen Bundesfinanzministeriums (SHCP): Demnach bricht das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2009 um -5,5% ein. Andere Quellen sehen noch größere Rückgänge voraus.
Zum anderen wird den fünf größten mexikanischen Universalbanken von ihren ausländischen Mutterhäusern aus Gründen der Konzernkonsolidierung eine stringente Kreditvergabe auferlegt. Statt den Geldhahn aufzudrehen, ziehen die Konzernzentralen der Banken in den USA, Kanada, Großbritannien und Spanien sogar noch Kapital aus den profitablen Tochterunternehmen in Mexiko ab. Zwar hatten sich mexikanische Finanzinstitute an den Spekulationen um US-Hypothekenkredite nicht beteiligt. Deren ausländische Besitzer dagegen schon. Aber auch ohne Finanzmarktkrise waren Gewinnabführungen aus Mexiko in Milliardenhöhe an der Tagesordnung.
Makroökonomisch ist Mexiko gegen die Auswüchse der internationalen Finanzmarktkrise besser gewappnet als in früheren Jahren, was dem Bankensektor eigentlich gute Rahmenbedingungen bieten sollte. Dazu tragen gleich mehrere Faktoren bei: das Haushaltsdefizit bleibt 2009 weiterhin kontrollierbar; der mexikanische Peso floatet frei; die internationalen Währungsreserven befinden sich mit 70 Mrd. US$ bis 80 Mrd. US$ auf einem soliden Niveau und die Finanzwirtschaft ist trotz der Gewinnabflüsse ausreichend kapitalisiert.
Zu den eindeutigen Schwächen der mexikanischen Wirtschaft zählen das unzulängliche Bildungssystem und die nur rudimentär ausgebildete Forschungslandschaft für Industrieanwendungen; die ungenügende Inanspruchnahme des offenen Handelsregimes und die damit verbundene einseitige Abhängigkeit der Exportwirtschaft von den USA; die übergroße Orientierung kleiner und mittlerer Unternehmen auf den lokalen Markt (nur 1% der KMU exportieren Waren und Dienstleistungen); die zu dünne Erhebungsbasis für Steuern sowie die daraus resultierende Schwäche bei der Nutzung der Fiskalpolitik zur Wirtschaftsentwicklung. Hinzu kommt der mangelnde Wettbewerb in Schlüsselbereichen wie Energiewirtschaft, Telekommunikation und Transport, was zu überteuerten Dienstleistungen oder zu geringen Angeboten, etwa an Elektroenergie oder petrochemischen Produkten, führt.
Verstärkt durch die internationale Finanzmarktkrise dreht sich die Spirale aus wegbrechendem Wirtschaftswachstum und Kreditklemme immer schneller. Neuen oder laufenden Projekten in den Sektoren Industrie und Dienstleistungen wird dadurch die finanzielle Basis entzogen, was dazu führt, dass Banken ihre Risikostufen weiter herauf setzen. Bereits im Oktober 2008 brach die Wertpapierbörse in Mexiko-Stadt drastisch ein, da institutionelle Investoren ihr Geld abzogen und in vermeintlich sichere US-Treasury-Bills umdisponierten.
Durch die daraus ausgelöste Kapitalumschichtung Richtung Norden, bei gleichzeitig sinkenden Exporteinnahmen und Familienüberweisungen von dort, geriet der Außenwert des mexikanischen Pesos unter starken Druck. Nur durch das energische Eingreifen der Zentralbank, die mit massiven Stützungskäufen intervenierte und US-Dollar auf den Markt warf, konnte ein noch stärkeres Abrutschen des Pesos verhindert werden.
Das Studienzentrum für öffentliche Finanzen im Abgeordnetenhaus kam zu der Schlussfolgerung, dass in den letzten drei Jahren nicht nur die Verfügbarkeit von Krediten, sondern auch die Rentabilität des Bankensektors abgenommen hat: Die Ausfälle bei Konsumenten-, Wohnungsbau- und auch gewerblichen Krediten sind beträchtlich gestiegen und stellen für die Finanzinstitute ein ernst zu nehmendes Problem dar.
Demnach sind die Ausfallraten auf dem Kreditmarkt von Dezember 2007 bis Anfang 2009 von 2,54 auf 3,44%, das heißt um 35% gestiegen. Am meisten ließ die Zahlungsfähigkeit privater Konsumenten nach: Die Ausfälle bei Kreditkarten, Verbraucherdarlehen, Ratenzahlungen für den Kauf langlebiger Verbrauchsgüter etc. lagen Anfang 2009 im Branchenschnitt mit 8,62% unter allen Kreditarten am höchsten. Bei den Unternehmensdarlehen stiegen die Zahlungsausfälle von 1,01% (Dezember 2008) auf 3,78% (Anfang 2009) an. Im derzeit laufenden Rezessionsjahr verschlechtern sich diese Werte weiter.
Die Bankenwelt reagierte auf diese Entwicklung mit der Rückführung des Anteils an Konsumentenkrediten an den Produktportfolios von 24,80 (Dezember 2008) auf 23,70% (März 2009). Wohnungsbaukredite schrumpften in ihrer Quote von 16,22 auf 15,83% und Interbankenkredite von 4,40 auf 3,93%. Einzig nahm der Anteil von Krediten für die öffentliche Hand zu, und zwar von 8,33 auf 8,60%.
(U.U.)

