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| Titel: | Ägyptens Bankensystem von Finanzkrise verschont |
| Datum: | 21.09.2009 |
| Land: | Ägypten |
| Produktkategorie: | Artikel |
| Ihr Ansprechpartner bei Germany Trade and Invest: | Herr Kalhöfer, Ruf: 0221/2057-217 |
Kairo (gtai) - Ägyptens Bankensektor ist von der weltweiten Finanzkrise unberührt geblieben. Von daher kann von einer krisenbedingten Kreditklemme nicht gesprochen werden. Die Finanzierungsbedingungen für die Unternehmen folgen eher landesspezifischen Gegebenheiten. Kredit- und Bonitätsauskünfte haben noch weitgehend einen informellen Anstrich. Offizielle, verlässliche und flächendeckende Informationen sind nicht verfügbar. Für deutsche Unternehmen im Geschäftsverkehr mit ägyptischen Partnern gibt es nur eine Sicherungsdevise, das Akkreditiv.
Ägyptens Bankensektor war nur marginal bis gar nicht in moderne Bankenprodukte und toxische Papiere involviert, und hat insofern die globalen Finanzmarktturbulenzen unbeschadet überstanden. Eine Stützung des Finanzdienstleistungssektors wurde nicht erforderlich. Bereits frühzeitig konnte sich die Regierung auf die realwirtschaftlichen Auswirkungen der Weltrezession konzentrieren. Das Land am Nil hielt sich mit einem rund viereinhalbprozentigen Wirtschaftswachstum im Fiskaljahr 2008/09 (1.7. bis 30.6.) nach durchschnittlich real 7% in den drei Jahren zuvor erstaunlich gut. Selbst angesichts möglicher negativer Zweit- und Drittrundeneffekte sollte Ägypten auch im laufenden Fiskaljahr auf Wachstumskurs bleiben.
Das inländische Bankensystem hat deutlich von den Reformanstrengungen und Umstrukturierungsmaßnahmen seit 2005 profitiert. Die Zahl der Kreditinstitute hat sich von 46 (in 2005) auf 39 reduziert. Entstanden sind starke Einheiten, die auf regionalem Niveau wettbewerbsfähig sind. Dank Bankenreformplan und Unterstützungen der Zentralbank CBE konnte auch das drängende Problem der Non Performing Loans (NPL) angegangen und einer Lösung nähergebracht werden. Deren Anteil verringerte sich inzwischen von 26% auf gut 16%. Das im Zuge exzessiver Kreditgewährung durch die Geschäftsbanken in den 90er Jahren bis in die Anfänge des laufenden Jahrzehnts entstandene Problem, führte in der Folge zu einer Politik des knappen Kredits.
Seit ungefähr zwei Jahren kann von einem Trend zur Normalisierung und adäquaten Kreditversorgung der Wirtschaft gesprochen werden. Dennoch bleibt der Bankensektor als recht konservativ charakterisiert. Das Verhältnis der Kredite zum Bruttoinlandsprodukt beläuft sich auf 47%, das der Kredite zu den Einlagen auf gerade 54%. Fremdwährungskredite sind relativ leicht zu erhalten. Voraussetzung ist, dass der Kreditnehmer selbst Einkünfte in Devisen generiert.
Gefährdungen für das System ergeben sich hauptsächlich aus den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Denn 72% des aggregierten Kreditportfolios betreffen große Unternehmen, die aufgrund ihrer internationalen Verflechtung am meisten gegenüber der Internationalität der Krise exponiert sind und am stärksten unter der Abschwächung der Hauptantriebskräfte der ägyptischen Wirtschaft, namentlich Tourismus, ausländischen Direktinvestitionen, Einnahmen aus Suezkanal und Exporten, zu leiden haben. Das Geschäft mit Privatkunden und klein- und mittelständischen Unternehmen, die ihre Stärke aus der Inlandsnachfrage ziehen, besitzt heute das Potenzial für die Banken, die ihr Kreditportefeuille ausweiten wollen..
Um dieses Klientel, das erhebliche Beiträge zum Wirtschaftswachstum liefern kann, verstärkt zu nutzen, sind verlässliche und flächendeckende Kredit- und Bonitätsauskünfte notwendig. Einen wichtigen Schritt in Richtung einer regulären Kreditauskunft markiert der Aufbau des Egyptian Credit Bureau, I-Score ( www.i-score.com.eg), das mit Unterstützung des zur Weltbankgruppe gehörigen IFC realisiert wird. Das nun aus der Pilotphase herauswachsende Projekt bietet Informationen über Einzelpersonen und Kleingewerbe. Die Einführung eines "Credit Score" ist noch für 2009 geplant. Weitere neue Produkte und Dienstleistungen zur Absicherung von Krediten sollen mittelfristig entwickelt werden (unter anderem generic scoring, fraud detection). Banken, Hypothekenkreditfinanzierern und Leasingunternehmen sollen die Informationen und Daten zugänglich sein.
Benötigen ausländische Geschäftspartner eine Kreditauskunft über ein ägyptisches Unternehmen, so kommt als Ansprechpartner die DAIHK Deutsch-Arabische Industrie- und Handelskammer in Kairo ( www.ahkmena.com) infrage. Die Kammer arbeitet mit Rime Information Bureau Ltd. zusammen. Je angefragter Firma belaufen sich die Kosten auf 200 Euro. Die Gewähr, dass die gesuchte Firma gefunden wird, kann nicht garantiert werden. Alternativ kommen auch die Dienste von Coface Egypt infrage ( www.coface.com.eg).
Mit Ausnahme börsengeführter Unternehmen ist die Bonitätsprüfung als intransparent zu charakterisieren. Sofern es keine freiwillige Selbstauskunft gibt, ist nur wenig verfügbar. Selbst die Geschäftsbanken haben über ihre Kunden kaum Informationen vorliegen. Dies macht ein professionelles Risk-Management nahezu unmöglich. Vieles basiert in Ägypten daher auf Goodwill und Vertrauen. Die Kreditvergabe folgt vielfach dem "name lending", d.h. der Kunde ist noch nicht negativ aufgefallen bzw. hat einen ordentlichen Ruf.
Vor 1996 war für das Handelsregister die Behörde für Kapital- und Personengesellschaften zuständig, in der Folge dann die General Authority for Investment (GAFI). Die Beantragung eines Handelsregisterauszugs erfolgt am besten über eine Anwaltskanzlei der Kammer. GAFI hat kürzlich die Möglichkeit der elektronischen Unternehmensregistrierung angekündigt. Innerhalb von zwei Wochen müssen Unternehmen Insolvenzen anzeigen. Es gibt kein eigenes Insolvenzrecht. Einige allgemeine Passagen sind im "Trade Law" verankert.
Zur Absicherung von Geschäften mit ägyptischen Partnern ist das Akkreditiv ohne Alternative. Dies gilt nicht nur für neue, sondern auch eingefahrene Kundenbeziehungen. Wer hier nachlässig ist, hat im Ernstfall bereits verloren, denn der Weg, doch noch seine Forderung zu realisieren, ist lang, teuer und meist ohne Aussicht auf Erfolg. Als besonders fatal erweist sich dabei eine fehlende schriftliche Vertragsfixierung. Die Legalisierung und Übersetzung zum Beispiel von E-Mail-Verkehr stellt einen erheblichen Aufwand hinsichtlich Zeit und Kosten dar.
Die Kammer nimmt für die Prüfung eines Falles pauschal 350 Euro. Im günstigen Fall kann der Schuldner ausfindig gemacht und durch Vermittlung eine gütliche Einigung gefunden werden. Diese außergerichtliche Streitschlichtung wird mit einem Grundhonorar und einer vom Gegenstandswert abhängigen Erfolgsprämie vergütet. Besonders teuer wird es, wenn die Möglichkeiten der Kammer erschöpft sind und der Gang zum Anwalt angetreten wird. Dieser kostet 250 bis 350 US$ je Stunde. Er wird zunächst einen Mahnbescheid begeben. Kommt es zur gerichtlichen Auseinandersetzung, verliert der Gläubiger unabhängig vom Ergebnis weitere 20% durch die Gerichtskosten. Hinzu kommen die Kosten für die Legalisierung von Dokumenten. Gerichtsverfahren dauern acht bis neun Jahre. Am Ende steht meist die fehlende Vollstreckbarkeit des Urteils.
Das Inkassosystem ist deutlich unterentwickelt. Gewisse Aktivitäten gibt es im privaten Bereich. Die Zahlungsmoral im Inland gilt als eher bescheiden. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist Ägypten eine "Cash Economy". Schecks sind im Binnengeschäft relativ sicher, da die Ausstellung ungedeckter Schecks schnell ins Gefängnis führt. Allerdings ist der Einsatz in der Regel auf den Geschäftsverkehr größerer Unternehmen beschränkt. Die Einlösung von auf Ägyptisches Pfund (EGP) lautenden Schecks ist nur in Ägypten möglich und erfordert ein Konto. Wechsel sind weniger geeignet, da die Wechselstrenge nicht so ausgeprägt ist. Im internationalen Geschäftsverkehr bildet der US-Dollar die Basiswährung, da er nur eine geringe Fluktuation zum EGP aufweist. Für den europäischen Raum ist allerdings der Euro als Vertragswährung dominant.
(M.M.)

