| Datenbank: | Länder und Märkte |
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| Titel: | Deutsche Wirtschaft noch schwach in Kolumbien vertreten |
| Datum: | 07.10.2009 |
| Land: | Kolumbien |
| Produktkategorie: | Artikel |
| Ihr Ansprechpartner bei Germany Trade and Invest: | Frau Kusche, Ruf: 0221/2057-419 |
Bogotá (gtai) - Kolumbien ist durch eine verbesserte Sicherheitslage in den vergangenen Jahren als Absatzmarkt für deutsche Produkte wieder attraktiver geworden. Ein wachsender Binnenmarkt treibt den Konsum und die Investitionen an. Gleichzeitig werden im Energiesektor, im Bergbau und in der Verkehrsinfrastruktur Großvorhaben vorangetrieben, die exzellente Geschäftsmöglichkeiten eröffnen. Die sich verbessernden Investitionsbedingungen im Land werden von deutschen Unternehmen allerdings kaum genutzt.
Sicherheit und Wirtschaftswachstum gehen in Kolumbien Hand in Hand. Obwohl die konsequente Bekämpfung der Guerilla durch die Regierung unter Präsident Álvaro Uribe international weiterhin umstritten ist, hat sich die Sicherheitslage in weiten Teilen des Landes stark verbessert. Dadurch wurde in den vergangenen fünf Jahren aus einer stark fragmentierten Volkswirtschaft mit wenigen beinahe getrennt voneinander existierenden Wirtschaftszentren wie Bogotá, der Kaffeeachse, Calí, Medellín und dem karibischen Küstenstreifen ein gemeinsamer Wirtschaftsraum. Dies hat der gesamten Wirtschaft, besonders der Industrie, dem Transportwesen, dem Finanzsektor und dem Handel starken Auftrieb gegeben. So ist das Bruttoinlandsprodukt zwischen 2004 und 2008 im Durchschnitt um 5,5% pro Jahr gewachsen.
Eckdaten zur Wirtschaftsentwicklung in Kolumbien
| 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 | |
| BIP (reale Veränderung in %) | +4,7 | +5,7 | +6,9 | +7,5 | +2,5 |
| BIP pro Kopf (in US$) | 2.686 | 3.370 | 3.744 | 4.735 | 5.401 |
| Importe aus Deutschland (CIF, in Mio. US$) | 677 | 774 | 933 | 1.205 | 1.557 |
| Importe insgesamt (CIF, in Mio. US$) | 16.764 | 21.204 | 26.162 | 32.897 | 39.669 |
| Investitionsrate (Anteil am BIP in %) | 19,5 | 22,1 | 24,6 | 26,0 | 27,6 |
| Auslandsinvestitionen (in Mio. US$) | 3.016 | 10.252 | 6.656 | 9.049 | 10.600 |
| Auslandsinvestitionen aus Deutschland (in Mio. US$) | 2,7 | 11,5 | 1,6 | 4,4 | 52,1 |
Quellen: Zentralbank, Statistikamt Dane
Auch deutsche Firmen haben von dem Aufschwung profitiert. Während die Gesamtimporte um 23% pro Jahr zugelegt haben, sind die Importe aus Deutschland immerhin um 20% pro Jahr gestiegen. Die Marktvolumina sind in vielen Bereichen bereits so interessant, dass deutsche Unternehmen zuletzt verstärkt dazu übergegangen sind, den kolumbianischen Markt mit eigenen Niederlassungen zu bearbeiten. Jüngstes Beispiel ist der Medizintechnikhersteller Dräger mit der Gründung einer eigenen Vertriebseinheit in Bogotá. Gute Geschäftschancen gibt es für deutsche Maschinen- und Anlagenbauer in vielen Industriebranchen. Hohe Investitionen fließen außerdem in den Erdöl- und Erdgassektor sowie in den Bergbau, wo neue Kohleminen eröffnet werden und die entsprechende Infrastruktur benötigt wird.
Der konstante konjunkturelle Aufschwung der vergangenen Jahre hat durch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise seit Ende 2008 einen Dämpfer erhalten. Allerdings hatten der Bankensektor und die Zentralbank aus der heimischen Finanzkrise Ende der 90er Jahre gelernt, vorsichtiger zu agieren. So wurde während der starken Wachstumsjahre bis 2008 eine Überhitzung der Wirtschaft vermieden. Auch in der derzeitigen Finanzkrise hat sich der kolumbianische Finanzsektor als sehr robust erwiesen. Makroökonomisch weist das Land keine großen Ungleichgewichte auf. Daher dürfte der Aufschwung in Kolumbien einer besseren Konjunkturentwicklung im wichtigsten Partnerland USA auf dem Fuße folgen.
Das starke Wirtschaftswachstum hat allerdings die Verkehrsinfrastruktur Kolumbiens bis an die Grenzen der Belastbarkeit geführt. Hier muss investiert werden, damit das Land seinen außenwirtschaftlichen Ambitionen gerecht werden kann. In der kolumbianischen Politik herrscht ein breiter wirtschaftsliberaler Konsens. Die Regierung will in den kommenden Jahren Freihandelsabkommen mit den USA und der Europäischen Union abschließen. Das Freihandelsabkommen mit den USA, das sich als starke Triebfeder für Auslandsinvestitionen in Kolumbien erweisen dürfte, ist von kolumbianischer Seite bereits ratifiziert. Allein von US-Seite fehlt noch die Zustimmung. Mit der Europäischen Union stehen die Verhandlungen über ein entsprechendes Freihandelsabkommen kurz vor dem Abschluss.
Damit die kolumbianische Industrie die sich mittelfristig eröffnenden Exportchancen auch nutzen kann, soll die Straßen- und Schieneninfrastruktur des Landes in den kommenden Jahren ausgebaut werden. Zuletzt erhielten im September 2009 drei Konzessionsvorhaben im Autobahnbau staatliche Zusagen für 4,5 Mrd. US$ an Zuschüssen. Ähnlich ist die Lage im Energiesektor, in dem die Bedarfsprognosen durch Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum in die Höhe geschossen sind. Bis Ende 2009 und teilweise 2010 beginnen die Arbeiten an sechs Wasserkraftwerken mit Investitionskosten von 6,5 Mrd. US$. In den kommenden sechs Jahren werden etwa 47 Mrd. US$ an Investitionen in die Sektoren Energie, Erdöl, Erdgas und Bergbau fließen.
Geplante Investitionen in Energie und Bergbau von 2009 bis 2015 (in Mrd. US$)
| Sektor | Investitionssumme |
| Erdöl: Erforschung und Förderung | 24,0 |
| Ausbau und Modernisierung von Raffinerien | 6,0 |
| Stromerzeugung und -verteilung | 7,6 |
| Bergbau | 4,1 |
| Pipelinebau | 2,5 |
| Erdgasförderung und -verteilung | 0,9 |
| Biokraftstoffe | 0,3 |
| Andere Projekte inklusive Energieeffizienz | 1,5 |
| Insgesamt | 47,0 |
Quelle: Ministerium für Bergbau und Energie
Nicht allein Absatz- und Projektchancen ergeben sich in Kolumbien. Das Land hat in den zurückliegenden Jahren versucht, die Investitionsbedingungen für ausländische Unternehmen zu verbessern und auf diese Weise größere Zuflüsse an Direktinvestitionen anzulocken. In den Weltbankstudien zum Investitionsklima ist das Land stetig nach oben geklettert. Die Regierung hat außerdem das Regime der Freizonen ins Leben gerufen. In diesen Sonderwirtschaftszonen gelten ein niedriger Gewinnsteuersatz sowie die Vorteile einer Freihandelszone. Großinvestoren können außerdem mit der Regierung Verträge über Rechtsstabilität abschließen und sich damit für die Dauer der Investition vor Änderungen an Steuern und Abgaben absichern. Im bisherigen Jahresverlauf 2009 wurden bereits 19 derartige Verträge abgeschlossen. Kritisiert wird von Investoren weiterhin die lange Dauer von Gerichtsverfahren sowie das Arbeitsrecht und die Komplexität des Steuersystems.
Trotz des relativ schlechten Rufs, der dem Land aufgrund des anhaltenden Konfliktes mit der Guerilla anhaftet, lassen sich die Erfolge der genannten Maßnahmen zur Investitionsförderung sehen. Die Zuflüsse an Auslandsinvestitionen sind 2008 erneut auf mehr als 10 Mrd. US$ geklettert. Allerdings spielt hier Deutschland - trotz der Fabrikeröffnung durch Siemens in Bogotá Anfang Oktober 2009 - kaum eine Rolle. Nach den seit 2002 in Kolumbien getätigten Auslandsinvestitionen nimmt Deutschland den 18. Platz ein mit einem Anteil von lediglich 0,33%.

