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Datenbank: Länder und Märkte
Titel: Schweden erhöht Tempo und Effizienz seines Schienenverkehrs
Datum:16.10.2009
Land:Schweden
Produktkategorie:Artikel
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Schweden erhöht Tempo und Effizienz seines Schienenverkehrs

Schweden erhöht Tempo und Effizienz seines Schienenverkehrs

Hochgeschwindigkeitsverbindungen in Planung / Öffnung des Schienennetzes / Von Christian Tippelt

Stockholm (gtai) - Schweden investiert kräftig in seine Schienennetze und seinen Eisenbahnverkehr. Dabei entstehen durch die riesigen Bahnstreckenbauprojekte im Zuge der geplanten Einführung von Hochgeschwindigkeitsverbindungen und durch die Öffnung des Schienennetzes für neue Eisenbahnverkehrsanbieter interessante Geschäftsmöglichkeiten. Der von der Regierung gewünschte milliardenteure Bau neuer Hochgeschwindigkeitsstrecken stellt die größte jemals in Schweden getätigte Infrastrukturinvestition dar. (Kontaktanschriften)

Nach einem von der schwedischen Regierung in Auftrag gegebenen Gutachten sind die Weichen für den Bau von Hochgeschwindigkeitsstrecken gestellt. Die Untersuchungskommission hat sich klar für die Einführung von Verbindungen Stockholm - Malmö und Stockholm - Göteborg ausgesprochen. Die Regierung hat inzwischen angekündigt, dem Gutachten zu folgen und den politischen Weg für den Bau der Verbindungen zu ebnen. Allerdings hat Infrastrukturministerin Asa Torstensson bereits signalisiert, dass vor der im nächsten Jahr anstehenden Parlamentswahl wohl nicht mit einem entsprechenden Votum des Reichstages zu rechnen ist. "Die Planung der Verkehrsinfrastruktur für die nächsten zehn bis zwölf Jahre ist eine zentrale Aufgabe. Die Regierung hat sich für eine Erhöhung des Tempos via neuer Hochgeschwindigkeitsstrecken ausgesprochen, aber es gibt noch andere wichtige Projekte, die schon länger in Planung sind und nun noch voran gebracht werden müssen."

"Hochgeschwindigkeitsverbindungen sind ein wichtiger Beitrag für Schwedens Entwicklung und Wettbewerbsfähigkeit. Es ist kein Umweltprojekt, obwohl es sicher auch dafür positive Effekte bringt", so Gunnar Malm, der zuständige staatlich bestellte Gutachter. Konkret wird in der Expertise der Bau einer 440 km langen Hochgeschwindigkeits-Doppelspur zwischen Stockholm und Göteborg (Gotalandsbanan) und einer 300 km langen Doppelgleisstrecke zwischen Malmö und Jönköping (Europabanan), die dort auf die Götalandsbanan trifft, vorgeschlagen. Die Bau- und Entwicklungskosten der neuen Verbindungen betragen laut Gutachten 125 Mrd. Schwedische Kronen (skr; rund 12,3 Mrd. Euro, 1 Euro = 10,1976 skr). Bei dem Projekt handelt es sich damit um die bislang größte in Schweden erfolgte Investition in Infrastruktur.

Die Experten schlagen in ihrer Untersuchung vor, die Kosten zwischen Staat und den beteiligten Akteuren beziehungsweise Regionen 50:50 aufzuteilen, und befürworten dabei eine Co-Finanzierung der Betreiber im Rahmen von PPP-Modellen. Die im Gutachten dargelegte finanzielle Aufteilung sieht konkret vor: 59 Mrd. skr staatliche Mittel (über den staatlichen Schienennetzbetreiber Banverket), 43 Mrd. skr Abgaben der künftigen Betreiber, 19 Mrd. skr Beteiligung der Kommunen und Regionen, 4 Mrd. skr EU-Zuwendung.

Die im Gutachten ins Auge gefasste Reisegeschwindigkeit der neuen Verbindungen soll bis zu 320 km/h erreichen und damit die Reisezeiten zwischen Göteborg und Stockholm auf 2 Stunden und zwischen Malmö und Stockholm auf 2,5 Stunden reduzieren. Nach Fertigstellung der zwischen Deutschland und Dänemark geplanten Fehmarnbeltbrücke und der neuen Verbindung Malmö - Stockholm würde die Reisezeit zwischen Hamburg und Stockholm nur noch viereinhalb Stunden betragen.

Ein Baustart der beiden neuen Strecken wäre laut Experten ab 2015 möglich, und die Aufnahme des Verkehrsbetriebes könnte zwischen 2023 und 2025 erfolgen. In der Expertise wurde berücksichtigt, dass die neue Strecke kompatibel mit den derzeitigen "X 2000"-Schnellzugstrecken sein soll, damit Bau und Betrieb etappenweise erfolgen können. Auf die bestehenden "X 2000"-Verbindungen soll kurz- bis mittelfristig im Dreieck Stockholm-Göteborg-Malmö höheres Tempo gebracht werden. Zurzeit läuft hierfür unter dem Namen "Gröna Taget" (grüner Zug) ein entsprechendes Projekt, bei dem verschiedene Akteure unter Federführung des Verkehrstechnikkonzerns Bombardier und Banverket Hochgeschwindigkeitszüge für die "X 2000"-Strecken entwickelt und getestet werden. Ein wichtiges Entwicklungsziel ist dabei die Reisehöchstgeschwindigkeit von derzeit 200 auf etwa 250 km/h zu erhöhen. Gleichzeitig wollen die Akteure aber auch die besonderen nordischen Bedingungen wie den Betrieb im kalten Klima, vielfach eingleisige Streckenverläufe oder gemischte Züge bei ihren Entwicklungsvorhaben berücksichtigen. Damit soll auch der Energieverbrauch um 20 bis 30% gegenüber dem "X 2000" gesenkt werden.

In der staatlichen Verkehrsinfrastrukturplanung 2010 - 2021 (2008/09:35 Framtidens resor och transporter - infrastruktur för hallbar tillväxt) wurden Ende 2008 stattliche 417 Mrd. skr budgetiert. Davon sind 217 Mrd. skr explizit für die Weiterentwicklung der Verkehrssysteme - inklusive der Investitionen für den Ausbau der Eisenbahn - vorgesehen. Die anderen Budgetteile sind für Betrieb, Wartung und Instandsetzung der Verkehrsinfrastruktur gedacht (136 Mrd. skr für Straßenverkehrswege; 64 Mrd. skr für den Schienenverkehr). Im Zusammenhang mit dem Konjunkturprogramm und notwendiger Kapitalausgaben erhöhte Schwedens Regierung das 2008 beschlossene Budget kürzlich um weitere 1,6 Mrd. skr, die bis 2011 in den Ausbau beziehungsweise Betrieb und Wartung der Verkehrssysteme gehen sollen. Damit stehen zwischen 2009 und 2011 insgesamt 11,4 Mrd. skr für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur zur Verfügung. Für den Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecken ist laut Pressemitteilungen eine Erhöhung des Infrastrukturbudgets erforderlich.

Neben der Zukunftsmusik der Hochgeschwindigkeitsverbindungen wird Schwedens Schieneninfrastruktur bereits heute stark aufgerüstet. Riesige Gleisbauprojekte wie der Bau der neuen, größtenteils unter der Erde liegenden Stockholmer Stadtbahntrasse für den kompletten Eisenbahnverkehr oder die bald fertiggestellte, den Norden des Landes verbindende Botniabanan sind die wohl größten der vielen Gleisbauprojekte. Unter www.banverket.se ist eine vollständige Liste aller anstehenden Vorhaben abrufbar. Sehr hohe Investitionen gehen in den nächsten Jahren auch in den kommunalen Stockholmer Gleisverkehr. Hier zeichnet sich insbesondere der Neubau beziehungsweise die Erweiterung mehrerer Straßenbahnstrecken ab.

Auswahl wichtiger Schienenverkehr- und Gleisbauvorhaben in Schweden

Projekt Kosten Fertigstellung
Citybanan Stockholm (neue Stadtbahntrasse) 16,0 Mrd. skr 2017
Botniabanan 13,2 Mrd. skr 2010
Tunnel, Hallandsas 10,5 Mrd. skr 2015
Citytunnel, Malmö 9,45 Mrd. skr 2010
Adalsbanan 6,6 Mrd. skr 2011
Haparandabanan 3,0 Mrd.skr 2012
Kirunaprojekt k.A. 2012
Straßenbahnprojekte Stockholm (u.a. Solna, Innenstadt, Kista, Lidingö, Saltsjöbanan) 15-20 Mrd. skr* k.A.
Hochgeschwindigkeitsverbindungen 125 Mrd. skr 2023-2025

*Schätzung

Quellen: Banverket, Sverige Bygger, SvD

Für zusätzliche Marktbewegung wird auch die ab 1. Oktober 2010 erfolgende komplette Öffnung des schwedischen Schinennetzes für neue Anbieter neben der staatlichen Eisenbahngesellschaft SJ sorgen. Bislang besteht ein staatliches Monopol, das SJ als einzigem Betreiber die Durchführung von Personenverkehr auf Schwedens Gleisen erlaubt. Im Juni 2009 hat Schwedens Parlament nun den Weg für mehr Wettbewerb auf den Schienen freigemacht. Mit neuen Anbietern wird nach erfolgter Ausschreibung der Fahrdienste ab Herbst 2011 gerechnet. Die Marktöffnug erfolgt dabei insgesamt schritweise: Bereits seit 1. Juli 2009 dürfen neue Bahnbetriebe am Wochenende verkehren, seit 1. Oktober 2009 ist der internationale Bahnverkehr neuen Anbietern geöffnet und ein Jahr später fällt das Monopol komplett weg. In Pressemeldungen werden als mögliche Konkurrenten folgende Anbieter genannt: DB Bahn Regio, der französische Anbieter Keolis, Norwegens NSB/Tagkompaniet, die britische First Group, DSB aus Dänemark, der private Anbieter Veolia aus Frankreich sowie der britische Konzern Arriva, der bereits im Kommunalverkehr in Skane tätig ist. Für die Aufteilung und Zulassung von Bahnverkehrsdiensten auf Schwedens Schienen ist die nationale Transportagentur (Transportstyrelsen) zuständig. Auf deren Internetseiten finden sich weitere Informationen über das Registrierungsverfahren. Der Wetbewerb kann sich dabei auf eine wachsende Anzahl Bahnpassagiere freuen. Im Jahr 2008 wurde mit 11 Mrd. Personenschienenkilometern, einem Zuwachs von 6% gegenüber dem Vorjahr, ein neuer Bahnreiserekord erzielt.

Kontaktanschriften:

Wirtschaftsministerium ("Näringsdepartementet" - zuständig für Infrastruktur)

Mäster Samuelsgatan 70, 10333 Stockholm

Tel.: 0046 8/4 05 10 00

Internet: www.regeringen.se/infrastruktur

Banverket / The Swedish Rail Administration (Netzbetreiber)

Jussi Björlings väg 2, 78185 Borlänge

Tel: 0046 243/44 50 00

Internet: www.banverket.se

SJ AB (Staatliche Eisenbahnverkehrgesellschaft)

Tel.: 0046 10/7 51 60 00

Internet: www.sj.se

Transportstyrelsen (Schwedische Transportagentur)

Tel.: 0046 771/503 503

Internet: www.transportstyrelsen.se

(C.T.)