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Datenbank: Länder und Märkte
Titel: Freihandelsabkommen zwischen der VR China und ASEAN wird 2010 umfangreicher
Datum:27.08.2009
Land:China, ASEAN
Produktkategorie:Artikel
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Freihandelsabkommen zwischen der VR China und ASEAN wird 2010 umfangreicher

Freihandelsabkommen zwischen der VR China und ASEAN wird 2010 umfangreicher

Abkommen im Investitionsbereich ergänzt/ Ab 2010 zollfreier Handel von über 7.000 Produkten / Von Corinne Abele

Beijing (gtai) - Die VR China und die Association of Southeast Asian Nations rücken wirtschaftlich zusammen. Der Handel stieg in den vergangenen drei Jahren um über 40%, Chinas Investitionen in der Region vervielfachten sich. Die Umsetzung des Free Trade Agreements zwischen China und der ASEAN wird 2010 intensiviert: Dann ist zwischen den sechs ASEAN-Gründungsstaaten und China der zollfreie Handel von über 7.000 Produkte möglich. Darüber hinaus wird ab Mitte Februar 2010 das Abkommen durch die im August 2009 erzielte Investitionsvereinbarung verstärkt.

Das Freihandelsabkommen (Free Trade Agreement, FTA) der VR China mit der Association of Southeast Asian Nations (ASEAN) ist für die regionale Akzeptanz und Einbindung der Volksrepublik von großer Bedeutung. 2010 wird es weiter intensiviert werden. Am 15.8.09 unterzeichnete China - schneller als erwartet - eine Vereinbarung für den Investitionsbereich. Diese soll bereits im Frühjahr 2010 in Kraft treten. Das Abkommen kann als Teil der chinesischen "Go Out"-Politik gesehen werden. In deren Rahmen unterstützt die Volksrepublik die Investitionstätigkeit wettbewerbsfähiger Unternehmen auf Auslandsmärkten. Die ASEAN-Länder haben von dieser Strategie in den vergangenen Jahren stark profitiert, allen voran Singapur, Malaysia und Thailand.

Durch den im August 2009 abgeschlossenen Investitionspakt sichern sich die Partner gegenseitige nationale Behandlung (National Treatment) zu. Damit wird in den zehn ASEAN-Ländern eine Diskriminierung chinesischer Investitionen und Unternehmen gegenüber inländischen ausgeschlossen. Des weiteren sichert der Pakt den Partnern eine Behandlung als Most-Favoured-Nation. Demnach müssen alle in künftigen Verträgen Drittländern oder anderen Partnern gewährte Unterstützungen und Zugeständnisse auch für Investitionen beziehungsweise Unternehmen der Partnerländer der Investitionsvereinbarung im Rahmen des "China-ASEAN"-FTA gewährt werden.

Mit dem Abkommen unterstützt China die Investitionstätigkeit seiner Unternehmen in der Region. Die Volksrepublik ist der achtgrößte Investor im ASEAN-Raum mit einem Investitionsvolumen von rund 2,2 Mrd.$ im Jahr 2008 - eine Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr. Offiziellen chinesischen Statistiken zufolge hat das Land insgesamt bereits 52 Mrd. $ in der Region investiert. Erst im April 2009 verkündete Premierminister Wen Jiabao die Einrichtung eines Fonds in Höhe von 10 Mrd. $ für Infrastrukturinvestitionen in ASEAN-Ländern.

Realisierte jährliche Nettodirektinvestitionen und kumulierte Investitionen Chinas in der ASEAN (in Mio. $, Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %)

Länder 2006 Veränderung 2007 Veränderung
Gesamt 335,75 112,9 968,08 188,3
.Brunei k.A. k.A. 1,18 k.A.
.Myanmar 12,64 9,5 92,31 630,3
.Kambodscha 9,81 90,5 64,45 557,0
.Indonesien 56,94 380,9 99,09 74,0
.Laos 48,04 133,4 154,35 221,3
.Malaysia 7,51 -86,8 -32,82 -537,0
.Philippinen 9,30 106,2 4,50 -51,6
.Singapur 132,15 550,0 397,73 201,0
.Thailand 15,84 232,1 76,41 382,4
.Vietnam 43,52 109,5 110,88 154,8

Quelle: Invest in China

Der Investitionsanstieg ist Ausdruck der wachsenden wirtschaftlichen Beziehungen zwischen China und ASEAN. Auch der Außenhandel legte in den vergangenen drei Jahren kräftig zu, auch wenn er mit einem Zuwachs von 44% leicht hinter der Entwicklung des gesamten Außenhandels von 45,5% zurück blieb. In der Folge verringerte sich der Anteil der ASEAN-Region am Außenhandel in diesen drei Jahren leicht von 9% auf 8%.

Chinas Ausfuhr nach Regionen (in Mrd. $; Veränderung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und Anteil in %)

2008 Veränderung Anteil 1. Halbjahr 2009 Veränderung Anteil
Asien 663,3 16,6 46,4 245,9 -21,6 47,1
.ASEAN 114,1 20,7 8,0 44,4 -19,4 8,5
Afrika 50,8 36,3 3,6 21,9 -5,4 4,2
Europa 342,9 19,1 24,0 115,5 -27,8 22,1
.EU 292,9 19,5 20,5 103,5 -24,5 19,8
Lateinamerika 71,5 38,7 5,0 23,1 -28,1 4,4
Nordamerika 274,2 8,7 19,2 105,0 -17,0 20,1
Ozeanien 25,9 22,6 1,8 10,4 -11,8 2,0
Gesamt 1.428,5 17,2 100,0 521,6 -21,8 100,0

Quelle: China Customs Statistics

Export- und Importentwicklung verliefen dabei nicht mit gleicher Dynamik. Während der Wert von Chinas Exporten in die ASEAN-Länder von 2006 auf 2008 um 60% zulegte, stiegen die Importe aus der Region um 30%. Damit sank der Anteil der ASEAN an Chinas Importmarkt in diesem Zeitraum um einen Prozentpunkt auf 10,3%, während sich ihr Ausfuhranteil um 0,6 Prozentpunkte auf 8,0% erhöhte.

Chinas Einfuhr nach Regionen (in Mrd. $; Veränderung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und Anteil in %)

2008 Veränderung Anteil 1. Halbjahr 2009 Veränderung Anteil
Asien 702,7 13,3 62,0 252,6 -28,5 59,5
.ASEAN 117,0 7,9 10,3 43,6 -27,9 10,3
Afrika 56,0 54,0 4,9 15,2 -49,6 3,6
Europa 168,0 20,4 14,8 72,2 -13,3 17,0
.EU 132,7 19,6 11,7 56,5 -13,1 13,3
Lateinamerika 71,9 40,7 6,3 25,8 -25,3 6,1
Nordamerika 94,2 17,2 8,3 40,4 -15,4 9,5
Ozeanien 40,2 41,3 3,5 18,3 -6,3 4,3
Gesamt 1.133,1 18,5 100,0 424,6 -25,4 100,0

Quelle: China Customs Statistics

Inwieweit die Umsetzung des zollfreien Handels von über 7.000 Produkten zwischen China und den sechs "alten" ASEAN-Staaten (Brunei, Indonesien, Malaysia, Philippinen, Singapur und Thailand) sowie die Investitionsvereinbarung angesichts der Wirtschaftskrise neue Impulse bringen kann, bleibt abzuwarten. Erste kritische Stimmen werden laut. So dachte Indonesiens Industrieminister im August 2009 laut über eine Verschiebung der vereinbarten Zollreduzierungen nach. Indonesiens Industrie fürchtet beispielsweise chinesische Billigimporte in den Bereichen Textilien und Bekleidung, Nahrungsmittel, aber auch Elektronikprodukte.

Bislang hat die Krise den bilateralen Handel stark getroffen - deutlich stärker als den Handel mit Europa oder Nordamerika. Kenner führen dies auf stärker im Standard- und Billigsegment angesiedelte Handelsbeziehungen zurück - mit kurzen Lieferzeiten und Vertragsbindungen. Auch bei den chinesischen Exporten in die Region handelt es sich in der Regel kaum um technologieintensive, hochpreisige Produkte mit langen Lieferverträgen. Als Reaktion auf die Wirtschaftskrise wurden daher zahlreiche Aufträge storniert beziehungsweise gar nicht erst abgeschlossen.

Entwicklung des chinesischen Außenhandels mit der ASEAN nach wichtigen Gütergruppen (Wert in Mio. US$) *)

HS-Abschnitt Warenbezeichnung 2005 2006 2007 2008
Ausfuhr, gesamt 55.371 71.313 94.179 114.142
I .Lebende Tiere u. Waren tierischen Ursprungs 4.063 3.895 280 359
XI .Spinnstoffe u. Waren daraus 5.219 6.588 10.072 10.292
XV .Unedle Metalle und Waren daraus 5.711 8.841 12.193 14.135
XVI .Maschinen, Apparate, mechanische Geräte 24.325 31.816 39.250 46.733
XVII .Beförderungsmittel 2.114 3.200 5.253 7.995
Einfuhr, gesamt 74.999 89.526 108.369 116.974
V .Mineralische Stoffe 7.867 8.280 11.625 16.324
VI .Chemische Erzeugnisse 3.889 4.789 5.419 4.835
VII .Kunstoffe 6.505 8.997 9.613 11.273
XV .Unedle Metalle u. Waren daraus 1.934 2.338 3.184 2.560
XVI .Maschinen, Apparate, mechanische Geräte 45.750 54.072 64.617 65.468
Außenhandel, gesamt 130.370 160.839 202.548 231.117

*) 2005 und 2006 ohne Handel mit Laos, Kambodscha und Myanmar; 2007 und 2008 ohne Laos, Kambodscha, Myanmar und Brunei (Ihr Anteil am Handel Chinas mit der ASEAN dürfte sich auf unter 1% belaufen).

Quelle: China Customs Statistics

Die Freihandelszone "ASEAN-China" hat gewaltiges Potenzial. Sie stellt regionalen Handelsexperten zufolge einen möglichen Ausgangspunkt für eine panasiatische Freihandelszone dar - entweder in Form von "ASEAN plus 3" (China, Japan und Korea) als East Asia Free Trade Area (EAFTA) oder von "ASEAN plus 6" (einschließlich Indien, Australien und Neuseeland) als Comprehensive Economic Partnership for East Asia (CEPEA).

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Nach einer Studie des Asian Development Bank Institute könnte Chinas Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei Realisierung der EAFTA im Jahr 2017 um 1,2% und bei Realisierung der CEPEA um 1,3% höher sein (im Vergleich zum Szenario ohne Umsetzung der FTAs). Damit würde China zwar zu den Gewinnern zählen. Deutlich stärker könnten jedoch die ASEAN-Staaten Singapur, Thailand, Malaysia, Indonesien, Philippinen und Vietnam profitieren. Aber auch Korea (Rep.) könnte mit einem um 6% höheren BIP rechnen.

Derzeit wird die Handelssituation in Asien durch ein komplexes Netz zumeist bilateraler FTAs bestimmt, die von den ausgeschlossenen Nachbarn häufig skeptisch beäugt werden. Als Freihandelszone verfügt die ASEAN mit inzwischen fünf unterzeichneten FTA-Abkommen mit Japan, der VR China, Korea (Rep.), Indien sowie Australien und Neuseeland über die meisten bilateralen Partner.

China selbst ist in der Region an FTAs mit der ASEAN und Neuseeland beteiligt und verhandelt offiziell mit Australien. Nach Angaben des Ministry of Commerce hat die Volksrepublik ohne die "Closer Economic Partnership Arrangements" mit den Sonderverwaltungsregionen Hongkong und Macau bis dato weltweit Verhandlungen über 14 Freihandelsabkommen, die insgesamt 31 Länder umfassen, aufgenommen und zum Teil erfolgreich abgeschlossen.

Die Möglichkeiten, Handelskosten durch die Implementierung der Freihandelszone "China - ASEAN" zu verringern, sollten Unternehmen umsetzen. Bisherige Studien zeigen jedoch, dass FTA-Vereinbarungen gerade in Asien eher selten von Firmen genutzt werden . Fünf Studien der Asiatische Entwicklungsbank aus den Jahren 2007 bis 2008 ergaben, dass von den befragten 609 ostasiatischen Firmen in Japan, Korea (Rep.), Singapur, Thailand und den Philippinen 22% FTA-Präferenzregelungen nutzten und 44% dies planten. Vor allem Unternehmen in Korea, Japan und Thailand hatten auf die veränderten Handelsbedingungen reagiert. Große Firmen nutzten die neuen Möglichkeiten deutlich besser als kleine und mittelständische Unternehmen.

Gleichzeitig zeigten die Studien, dass die Mehrheit der befragten Firmen FTA-Vergünstigungen nicht nutzten. 45% dieser Firmen gaben als Grund dafür an, nicht über die Präferenzregelungen informiert zu sein. Auch über die Freihandelszone "China - ASEAN" gibt es derzeit bei den Firmen in der Region noch viel Unwissen. Die Asiatische Entwicklungsbank empfiehlt daher generell, die Umsetzung durch Seminare, aber auch breit gefächerte Werbemaßnahmen zu begleiten und die Integration von mittelständischen Firmen in regionale Produktionsnetzwerke voranzutreiben.

(C.A.)