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| Titel: | USA bauen schienengestützten Personenfernverkehr aus |
| Datum: | 05.02.2010 |
| Land: | USA |
| Produktkategorie: | Artikel |
| Ihr Ansprechpartner bei Germany Trade and Invest: | Herr Janetzke, Ruf: 0221/2057-255 |
New York (gtai) - Der Ausbau des Schienentransports wird im Rahmen des American Recovery and Reinvestment Act (ARRA) mit insgesamt 8 Mrd. US$ bezuschusst. Ende Januar 2010 wurden konkrete Beschlüsse bekannt gegeben. Die American Association of State Highway Transportation Officials (AASHTO) richtete eigens eine Internetseite ein, auf der detaillierte Informationen zu den Ausbauplänen und deren Finanzierung erhältlich sind (www.highspeed-rail.org).
Für die deutsche Wirtschaft ergeben sich aus dem Ausbau des schienengestützten Personenfernverkehrs in den USA interessante Geschäftsmöglichkeiten. Daran können auch die "buy american"-Klauseln von ARRA nichts ändern. Zulieferungen aus dem Ausland sind immer dann möglich, wenn eine Ablehnung unvereinbar wäre mit dem öffentlichen Interesse. Das bedeutet, wenn Eisen, Stahl und relevante verarbeitete Güter aus US-Produktion nicht oder nicht in ausreichender und angemessen verfügbarer Menge und in zufriedenstellender Qualität beschaffbar sind. Ein weiterer Grund ist gegeben, wenn die Verwendung von Eisen, Stahl und verarbeiteten Gütern aus US-Produktion die Kosten um mehr als 25% erhöhen würde.
Steigende Umsätze vermeldet zum Beispiel die in den USA niedergelassene Transportsparte der deutschen Siemens AG (Siemens Mobility). Viele Geschäfte schließt Siemens zum Ausbau des schienengestützten öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) ab. So lieferte das Siemens-Werk in Sacramento (Kalifornien) 2005 nach Unternehmensangaben 25 leichte Züge aus. Im Jahr 2009 waren es 58 Züge und es ist eine Produktionssteigerung auf 200 Züge pro Jahr bis 2012 geplant. Nach bisher unbestätigten Angaben wird sich Siemens an den Ausschreibungen zum Ausbau der Hochgeschwindigkeitsnetze beteiligen. In diesem Zusammenhang wurden Meldungen lanciert, wonach Siemens zusammen mit der Deutschen Bahn in den USA Konzepte vorlegen soll.
Insgesamt 21 US-Bundesstaaten sowie der Nordostkorridor (Washington - New York - Boston) erhalten Zuschüsse aus dem ARRA-Kapitel Schienenausbau. Allein nach Kalifornien fließen 2,25 Mrd. US$. Dort soll eine 790 Meilen lange doppelgleisige Hochgeschwindigkeitsstrecke von San Diego nach Sacramento gebaut werden. Die gesamte Strecke wird vollautomatisiert gesteuert und keine Bahnübergänge aufweisen, was den Bau von Brücken und Tunneln überflüssig macht. Die Züge sollen dadurch mit der maximalen Reisegeschwindigkeit von 220 Meilen pro Stunde fahren können.
Die Regierung des Staates Kalifornien wird 9 Mrd. $ aus Eigenmitteln für das ambitionierte Vorhaben aufbringen. Der Zuschuss aus dem ARRA-Paket soll wiederum an vier Streckenabschnitten (San Francisco - San Jose, Merced - Fresno, Fresno - Bakersfield sowie Los Angeles - Anaheim) für abschließende Umweltstudien, zum Landerwerb entlang der geplanten Streckenführung, für den Kauf und das Aufstellen von Signalanlagen und zum Bau von Bahnhöfen genutzt werden.
Die dazu notwendigen Ausschreibungen zur Beschaffung von Material und Investitionsgütern, aber auch zum Einkauf von Planungs- und Baudienstleistungen, bereitet der Bundesstaat noch vor. Gemäß Zeitplan sollen die Bauarbeiten auf dem ersten der vier Streckenabschnitte 2012 beginnen. Die Strecken gehen dann zeitlich gestaffelt von 2017 bis 2020 in den Betrieb.
Die US-Regierung überweist weitere 2,6 Mrd. US$ aus dem ARRA-Paket in den mittleren Westen. Davon werden 1,1 Mrd. US$ zur Modernisierung der Strecke Chicago - St. Louis aufgewendet. Im Ergebnis kann die Reisegeschwindigkeit der auf dieser Route verkehrenden Passagierzüge auf 110 Meilen pro Stunde erhöht werden. Die restlichen 1,5 Mrd. $ fließen in Modernisierungen unter anderem auf den Abschnitten Minneapolis - Milwaukee, Detroit - Chicago und Columbus - Cincinnati.
Florida erhält 1,25 Mrd. US$ zum Bau einer Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Tampa und Orlando. In Baltimore wird wiederum ein Eisenbahntunnel für 112 Mio. US$ ausgebaut, durch den die Strecke New York - Washington verläuft. Bislang kann dieser Tunnel nur mit geringer Geschwindigkeit passiert werden.
Neben den Transportministerien der US-Bundesstaaten investiert die im Personenverkehr tätige Eisenbahngesellschaft AMTRAK. Allerdings erweist sich das Betriebsergebnis der Gesellschaft seit Jahren als chronisch defizitär. Trotz größer werdender Schulden muss AMTRAK in den kommenden 15 Jahren aber jährlich 700 Mio. US$ in die Infrastruktur auf der Linie Washington - Boston stecken. Mit dem Geld werden Gleisbegradigungen, die Restaurierung von Brücken und Tunneln (insbesondere unterhalb von Manhattan) durchgeführt sowie neue Züge gekauft. Bis 2015 soll zudem ein neues elektronisches Reservierungssystem laufen.
Bereits 2008 und damit vor der Verabschiedung von ARRA bewilligte der Kongress in Washington Zuschüsse von 2 Mrd. US$ pro Jahr zur Unterstützung des schienengestützten Personenfernverkehrs mit einer Laufzeit von fünf Jahren. Sowohl die Höhe der Gelder als auch die Laufzeit verlieh AMTRAK nach eigener Auskunft ein hohes Maß an Planungssicherheit. Zusätzlich wurde AMTRAK im Rahmen von ARRA ein Zuschuss von 1,3 Mrd. US$ genehmigt.
(U.U.)