| Datenbank: | Länder und Märkte |
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| Titel: | Branche kompakt - Maschinenbau und Anlagenbau - Argentinien, 2009 |
| Datum: | 28.10.2009 |
| Land: | Argentinien |
| Produktkategorie: | Branchen kompakt |
| Ihr Ansprechpartner bei Germany Trade and Invest: | Frau Morgenstern, Ruf: 0221/2057-252 |
Buenos Aires (gtai) - Argentiniens Nachfrage nach Maschinen und Ausrüstungen dürfte sich 2010 von dem schweren Einbruch des Jahres 2009 zumindest ein wenig erholen. Das Investitionsklima bleibt jedoch eher frostig. Hauptursache dafür ist Beobachtern zufolge das mangelnde Vertrauen in die Wirtschaftspolitik der Kirchner-Regierung. Der größte Teil des Maschinenbedarfs wird durch Importe gedeckt. Deutsche Anbieter haben ihre hohen Marktanteile in der jüngsten Krise in den meisten Sparten besser verteidigt als die Konkurrenz.
Bei den gesamtwirtschaftlichen Investitionen erwarten Volkswirte 2009 einen realen Rückgang um 5 bis 13% (2008: +9,1%; 2007: +13,6%). Für 2010 wird eine Erholung um 2 bis 6% prognostiziert. Die Nachfrage nach importierten Investitionsgütern brach 2009 besonders stark ein (-32% real bis August).
Vor allem in der exportstarken Landwirtschaft, aber auch in den Sektoren Industrie, Energie, Bau und Bergbau wird für 2010 mit einem Aufschwung gerechnet. In den ersten acht Monaten 2009 sank der Ausstoß der verarbeitenden Industrie dem Statistikinstitut Indec zufolge um 1,5%. Viele Volkswirte zweifeln die amtlichen Daten jedoch an. Die private Forschungsstiftung FIEL ermittelte für den gleichen Zeitraum einen Rückgang um 9,3%. Unter Führung der Branchen Kfz, Stahl, Chemie und Nahrungsmittelverarbeitung soll sich die Industrieproduktion 2010 mit einem Wachstum von 2 bis 3% erholen.
Mehr noch als in den Vorjahren zielen die Investitionen der Industrie derzeit darauf, Prozesse zu optimieren, veraltete Ausrüstungen zu erneuern, die Qualität der Produkte zu steigern und den Umweltschutz zu verbessern. Kapazitätserweiterungen spielen momentan eine weniger große Rolle.
Gemäß Daten des staatlichen Studienzentrums Centro de Estudios para la Producción (CEP) hat die argentinische Gesamtnachfrage nach Erzeugnissen des Maschinenbaus 2008 einen Wert von 10,84 Mrd. US$ erreicht. Das bedeutete einen Zuwachs um 19,4% gegenüber 2007. Für 2009 liegen bisher wenige Daten vor. Im Spezialmaschinenbau ging die Importnachfrage in den ersten acht Monaten 2009 auf US$-Basis um 40 bis 65% im Vorjahresvergleich zurück.
| 2006 | 2007 | 2008 | |
| Maschinen zur allgemeinen Verwendung 1): | |||
| Produktion | 2.119 | 2.663 | 3.151 |
| Import | 2.208 | 2.915 | 3.556 |
| .Lieferanteile | USA 20,3% | USA 18,6% | USA 20,8% |
| Brasilien 16,2% | Brasilien 15,3% | VR China 14,7% | |
| VR China 10,6% | VR China 13,6% | Brasilien 14,4% | |
| Export | 559 | 732 | 927 |
| Inlandsverbrauch | 3.768 | 4.842 | 5.782 |
| Spezialmaschinen 2): | |||
| Produktion | 1.716 | 2.130 | 2.658 |
| Import | 1.811 | 2.393 | 2.907 |
| .Lieferanteile | Brasilien 28,7% | Brasilien 27,6% | Brasilien 26,0% |
| USA 18,8% | USA 17,4% | USA 18,3% | |
| Italien 10,1% | VR China 9,4% | Deutschland 11,0% | |
| Export | 273 | 367 | 516 |
| Inlandsverbrauch | 3.254 | 4.156 | 5.049 |
1) Motoren und Turbinen (außer für Flugzeuge und Kraftfahrzeuge), Pumpen und Kompressoren, Öfen und Brenner, Fördertechnik etc.; 2) Landmaschinen, Werkzeugmaschinen, Metallbearbeitungsmaschinen, Bau- und Bergbaumaschinen etc.
Quellen: CEP; Berechnungen von Germany Trade & Invest (Differenzen durch Rundungen)
Die Nachfrage nach importierten Ausrüstungen stieg 2008 (+18,9% real) etwa dreimal so schnell wie der Absatz aus lokaler Produktion (+5,7%). Der Importanteil betrug 2008 rund 62%. Vor allem in vielen Sparten des Spezialmaschinenbaus ist der Einfuhranteil noch wesentlich höher.
Werkzeug- und Metallbearbeitungsmaschinen werden insbesondere von der Kfz-Industrie und deren Zulieferern benötigt. Nach einem kräftigen Rückgang der Kfz-Produktion um 28% in den ersten acht Monaten 2009 gegenüber dem Vorjahreszeitraum dürfte vor allem die kräftig wachsende Nachfrage nach Fahrzeugen beim großen Mercosur-Partner Brasilien für eine wieder steigende Auslastung der Monatagebänder sorgen.
Einen besonders hohen Marktanteil haben deutsche Lieferanten bei Kunststoffmaschinen (2009, bis August: 26%). Im Jahr 2010 dürften neben der Verpackungsindustrie auch von den Kfz-Zulieferern und von der Bauwirtschaft wieder stärkere Nachfrageimpulse ausgehen.
Der Bedarf an Landtechnik (-52% im 1. Halbjahr 2009) litt zuletzt unter den Folgen einer verheerenden Dürre sowie unter den anhaltenden Konflikten zwischen der Regierung und den Farmern. Sie streiten sich über die Höhe der Exportsteuern und andere Aspekte der Agrarpolitik. Mittel- bis langfristig dürfte die Landmaschinennachfrage wieder kräftig anziehen, denn Argentiniens Agroindustrie ist international höchst wettbewerbsfähig und wird die treibende Kraft der lokalen Wirtschaft bleiben.
Auch Argentiniens Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie hat auf Basis der reichen natürlichen Ressourcen des Pampalandes besonders gute Wachstumschancen. So hielt sich ihr Ausrüstungsimport 2009 relativ stabil (-6,5% bis August). Der deutsche Lieferanteil ist mit zuletzt 17% in dieser Sparte besonders hoch.
In der Bauwirtschaft ist eine leichte Belebung im privaten Wohnungs- und Gewerbebau zu erwarten, während die Aufträge aus dem öffentlichen Sektor aufgrund leerer Kassen spärlicher fließen dürften.
Im Anlagenbau sind neben einigen Großprojekten des Bergbaus (vorgesehene Investitionen: rund 9 Mrd. US$ bis 2015) vor allem neue Projekte in der Energiewirtschaft geplant. Beim Bau von Industrieanlagen bleibt das Geschäft eher flau.
Ausgewählte Großprojekte in Argentinien
| Projekt | Wert | Stand | Anmerkung |
| Mehrere große Erzbergbauvorhaben (Agua Rica, Pachón und Pascua-Lama) | insgesamt bis zu 9 Mrd. US$ | Planung, teils Baubeginn 2009 | Finanzierungs- und Umweltfragen z.T. noch nicht geklärt |
| Wasserkraftwerke La Barrancosa und Cóndor Cliff | 1,6 Mrd. US$ | Ausschreibung | |
| Wasserkraftwerk Los Chuhuidos I | 1,2 bis 1,7 Mrd. US$ | Ausschreibung | |
| Wasserkraftwerk Garabi | 3 Mrd. US$ | Planung | |
| Gaspipeline von Bolivien nach Argentinien | ca. 1,5 Mrd. US$ | Ausschreibung verzögert | Nachweis der Gasreserven in Bolivien noch erforderlich |
Quelle: Germany Trade & Invest auf Basis von Ankündigungen in der Presse
Die verfügbaren Angaben über Umfang und Struktur des lokalen Maschinenbaus sind sehr dürftig. Ein Dachverband der Branche existiert nicht. Laut CEP betrug der Produktionswert des Sektors 2008 rund 5,81 Mrd. US$. Gegenüber dem Vorjahr bedeutete dies ein Plus von 21,2%. Zu den Schwerpunkten des inländischen Maschinenbaus zählt die Landtechnik. Auch für Motoren, Pumpen und Kompressoren gibt es leistungsfähige einheimische Anbieter. Der lokale Werkzeugmaschinenbau und andere Sparten des Spezialmaschinenbaus sind hingegen kaum von Bedeutung. Argentinien verfügt über einige leistungsstarke Anlagenbauunternehmen (wie Techint, Iecsa und Evangelista (ASEA)), die zum Teil auch jenseits der Landesgrenzen aktiv sind.
Die Importe von Maschinen und Ausrüstungen des gesamten HS-Kapitels 84 stiegen 2008 um 20,8% auf einen Wert von 9.069 Mio. US$ cif. Dem standen Exporte im Wert von 1.832 Mio. US$ (+27,2%) gegenüber. Im Zeitraum Januar bis August 2009 brach der Importwert um 37,9% gegenüber der gleichen Vorjahresperiode ein.
Führende Lieferländer sind Brasilien (Anteil am Gesamtimport von Waren des HS-Kapitels 84 2008: 22,0 %; 2007: 23,3%; 2006: 23,6%; 2005: 23,7%), die USA (16,5%; 14,8%; 16,4%; 17,4%), die VR China (16,4%; 15,2%; 13,5%; 11,5%), sowie Deutschland (7,6%; 7,1%; 5,9%; 7,1%), das 2008 den höchsten Lieferanteil seit 2002 (8,4%) erreichte. Es folgen Italien, Japan und Spanien.
Lieferanten aus Deutschland verbesserten ihren Marktanteil in den ersten acht Monaten 2009 erneut und erreichten mit 8,5% (gesamtes HS-Kapitel 84) die höchste Quote in der laufenden Dekade. Deutsche Anbieter haben in einigen Sparten eine besonders starke Marktposition, etwa bei Kunststoffmaschinen, Werkzeug- und Textilmaschinen, Nahrungsmittel- und Verpackungstechnik, Landmaschinen sowie Druck- und Papiertechnik.
Besonders rasch stieg in den vergangenen Jahren der Lieferanteil der VR China, die im Zeitraum Januar bis August 2009 mit einem Lieferanteil von 17,0% hinter Brasilien (19,7%) auf den zweiten Rang vor die USA (16,2%) rückte.
Einfuhr von Maschinen nach Argentinien (in Mio. US$; Veränderung und Anteil in %)
| HS | Sparte | 2007 | 2008 | Veränderung 2009/08 *) | Anteil der Importe aus Deutschland (2008) |
| 8429, 8430, 8474, 8479.10 | Bau- und Bergbaumaschinen | 481,13 | 483,44 | -43,6 | 4,63 |
| 8432-36 | Landmaschinen | 330,22 | 404,63 | -65,2 | 11,37 |
| 8444-53, ohne 8450 | Textil- und Ledermaschinen | 185,76 | 130,40 | -52,1 | 15,33 |
| 8439-43, ohne 8443.31-39 u. 8443.99 | Druck- und Papiertechnik | 50,95 | 56,72 | +24,5 | 11,93 |
| 8422.30-40, 8437, 8438, 8479.20 | Nahrungsmittel- und Verpackungs-maschinen | 121,36 | 153,24 | -6,5 | 14,71 |
| 8418.50-.99 | Kühltechnik | 104,49 | 145,65 | -50,3 | 1,43 |
| 8415.81-.99 | Klimatechnik | 133,97 | 150,97 | -64,5 | 1,72 |
| 8477 | Kunststoff- und Gummimaschinen | 121,75 | 124,70 | -53,0 | 36,36 |
| 8456-63 | Werkzeugmaschinen zur Metallbearbeitung | 150,63 | 238,59 | -45,4 | 18,07 |
| 8465, 8479.30 | Holzbearbeitungs-maschinen | 22,87 | 23,77 | -42,1 | 6,28 |
| 8413-14 | Pumpen, Kompressoren | 685,70 | 841,15 | -43,1 | 4,44 |
| 8425-28 | Fördertechnik | 285,51 | 392,30 | -42,2 | 6,26 |
*) Veränderung Januar bis August 2009 gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum
Quelle: Info-Just auf Basis von Daten des argentinischen Statistikamtes Indec
Die Kunden sind überwiegend kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Persönliche Präsenz (durch einen guten Vertreter) und ein guter Service vor Ort sind unerläßlich. Kredite und andere Finanzierungsinstrumente sind seit der Krise von 2002 nur in begrenztem Umfang verfügbar. Die globale Finanzkrise hat die Finanzierung zusätzlich erschwert. Ein Großteil der Geschäfte läuft nach wie vor auf Cash-Basis. Viele argentinische KMU zahlen ihre Ausrüstungskäufe aus Kapitalreserven oder aus laufenden Gewinnen.
Die meisten Maschinen und Ausrüstungen sind derzeit von Einfuhrzöllen befreit. Dies gilt nicht für Gebrauchtmaschinen, die mit 25% Zoll belastet werden. Seit Ende 2008 verfügte die argentinische Regierung für verschiedene Waren die Pflicht zur Beantragung von nicht-automatischen Einfuhrlizenzen, die oft nur mit großer Verzögerung erteilt werden (Resolution 588/2008 und Änderungen). Dies betrifft auch verschiedene Zolltarifpositionen im Bereich des Maschinenbaus, unter anderem Erzeugnisse der Land- und Fördertechnik, Kunststoff- und Werkzeugmaschinen.
Für die Normierung ist in Argentinien das Institut IRAM (www.iram.com.ar) zuständig, das sich an international üblichen Normen orientiert. Ausrüstungen, die europäische Normen erfüllen, stoßen bei der Einfuhr nach Argentinien in der Regel nicht auf Probleme.
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