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Nr. 12    05. Juli 2011

Länder und Märkte

LaborDie Aktivitäten der Forschungszentren werden in sieben Programme unterteilt: Nano- und Mikrotechnologie, fortgeschrittene Materialien, strukturelle Biologie, Genomik und Proteomik von Pflanzensystemen, Molekularmedizin, Gehirn- und Gedächtnisforschung sowie molekulare Veterinärmedizin.

Tschechien gibt Startschuss für Exzellenzzentren

Zentrum für Molekularbiologie entsteht in Brünn

Prag (gtai) - Der Beschaffungsprozess zu einem der größten EU-geförderten Forschungsprojekte in Tschechien hat begonnen. Das Europäische Exzellenzzentrum für Molekularbiologie und Materialforschung wird fast 220 Mio. Euro kosten. Die Hälfte davon fließt in Ausrüstungen. Mitte Juli 2011 endet die Ausschreibungsfrist für acht hochauflösende NMR-Spektrometer. Vier weitere Exzellenzzentren sollen von der EU-Kommission noch 2011 gebilligt werden. Deutsche Anbieter von Forschungstechnik haben gute Chancen.

Die EU-Kommission hat Anfang Juni 2011 in Prag den Antrag zu einem der größten Forschungsprojekte in Tschechien unterschrieben. Seine Abkürzung CEITEC steht für Central European Institute of Technology, ein Europäisches Exzellenzzentrum, das sich feldübergreifend auf Biomedizin, Materialforschung und neue Technologien konzentriert. Eingereicht wurde das Projekt von der Masaryk-Universität in Brünn, der Technischen Hochschule Brünn und weiteren Forschungsinstituten, die mit der Planung bereits 2004 begannen.

Das Zentrum entsteht um erfolgreiche, international anerkannte Forschungsteams dieser Institute und stärkt die Bedeutung der Region Südmähren als Wissenschaftsstandort.

In Tschechien entstehende Europäische Exzellenzzentren
ProjektbezeichnungAntragstellerFörderung / Fachrichtung
CSV Export
Quelle: Ministerium für Bildung, Jugend und Sport ( www.msmt.cz)
ELI - www.extreme-light-infrastructure.euExtreme Light Infrastructure ( )Institut für Physik der Akademie der Wissenschaften6,8 Mrd. Kc / Materialforschung (weltweit einmalige Laserinfrastruktur)
CEITEC (www.ceitec.czCentral European Institute of Technology), Brno ( )Masaryk-Universität Brünn5,3 Mrd. Kc / Molekularbiologie, Materialforschung, neue Technologien
SUSEN - nachhaltige Energetik ( www.cvrez.cz/web/en/project-goals)Forschungszentrum Rez2,5 Mrd. Kc / Kern-, Materialforschung
ICRC Medizinzentrum ( www.fnusa.cz)Brünner Universitätskrankenhaus zur Heiligen Anna2,4 Mrd. Kc / Neurologie, Transplantationen
BIOCEV - biotechnologisches und biomedizinisches Zentrum ( www.biocev.eu)Akademie der Wissenschaften und Prager Karlsuniversität2,4 Mrd. Kc / Molekularbiologie
IT4Innovations ( www.it4i.eu)Hochschule für Bergbau, Technische Universität Ostrava1,9 Mrd. Kc/ für ein Hochleistungsdatenzentrum zu Materialforschung, Maschinenbau, Informationsgesellschaft, Sicherheitsforschung


Ausschreibungsfrist läuft noch bis Mitte Juli

Durch eine Beihilfeerklärung des für die Forschung zuständigen Bildungsministeriums konnte der Bau schon im März 2011 ausgeschrieben werden. Acht hochauflösende nukleare Magnetresonanzspektrometer von 300 bis 950 MHz als Teile der Ausstattung folgten im Mai. Bewerbungsschluss ist der 18.7.11. Die Ausschreibung umfasst Lieferung, Installation und Inbetriebnahme der optischen Instrumente, eine Garantieverpflichtung auf fünf Jahre und eine ebenfalls fünf Jahre währende kostenlose Aktualisierung der Software.

Eine genaue Dokumentation findet sich auf Tschechisch auf der Website des Projekts ( www.ceitec.cz). Die Ausschreibungen wurden zugleich auf dem tschechischen Portal für öffentliche Ausschreibungen ( www.isvzus.cz/usisvz/) und in der TED-Datenbank der EU veröffentlicht ( http://ted.europa.eu/TED/main/HomePage.do).

Insgesamt sollen auf diese Weise bis 2014 fast 700 spezielle Instrumente und auf die Forschungsanforderungen zugeschnittene Vorrichtungen beschafft werden. Die modernen Labors sollen auf eine Fläche von insgesamt 25.000 qm anwachsen und von fast 600 Wissenschaftlern sowie 1.200 in Forschungsprogrammen eingebundenen Studenten genutzt werden. Sie stehen auch tschechischen und ausländischen Unternehmen offen, von denen erste Anfragen bereits eingegangen sein sollen. Die Erträge aus der kommerziellen Forschung sollen künftig einen Teil der Kosten decken.

Nach Informationen von CEITEC werden die Aktivitäten in sieben Programme unterteilt: Nano- und Mikrotechnologie, fortgeschrittene Materialien, strukturelle Biologie, Genomik und Proteomik von Pflanzensystemen, Molekularmedizin, Gehirn- und Gedächtnisforschung sowie molekulare Veterinärmedizin.

Unter anderem geht es um die Entwicklung von Nanorobotern, selbstreinigenden Anstrichen oder speziellen Hydrogels, die Knochenbrüche zusammenfügen. Management und Gestaltung des Projekts sind an internationalen Standards ausgerichtet. Die interne Arbeitssprache ist Englisch. Internationale Experten sollen bereits Interesse bekundet haben, in CEITEC arbeiten zu wollen.

Auch besteht die Hoffnung, dass eine derart attraktive Forschungsstätte dazu beitragen wird, tschechische Wissenschaftler, die oft im Ausland erfolgreich arbeiten, in die Heimat zurück zu holen oder gute Forscher im Land zu halten.

Finanziert wird das Großprojekt über das Operationelle Programm Forschung und Entwicklung für Innovationen (OP VaVpI), das von dem für F&E zuständigen Ministerium für Bildung, Jugend und Sport koordiniert wird. Mit 2,0 Mrd. Euro an EU-Fördermitteln steht es von der Ausstattung her an vierter Stelle aller Operationellen Programme. Mit Hilfe dieser Mittel wird die Forschungsinfrastruktur Tschechiens technologisch aufgerüstet und inhaltlich in Richtung Wettbewerbsfähigkeit und Anwendungsorientiertheit getrimmt.

Vorerst bis 2014 ergibt sich dadurch ein Nachfrageschub nach Forschungstechnik (Mess-, Prüf- und Präzisionsgeräten, optischen Instrumenten, Labortechnik, aber auch speziellen technologischen und IKT-Lösungen). Diesen sollten besonders deutsche Anbieter für sich nutzen können, da Deutschland für Tschechien das wichtigste Bezugsland ist. So wurde 2010 Mess- und Regeltechnik (SITC 874) im Wert von 827,1 Mio. Euro importiert. Mit 330,8 Mio. Euro kamen 40% aus Deutschland.

Erst mit großem Abstand folgten die USA (77,1 Mio. Euro), Japan (51,2 Mio. Euro) und die VR China (47,9 Mio. Euro).

Vier weitere Großprojekte erhalten noch 2011 grünes Licht

Seit 2010 befindet sich in Tschechien über ein Dutzend regionaler Forschungszentren im Aufbau. Das Bewilligungsprozedere bei den sechs Großprojekten, zu denen CEITEC zählt, dauerte länger, da sie als Europäische Exzellenzzentren von überregionaler Bedeutung sind und durch die Höhe der beantragten Förderung die Europäische Kommission speziell zustimmen muss. Insgesamt geht es bei den sechs Großprojekten um ein Fördervolumen von 21,0 Mrd. Tschechischen Kronen (Kc; über 840 Mio. Euro).

Neben CEITEC steht seit April 2011 auch die Beteiligung Tschechiens an ELI, dem paneuropäischen Projekt für den weltweit leistungsstärksten Laser (Extreme Light Infrastructure) definitiv fest. Das Projekt ist die Folge der Zusammenarbeit von 40 Forschungsinstituten aus 13 Ländern der EU. Mit Ungarn und Rumänien ist die Tschechische Republik bereits 2009 als Standort für drei sich ergänzende High-Tech-Laserzentren ausgewählt worden.

Das Institut für Physik (FZU) der Akademie der Wissenschaften ist in dieser Forschungspartnerschaft für die Erzeugung von hochintensiven Laserstrahlen (High Energy Beam Science) verantwortlich. Über 6,5 Mrd. Kc (260 Mio. Euro) sollen dazu im Nordosten Prags in ein hochspezialisiertes Laserzentrum investiert werden. Für mehr als die Hälfte dieser Summe werden spezielle Technologien und Ausrüstungen gekauft.

Es verbleiben vier Großprojekte, die aber noch 2011 grünes Licht erhalten sollen. Auch in diesen Fällen haben die zuständigen Forschungsinstitute mit den Vorarbeiten und zum Teil mit dem Ausschreibungsprozess bereits begonnen. So hat die Technische Universität Ostrava die erste Phase der Infrastruktur für ein in Tschechien einmaliges Super-Rechnungszentrum ausgeschrieben.

Miriam Neubert
osteuropa@gtai.de

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