

Gesetzliche Frist bis Ende Dezember 2012
Moskau (gtai) - Deutsche Unternehmen in Russland, die viel Energie verbrauchen, haben nur noch ein Jahr Zeit, um ihre Betriebsstätte auf Effizienz zu trimmen. Bis spätestens Ende 2012 müssen sie ein offizielles Energieaudit durchlaufen.
Dieses soll Schwachstellen beim Verbrauch von Strom, Brennstoffen (Öl, Gas, Kohle), Kraftstoff und Wärme offenlegen. Dafür bekommen die Firmen einen Energieausweis, der aber vorerst keine konkreten Folgemaßnahmen erfordert. Investitionen in mehr Effizienz lohnen aber trotzdem.
Das Thema Energieeffizienz geistert seit drei Jahren durch Russland und löste große Erwartungen bei der deutschen Wirtschaft aus. Doch in der Praxis hat sich bislang nicht viel getan. Nur vereinzelt werden Projekte zur Einsparung von Strom und Wärme umgesetzt, ein flächendeckender Ansatz fehlt. "Unsere Hoffnungen haben sich nicht materialisiert", muss auch Michael Harms eingestehen, der Vorstandsvorsitzende der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer.
Dennoch haben die Anstrengungen der russischen Regierung auf dem Gebiet der Energieeffizienz für deutsche Niederlassungen schon heute ganz konkrete Auswirkungen. Bis Ende 2012 müssen alle Unternehmen im Land, die pro Jahr mindestens 10 Mio. Rubel (230.000 Euro, Wechselkurs am 14.10.2011: 1 Euro = 43,02 Rubel) für Energie ausgeben, ein Energieaudit durchlaufen.
Die 10 Mio. Rubel Energiekosten können schnell erreicht sein, denn dazu zählen neben dem elektrischen Strom auch Kraftstoff für den Fuhrpark sowie der Verbrauch von Gas und Wärmeenergie. Konkret sind die Anforderungen im Föderalen Gesetz FS-261 "Über Energieeinsparung und Energieeffizienz" festgeschrieben.
Auditoren müssen bei Berufskammer Mitglied sein
Das Audit durchführen dürfen nur Firmen, die Mitglied in einer Berufskammer (Selbstregulierungsorganisation) für Energieaudits sind. Bis Mitte Mai 2011 hatten sich bereits über 70 solcher Berufskammern in Russland gegründet (Register beim Energieministerium: http://minenergo.gov.ru/activity/energoeffektivnost/audit/sro/).
Der Auditor verschafft sich zunächst einen groben Überblick über das Unternehmen, seine Produktion und den Energieverbrauch. Anschließend erstellt er einen Kostenvoranschlag für die Gesamtprüfung. Während des Audit-Verfahrens werden alle Prozesse innerhalb der Produktion und Verwaltung auf Herz und Nieren geprüft und Energiesparpotenziale ermittelt.
Am Ende steht ein Maßnahmenplan, der genau beschreibt, wie viel Energie durch welche Aktionen mit welchem Finanzaufwand eingespart werden kann. Außerdem bekommt das Unternehmen einen Energiepass, der beim russischen Energieministerium registriert wird. Mit diesem Dokument sind die Anforderungen des Gesetzes FS-261 formell zunächst erfüllt.
Umsetzung der Energiesparmaßnahmen vermutlich nicht vor 2014
"Eine Umsetzung der Maßnahmen ist bislang noch nicht obligatorisch", erklärt Alexander Fadejew, zuständig für Energieaudits beim Moskauer Consulter MSI-FDP-Aval. Er rechnet damit, dass erst ab 2014 die im Zuge des Audits vorgeschlagenen Energiesparmaßnahmen auch tatsächlich umgesetzt werden müssen.
Kosten und Dauer eines Audits können je nach Unternehmensgröße und Produktprofil stark variieren. "In einem Metallurgiekombinat können die Untersuchungen sich über 14 Monate hinziehen. In kleineren Betrieben sind die Auditoren nach zwei Monaten fertig", so Experte Fadejew.
Da es keine vorgeschriebene Gebührenordnung für die Energieaudits gibt, empfiehlt der Consultant auf jeden Fall eine Ausschreibung unter mehreren Anbietern durchzuführen und so das günstigste Angebot zu ermitteln. Wiederum abhängig von der Betriebsgröße kann ein Audit-Verfahren zwischen 600.000 Rubel und 24 Mio. Rubel kosten.
Zweistellige Einsparpotenziale möglich
Unternehmen sollten das Energieaudit als Investition sehen, die ihnen ein konkretes Ergebnis bringt, meint Fadejew. Schon nach kurzer Zeit amortisierten sich die Kosten in den meisten Unternehmen. Das ist wichtig, um besonders russische Firmen zu überzeugen, die in der Regel spätestens in drei bis fünf Jahren ihre Ausgaben wieder eingespielt haben wollen.
Das dies selbst bei hocheffizienten deutschen Fabriken in Russland möglich ist, zeigte das Audit bei einem Fensterprofilhersteller im Gebiet Moskau. Mit Investitionen von nur 2 Mio. Euro ließ sich dort der Energieaufwand um über 460 Tonnen Brennstoffeinheiten pro Jahr senken. Innerhalb von zwei Jahren werden sich diese Ausgaben amortisiert haben.
Ziel sollte die Verbesserung der Konkurrenzfähigkeit sein
"Energieeffizienz ist keine Zwangsmaßnahme, sondern steigert die Konkurrenzfähigkeit eines Unternehmens", erklärte deshalb auch Andrej Borodin von der Moskauer Swjas Engineering. Das Unternehmen stellt unter anderem Leuchtdioden und Elektronik für die Energiebranche her.
Energiesparen dürfe dabei nicht zum Selbstzweck werden. "Einfach die Hälfte der Glühlampen auszuschrauben und dann im Dämmerlicht zu sitzen, spart zwar Strom, senkt aber die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter", so Borodin. Besser sei es, mindestens die gleiche Lichtstärke mit einem geringeren Energieverbrauch zu erreichen, etwa durch Einsatz von LED-Technik.
Der Elektronik-Experte gibt zu, dass dafür langfristige Investitionen notwendig sind, von denen sich russische Unternehmen nur schwer überzeugen lassen.
Dabei könnte Russlands Industrie laut Energieexperte Fadejew pro Jahr 65 Mio. Tonnen Brennstoff-Äquivalent einsparen, wenn sie Energie effizienter einsetzen würde. Die deutschen Unternehmen erfüllen bei ihren Produktionsstätten in Russland zwar bereits hohe Standards hinsichtlich Energieeffizienz. "Dennoch lohnt sich auch für sie ein Audit. Denn ein frischer unabhängiger Blick von außen hilft, unentdeckte Ressourcen freizulegen", so Gerhard Markov, Vizepräsident bei MSI-FDP-Aval in Moskau.
MSI FDP-Aval
(Audit- und Consultingsdienstleistungen)
Vizepräsident: Gerhard Markov
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E-Mail: g_markov@aval.ru, Internet: www.msi-aval.ru