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Chile kauft Medizintechnik fast nur im Ausland

Angekündigte Investitionen kommen nur schleppend voran

Die chilenische Regierung hat sich im Gesundheitssektor viel vorgenommen. Allerdings kommt sie den Versprechen nicht in der vorgesehenen Zeit nach. Die Krankenhausinfrastruktur ist oft mangelhaft. Außer dem Staat erwerben private Betreiber Medizintechnik. Deutsche Lieferanten haben wegen des hervorragenden Images gute Chancen, berücksichtigt zu werden. Die wichtigsten mit Deutschland konkurrierenden Bezugsländer sind die USA und China.

Santiago de Chile (GTAI) - Das Versprechen der aktuellen Regierung unter Präsidentin Michelle Bachelet lautete, den Zugang zur medizinischen Versorgung zu verbessern. Sie hatte bei ihrem Amtsantritt 2014 die größten staatlichen Investitionen in der Geschichte des Landes angekündigt: Etwa 4 Mrd. US$ waren bis zum Ende der Amtsperiode 2018 für den Sektor eingeplant. Bis dahin sollten 20 neue Kliniken fertig sein, 20 weitere sich im Bau befinden und wiederum 20 in den Phasen der Ausschreibung und der technischen Studien. Für die Erst- und Notfallversorgung waren 132 neue Einrichtungen geplant, zudem 100 Gesundheitszentren für Familien und Gemeinden. Allerdings sind zum Jahresbeginn 2017 nur 10 der 20 Krankenhäuser in Betrieb. Von den 100 Familiengesundheitszentren sind 16 eröffnet und weitere 30 im Bau.

In der noch verbleibenden Amtszeit könnte der Bau von Kliniken Impulse setzen und die Nachfrage ankurbeln. Spätestens wenn das Zugpferd der chilenischen Wirtschaft, der Bergbau, anzieht, dürfte die Administration die zum Teil mangelhafte Infrastruktur in Angriff nehmen.

Die Nachfrage nach Medizintechnik war in Chile in den sieben Jahren bis 2015 stark gestiegen. Der Markt hatte 2013 ein Volumen von rund 900 Mio. US$. Für die Jahre danach sind keine Zahlen veröffentlicht worden. Die Zollbehörde meldet, dass 2015 und 2016 keine Produkte exportiert wurden. Der Herstellerkreis ist klein, sodass das Marktvolumen fast der Summe der Importe entspricht.

Deutsche Medizintechnik profitiert vom guten Image

Für einige Lieferanten war 2016 ein schwieriges, für andere noch ein recht ordentliches Jahr. Das lag aber in den meisten Fällen an Aufträgen aus 2015. Üblicherweise gibt das Gesundheitsministerium im November und Dezember einen großen Teil der im Haushalt verbleibenden Mittel frei. Das war 2016 nicht der Fall. Unter den fünf Ministerien mit den umfangreichsten Budgets hatte das Gesundheitsressort im November 2016 den kleinsten Anteil, nämlich nur 44,2%, der geplanten Investitionen getätigt.

Christian Hänel Rossel, Geschäftsführer der chilenischen Firma Tecnigen S.A., geht davon aus, dass der Sektor 2016 rund 30% weniger investiert hat als 2015. Wegen dieser niedrigen Ausgangsbasis könnten die Ausgaben 2017 um bis zu 15% anziehen, falls das Wahljahr einen kleinen Schub mit sich bringt. Im November entscheiden die Chilenen über ein neues Staatsoberhaupt.

Stefano Garbin, Leiter der Siemens Healthcare-Sparte für die Märkte Chile, Peru und Ecuador, erwartet, dass 2018 noch kein gutes, aber immerhin ein besseres Jahr wird. Diese Prognose bezieht sich vor allem auf Medizintechnik (dispositivos medicos). Den Bedarf an einmaligem Gebrauchsmaterial (insumos) schätzt er dagegen als niedriger und zudem als schwerer planbar ein. Die Lieferchancen für deutsche Produkte seien etwas besser als die Gesamtnachfrage. Die Importeure deutscher Marken profitieren vom Image und den bisherigen positiven Erfahrungen mit ihren Produkten.

Private Gesundheitsdienstleistungen zunehmend gefragt

In den letzten Jahren haben die staatlichen Krankenkassen Fonasa (Fondo Nacional de Salud) Zuwachs erfahren: Etwa 80% von insgesamt 16,3 Mio. Versicherten sind Mitglied, während der Anteil der Privatversicherten (Instituciones de Salud Previsional, Isapres) auf etwa 19,5% zurückging.

Die Fonasa kooperieren hauptsächlich mit öffentlichen Krankenhäusern und die Isapres mit privaten Kliniken. Der Verband der Privatkliniken Clinicas de Chile weist darauf hin, dass immer mehr gesetzlich Versicherte Leistungen des Privatsektors in Anspruch nehmen. Viele Privatkliniken behandeln zum Beispiel auch Patienten der Fonasa, sodass die Grenzen oft verwischen. Von 8 Mio. in Privatkliniken behandelten Patienten sind 3,3 Mio. Mitglieder der Isapres und 5 Mio. der Fonasa, die sich für eine Zusatzversicherung entschieden haben. Die Mehrheit der Ärzte (52%) praktiziert im Privatsektor.

Wegen des staatlich garantierten Anspruchs auf Behandlung springt andererseits der öffentliche Sektor bei der Umsetzung des Programms GES (Garantías Explícitas de Salud, vormals "Plan Auge") ein. Dieses beinhaltet eine staatliche Garantie für die Behandlung von zurzeit 80 Krankheitsbildern. Im Oktober 2016 hatten allerdings 36% der Krankenhäuser und Kliniken die notwendige Qualitätsüberprüfung noch nicht bestanden. Die Zertifizierung beinhaltet unter anderem die Zustimmung von Patienten vor riskanten Verfahren.

Es fehlt an Krankenhausbetten

Die Gesundheitsministerin Carmen Castillo verweist darauf, dass bis 2018 mehr als 3.000 Klinikbetten neu geschaffen und über 8.000 modernisiert werden. Obwohl private Einrichtungen aufholen, stellt vor allem der öffentliche Sektor Betten zur Verfügung: knapp 25.000 und damit 66% der etwa 38.000. Seitens des Privatsektors wollen Banmédica, Clínica Las Condes, die Holding Masvida und Bupa (British United Provident Association aus dem Vereinigten Königreich) über 289 Mio. US$ investieren.

Unter den Ländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) steht Chile an zweitletzter Stelle hinsichtlich der Anzahl von Krankenhausbetten pro Tausend Einwohner. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 4,8, der weltweite Durchschnitt bei 2,7 und Chile bei 2,2.

Rahmendaten zum Gesundheitssystem in Chile

Indikator

Wert

Einwohnerzahl (2016 in Mio.)

18,2

Bevölkerungswachstum (2014 in % p.a.)

0,8

Altersstruktur der Bevölkerung (2014)

.Anteil der unter 14-Jährigen (in %)

20,7

.Anteil der über 65-Jährigen (in %)

9,9

Durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt (2015)

81,5

Durchschnittseinkommen (2015 in US$)

693,51

Gesundheitsausgaben pro Kopf (2015 in US$)

1.130

Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP (2016 in %)

8,9

Ärzte/100.000 Einwohner (2015)

170

Zahnärzte/100.000 Einwohner (2017)

120

Krankenhausbetten/100.000 Einwohner (2016)

220

.privat

40

.öffentlich

145

Quellen: Instituto Nacional de Estadísticas, Banco Central de Chile, Weltbank, Berechnungen von Germany Trade & Invest

Die angekündigte Gesundheitsreform verzögert sich. Es gilt als wenig wahrscheinlich, dass sie vor den Präsidentenwahlen im November 2017 verabschiedet wird. Auch mit angedachten Neuerungen bei der Regulierung des Marktzugangs rechnen Beobachter eher 2018 oder später.

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Anne Litzbarski

amerika@gtai.de