05/2014

So begehrt ist Mexiko

Wachstum und Lebensqualität. Die Bajío-Region in Mexikos zentraler Hochebene war die Wiege der nationalen Unabhängigkeitsbewegung. Heute ist sie der dynamischste Industriestandort des Landes.

Wenn Mexiko von neuen Handelsströmen profitiert, heißt das zurzeit häufig: Internationale Firmen investieren in der Bajío-Region in den Bundesstaaten Querétaro, Guanajuato, Jalisco und Aguascalientes. Vor allem die Kfz-Industrie zieht es seit etwa zwei Jahren dorthin. In den zahlreichen neuen Werken und Zulieferbetrieben der Branche entstehen die meisten Arbeitsplätze. Honda, Mazda und Nissan haben neue Fabriken eröffnet. Hinzu kamen Mitte 2014 Ankündigungen von Mercedes-Benz und BMW.

Während Mexikos Sicherheitskrise international weiterhin die meisten Schlagzeilen macht, gilt die Region um die Städte Aguascalientes, León, Santiago de Querétaro und  - etwas außerhalb des Bajío - San Luis Potosí als unproblematisch. Vor allem die Grenzstädte und einige Regionen im Westen des Landes sind in Verruf geraten. Unternehmen setzen auf die Alternative im zentralen Hochland - nicht nur aus Angst vor der Drogenkriminalität, und auch die wachsende Anzahl deutscher Delegationen macht zumindest einen Abstecher in die Region.

Attraktive Großstädte mit altem Kern sind für deutsche Unternehmen für die Zufriedenheit der Führungskräfte wichtig. Das Bajío ist damit reich gesegnet. So bekennt der BMW-Vorstand für Produktion, Harald Krüger, für die Standortwahl San Luis Potosís seien unter anderem die Größe der Stadt, etwa eine Million Einwohner, und der koloniale Charme wichtig gewesen.

Zentrale Lage: Die Bajío-Region | © muehlhausmoers/GTAI Fokus nicht nur auf Kfz-Industrie

Außer der Kfz-Fertigung spielen die Luftfahrtindustrie und die Elektrobranche eine wichtige Rolle in der Region. Der kanadische Flugzeughersteller Bombardier fertigt seit 2006 Teile vor Ort. Die Bundesstaaten entlang der Grenze zu den USA wie Baja California und Chihuahua beherbergen zwar bereits seit den 1970er-Jahren Luftfahrtzulieferer. Querétaro versucht nun aber mit einem umfassenden Clusteransatz die Wertschöpfungstiefe zu verstärken. So verfügt die Stadt über die erste Luftfahrtuniversität des Landes und hat es geschafft, Entwicklungszentren anzusiedeln wie das von General Electric für Turbinen.

Nachfrage aus Nordamerika treibt die Region an

Die Bajío-Region verdankt ihren Erfolg nicht zuletzt der Renaissance Mexikos als verlängerter Werkbank der USA: Steigende Kosten für Löhne und Logistik in Ostasien und die Abwertung des mexikanischen Peso im Zuge der Weltwirtschaftskrise machten das Land als Produktionsstandort immer attraktiver - für die Unternehmen werden die Nähe zum US-Markt und die Vorteile der gemeinsamen Freihandelszone Nafta wieder wichtiger. Hiervon profitierte auch das Bajío. Der Nafta-Highway, die Autobahn 57 in die USA, durchquert die Region, und per Bahn ist sie an Atlantik- und Pazifikhäfen sowie an die USA angebunden.

Die Wirtschaft und der Bevölkerungszustrom wachsen so schnell, dass die Infrastruktur kaum Schritt halten kann. Die Großstädte der Region wie Aguascalientes, León und San Luis Potosí und allen voran die Kolonialstadt Querétaro, deren Altstadt Unesco-Weltkulturerbe ist, nehmen laufend neue Einwohner auf und beginnen unter dem Ansturm zu ächzen.

Schwierig ist auch der Einstieg im eher beschaulichen Guanajuato. Zwar sind Arbeitskosten und Grundstückspreise noch günstig. Doch Infrastruktur und Ausbildung werden dem Investitionszufluss vor allem japanischer Kfz-Hersteller und -Zulieferer noch weniger gerecht als in den größeren Städten. Qualifizierte Mitarbeiter sind im gesamten Bajío ein immer selteneres Gut und müssen von bestehenden Firmen abgeworben werden, was die Lohnspirale für anspruchsvollere Tätigkeiten in die Höhe schraubt. Auch deutsche Unternehmen berichten immer häufiger von Problemen, ihre Mitarbeiter zu halten.

Text: Peter Buerstedde, Germany Trade & Invest Mexiko-Stadt

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Grafik: muehlhausmoers/GTAI

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