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Pressemitteilung
16.04.2019

Wenn ein Wahlzettel nicht ausreicht

Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in Indonesien

Berlin, Jakarta (GTAI) - Eine Mammutwahl, die es so bisher nicht gegeben hat: Gleich fünf unterschiedliche Stimmzettel muss die zur Wahl aufgerufene Bevölkerung Indonesiens am 17. April 2019 ausfüllen. Neben den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen finden gleichzeitig noch Wahlen zur Nationalen Provinzvertretung (136 Abgeordnete), den Provinzparlamenten (2.207 Abgeordnete) sowie den Städten und Kreisen (17.610 Abgeordnete) statt. Präsident Joko Widodo, liegt laut Umfragen mit etwa 60:40 Prozent vor seinem Herausforderer Prabowo Subianto.

„Die Wahlen gelten als weitgehend frei und fair, Unterlegene erkannten in der Vergangenheit ihre Niederlagen an. Gewalttätigkeiten werden nicht erwartet. Für die deutsche Wirtschaft wäre Joko Widodo wohl die bessere Wahl, da sein Herausforderer Prabowo mit nationalistischen Äußerungen und Kritik an Importen aufgefallen ist“, sagt Frank Malerius, Indonesien-Experte bei Germany Trade & Invest (GTAI) in Jakarta. Indonesien ist tatsächlich größtenteils von Importen abhängig: Laut Handelsministerium sind 75 Prozent aller Einfuhren Vorprodukte und 16 Prozent Investitionsgüter. Ohne diesen stetigen Warenzufluss würde die Industrie unmittelbar implodieren. Eine Abschottung wäre nicht hilfreich. Freier Handel könnte in Indonesien enorme wirtschaftliche Potenziale heben, denn das Land liegt noch immer abseits der großen Warenströme. Das Außenhandelsvolumen betrug 2018 nur 370 Milliarden US-Dollar. Das entspricht etwa der Hälfte des Handelsvolumens des Stadtstaates Singapur.

Doch obwohl Globalisierung und Handel in den letzten Jahren zu einem steigenden Wohlstand beigetragen haben, sind Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung die größten sozialen Probleme auf dem Archipel. Knapp 60 Prozent der Arbeitnehmer sind im informellen Sektor tätig und damit oftmals prekär beschäftigt. „Schwache Zahlen bei ausländischen Investitionen haben zudem eine Debatte darüber entfacht, wie offen die heimische Wirtschaft sein soll. Schließlich kommt mit den ausländischen Kapitalzuflüssen Technologie ins Land. Außerdem werden damit dringend benötigte Arbeitsplätze geschaffen“, so Malerius. Indonesien gilt im Vergleich zu anderen ASEAN-Ländern als investitionsfeindlich. Viele Bereiche sind für ausländische Investoren geschlossen, bürokratische Hürden hoch, und die Rechtssicherheit ist gering.

Trotz erschwerter Voraussetzungen hat Indonesien als Handelspartner für deutsche Unternehmen klar an Bedeutung gewonnen: Deutschland lieferte 2018 Waren im Wert von 3,4 Milliarden US-Dollar nach Indonesien. Das ist eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 11,2 Prozent und gegenüber 2016 um 19,8 Prozent. Wichtigstes Exportgut sind weiterhin Maschinen mit einem Lieferwert von fast 1 Milliarde US-Dollar, gefolgt von Produkten der Chemieindustrie sowie Elektrotechnik und Kfz bzw. Kfz-Teilen.

Weitere Informationen zu Indonesien unter: www.gtai.de/indonesien

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