Branchencheck

18.06.2019

Branchencheck - Äthiopien (Mai 2019)

Inhalt

Deutsche Exporteure schlecht im Geschäft / Von Martin Böll

Nairobi (GTAI) - Wie kein anderes Land in Ostafrika kann Äthiopien seine Industrie durch kostengünstige Rahmenbedingungen entwickeln. Das lockt internationale Investoren an.

Maschinenbauindustrie: Aufbau einer lokalen Industrie

Die äthiopische Regierung möchte ihr Land mit Hilfe massiver Infrastrukturinvestitionen, insbesondere mit neuen Transportwegen, einer preiswerten Energieversorgung und neuen Industrieparks, in eine industrielle Liga puschen. Hierzu gehört der Aufbau einer eigenen Maschinenbauindustrie - ein langer Prozess. Die ersten, einfachen Produktionsstätten haben die Fertigung aufgenommen, darunter auch eine Motorenfabrik. Deutschland lieferte 2018 nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes für 77 Millionen Euro Maschinen, Apparate und mechanische Geräte (WA84) nach Äthiopien.

Chemieindustrie: Marktgröße rechtfertigt Importsubstitution

Bislang kann Äthiopien nur einfache chemische Produkte herstellen und bleibt in hohem Maße auf Importe angewiesen (2016: 2,6 Milliarden US-Dollar (US$)). Mittel- bis langfristig wird eine Importsubstitution angestrebt. Erste ausländische Unternehmen zeigen Interesse: So hat die schweizerische Sika AG 2018 eine Produktionsstätte für Bauchemikalien eröffnet. Langfristig wünscht sich Äthiopien auch eine eigene Erdölraffinerie nebst nachgelagerter Chemieindustrie. Im Jahr 2018 hat Deutschland für 37 Millionen Euro chemische Erzeugnisse nach Äthiopien geliefert.

Energiewirtschaft: Aufstieg zu Afrikas größtem Stromexporteur

Mit immer neuen Mega-Kraftwerken möchte Äthiopien zum führenden Stromexporteur Afrikas aufsteigen. In wenigen Jahren sollen die Erzeugungskapazitäten auf 17.000 Megawatt steigen. Schon jetzt hat das Land mit 4.300 Megawatt die größte Wasserkraftwerkskapazität Afrikas am Netz. Aber auch bei Geothermie und Windkraft werden große Potenziale gesehen. Mit ersten Projekten wurde begonnen. An den notwendigen Überlandleitungen wird mit Hochdruck gearbeitet. Verzögerungen sind derweil vorprogrammiert und Äthiopien muss weiter abwarten, bis die ersten Exporterlöse fließen.

Bauwirtschaft: Dienstleistungen auch für deutsche Unternehmen interessant

Äthiopiens Bauwirtschaft gehört zu den weltweit dynamischsten. Der letzte Coup: ein 2-Milliarden-US$ -Immobilienprojekt einer Entwicklergesellschaft aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Wenn das klappt, wäre es ein "Game Changer" für Äthiopien und ein erheblicher Know-how-Gewinn. Zuletzt kamen ausländische Firmen vornehmlich im Infrastrukturbereich zum Zuge, vor allem dann, wenn sie auch die Finanzierung mitbrachten. Für deutsche Unternehmen sind bislang die Bereiche Ingenieur- und Beratungsdienstleistungen interessant.

Weitere Informationen:

Äthiopien will mit Industrieparks ökonomischen Wandel schaffen

http://www.gtai.de/MKT201810228008

Gesundheitswirtschaft: Hoher Nachholbedarf

Die Gesundheitsversorgung in Äthiopien lässt zu wünschen übrig. Das Land verlässt sich bislang auf die großzügige Hilfe internationaler Geber. Arzneimittelhersteller kommen dennoch, um in den neuen Industrieparks zu investieren: Die Produktionskosten sind niedrig, die Ökonomie wächst schnell und die Bevölkerung zählt 110 Millionen Menschen. Deutschland exportierte 2018 für 6,3 Millionen Euro medizinische Geräte (EGW871) nach Äthiopien. Hinzu kamen für 9,2 Millionen Euro pharmazeutische Erzeugnisse (EGW834).

Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei: Investoren winken attraktive Anreize

Die bislang noch vorherrschende Subsistenzlandwirtschaft soll zu einer modernen und produktiven Agrarwirtschaft umgewandelt werden. Im Rahmen einer zehnjährigen Gartenbau-Entwicklungs- und -Vermarktungsstrategie soll die technische Modernisierung des Sektors beschleunigt werden. Dabei geht es in erster Linie darum, die Abhängigkeit von Niederschlägen sowie Ernteverluste zu mindern, die Qualität der Erzeugnisse zu erhöhen und Arbeitsplätze zu schaffen. Privaten Investoren winken Exportanreize, Zollbefreiungen, Steuerfreijahre und günstige Pachtverträge.

Öl/Gas: Gas soll einmal ein Zehntel des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaften

Schon in wenigen Jahren soll Erdgas aus der östlichen Ogaden-Senke über eine noch zu bauende, 700 Kilometer lange Pipeline ins benachbarte Dschibuti gepumpt und dort für den Export verflüssigt werden. Nach den Vorstellungen der äthiopischen Regierung sollen so einmal 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts generiert werden. Bis es soweit ist, müssen internationale Explorationsfirmen erst Millionen-US$-Beträge für aufwendige Probebohrungen ausgeben. Die entsprechende Technik wird vollständig importiert.

Nahrungsmittelindustrie: Weiterverarbeitung vermindert Verluste

Äthiopien ist bemüht, die traditionell hohen Ernteverluste zu reduzieren. Neben Infrastrukturverbesserungen setzt das Land dabei vor allem auf eine Verarbeitung von Feldfrüchten und Fleisch. Ausländische Unternehmen sind eingeladen, sich daran zu beteiligen. Überall im Land entstehen moderne Industrieparks, in denen einschlägige Unternehmen angesiedelt werden. An ausländischem Interesse mangelt es nicht, winkt doch ein Konsumentenmarkt mit 110 Millionen Menschen. Aus Deutschland wurden 2018 für lediglich 6,8 Millionen Euro Maschinen für das Ernährungsgewerbe (EGW848) geliefert.

Textil- und Bekleidungsindustrie: Ambitionierte Industrieentwicklung

Äthiopien ist auf dem Weg, sich als neues Zentrum für die internationale Textil- und Bekleidungsindustrie zu etablieren. Dabei gerät das Land zunehmend in den Blick westlicher Einkäufer, während asiatische und türkische Firmen investieren, um von den günstigen Produktionskosten zu profitieren. Schon bald sollen Exporte von mehr als 1 Milliarde US$ realisiert werden können, ein höchst ehrgeiziges Ziel. Deutsche Unternehmen verkauften 2018 nur für 1,8 Millionen Euro Maschinen für das Textil-, Bekleidungs- und Ledergewerbe (EGW847) an äthiopische Abnehmer.

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Eigene Kfz-Industrie eine Prestigefrage

Äthiopien will eine eigene Automobilindustrie aufbauen und "führender Exporteur auf dem Kontinent" werden. Die südkoreanische Hyundai plant, 10.000 Kfz-Bausätze im Land zusammenzuschrauben. Vor Ort sind bereits einige chinesische Hersteller. Interesse zeigen auch Peugeot und Volkswagen. Äthiopien dürfte mit etwa drei Fahrzeugen auf 1.000 Einwohner eine der geringsten Kfz-Dichten der Welt haben. Die deutschen Exporte von Straßenfahrzeugen (SITC 78) nach Äthiopien beliefen sich 2018 auf 21,0 Millionen Euro.

Nahrungsmittelmarkt: Hohe Abhängigkeit von Importen

Äthiopien bleibt weiterhin auf Nahrungsmittelimporte angewiesen, zuletzt in Höhe von 925 Millionen US$ (2016; SITC-0). Traditionelle Lieferländer sind Indien, Italien und die USA. Gefragt sind vornehmlich Getreide und -erzeugnisse, Zucker, verschiedene genießbare Waren und Zubereitungen sowie Gemüse und Früchte. Deutschland lieferte 2018 für 5,1 Millionen Euro Nahrungsmittel nach Äthiopien - 2015 waren es noch 68,8 Millionen Euro.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Äthiopien finden Sie unter http://www.gtai.de/aethiopien

Dieser Artikel ist relevant für:

Äthiopien Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Textilien, Bekleidung, Leder, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Öl, Gas

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Katrin Weiper

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