Branchencheck

08.07.2019

Branchencheck - Angola (Juni 2019)

Inhalt

Wachsende Beteiligungsmöglichkeiten bei Energie, Bergbau und im Agrarsektor / Von Fausi Najjar

Luanda (GTAI) - Trotz Öffnung der Wirtschaft für private Investitionen bleiben Möglichkeiten beschränkt. Die Finanzausstattung und der Entwicklungsstand sind für ein schnelles Anspringen zu niedrig.

Chemieindustrie: Raffinerievorhaben weiterhin offen

Obwohl Afrikas zweitgrößter Rohölproduzent, kann Angola nur 20 Prozent seines Bedarfs an Kraftstoffen decken. Der Bau der Raffinerien in Lobito (200.000 Barrel pro Tag, Barrel pro Tag) und Soyo (110.000 Barrel pro Tag) wurden gestoppt. Lobito soll bis 2025 umgesetzt werden. Auch die Realisierung von Soyo hat die Regierung versprochen. Ein Konsortium (United Shine und Sonaref) hat Ende 2018 den Zuschlag für den Bau einer Raffinerie in Cabinda (60.000 Barrel pro Tag) bekommen. Eni ist mit der Modernisierung der Raffinierie in Luanda (65.000 bpf) beauftragt. Angola diskutiert mit Russland über den Bau einer Nitrogenanlage.

Energiewirtschaft: Gute Beteiligungsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen

Bis 2025 sollen 60 Prozent der Haushalte (derzeit sind es 37 Prozent) ans Stromnetz angeschlossen werden. Dazu müssen die installierten Kapazitäten um rund 3500 Megawatt (Megawatt) zulegen. Die nächsten großen Vorhaben sind der Bau des Caculo Cabaca-Staudamms (2.170 Megawatt) und der Ausbau des Gaskraftwerkes in Soyo um 500 Megawatt. Zudem sind weitere Wasserkraftwerke (einschließlich Kleinstanlagen) und dezentrale Solarprojekte vorgesehen. Die Aussichten einer besseren Regelung für öffentlich-private Partnerschaften sind gut. Geschäftschancen gibt es außerdem beim Ausbau des Stromnetzes.

Weitere Informationen:

Angola setzt auf Wasserkraft

http://www.gtai.de/MKT201902158006

Bauwirtschaft: Sektor konsolidiert auf niedrigem Stand

Aufgrund knapper Staatskassen ist bei Bauprojekten nur mit verzögerter Umsetzung zu rechnen. Schwerpunkte sind der Hafen- und Schienenbau. Der Wohnungsbau stagniert - abgesehen von einer Satellitenstadt (500 Millionen US-Dollar; US$), mit der die türkische Onsan beauftragt ist. Vertrauensbildend ist die Reduzierung von Außenständen und der Wille, solider zu planen. Der Wiederaufbau nach dem Ende des Bürgerkriegs 2002 sowie hohe Öleinkommen hatten von 2006 bis 2014 für einen beispiellosen Bau-Boom gesorgt, der von horrenden Projektkosten, massiver Korruption und schlechter Qualität geprägt war.

Weitere Informationen:

Hafenprojekte in Angola mit besseren Realisierungschancen

http://www.gtai.de/MKT201903188001

Gesundheitswirtschaft: Vernachlässigter Gesundheitssektor stärker im Fokus

Die Rezession der letzten Jahre hat den im Vergleich zu Ländern mit ähnlichem Einkommen ohnehin unterversorgten Gesundheitssektor in eine schwere Krise gestürzt. Die Regierung ist offensichtlich Willens, gegen die Krise mit größerem Nachdruck vorzugehen. Die anhaltend schwachen Staatseinkommen werden allerdings keine großen Sprünge erlauben. Bedarf gibt es bei Krankenhauskapazitäten, Ärzten, Medikamenten und Impfstoffen. Schwerpunkte sind die Versorgung von Müttern und Neugeborenen sowie die Epidemiologie. Ein Militärkrankenhaus und liegen gebliebene Gesundheitsprojekte werden angeschoben.

Landwirtschaft: Staatliche Farmen sollen privatisiert werden

Im Agrasektor gab es 2017 und 2018 eine Reihe von Investitionsentscheidungen aus dem Ausland (China, Brasilien und Frankreich), die teils auch umgesetzt (Mais, Soja, Gemüse, Obst, und Zucker) wurden. Jetzt will die Regierung staatliche Großfarmen privatisieren. Gegenwärtig sind gerade mal 10 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche bewirtschaftet. Die wichtigsten Gründe: Das Fehlen einer Bauernschaft infolge eines verheerenden Bürgerkriegs (1975 bis 2002) und die mangelnde ländliche Infrastruktur. Die Regierung ist bestrebt die heimische Fischverarbeitung auszubauen.

Bergbau: Abbau von Metallerzen zunehmend interessant

Die Öffnung des Bergbausektors in Kombination mit kaum erschlossenen Vorkommen an Mineralien macht Angola für internationale Investoren zunehmend attraktiv. Zu nennen sind: Mangan, Nickel, Kupfer, Gold, Seltene Erden, Uran und Phosphat. Der Abbau von Gold zieht 2019 an. Explorationsprojekte für Kupfer (Ozango-Projekt), Mangan (Kassala-Kitungoz) und Seltene Erden (Longonjo) sind im Gange. Bislang konzentriert sich der Bergbau auf Diamanten. Die angolanische Endiama und die russischen Alrosa planen bis 2020 die Inbetriebnahme der Luaxe-Diamantenmine für 1 Milliarde US$.

Öl/Gas: Erdölproduktion bleibt voraussichtlich niedrig

Angola strukturiert den staatlichen Energiekonzern Sonangol um und erlässt neue Gesetze, um Investitionen anzuziehen. Wegen jahrelang vernachlässigter Explorationen wird es dennoch dauern bis die Erdölproduktion ansteigt. Eher optimistische Prognosen gehen davon aus, dass sich die Förderung bis 2021 auf niedrige 1,48 Millionen Barrel pro Tag einpendeln wird. Steigende Weltmarktpreise für Erdöl können Explorationen stärker als erwartet fördern. Die Ölförderung in Angola ist überwiegend offshore und aufgrund hoher Kosten stark von den Weltmarktpreisen abhängig.

Weitere Informationen:

Erste Öl- und Gaskonferenz in Angola

http://www.gtai.de/MKT201901168004

Nahrungsmittelindustrie: Mehr Projekte zu erwarten - Umsetzung bleibt schwierig

Die Nahrungsmittelverarbeitung hat Priorität. Bis auf eine Getränkeindustrie ist die Branche noch auf Einzelprojekte beschränkt. Jüngst haben die italienischen Cremonini Gruppe und die in der Schweiz ansässige Webcorgruppe Investitionen (Fleischverarbeitung, Molkereibetriebe und Frischwaren) angekündigt. Hauptprobleme der Industrie sind die hohen Betriebskosten aufgrund hoher Importanteile, eine unzureichende Infrastruktur und fehlende Fachkräfte. Wegen der niedrigen Produktivität stellt die Nutzung der heimischen Landwirtschaft eine große Herausforderung dar.

Metallindustrie: Eine lokale Metallindustrie ist erst im Entstehen

Positiv zu werten, ist der Ausbau des Schienennetzes und eine bessere Stromversorgung. Demgegenüber ist eine chronische Finanzierungsknappheit und ein schwaches Wirtschaftswachstum zu verzeichnen. Das chinesische Unternehmen CITIC hat im Mai ein Werk zur Herstellung von Aluminium-Profilen eröffnet. Geplant ist außerdem ein Schmelzwerk für Aluminiumabfälle. Nach einem Stillstand 2014 soll der Bau eines Eisen-Profilwerks in Huambo fortgesetzt werden. Auch die Eisenhütte Companhia Siderurgica do Cuchi (CSC) soll nach langen Verzögerungen 2019 (96.000 Tonnen Roheisen) in Betrieb gehen.

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Weitere Mobilfunklizenz geplant

Das Mobilfunknetz deckt in Angola gerade mal 12 Prozent der Landesfläche ab. Der Telekommunikationssektor soll für weitere Wettbewerber geöffnet werden. Im April hat der angolanische Präsident eine Lizensausschreibung annuliert und eine neue veranlasst. Unitel und Movicel teilen sich praktisch den Mobilfunk-Markt, da die staatliche Angola Telecom kaum mitmischt. Geplant ist, 55 Prozent der Anteile des Staatsunternehmens zu privatisieren. Bei einer Reihe von Privatisierungsvorhaben ist noch offen, ob sich Käufer finden lassen. Gegenwärtig baut Airbus einen Satelliten für Angola.

Kfz-Markt: Kein Ende der Absatzkrise in Sicht

Der Kfz-Absatz steckt seit 2015 in einer schweren Absatzkrise. Ursache sind neben der schwachen Wirtschaftslage die Abwertung der Landeswährung Kwanza sowie hohe Zinsen. 2019 dürften nicht mehr als 2.000 Kfz verkauft werden. 2014 waren es noch 44.536 Fahrzeuge. Die angolanische Reigerung begrüßt die Montage im Land. Der russische Lkw-Bauer Kamaz, Hyundai und chinesische Produzenten sind in der Diskussion. Dabei geht es vor allem um Beschäftigungseffekte und Symbolpolitik und nur nachrangig um Absatzerwartungen.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Angola finden Sie unter http://www.gtai.de/angola

Dieser Artikel ist relevant für:

Angola Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Metallerzeugung, -verarbeitung, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Öl, Gas

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